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Marburg, Mittwoch, den 17. Juni

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Der Dietz.

Erzählung aus dem Pariser Lebe». (Schluß statt Fortsetzung.)

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die Summe nicht groß war und die Vorbe­reitungen zur Hochzett seine Zett in Anspruch nahmen, so vergaß der reiche Mäkler, für den Augenblick den Kehler in seinen Büchern, in der sicheren Erwartung ihn später zu finden. Auch bat ihn seine Frau, sich nicht durch einen so geringfügigen Umstand in den viel wichtigeren, aus die Berheirathung seiner Tochter bezüglichen Geschäften stören zu lassen. Der Mann sah die Richtigkeit dieser Be­merkungen ein und trug nur Sorge, seinen Kassenbestand in sicherer Verwahrung zu halten. Den Schlussel vertraute er Niemand mehr an, seitdem er von Adolph,» dem jungen Bösewicht, wie er sagte, der einen so unschuldigen Blick hatte, betrogen worden war.

In drei Tagen sollte Julien« Hochzeit staufindm, und Madame Pcrrin war des­halb sehr geschäftig und schien sehr ernst gestimmt zu sein. Dies war jevoch nur natürlich bei einer Muller, welche ihr einziges Kind verlieren sollte. Sie ging sehr häufig aus, um, wie fie sagte, Einkäufe für die Tochter zu machen, und wenn sie nach Hause kam, begab fie sich regelmäßig in ihr eigenes Zimmer. Die letzten drei Nächte konnte fie sogar nicht mehr schlafen. Selbst Nacht«

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nommen werden soll. Die Regieruttg in Posen hat inzwischen die Entscheidung ab­gegeben, daß die Rückgabe der Caulion auf Grund des alten Preßgesetzes nach Ablauf der Frist von 6 Monaten erst zu bewirken sei. Der JustizavSschuß des BundeSrathS hat sich laut Gutachten, zur Berathung des Plans und der-Methode für di« Ausstellung de« Entwurfs eines putschen bürgerlichen Ge­setzbuchs zu folgenden Anträgen geeinigt: Der Bundesrath wolle beschließest 1) die in dem Gutachten der Commission für Plan und Methode welche bei der Aufstellung des Entwurfs zum bürgerlichen Gesetzbuch zu befolgen sind, enthaltenen Ansichten und Vorschläge werden im Allgemeinen gebilligt; 2) die zur Entwerfung des Gesetzbuchs zu berufende Commission soll aus 11 Mitglidern bestehen,welche vom BundeSrach mit Stimmen- mehrheit gewählt jwerd'en. Aus der Zahl derselben wird der Vorsitzende vom Reichs­kanzler ernannt; 3) die Commission hat ihren Sitz in Berlin; 4) die weitere Be­stimmung über Zusammensetzung der bei der Ausstellung des Entwurfs de« deutschen Handelsgesetzbuchs zu beauftragenden Com­mission bleibt Vorbehalten; 5) die Revision der Gesetzgebung über die Actiengesellschaften ist mit der Revision des Handelsgesetzbuchs zu verbinden. Das Handelsrecht soll nach den Vorschlägen des Ausschusses vom Civil- gesetzbuch getrennt ttn Handesgesetzbuch codifi- cirt werden oder bleiben, in Verbindung mit den zugehörigen Materien der Wechselordnung, des Gesetzes über Erwerbs- und Wirth- schastsgenossenschaften, bet Seemannsordnung nebst seerechtl. Einzelgesetzen und Eisenbahn recht, Patent- Marken- und Musterschutz, Bankgesetzen.

15. Juni. Der Handelsminister hat am 11. d. M. den Eisenbahn-Verwaltungen zur Kenntniß gebracht, daß die Erhöhung der Tarife um 20pCt. definitiv am 1. August d. I. eintritt.

Posen, 15 Juni. Das mit Beschlag belegte Vermögen de« ErzbiSthums beträgt eine halbe Million, davon 123,000 Thlr

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um em- Uhr, al« alle anderen Lichter im Hause bereits erloschen waren, konnte man noch durch die dichten rochen Vorhänge in Madame Perrin's Zimmer den schwachen Schein einer Lampe erlernten. Hätte das Auge auch die Vorhänge zu durchdringen vermocht, so würde eS die Dame vor drei oder vier offenen Briefen haben sitzen scheu, deren Inhalt sie eifrig las, dann ausstehen, um an der Thür zu horchen, unruhig hin und her gehen, und dieses einförmige Drei den so lange forrsetzen, bis die Dämmerung am östlichen Himmel heraufzusteigen begann Sobald ihr.geisterbleiches Gesicht den ersten TageSschimmer entdeckte, schien sie von neuer Kraft belebt zu werden, und schritt ent­schlossen zur Ausführung der Absicht, welche sie die ganze Nacht hindurch wach erhalten hatte. Aus einem Kasten zog sie leise und vorsichtig einen Schlüssel hervor, schlich bann an die Tbür, öffnete fie behutsam, mit dem Lichte in der Hand, und nahm ihren Weg ourch den Salon nach dem Comptoir!

In der nächsten Minute stand sie an dem offenen Pulte, wo Gold und Bank­noten vor ihr lagen. Kein Tropfen Blui war in ihrem Gesichte erkennbar, während bie Augen ängstlich nach allen Seiten

haben müffe.

»Versuche efl noch einmal, Neber Perrin," ktwiederle die Frau, während sie gleichgültig eine Stickerei auf dem Knie au«breitete, um

Ergebens, denn e« zeigte sich immer wieder dieselbe Differenz von ungefähr zweitausend sanken. Die Schlüffel hatten seine Tasche vicht verlaffen und et konnte also dieses Dlal nicht bestohlen worden fein. Da jedoch

lich mit den juristischen Vorlagen beim Sun- derraih beschäftigt. Von preußischer Seite ist die Einführung' der Polizeirügegerichte beantragt worden für Vergehen, welche mit einer Geldstrafe bis zu 60 Mark ober 40 Tage Hast zu bestrafen sind. Zur Begrün- dmig ist auf die in vielen Fällen gebotene schleunige Bestrafung hingewiesen worden, da die Wirksamkeit des Strafmittels durch «erzögerung nicht selten abgeschwächt oder illusorisch gemacht wird. Die Frage über

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schauten und die schmalen Finger suchend über den Schatz glitten. Dann begann sie das Geld zu zählen und einen Tyeil da­raus zu entnehmen. Unglückliches Weib! Sie ahnte nicht, daß zwei glühende Augen auf ihr hafteten und jeder Bewegung ihrer Finger folgten, und daß, fobalb fie sich vom Pulte wieder entfernen wollte, zwei eisige Hände chren Arm ergreifen und sie zwingen würden, das Gestohlene wieder herauSzugedeo. TchörichteS Weib! Wie ge­schickt sie das im Pulte zurückbleibende Geld wieder zu ordnen wußte, so daß es schien, als wenn es nie berührt worden wäre und wie sie im Vertrauen aus dte Sicherheit der schon oft verübten That sogar stehen blieb, um die Banknoten zusammen zu legen und in einen Bries zu schließen, den sie bei sich trug.

Und bann? Nun, bann begegneten ihr die Augen, welche fie beobachtet hatten, und zwei in stummer Wulh geballte Fäuste fielen aus ihre Schultern und der Gatte brüllte ihr die Beschuldigung iu'S Ohr. Sie sank stöhnend zu Boden, während Perrin die ganze Fluch seine« Zorne« über sie losließ. Sie hatte das Geld gestohlen und Adolph in das Gesängniß schleppen

Test Adolph'« Veurcheilung hatte Monsieur Penin die Schlüffel zu dem Gelbpulte stete bei sich getragen und auch die Bücher selbst geführt, um sicher zu fein, baß er nicht betrogen und bestohlen werden könne. Deffen ungeachtet sagte er eine« Abend« in Juliens Hegenwart zu seiner Frau, daß eine ihm unerklärliche Differenz zwischen dem wirk­

ausgesetzt" worden. Da« Gesuch macht auf den Widerspruch der gerichtlichen Ent­scheidungen in Bezug auf die Pfarrei Alme aufmerksam, auf Grund deren ungesetzlicher Besetzung der Bischof verurthrilt wurde, während der betreffende Pfarrer in zwei Instanzen von der bezügliche» Anklage frei; gesprochen und als gesetzlich (weil bereits seit dem Jahre 1869) ongestellt betrachtet wurde. Lediglich wegen dieser Pfarrei war die Strafvollstreckung verhängt worden, welche jetzt fistirt ist, bis eine Revision der betreffenden Gerichtsverhandlungen Statt ge­funden hat. Das Strafmandat selbst, welche« solcher Weise sistirt totnbe, hat folgenden Wortlaut:Da die durch das rechtskräftige Erkenniniß vom 15. October v. I. erkannte Geldstrafe von 200 Thalcrn wegen Mangels an Psandobjeeten nicht zu ermächtigen ist, so muß die subftituirte Gefängnißstrase voll­streckt werden. Zur Verbüßung dieser Ge- fängnißstrase haben sich Eure bischöflichen Hochwürden, bei Gefahr der zwangsweisen BorführuW, im vormaligen Jnquisitoriats- Gebäude binnen spätestens acht Tagen ein­zufinden. ii -l jf na >

Köln, 14 Ium. Die Delegirtenver sammlung desDeutschen Vereins für die Rheinprovinz" ist heute durch den Abg. Prosessor Dr. v. Sybel mit einer Rede über den Zweck de« Vereins eröffnet worden. Anwesend waren außer 74 Delegirten, welche 2060 Vereinsmitglieder repräsintirten, viele zu selbstständigen Vereinen gehörend« Mit­glieder. Die Verßnnmlung nahm das pr.ovisonsche Statut des Verein« definitiv an, deffen erster Paragraph als Zweck des Verein« hinstellt:Gegenüber den Tendenzyi der Ultramontanen und der Socialdemokralen für die Verbreitung freisinniger deutscher Gesinnung zu tonten." Ein Antrag, sich an den national-liberalen Verein in Berlin anzuschließen, wurde abgelehnt, da die Ver­hältnisse in der Rheinprovinz wesentlich an­dere seien, al« die in Berlin. Dagegen wurde beschloffen, sich mit dem Berliner Vereine in freundschaftliche Beziehungen zu setzen. Der Plan zur Organisation des Verein« wurde nach ausführlicher DiScussion definitiv festgestellt.

, 15. Juni. Kaiser Wilhelm ist heute Vormittag hier eingetroffen und auf dem Bahnhöfe vom Kaiser von Rußland in herzlicher Weise empfangen worden. Die Begrüßung Seitens der Einwohner und der zahlreich versammelten Kurgäste war eine enthusiastische. Beide Kaiser be­

gaben sich von dem Bahnhofe nach denVier Thürmen".

Eisenach, 11. Juni. In den Tagen vom 9. bis 10. Juni ward der Deutsche Aerztetag hier abgehalten, wobei 76 ärztliche Vereine, mit einer Mitgliederzahl von 5000 Vertreter waren. Der Gegenstand der Be- rathungen bildete die Taxfrage, Anträge an das ReichSkanzleramr wegen der Kurpfuscherei, Verhandlungen mit den Abgeordneten der LebensverficherungSgesellschaften, deren 20 vertreten waren, und mit denen eine Eini­gung bezüglich der Modalitäten bei Aus­stellung wundärztlicher Atteste ftattfand.

Karlsruhe, 15. Juni. Die - zweite Kammer genehmigte heute die Staats- Verträge betreffs der Eisenbahn-Verbin­dungen mit Elsaß-Lothringen, Würtemberg und Heffeu» , .

Ausland.

Wie», 15. Juni. Wie zuverlässig ver­lautet, ist Baron Kuhn aus seine wieder­holte Bitte von dem bisher innegehabten Posten als Reichs-Kriegsminister enthoben und der Statthalter und General der Caval- lerie, Baron Koller, zum Reichs-Kriegsmimster ernannt worden.

Paris 14. Juni. Paris ist vollständig ruhig und die Scenen int Eisenbahnhof von Saint-Lazare werden sich wohl nicht er­neuern. Der bonapartiftische Gaulois ent­hält nämlich für fetne Anhänger folgendes Losungswort:Wir glauben, unsere poli­tischen Freunde und auch die übrigen con- servativen Parteien auffordern zu müssen, sich nicht mehr nach Saint-Lazare zu be­geben, nm der Abfahrt und der Rückkehr anzuwohnen. Die Neugierigen werden auch gut daran ihun, wegzubleiben, um den De­magogen btt Verantwortlichkeit für die Ruhe­störungen zu überlassen, welche in Zukunft dort Statt finden können." Die repnbli- cauische Linke hielt gestern Abend Sitzung. Das von ihr veröffentlichte Sitzungsprolokoll lautet:Die republicanifche Linke versammelte sich gestern Abend unter der Präsidentschaft des Herrn Duclerc, der zuerst einen Bericht über die Vorfälle der Sitzung vom letzten Freitag rnittheiltt. Beim Beginn dieser Sitzung hatten sich die Präsidenten der verschiedenen parlamentarischen Gruppen der Linken und Rechten versammett, um über den Wortlaut einer Interpellation zu beralhen, welche Vie Vorfälle der letzten Tage zum Gegenstände halte. Nach einer zweistündigen Berathung verständigten sich die Mitglieder der Conse» renz über die Formel, welche gerade die ist,

täalick aufter den Werktagen nach Sonn, und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 88 t ®gr durch die Postämter 87 Sgr.

(excl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 88 S«r. Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. vj

/ Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Abreffen werden 2j Sgr. berechnet.

Anzeigen nimmt entgegen: bie (Srpebttien d. Blattes, ,, . sowie die Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M-; Jnvalidendank, A. Rete- v meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Rückgabe der Cautlonen für Zeitungen re. baar und in Werthpapieren, 100,000 Thlr. in Folge de« Reichspreßgesetzes wird gutem Hypotheken, der Rest in unbeweglichem vernehmen durch «inen gemeinschaftlichen Vermögen.

Erlaß der Minister des Innern und der Paderborn, 10. Juni. Der Germania Justiz eine generelle authentische Jnterpre- wird Über eine schon telegraphisch ge- tation erhalten, welche voraussichtlich die meldete Angelegenheit geschrieben: D:: beengen Cautionspflichligen befriedigen Strafvollstreckung gegen den Bischof ist auf »ird, da für die Rückgewährung eine Grund eines Immediatgesuches adeliger llltzere Frist al« die au« dem alten Preß- Damm der Paderborner Diöcese an Se. gesetz hergeleitete von 6 Monaten ange« Mas. den Kaiser und Königvorläufig

M sehen, wie sich da« Muster ausnehme, , »versuche es noch einmal und bet Fehler kvird sich wahrscheinlich frohen".

Perrin blieb an jenem Abende bi« spät M der Nacht sitzen und rechnete unaufhörlich, tun das erwünschte Resultat zu finden, allein

..tiaen nimmt entgegen: < .j, ®r»ebition b. Blatte«, Sgie die Annoncen-Bureaux Lm Th. Dietrich & Co. in Ael und Hannover; Th. Aich m Frankfurt a.M.; ftgafenftem & Vogler rn . SLtfurt a. M., Berlin, Leip- L Cöin rc.; Rudolf Moff, ^Berlin, Frankfurt a. M. rc.

Berlin, 15. Juni. Dir Meldung hjefiger Blätter, daß gestern vor der Abreise M Kaiser« in Babelsberg eine Conseil­sitzung ftattgefunben habe, bestätigt sich nicht. Mehrere Ministet: hatten sich allerdings zum Beitrag nach Babelsberg begeben, aber zur Verabschiedung von Sr. Majestät, und sind un Tafel geladen worden. Der Kaiser tat die Reise nach Em« m erwünschtem Wohlsein angetreten. Der Aufenthalt in Fws soll bi« zum 8. Juli dauern, dann xb Se. Majestät nach .der bis jetzt gc- offenen Disposition sich nach Gastein be- gtben und Ende August nach Berlin resp. Babelsberg zurückkehren. Der Leibarzt Dr. ». Lauer, welcher zur Zeit zur Wicderher- steklüng seiner Gesundheit in der Schweiz verweilt, hofft noch in EmS sich zum Dienst lurMmelben und den Generalarzt Dr. Grimm ablisen zu können. Wie gewöhnlich wird auch jetzt wieder von der Presse die orien­talische Frage al6 Lückenbüßer hervorgesucht und mit irgend einer neuen Wendung auf gewärmt. Die von allen kompetenten Setten bestimmt bemehtirte Sensationsnachricht der ,Augsb. Allgern. Ztg." bot sich bie« Mal al« willkommene Handhabe dar, um der weiteren Eombination wenigstens eine schein­bare Grundlage zu geben; vielleicht hat auch ein bekannter unruhiger Badener Diplomat, dem die Allarmirung der politischen Welt von jeher im klein- wie im großstaatlichen Dienst

-^LebenSbedürfniß gewesen, der Presse den L'erwünschten Dienst geleistet. Der gestern 9 abgehaltene Ministerrath hat sich hauptsäch e «A Ko« iiiriftHApn Vorlaaen beim Bun-