Mr. 128.
JRacßutg, Donnerstag, den 4. Juni.
1874.
«„zeigen nimmt entgegen: Z Spedition d. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux wn Th. Dietrich & Co. in Aaffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Laasenstein & Vogler in Frankfurt a. M, Berlin, Leip- ziq, Köln rc.; Rudolf Stoff« in Berlin, Frankfurt a. M. rc.
OhwhWht Jrilmui.
Anzeigen nimmt entgegen: dir Expedition d. Blattet, sowie die Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche- Buchhandlung in Frankfurt q. M.; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schußler in Hannover; C-Schlotte in Bremen-
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Deutsches Keich.
Berlir», 2. Juni. Es ist, als ob die migewöhnliche Hitze alle bösen Geister ent- ffffelt hätte, schreibt die „Nat. Ztg." Zu dem Gerücht von einer deutschen oder preußischen Thronkandidatur für Spanen ist nun noch das andere getreten, Fürst Bismarck gehe darauf auS, den 1867 betreffs der Neutralität Luxemburgs geschloffenen europäischen Garantievertrag zu annulliren und das genannte Großherzogthum mit dem deutschen Reiche zu vereinigen. Man geht sogar soweit- den Kaiser von Rußland in die Sache hineinzuzichen und erzählt, daß derselbe bei seiner jüngsten Anwesenheit in Loudon die englischen Staatsmänner von dem Plan des Fürsten Bismarck sondirt habe, wobei er, wie hinzugesügt wird, überall aus kühle Ablehnung gestoßen sei. Um dem Unsinn die Krone aufzusetzen, wird die Er. ktärung, welche Lord Derby im englischen Oberhause seinerzeit auf die Interpellation Loro Russell« abgegeben hat, nachträglich dahin interpretirt, daß dieselbe eine entschie- dcne Abweisung des deutschen Planes auf Luxemburg habe sein sollen. Auch die „Jndcp. Belge" erklärt, daß die Ausstreuungen Nicht die Ehre verdienten, ernst behandelt zu werden. Fürst Bismarck, sagt das Blatt treffend, habe sich bisher noch niemals Don Quixote zu seinem Vorbilde auSersehen ge habt und einem deutschen Prinzen nach dem Mißerfolge deS Königs Amadeo «in Verlangen nach dem spanischen Throne zutrauen, wäre einfach lächerlich. Die Neutralität Luxemburgs anlangend, so hält das belgische Blatt dieselbe sehr richtig auch zum Vorteile Deutschlands konstimirt, und eS sucht eit unS den Ursprung aller dieser albernen Gerüchte nur in den Umtrieben der Parteien, welche Spanien, Deutschland und Frankreich spalten und welche äußere AbleitungSmittel zu schaffen suchen, um dadurch bester den Ersolg ihrer Parteibestrebungen zu sichern.
— 2. Juni. Die „Nordd. Allg. Ztg " reproducirt die Bemerkungen der „Jndcp
Beige", daß eS sich nicht verlohne, solche Gerüchte, wie über die neue Candidatur in Spanien und das Attentat gegen die Neutralität Luxemburgs zu dementiren, daß die Neutralität Luxemburgs ganz zum Vortheile Deutschlands gereiche und daß Fürst Bismarck niemals Don Quixote zum Vorbilde genommen habe. Das Blatt sagt, sie habe dem Nichts hinzuzufügen.
— Zur Ausführung des ReichS-Jmpfge- setzes ist von dem Kultusminister die Errichtung von Provinzial-Jmpfanstalten angeordnet worden. Dieselben haben den Zweck, die zur Vornahme von Schutzpocken- Jmpfungen berechtigten Medizinalpersonen der Provinz Preußen unentgeltlich mit frischer Lymphe zu versehen, und wistentschaftliche Untersuchungen auf dem Gebiete der Schutz pocken-Jmpfung vorzunehmen, resp. zu fördern. Dir Dirigenten dieser Anstalten werden vom Kultusminister direkt ernannt.
— Der russischerseits vorgeschlagene internationale Eongreß über die Frage des Kriegsvölkerrechts wird am 27. Juli (15. Juli alten Stils) in Brüssel unter der Betheiligung der europäischen Regierungen und auf Grund des vom Fürsten Gortscha kow entworfenen Programms zusammentreten. Wie man der „Augsburger Allgem. Ztg." mittheilt, würden sich die theilnehmenden Regierungen durch je zwei Bevollmächtigte vertreten lasten, von denen einer Militär, der andere ein Diplomat sein würde, welcher milden völkerrechtlichen Angelegenheiten besonders betraut ist. Der Kongreß soll sich nach dem, was bisher verlautete, mit der Vereinbarung internationaler Grundsätze des Kriegsvölkerrechts beschäftigen, und zwar, wie aus inneren Gründen anzunehmen ist, auf Grund einer Denkschrift, in welcher die Vorschläge der russischen Regierung formulirt sind. Die Angabe der „Jndep. Beige", daß der Gegenstand der Congreßarbeiten lediglich die Ausarbeitung eines auf die Kriegsgefangenen bezüglichen internationalen Reglements sein solle, läßt fast vermuthen, daß Fürst Gort-
Ueder die Dünen.
(Fortsetzung.)
Mürrstch erklärte Henry, daß er allein reiten wolle und gewiß zeitig genug die Stadt erreichen werde, um seine Briese zu schreiben und noch im Caffeehause eine Cigarre zu rauchen, ehe wir anlangten. Er wollte durchaus aus keinen Rath hören, obgleich auch mehrere alte bretagnesche Fischer in die wiederholten Warnungen der Gesellschaft einftimmten.
„Auf dem Gottesacker von Kervaen," sagte ein alter silbenhaariger Seemann, liegen vkle gute Christen begraben, aber fast noch mehr schlummern in ungewister Erde unter den Dünen. Auch steigt jetzt bie Fluth schon wieder und der Wind bläst m Westen".
Oh, oh, es ist sündlich, die Vorsehung auf solche Weise zu versuchen", rief ein 88d6, das sich bis an sein Pferd drängte. »Um der Mutter Gottes willen, hören Sir auf die Warnung der Armen, gnädiger Herri"
Hilton zuckte nur die Achseln, gab eine ßutmüthig spottende Antwort und zog den ®urt seines Pferdes fester an, welches unruhig wiehernd den Boden stampfte.
„Henry", sagte meine Schwester, welche ssst jetzt unruhig zu werden begann, mit bittenden Blicken, „Henry, um meinet-- willen —’
®S war zu spät. Hätte Emma früher gesprochen, so würde ihr Einfluß ohne Zwkifel den Sieg davon getragen haben; Eein jetzt war Hilton durch so viel Wider- wruch zu sehr gereizt worden, um seinen Plan aufgeben zu können. Wie erwähnt, dffaß er viel Kühnheit und scheute nichts
ÄS den leisesten Schein von Furcht.
Jetzt zurückzutreten, nachdem ihm allerhand Gefahren vorgespiegelt worden, war seinem stolzen Sinne unmöglich. Dennoch zauderte er einen Augenblick, als er in Emma's Augen Thränen schwimmen sah. Aber unglücklicher Weise begann in demselben Moment einer der normännischen Kutscher in dem näselnden Tone seiner Provinz die Warnung zu wiederholen, und selbst Emma'« Thränen verloren dann ihre Wirkung auf ihn. Aerger- lich befahl im Hilton, welcher mit dem Satteln deS Pferde« fertig war, den Mund zu hatten, ergriff die Zügel und sagte nur noch, indem er meiner Schwester mit der Hand einen Abschiedsgruß zuwarf, „daß die Gesellschaft sich zu viel unnöthige Mühe um eine so unbedeutende Person, wie er sei, gegeben habe, aber daß sie Alle gewiß herzlich lachen würden, wenn sie ihn später wohlbehalten in AvrancheS anträfen." Nach diesen Worten sprengte er davon, erreichte da« MeereSufer und schlug den Weg über die Dünen ein. Zweimal blickte er nach un« zurück und machte eine scherzhafte Handbewegung, worauf ein vorspringender Hügel ihn unseren Blicken entzog.
„Folge ihm, Georg, folge ihm!" flehte mich Emma an, mit Mühe ihre Thränen unterdrückend, allein ich weigerte mich entschieden, denn der Versuch, ihn auf seinem schnellfüßigen Pferde einzuholen, würde nutz lo« gewesen sein, wenn auch der Weg ganz gefahrlos gewesm wäre. In der letzteren Beziehung war ich jedoch nicht ohne Bedenken , und obgleich ich die warnenden Schilderungen der Leute keineswegs als un bedingt wahr annahm, so wünschte ich doch von Herzen, daß er diesen abenteuerlichen Streich unterlassen hätte.
schakow aus praktischen Rücksichten das ursprüngliche umfastende Programm in dieser Weise beschränkt habe. Die Frage: wer als Kriegsgefangener zu betrachten sei, hat ja im Laufe de« letzten Krieges zu mancherlei Diskussionen geführt, welche eine bestimmtere Definition diese« Begriffes im allseitigen Interesse als wünschenSwerth erscheinen lassen. — Im Uebrigen können wir uns nur der Meinung der „Allg. Ztg." anschließen, daß von den Beschlüssen de« Congreste« nur dann ein praktischer Fortschritt des geltenden Völkerrechts zu erwarten sei, wenn dieselbm sich daraus beschränken, die im Allgemeinen als Regel betrachteten Usancen festzusetzen und als verbindliche Norm hinzustcllen. Gerade die Erfahrungen des letzten Krieges haben bewiesen, daß darüber hinauSgehende Vereinbarungen in Kriegsfällen die Probe nicht bestehen. — UebrigenS scheinen hinsichtlich des Kreises der Regierungen, welche an dem Brüsseler Congreste theilnehmen sollen, die Akten ebenfalls noch Nicht ge schloffen zu fein; es wird sich fragen, ob die Betheiligung nur auf die Großmächte beschränkt werden muß.
Paderborn, 2. Juni. Der Ober Präsideut der Provinz Westphalen hat verfügt , daß die von den Professoren der Theologie Oswald, Evelt, Bade und Backhaus im UniverfitätSgebäude gegenwärtig inne gehabten Wohnungen demnächst zu räumen sind.
Weimar, 1. Juni. Heute hüt in Eisenach die Conferenz der Abgeordneten der zur deutschen evangelffchcn Kirchen- Conferenz verbundenen Kirchenregierungen begonnen. Wir behalten unS vor, weitere Mittheilungen über die Berathungen zu bringen. — Der thüringische Städteverem hat beantragt, daß in den thüringischen Ländern ein gemeinsames Gesetz über die Soiintagsfeier erlassen werde. Seitens der Geistlichen des Herzogthurn« Coburg sind, wie die „Dorfztg." mittheilt, in Veranlassung davon in einem Rundschreiben die hier
her gehörigen wünschenswerthen Punkte zu- sammengestellt worden.
Darmstadt, 2. Juni. Die Abgeordnetenkammer nahm heute die Wahlen der dem Großherzog in Vorschlag zu bringenden Candidaten für die erledigte Präsidentschaft vor. Es erhielten Scriba 38, Obergerichtsrath Görz 33 und Ober-AppellationSrath Becker 31 Stimmen. Alle drei Candivaten gehören der Fortschrittspartei an. Die Gesetzvorlage, nach welcher Beamte und Pensionäre bei Verlust ihres GehaltS oder ihrer Pension nicht mehr in den Aufsichtsrath von Actiengefcllfchaften eintreten dürfen, wurde mit einem Zusätze Wedekind's angenommen, welcher bestimmt, daß vom 1. Jan. 1876 die Fortsetzung derartiger bestehender Verhältnisse aushören müste.
Karlsruhe, 2. Juni. Die erste Kammer hat in ihrer heutigen Sitzung das Alt- katholikengesetz mit allen gegen 3 Stimmen m der Fassung der zweiten Kammer angenommen.
Mattgart, 30. Mai. Während der Pfingstfesttage fanden an sehr vielen Orten unseres Landes, bei den verschiedenen Veteranen- oder Kriegervereinen Fahnenweihen statt. Von verschiedenen politischen Parteien aus, wurden wiederholt Anstrengungen gemacht, Einfluß aus diese Vereine zu gewinnen, namentlich bemühten sich die Ultramontanen und die Volkspartei diese weitverzweigten Vereine in ihr Fahrwasser zu bringen. So sollte insbesondere verhindert werden, daß die würtembergijchen Vereine dem deutschen Kriegerbunde beitreten. Au einzelnen wenigen Orten mag es vielleicht dem katholischen Stadtpfarrer ober sonst einer hervorragenden Persönlichkeit gelungen sein, seine reichsfeindlichen Ideen auch dem jungen Verein cinzupflanzen; die bei weitem meisten unserer Vereine aber wollen prinzipiell keine Partei-Politik treiben und beabsichtigen nur durch die Feier der großen Gedenktage die Liebe und Treue zu Kaffer und Reich zu pflegen und zu stets erneuertem
Wir fuhren im scharfen Trabe ab, um dem widerlichen Krächzen der bretagnischen Bauen, zu entgehen, deren unglückliche Prophezeiungen einen sehr trüben Eindruck auf meine Schwester machten. Da unser kleiner Korbwagen viel leichter war als die größeren Kutschen, und da Emma gern so schnell als möglich Avranches erreichen wollte, um sich Gewißheit darüber zu verschaffen, daß ihr Bräutigam dort wohlbehalten eingetroffm sei, so fuhr ich schnell und ließ bald die anderen Wagen hinter uns zurück, nur von den Knaben auf ihren Ponuy'S begleitet, welche sich, unzufrieden über das gemessene elterliche Verbot, Hilton auf seinem gefährlichen Ritte zu begleiten, von diesen Wagen entfernt hielten.
Nachdem wir Kervaen verlaffen hatten, lies der Weg eine Zeit lang vom Ufer ab und mehr in da« Land hinein, wo wir keine Aussicht auf da« Meer hatten, aber bald kehrte er an die Küste zurück, schlängelte sich durch die kleinen Sandhügel und lief über schmale Brück, n, unter denen kleine Bäche der-See zuflossen. Links lag das weite Meer mit den Dünen, in deren fernem Hintergründe das Fort St. Michel und selbst Avranches sichtbar wurde; aber Hilton war nirgends zu sehen. Es wunderte mich jedoch nicht, weil die Straße so viele Windungen hatte und häufige Sandhügel die Aussicht so versperrten, daß uns nur der zunächst belegene Theil des Strandes sichtbar wurde.
Emma befand sich in heftiger Aufregung, obgleich sie alle Kraft aufbot, um ihre Angst zu verbergen, und stand fortwährend aufrecht irn Wagen, ben Blick auf die Sanddünen richtend, über die sich hier und dort schon die Schatten des Abends zu breiten begannen.
Die Sonne sank und der Wind erhob sich. Die weißen Wolken am Horizont wurden dicker und dunkler, bis sie allmählig den Himmel ganz bedeckten. Ich begann auch unruhig zu werden, aber mußte, mit Rücksicht aus Emma, so heiter als möglich erscheinen, obgleich sich bereits die untrüg i ich en Zeichen eines nahenden Sturmes erkennen ließen. Der Wind, ans Westen kommend, nahm von Minute zu Minute an Heftigkeit zu, riß die welken Blätter von den Bäumen herab und heulte klagend in dem Schilf deS einsamen Ufers. Ich schaute auf das Meer hinaus und glaubte in weiter Ferne die dunkelblaue Linie der herannahenden Fluth zu erkennen, die von Moment zu Moment dem Ufer näher kam und sich ungehindert über die ebenen Dünen ergoß.
„Wo mag nur Henry fein? Ich kann ihn nicht sehen. O Georg, hilf mir suchen, Deine Augen sind schärfer als die meinigen!" sagte Emma, indem sie von Neuem zitternd «ufftanb, um mit angstvollen Blicken die gelbe Ebene zu überfliegen.
»Ich sehr nichts," erwiderte ich. „Doch halt — dort in der Ferne ist ein dunkler Gegenstand! Aber eS kann unmöglich ein Reiter fein, denn er ist zu klein und dem Waffer so nahe, wie kein Mensch sich wagen würde, wenn die Fluth mit solcher Schnelligkeit herandrängt. Wahrscheinlich ist eS irgend ein Seevogel, den der Sturm verschlagen hat,"
„Also kommt ein Sturm?" fragte Emma mit bleichen Lippen und dem Ausdruck solcher Todesangst, daß ich mir wegen meiner unbedachten Aenßerung die Zunge hätte ab« beißen mögen.
(Fortsetzung folgt.)