ffr. 1341.
Marburg, Donnerstag, den 11. Juni.
1874t.
Anzeigen nimmt entgegen: tzie Expedition d. Blatte-, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in jtaffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M-, Berlin, Leipzig, Cöln rc.; Rudolf Moss» in Berlin, Frankfurt a. M. rc.
OberhtMe Jätung.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
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ihr Zimmer ein. Adolph gehorchte, aber Julie, ein zartes Wesen, barg die rothge- weinten Augen in den Kissen ihres Bettes, und Perrin ging nach dem Kaffechause, um zu erfahren, wie die Angelegenheiten des alten Mannes ständen und wer am meisten dabei verliere. Adolph überlegte auf dem Spaziergange und faßte den Entschluß, seinen Prinzipal nicht zu verlassen.
Am folgenden Morgen war er früh bei der Arbeit, denn in den letzten Wochen halte er die Contobücher etwas vernachlässigt. Seine Träume von Reichthum halten ihn gestört, allein jetzt waren diese Jllussionen verschwunden und er wollte das Versäumte nachholen. Um sieben Uhr saß er schon an seinem Schreibpulte. Kaum eine Viertelstunde verstrichen, als ein leises Klopfen an die Thür seines Verschlages ihn bei einer sehr schwierigen Rechnung störte. Etwas ärgerlich rief er: „Herein!"
Schüchtern trat Julie Perrin Herein, wünschte ihm guten Morgen und setzte sich in geringer Entfernung nieder. ES kostete ihr augenblicklich große Anstrengung, den nöthigen Muih zu sammeln und dreist und offen mit ihm zu reden, wie es ihre Absicht war. Stumm und verwundert starrte Adolph
von Rußland angeregten Kongresses in Brüssel zur Besprechung von Fragen des Kriegsvölkerrechts um so mehr für gesichert, als nach hierher ergangenen russischen Miltheilungen die gesammte europäische Diplomatie sich beeifcrt haben soll, ihre volle Zustimmung zu dem Projekt des Kaisers Alexander auszusprechen. Dagegen gibt man sich bezüglich der etwa zu erzielenden Re sultate keinen glänzenden Erwartungen hin, ja man hat nach mehrfachen Richtungen, mit aller Vorsicht zwar, aber doch mit Entschiedenheit, Schritte gethan, um vorJllusionen zu warnen. Wenn derartiges von hier aus betrieben worben ist, so läßt sich annehmen, daß man stch dabei auf die reichen Erfahrungen auö dem letzten Kriege gestützt hat, in welchem man sich nur zu oft vor ungeahnten und überraschenden Auslegungen der völkerrechtlichen Fragen befunden hat. Es ist bekannt, daß gleich nach Beendigung des Krieges von oben herab die Anordnung ergangen war, sämmtliche aus den verschiedensten Gebieten der Kriegsführung und der Kriegs- leistung gemachten Erfahrungen zusammenzustellen und Vorschläge zu Verbesserungen zu machen, wo solche irgendwie als wün- schenSwcrth sich gezeigt haben möchten. Es ist auf diese Weise ein ungemein umfangreiches Material gewonnen worden, deffen Prüfung und Sichtung man noch nicht abgeschloffen hat. Diese Arbeiten werden auf dem Brüsseler Kongreß vermuthlich eine sehr große Rolle spielen und derselbe könnte dadurch eine unverhoffte Bedeutung gewinnen, daß durch seine Verhandlungen viele Behauptungen in das rechte Licht träten, welche während deö letzten Krieges in schreiendstem Unrecht den Deutschen über die Behandlung der Gefangenen und Verwundeten der Feinde zum Vorwurf gemacht worden waren. Hierin ist der Grund zu erblicken, auö welchem man hier dem Vorschläge deS Kaisers von Rußland mit ganz besonderer Genugthuung zugestimmt, aber auch gleichzeitig für noch wendig erachtet hat, darauf hinzuweisen, daß vor Allem die Basis der Verständigung zu gewinnen und von dieser aus erst ein Plan zu entwerfen sei, um für die Zukunft wenigstens vor vieldeutigen Bestimmungen deS Kriegsvölkerrechts gesichett zu sein. Die In
struktionen der deutschen Bevollmächtigten werden sich auf das oben erwähnte thatsäch- lichc Material stützen, von welchem übrigens anzunehmen ist, daß cs auch der russischen Regierung nicht unbekannt war, dagegen is zu vermuthen, daß die Behauptung wohl zu weit geht, wonach die deutschen Erfahrungen im letzten Kriege ein Hauptmotiv für die jetzigen Vorschläge Rußlands geliefert hatten. — Die Angaben über den Beschluß der preußischen Regierung, die Mark Rechnung mit, dem 1. Januar 1875 in Preußen ein zuführen, konnte bereits bei ihrem ersten Erscheinen auf die Thatsache zurückgeführt werden, daß es sich nur um eine bezügliche Absicht des Finanzministers handle, worüber die Gutachten seiner College» eingefordert waren. Jetzt erfährt man, daß das land- wirthschastliche Ressort eine eingehende Vorstellung erlassen habe, welche die großen Schwierigkeiten eines solchen Planes darlegt und dringend den Aufschub seiner Ausführung empfiehlt. Unter solchen Umständen wird in Preußen, allem Anschein nach am 1. Januar k I. die Mark-Rechnung noch nicht eingeführt sein..
— Herr Bancroft - DaviS ist zum Gesandten der Vereinigten Staaten in Berlin ernannt und vom Senat in Washington bestätigt worden.
Pofen, ,9. Juni. In Verfolg des vom Oberprästdenten gegebenen Auftrages nimmt heute der Landralh von Pofen den Vermögensstand der erzbischöflichen Diöcese auf.
Hannover, 4. Juni. Die lutherische Pfingstkonferenz, welche gestern eröffnet wurde, gewann ein besonderes Interesse durch den mit großer Spannung erwarteten Vortrag des Superintendenten SieverS aus Nettlingen über „die Folgen der Civilehe ür das ärmliche Handeln der Geistlichen." Sowohl der Vortrag selbst, als die daran sich knüpfende Debatte trug das Gepräge maßvoller Ruhe. Der Referent legte in wohl IV2 stündigem Vortrage mit der ihm eigmen Schärfe und Klarheit den gegenwärngen chwierigen Thatbestand dar, er entwickelte das Wesen der christlichen Ehe auf Grund der Bekenntniffe der maßgebenden Dogma liker und der Kirchenordnungen, wonach die
blickte über die Schultern der vor ihm Stehenden, und erkannte die im Tode erstarrten Züge seines alten Rathgebers. Ein schwarzes seidenes Halstuch, lang gezogen von der Last, die eö getragen hatte, lag neben dem Leichnam und verrieth das traurige Ende des Unglücklichen.
Es war daS erste Mal, daß Adolph einen Selbstmörder sah; er war deshalb furchtbar erschrocken, und seine Zunge eine Zeil lang völlig gelähmt. Die Umstehenden, welche sein Erbleichen bemerkten, schüttelten und fragten ihn, ob er den Leichnam kenne. Allmählig gewann er die Sprache wieder und sagte dann, was er wußte. Inzwischen kamen einige Gensdarmen herbei, die einen Karren holen ließen und den Körper fort- schafftcn. Auch Adolph begab sich nach Hause und überbrachte die traurige Nach richt seinem, Prinzipale, welcher nur kaltblütig darauf bemerkte:
„Ich habe diese Lyoner Papiere zu 46 immer für eine schlechte Spekulation gehalten." 8
Julie Perrin, die Tochter deffelben, war die einzige Person, welche über den Tod
Der Dieb.
Erzählung aus dem Pariser Leben.
(Fortsetzung.)
Adolph hatte unglückliche Weiber in ben Nebenstraßen der Börse weinen, und Andere, mit Rollen von Banknoten in den gierigen Händen, verstohlen ans den Comptoiren der Wechsler schleichen fehen. Die Börse war für ihn die Welt. Sie erschien ihm als der einzige Platz, auf dem ein Mann sich den Weg zum Reich, lhume bahnm konnte. Wie alle Diejenigen, Dit denen er in Berührung kam, verachtete " die Menschen, welche schwere Arbeiten niedrigen Lohn verrichteten. Warum hinter dem Schreibpult verhungern, wenn rr jeden Augenblick mit etwas Kühnheit °urch einen glücklichen Streich zum Millionär Werden konnte? Man hatte ihm zwar ge- *®8t, daß sein Vater gebrochenen Herzens Morben sei und seine petzten LebenStagc !ehr kümmerlich habe fristen müssen; allein «Le, d« jhn gekannt hatten, versicherten, oaB derselbe in der damaligen Speculations- ^uth den Kopf verloren und unvorsichtig ^handelt habe. Ein alter Mann, zu dem ^nin ihn oft mit Wechseln, Briefen und Schelmen Aufträgen schickte, hatte ihm viel t,cn den Mängeln und Fehlem seines Vaters r8 Finanzmann erzählt, aber dies immer entschuldigender Weise gethan, daß er Umälig den Alten lieb gewonnen hatte und *;* gern mit ihm von Börsenangelegenheiten verhielt.
Der arme junge Mensch! Ueberall sammelte er Erfahrungen, überall suchte er Rath. EineS Morgens endlich, als kurz vorher die Renten bedeutend gestiegen waren, und mehrere seiner Bekannten in wenigen Tagen viele tausend Franken gewonnen hatten, beschloß er, seinem Prinzipale den Dienst zu kündigen und ihn am Ende des laufenden Monats zu verlassen. Er wollte für eigene Rechnung arbeiten, nachdem er das innere Getriebe der großen Maschine, der Börse, genügend kennen gelernt zu haben glaubte. Statt zwölfhundert Franken jährlich zu verdienen, wollte er in einem Monat Tausend gewinnen, und überdies sein eigner Herr fein.
Von seinen Plänen träumend, wanderte er am Nachmittage nach dem BoiS de Boulogne. Ohne Plan schlenderte Adolph durch den einsamsten Theil des Gehölzes und dachte darüber nach, waS sein alter Freund zu diesem Entschlüsse sagen, und wie er ihm rathen werde, die zweitausend Franken anzulegen, die er sich in Perrin's Diensten mühsam erspart hatte. Aus diesen Träumereien wurde er durch den Galopp eines PfcrdeS erweckt, welches eine Dame trug, die mit Zügen des Schreckens an ihm vorüber sprengte und durch Gcsticulation zu verstehen gab, daß sich etwas Entsetzliches hinter ihr befinde. Vorwärts eilend, stieß er auf eine Gruppe von Männern und Weibern, welche einen am Boden liegenden Gegenstand umringte». Er trat näher,
Deutsches Reich.
•* Berlin, 9. Juni. Mehrfach ist in Blättern berichtet worden, daß in den Ministerien die Vorarbeiten für den Etat pro 75 mit großem Eifer und Beschleunigung betrieben würden in der Absicht, dies Ma den Etat innerhalb der verfassungsmäßigen Frist, also vor Neujahr, zum Abschluß zu bringen. ES ist jedoch bekannt, daß der Landtag in diesem Jahr gar nicht wieder zusammentreten soll, sondern erst Anfang des kommenden Jahres; demnach kann der Etat innerhalb der verfassungsmäßigen Zeit nicht einmal vorgelegt, viel weniger perfekt werden. Wir haben auch früher schon gemeldet, daß mit Rücksicht auf die abweichend gegen sonst später erfolgende Einberufung deS Landtags auch den Behörden die Frist zur Vorlegung der EtatSvorarbeiten bis Ende August verlängert worden ist, während dieselbe sonst schon für Ende Juni vorgc- schrieben war. Ueber die Ausgaben pro I. Quartal 75 ist ein Gesetz auch schon vereinbart. — Für den 11. Juni wird der BundeSrath eine Plenarsitzung halten. Die Tagesordnung lautet: 1. Mittheilung, die lleberweisung des Postvcrtrags mit Chili an den V. Ausschuß betr.; 2. Vorlegung deS Eisenbahn Polizei-Reglements und einer einheitlichen Ordnung deS Apothekerwesens; 3. Beschlußfassung über die Anträge wegen ärztlicher Untersuchung der militärpflichtigen Deutschen in Rumänien und den Vereinigten Staaten von Nordamerika; 4. Ausschußbericht betr. den vom Reichstag beschlossenen Entwurf eines Gesetzes über die Beurkun Lung des Personenstandes; 5. Anträge der Ausschüsse IV und V betr. die Erhöhung der Eisenbahngütertarife; 6. Bericht beS III. Ausschusses betr. weitere Ausführungsbestim- mungen zur Zolltarif-Novelle; 7. Vorlegung von Eingabm. Die Tagesordnung der Plenarsitzung deS Bundesraths am 16. Juni enthält: Anträge des Ausschusses betreffend Entwürfe des GcrichtSversaffungSgesetzes, der Straf- und Civilprozeßordnung in Verbindung mit dem vom VI. Ausschuß vorzulegenden Entwurf eines Gesetzes, die Einfüh ning der Strafprozeßordnung betreffend.
— I» den hiesigen leitenden Kreisen hält man daS Zustandekommen des vom Kaiser ,
Schließung derselben allerdings ein weltlicher Akt sei, die Kirche aber diesen Bund zu bestätigen und zu weihen habe, weil ihre Glieder ein Verhältniß nicht nur der Leiber, sondern auch der Seelen schließen. Indem der Staat nun in der Civilehe sein weltlich Recht für sich nehme, ignorire er freilich die Kirche, diese aber habe ein gleiches Verfahren zu vermeiden, vielmehr bei ihrem Aufgebot und Trauung auf den staatlichen Act Bezug zu nehmen, wobei noch ins Einzelne gehende Vorschläge angefügt wurden. Der Vortrag faßte sich in fünf Thesen zusammen: 1. Die blos staatliche Eheschließung vernichtet zwar nicht, aber garantirt auch nicht den Charakter der christlichen Ehe. 2. Vor dem Civilact ist die Prüfung der kirchlichen Zulässigkeit der Gemeindeglieder, unmittelbar nach demselben die kirchliche Trauung nöthig. 3. Die Form der Trauung wird nur unwesentlicher Aenderungen bedürfen. 4. Verschmähung der Kirchcnzucht fordert die Kirchenzucht heraus. 5. Die Kirchenzucht wird in der Regel nicht nur bei Versagung der kirchlichen Ehren und Verweigerung des Sakraments stehen bleiben, sondern zur Exkommunikation fortschreiten. In der nun folgenden Debatte wollten Einzelne der Civilehe den Charakter einer wirklichen Ehe bestreiten, doch bewies Pastor Wiltrock in schlagender Weise, daß selbst die Kirchenordnung durch ein förmliches Ver- löbniß die Ehe als begonnen betrachte und andere gewichtige Stimmen wiesen mit Ernst die Mißachtung der Civilehe als eines Konkubinats ab, vielmehr sei es nothwcndig, daß auch ungläubige eine wirkliche Ehe chließen können. — So wird die gefährliche Klippe der Auflehnung gegen das Recht des Staates glücklich vermieden, man erkannte, einstimmig die Gültigkeit der Civilehe an, nur der frühere hannoversche Kultusminister v. Hodenberg protestirte feierlich, „er kenne drei gültige Ehen: die heidnische, die jüdische und die christliche, die Civilehe aber sei nur ein Stück Papier das über ein sündliches Verhältniß gehalten werde." Die Konferenz hatte sich einer ungewöhnlich zahlreichen Be- lheiligung von Geistlichen aller Gegenden der Provinz zu erfreuen.
Schwerin, 8. Juni. Die Verfuchs-
des alten Mannes weinte. Die Mutter erschrack zwar etwas, allein sie war eine Frau, welche sich viel auf ihre philosophische Ruhe einbildete. Sie neth dem jungen Manne, r - • —
.....Sie neth dem jungen „Sie wollen unö verlassen," begann sie am Abend einen Spaziergang zu endlich in leisem, eifrigem Tone, während ma$en,unb sagte ihm, daß der Mensch zwei glühend rothe Flecken auf ihren juaend- allen Begebenheiten im Leben mit Festigkeit lichen Wangen brannten. „Sie wollen uns begegnen müsse. Dann schloß ste sich in verlassen, ich weiß eS, um ein Leben zu