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Marburg, Sonntag, den 7. Juni

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Berhältniß dafielbe wie am 16. Mai. Noch stehen zwölf Ersatzwahlen aus, und die Orleanisten fürchten, daß, wenn dieselben noch unter dem alten Wahlgesetze erfolgen müssen, wiederum die Republikaner und Bonapartisten glänzende Triumphe feiern werden. Die Verhandlungen zwischen den beiden Centren dauern rastlos fort; das rechte Centrum bietet dem linken Einigung an, um das Septennium zu organifiren, aber die moralische Ordnung soll das lei tende Prinzip der Regierung bleiben, und sich zu der Unterstützung dieser Reaction verpflichten, wäre für das linke Centrum die moralische Vernichtung. Die Ultramon­tanen lassen es an Rührigkeit in ihren Blättern wir in der Anordnung neuer Wallfahrerzüge nicht fehlen, um zu zeigen, über welche Schaaren fit zu verfügen haben In der National-Versammlung haben fit es durchgesetzt, daß das Gesetz für den höheren Unterricht auf die Tagesordnung gesetzt wurde, wie es die Generalversamm­lung der Comitös der kacholischen Vereine den anwesenden Deputirten zur Pflicht ge­macht hatte. Thier« hat am 30. Mai eine Denkmünze nebst Adresse von Republicanern und Liberalen des Departements Bauclnse erhalten, und am 3. Mai bei Empfang von Franzosen, die in Peru ansässig find, eine Rede gehalten, worin er-wieder die Roth Wendigkeit predigte, daß nur die Fahne der conservativen Republik das Land wieder heben könne; er glaube an den Frieden, den Europa wünsche. Von der Auflösung der Nalionalversammlung sprach ThierS nicht. Dies ist bezeichnend für die Situation in dem Momente, wo Gambetta für die Auf­lösung eine Rundreise macht. In Bordeaux hat sich eine Gesellschaft gebildet, die mit spanischen Schiffen einen regelmäßigen Dienst mit Brasilien, den La Plata-Staaten und dem Slillen Ozean einrichten will. Am 2. Juni wurde in Paris eine Generalver­sammlung der Suezcanal - Gesellschaft ge halten, welche Lesscps Vollmachten zur Wiedererlangung der Rechte der Gesellschaft ertheilte.

Die erst einige Wochen alte Regierung in Spanien steht keineswegs auf festen Füßen. Sie wird von denjenigen Parteien, welche vergebens einVersöhnungS-Ministerium anstrcbten und nun ohne Vertretung im Ca-

binet sind, heftig befehdet; besonders aber ist der Finanzminister Camacho zur Zielscheibe ouSersehen. Eine lange Lebensdauer kann man dem Ministerium in seiner jetzigen Zu­sammensetzung nicht Voraussagen. Im Norden ist die carlistische Armee zwischen Guipuzcoa und der Umgegend von Estella vertheilt; gegen letztere« scheint der seinen Feldzugs­plan im Dunkel hüllende General Concha seine neuesten Bewegungen zu richten, nach­dem er die großen Recognoscirungen gegen Villareal und Salvatierra ausgeführt. Die Lage deS von den Carlisten unter Ceballos bedrohten San Sebastian ist durch die Lan­dung von 3000 Mann aus Hülfstruppen aus Bilbao gebessert worden, und auch von dem benachbarten Hernani haben sich die Car- listenschaaren zurückgezogen.

Portugal hat wieder eine seiner poli­tischen Größen verloren, indem der Führer der reformistischen Partei, Joaquim Antonio de Aguiar, gestorben ist. Derselbe war Mitglied und mehrmals auch Präsident des Ministeriums. Bon Barreiro, wo er starb, ist die Leiche nach Lissabon übergeführt und dort unter großer Betheiligung des Volkes beerdigt worden. Die liberale Partei hatte bei diesem Anlaß eine große Kundgebung veranstaltet.

Mit dem Anfänge dieses Monats hat das e n g l i sch e Parlament, nach genossenen Pfingstferien, seine Arbeit wieder ausge­nommen. Gleich die erste Sitzung bot zwei ungewöhnliche Zwischenfälle: zuerst mußte O'Donnel, welcher in Folge der Wahlum- trirbe in Galway seines Sitzes verlustig er- llärt worden war und dennoch im Hause erschien, vom Sprecher aus dem SitzungS- aalr verwiesen werden; sodann folgte die E«-theilung eines Verweises durch den Sprecher an einen gewiffen France, der wegen Be­leidigung Sir I. Hay's als Vorsitzender eine« parlamentarischen Ausschusses vor die Schranken deS Hauses geladen worden war, wohl ziemlich unnöthiger Weise. In Dublin ist am Sonntag die katholische Universität int Beisein der irischen Prälaten eröffnet und demheiligen Herzen" gewidmet worden. Aus Melbourne kommt die traurige Nachricht, daß das englische Auswanderer­schiff British Admiral mit nahezu 80 Menschen zu Grunde gegangen ist; nur neun wurden gereitet.

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zwischen Frankreich und Preußen im Vatikan willige Aufnahme fand, ward von Pius IX. Oesterreich versagt; Andrassy hat jedoch seinem Botschafter Auftrag gegeben, der Curie begreiflich zu machen, es sei Pflicht der österreichischen Regierung, Sorge zu tragen, daß den berechtigten Wünschen der Volks­vertretung Rechnung getragen werde. Da am 25. Juni der ungarische Reichstag ge­schlossen werden soll, so ist man eifrig in den Sektionen mit den Gesetzen über die Mittelschulen und die Wahlreform beschäftigt; im Herbst soll dann die wichtige Vorlage der Steuerreform erfolgen, zu welcher im Finanz-Minifterium die Vorarbeiten bereits im Gange sind. Die Ungarn denken indeß zur Zeit mehr an das Wetter, al« an die Politik.

Am 28. Mai sind die beiden Räthe der schweizerischen Bundesversammlung zur Feststellung der Abstimmungsergebnisse vom 12. Mai zusammengetreten und am 29. bereits haben sie die betreffende bundesräth- liche Ausstellung einfach anerkannt und die Lundeörevision darauf als beschlossen und nunmehr al« neues, in Kraft stehendes Grundgesetz anerkannt. Am Montag (1. Juni.) wurde dann die ordentliche Bundes­versammlung eröffnet. Der Nationalrath wählte Feer-Herzog (Aargau) zum Präsi- dcuten; zum Vice-Präsidenten Ruchonnet. Der Ständerath wählte Köchlin (Basel) zum Präsidenten.

Das italienische Parlament beschränkt sich, nachdem die MinisterkristS beseitigt worden, darauf, die geschäftlichen Fragm der Budgets zu erledigen. Die Theilnahme ist eine geringe und viele Deputirte haben Rom bereits verlassen. Ueber den Gesetz- mlwurf betreffend die Landesvertheidigung verhandelt das Ministerium mit den Gene- mlen Menabrea und Cialdini, welcher zu diesem Zwecke nach Rom gekommen ist. Der Cardinal Falcinelli, welcher am 4. Mai den Purpur empfangen hatte, ist am 29. Mai in Folge eines SchlagflufieS gestorben.

In Frankreich hat sich die politische Situation durch Eintritt desGeschäfts- wbinelS" wenig geändert. Die Minister kommen in die Versammlungen, aber sie schweigen; keine Abstimmung macht ihnen Kummer. Bei dem Votum am 30. Mai über die Priorität blieb numerisch da»

Politische W-cheu-Ueterftcht.

Am Beginn der Woche konnte endlich Fürst DiSmarck die ersehnte Ueberstedelung Mh seinem geliebten Varzia auSführen. Ob er sich von dort später in ein Bad be« geben wird und in welches, darüber hat Zuverlässige« bi« jetzt nicht verlautet. In Berlin rüsten sich auch die übrigen Minister zu ihren Sommer-Urlaube«. Dem CultuS- Mütister liegt inzwischen die Ausführung der neuen kirchenpolitischen Gesetze aus der jüngstgeschlossenen Landtagssession. Vor Allem aber hat derselbe nun sür die Ausführung de« Diöcesan - Verwaltungsgesetzes vom 20. Mai d. I. die erforderlichen AuSführungS- Berordnungen zu schaffen, damit endlich dem Grafen LedochowSki seine staatsgerichtliche Amtsentsetzung kund gemacht werden kann Zn Breslau tagte vorige Woche drei Tage die einundzwanzigste Deutsche Allgemeine Lehrerversammlung zum ersten Male unter freundlicher Begünstigung der Staats­regierung. Dieselbe halte die Freude, in ihrer Schlußsitzung am Freitag auf einen an den Fürsten Bismarck gesandten Huldi gnngsgruß die Antwort:Dank den treuen Kampfgenossen!" zu vernehmen. In Baden hat die erste Kammer mit allen gegen drei Stimmen da« Altkatholikengesetz in der Fassung der Zweiten Kammer genehmigt. Dagegen hat am 3. Juni die baierische Kammer der Abgeordneten mit 77 gegen 76 Stimmen eine Beschwerde deS Jesuiten­paters Fugger wegen Versastungsverletzung in Außerachtlassung der baierischen Reservat­rechte durch seine Ausweisung sür begründet erklärt. Indeß wird da« baierische Mini­sterium nicht i« der Lage sein, dem Beschlüsse gegen da« ReichSgesrtz Folge zu geben; der Bundesrach so wenig wie bcr ReichNag würde sich da» gefallen lassen.

In Oesterreich hat man sich viel mit den Instructionen beschäftigt, die der neue NunciuS Jacobmi mitgebracht haben sollte und die daraus hinausgingen, dem Conflict mit der StatSgrwalt möglichst aus dem Wege zu gehen. Die Curie hat dem Kaiser ihren Groll bei den Verhandlungen über die Regelung der bischöflichen Diöcesen zwischen Oesterreich und Preußen, auf welche

baschi die Stätte TrojaS zu finden gemeint. Auf jenem 24 Meter oder 80 Fuß über der Erde erhobenen Plateau von Hissarlik hoffte der Forscher bei feinen Nachgrabungen auf die wahren Reste de« alten Jlium zu stoßen. Denn einen, auf diesem Plateau gelegenen, 8 Meter hohen, 300 Meter langen Hügel, hielt et für dieAkropolis* der Stadt; er zweifelte nicht daran, in dem Schooße diese» Berge» diePergamoS* des PriamoS zu entdecken.

Schon im Beginn seines Unternehmens hatte Schliemann mit nicht geringen Schwierig­keiten beim Ankauf des Grund und Bodens, mit vielen Hindernissen bezüglich der Ein­willigung der türkischen Behörden, der Be­schaffung von Werkzeugen u. s. w. zu kämpfen. Allein mit einer anerkennenSwerlhen Opfer­willigkeit nahm er die Sache auf, und mit seltener Unermüdlichkeit forschte er nach der Lösung seiner Ausgabe. Mit ihm theilte seine Gemahlin, eine Griechin, die Beschwer den und Mühen, die der Aufenthalt in so nnwirthlicher Gegend, bei fast unausgesetzt stürmischem Wetter und höchst unvollkom­mener Wohnung unter einer rohen Bevölke­rung mit sich brachte. Er hatte ganz er­staunliche Trümmermaff« zn bewältigen, die

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Trojanische «iterthnmer.

Da« große, herrliche Heldengedicht der Griechen, dieJliade", spielt in einer so entfernten Zeit und mit so viel Sage und Mythe verwoben, daß un« bei dem Mangel wirklich historischer Quellen alle Anhalt« punkte fehlen, um die Zuverlässigkeit be­stimmen zu können, an welcher Stelle da» besungene Troja, jene unglückliche Stadt be« Königs Priamos, lag, deren Belagerung, nach des Dichter«Bericht", von 100,000 Griechen begonnen, zehnjährige Kämpfe und schließlich den völligen Untergang deS tro­janischen Reich» zur Folge hatte. Homer 'Hte offenbar seiner schönen Dichtung vom $«*6 der schönen Helma an bi» zu ben ^wzelkSmpfen zwischen Griechen und Tro­janern eine Reihe alter Sagen zu Grunde, und seine topographischen Schilderungen »nd gewiß zum großen Theil ersonnen. Auch Eunnten schon die eiten Geographen nicht a>ehr mit Sicherheit angeben, welchen Platz zeftörte Jlium oder Troja ein ein- nchut. So sehr war jede Spur ge- $®unben.

mit dem leichteren Gewichte auch größere Beweglichkeit besitzt. Ferner genießt man die Muskeln be« ersten FußpaareS, das mächtig mtwickelt und in Scheerm umge- wandelt ist, während die andern vier Fuß­paare fünf Fußpaare find ja, ohne mit tiefer Bemerkung die beleidigende Zumuthung einer Nichckmntniß des Flußkrebse« verbin­den zu wollen, mit ein charakteristisches Merkmal befietben gegenüber den achtsüßigen

Der Flußkrebs und feie» verwandte,.

(Schluß.)

Für jene, welchen daran kidgt, zu wissen, wa« denn eigentlich vom Krebse genossen

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wird, fügen wir noch hinzu, daß eS vor ~ allem die Muskeln des Schwanzes sind, welche uns so sehr munden, wobei wir noch einmal die Mahnung wegen Beseitigung des Darme« wiederholen; warum aber gerade der Schwanztheil mit einer so kräftigen Muskulatur ausgestattet ist, wird aus feiner Bestimmung, dem Ärebfe bei feinen Bewe­gungen im Wasser al« Ruder zu dienen, sofort klar; zugleich bemerken wir, daß man aus der schwerfälligen Art und Weise, in welcher der Kreb« auf unserem Küchentische einherhumpelt, durchaus nicht einen Schluß auf seine Bewegungen im Wasser ziehen dürfe; daß letztere bei weitem raschere bestimmtere sind, dafür sorgt einmal, schon gesagt, die muskulöse Schwanz bann der jedermann bekannte Umstand, jeder Körper in einer Flüssigkeit um so leichter wird, als das Gewicht der von verdrängten Flüssigkeitsmenge beträgt ..... somit auch der Krebs in feinem Elemente

«nxetaen nimmt entgegen: 2 SmMtion d. Blatte», rLie die Annoncen-Bureauk L Th. Dietrich & Co. m Szsicl und Hannover; Th. Dietrich in Frank^rt a. M ; ftaafettftein & Vogler « Lntffurt a- M., Berlin, Leip- OMnn.; Rudolf Moss« in JSetlin, Frankfurt a. M. rc.

' das Abgeordnetenhaus gedrungen hatte, ge­zeigt. Dieser Wunsch, der in Betreff einer gleichen Regelung der bischöflichen Diöcesen

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Da unternahm es ein aus Mecklenburg Lkbürtiger Gelehrter, Dr. Heinrich Schlie­r',kann, der früher in Petersburg Kaufmann IJ* und nunmehr in Athen lebt, den Platz aufzusuchen und durch Ausgrabungen Neste des alten Troja aus jenen unge­heueren Schuttanhäufungen, au« welchen ein

in der trojanischen Ebene gelegener Bergler in der Zeit von drei Jahren (1871 bi« Namens Hifiarlik besteht, an« Licht zu 173) mit Hülfe von 120 150 Arbeitern fördern. Bi« dahin hatte man meist auf I durchsenkte, Schicht für Schicht hinweg- den abseits gelegenen Höhen von Bunar- räumend.

Ein schöner Erfolg hat das Werk gekrönt, besten Fortgang in den weitesten Kreisen bedeutende« Aufsehen machte. Schliemann war nunmehr im Stande, die interessantesten Ergebniste feiner Untersuchungen der wissen­schaftlichen und gebildeten Welt vorzulegm. *) Der 60 Meter lange Canal, den er nach und nach durch den Berg von Hiflarlik trieb, durchschnitt fünf Schichten von Resten ver­schiedener alter Bevölkerungen.Eine solche Trümmeranhäufung," berichtet Schliemann, Hal man bisher noch nirgends in der Welt gefunden, außer hin und wieder in den kleinen Festenthälern von Jerusalem!" E« sind mehr als hunderttausend Gegenstände, die allmählig zu Tage gefördert wurden.

*)Trojanische AlterthHnwr. Bericht über die Ausgrabungen in Troja." Leipzig, in Commission bei F. A. Brockhaus 1874.Atlas trojanischer Alterthürner." Photographische Abbildungen zu diesem Bericht. 218 phologr. Tafeln mit erklä­rendem Text; ebendaselbst.

(Schluß folgt.)

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von <8. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M; Jnvalidendank, A. Rete- meijer in Berlin; Carl Schliß» ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

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