Marburg, Mittwoch, de« 3. Juni
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1874
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„Ich hab' wirklich die Herrlichkeit Gottes Äüffi geschaut, grab' in den Himmel hineingesehen," H«
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die wenigen Bewohner, denm die Flucht ge-
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Antlitz des Mofis, als er vom Berge Sinai Na."
Verspätung von mehr als 8 Tagen die Hälfte der Fracht zu vergüten ist. Bei Eil- gut tritt bei einer Verspätung von mehr als 12 Stunden eine gleichmäßige Vergütung, und zwar bis zu 24 Stunden t/4, bis zu zu 3 Tagen von Vs, über 3 Tagen von 1/2 der Fracht ein. Für den Fall, daß ein höherer Schade nachgewiesen wird, bleibt es bei den bisherigen Bestimmungen, wonach dieser Schade, wenn die Versäumniß nicht mehr als 24 Stunden beträgt, zum Betrage der halben Fracht, bei längerer Ver- säumniß bis zum Betrage der ganzen Fracht, und wenn das Interesse an der rechtzeitigen Lieferung gegen Zahlung einer Gebühr von Einem pro Mille an der vorgeschriebenen Stelle des Frachtbriefes in Buchstaben decla- rirt ist, bis zum Betrage der versicherten Summe von der Eisenbahn zu vergüten ist. Also auch wenn das Interesse an der rechtzeitigen Lieferfrist versichert ist, kann die versicherte Summe nicht — wie im Publikum in der Regel irrig vorausgesetzt wird — ohne den Nachweis, daß durch die Verspätung ein Nachtheil erwachsen ist, gefordert werden.
Pot-bam, 1. Juni. Die Konfirmation des ältesten Sohnes des Kronprinzen ist, so weit bis jetzt Bestimmungen getroffen, auf den 1. September d. I. festgesetzt; über einen Besuch der Königin von England bei diesem Anlaß steht nichts fest.
Bremen, 31. Mai. Es sind nun die Eintrittspreise für die internationale land- wirthschaftliche AuSstellnng festgesetzt. Sie betragen am Sonnabend, den 13. Juni, 10 Mark (er ist hier der Preis so hoch angesetzt, damit den Preisrichtern die Ausübung ihres Amte» durch Maffenbesuch nicht zu erschwert werde), Sonntag, den 14. Juni, 2 Mark, an den Tagen vom 15. bis 20. Juni 3 Mark, am Sonntag, den 21. Juni, 1 Mark. Persönliche Eintrittskarten für die Dauer der Ausstellung kosten 12 Mark für eine Dame und 20 Mark für einen Herrn. Eine Karte mit 8 Coupons zu achtmaligem Besuche von beliebigen Personen kostet 20 Mark. Für eine Karte zur Tribüne auf dem Ausstellungsplatze zur Berechtigung für einen numerirten Sitz am Tage der PrciSvertheilung 6 Mark, in den Pavillons der Tribüne 10 Mark, ein Sitz-
kümmcre ich mich nicht drum, mir wollt'« dennoch das Herz abdrücken, als Du eS damals ein Bischm arg triebst. Denk', wie mir da werden mußte, als ich hörte und sah, daß Du, statt ein wüster Bursch zu werden, wie es doch den Anschein gehabt, so brav Dich zeigtest, das Herz so auf dem rechten Fleck hattest. Wären mir Flügel gewachsen, die mich über all das Leid und die Sorge der Wett hinweg in dm sonnigen blauen Himmel hinauftrugen, ich hält' nicht froher sein mögm. Mir war's, als müßte ich fortan zeitlebens Gott für die geschenkte Freude preisen, wenn mein ganzes ferneres
Präsidien angewiesen, über Entscheidungen der Behörden in wichtigen Fragen des öffentlichen Rechts dem Ministerium Kennt niß zu geben, und wird diese« in geeigneten Fällen die Veröffentlichung solcher Entscheidungen veranlassen.
— Der BundeSrath hielt am Sonnabend Nachmittag 1 Uhr eine Plenarsitzung unter dem Vorsitz des Präsidenten des ReichS- kanzleramtS Staatsminister Delbrück. ES erfolgte die formelle Entgegennahme der Vorlage, betreffend das zwischen den Post- veewaltunaen Deutschlands und Ostindiens abgeschlossene Uebereinkommen wegen des Austausches von Briefpostsendungen, die Mittheilung betreffend die erfolgte Ueber- weisung der Vorlage wegen Zulassung che- maliger Marine Offiziere als Seeschiffer rc. auf deutschen Kauffahrteischiffen an die Ausschüsse. Der Antrag Mecklenburg-Schwerins, betreffend die Vollstreckung von Freiheits strafen gegen zur Entlassung kommende Militärpersonen durch die bürgerlichen Be Hörden wurde den Ausschüssen überwiesen. Dann folgten Miltheilungen über eine Meinungsverschiedenheit wegen der staatlichen Besteuerung von Einkommen aus dem Gewerbebetriebe, über die Einrichtung eines dritten Senat» bei dem Reichs-OberhandelS- gericht, und über di« ärztliche Prüfung ver in Amerika lebenden militairpflichtigen Deutschen. Den Hauptgegenftand der Sitzung bildete endlich der vielach erwähnte Bericht des Justizausschusses, betreffend den vom Reichstage beschlossenen Entwurf eines Gesetzes über die Beurkundung des Personen standeS. Der BundeSrath beschloß in Gemäßheit des AuSschußantragcS Ablehnung des Reichstagsantrages und Aufforderung an den Reichskanzler, eine den Gegenstand betreffmde Vorlage zu machen. Derselbe Ausschuß berichtete über die Abänderungen zum Entwurf eines Auslieferungsvertrages mit Belgien. Der BundeSrath erklärte sich mit diesen Abänderungen einverstanden. Schließlich erfolgte die Vorlegung von Eingaben.
— Der Montags-Ztg. geht aus sicherer Quelle die Nachricht zu, daß Fürst Bismarck in Varzin drei Wochen bleiben und dann bestimmt zur Kur nach Kissingen gehen wird. Der König von Baiern hat bezüglich der
Verbannung grgeffen hatten, heimkehrten, sich an der Stätte, wo ihre Wiege gestanden, wieder anfiedeln durften. Aber ineinander und miteinander unsagbar glücklich waren Diether und Bärbel Hartmann dennoch. Und wenn der Ernst des Lebens und der Zeit ihm sein düstres Gepräge aufdrücken wollte, so war sie e«, deren unversiegbarer Frohsinn seine gefurchte Stirn glättete und ihm, wie ihrer ganzen Umgebung, das Dasein sonnig erheiterte. Ebenso reichte ein Wort, ja ein Blick von ihr hin, seine auflodernde Heftigkeit, die er stets ablegen wollte, aber
ihre Stagen noch in Thränen schwammen und statt ihn zn schelten, erwiderte sie seine
Aufmerksamkeiten, Stellung der Equipagen rc., welche er dem Fürsten für dessen Aufenthalt in Kissingen anbot und die der Fürst dankend ablehnen zu müssen glaubte, jetzt in freundlicher Weise erklärt, daß er auf diese Ablehnung keine Rücksicht nehmen könne. — Der von dem Fürsten Gortschakoff in Vorschlag gebrachte internationale Kongreß zur Feststellung des Kriegsvölkerrechts wird (der Spen. Ztg. zufolge) auch von Deutschland beschickt werden. — Das Gerücht, daß in Ems eine Dreikaiserzusammenkunst stattfinden werde, wird als unbegründet bezeichnet. Aus Wien wird in diese Beziehung offiziös tele- graphirt: Die Nachricht von einer erneuten Dreikaiserzusammmenkunft in EmS hat keine faktische Unterlage; es haben zwischen dem österreichischen, deutschen und russischen Kaiser keinerlei Verabredungen und auch, wie versichert wird, keinerlei auf eine solche Absicht schließen lassende Korrespondenzen stattgefunden.
— Ein großer Theil der Beschwerden, auf welche vom Reichs-Eisenbahn-Amt Entscheidung getroffen ist, bezieht sich auf die von den Eisenbahnen für Frachtgut einzuhaltenden Lieferfristen und auf die Folgen versäumter Lieferfrist. Während bisher das Publikum außer Stande war, die Lieferfrist zu berechnen, ist in Folge jener Beschwerden in dem am 1. Juli d. I. in Kraft tretenden Betriebs - Reglement angeordnet, daß diese Frist für gewöhnliches Frachtgut bei Entfernungen bis zu 30 Meilen höchstens 4 Tage, bis zu 60 Meilen 6 Tage, bis zu 90 Meilen 8 Tage und so fort für je angefangene 30 Meilen 2 Tage mehr, für Eilgut aber die Hälfte dieser Zeit betragen solle, so daß künftig Jedermann leicht berechnen kann, binnen welcher Frist das Gut am Bestimmungsorte eintreffen muß. Nur wenn das Gut den Rhein da, wo eine Eisenbahnbrücke fehlt, oder die Verbindungsbahnen in Berlin, Leipzig rc. passirt, wird ein Tag zugerechnet. Auch bezüglich der von den Eisenbahnen bei Ueberschreitung der Lieferzeit zu leistenden Entschädigung hat das neue Reglement die dem Publikum günstige Bestimmung getroffen, daß ohne Nachweis eines Schadens von der Eisenbahn, wenn die Verspätung mehr als 1 Tag beträgt, bis zu 3 Tagen V« der Fracht, bis zu 8 Tagen i,'z und bei einer
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Diether hätte vor ihr niederstürzen und sich nie mehr von den Knieen erheben mögen. Allein seine frische, gesunde, aller Empfindelei abgewandte Natur machte das lieber innerlich ab und seiner Überquellendm Glückselig, feit in anderer Weise Luft. Laut aufjauchzend umfaßte er fein Mädchen und schwang eS wirbelnd im lustigstm Dreher umher, bs ihm, was ziemlich lange dauerte, der Athem auSgiug. Und Bärbel lachte dazu, obgleich
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie bte Annoncen-Bureaux von G. L. Daube Co. in Frankfurt a. M.; Jager'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M-; Jnvalidendank, A. Metern eper in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C- Schlotte in Bremen.
atte sie ihm so, wie sie früher gewesen, „ganz unmenschlich" gefallm — diese Ver- änderung mißfiel ihm selbstverständlich durchaus nicht. Viel seltsamer war'S und doch auch wieder ganz natürlich, daß sie fortan ein Etwas an ihm auszusetzen fand, daß Alles, was er that oder wollte, ihr recht, gut und schön erschien, gerade so, wie daS früher ihr gegenüber bei ihm der Fall gewesen. Zwar kamen nicht nur schwere Tage über sie, sondern Jahre, lange Jahre voll Heimweh in bet Fremde und Drangsal in der Heimath. Noch viele Jahre währte dieser mit beispielloser Hätte geführte Ktteg und da» ganze Land war eine Wüste, als
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Deutsches Reich.
•• Berlin, 1. Juni. Di« französische Presse ist durch den Artikel der „Nordd. Aüg. Ztg." über die neutrale Stellung Belgiens und die in Belgien zunehmende Erkenntaiß von dem Interesse Deutschlands an Sicherung dieser Neutralität gegen eventuelle Pläne Frankreichs lebhaft erregt worden. Echauffement hat aber die gute Wirkung, daß man den Verdacht des Neutralltäts- brucheS entschieden abzuwälzen sucht und von Versicherung der mtschiedensten Friedensliebe überströmt. Französische Blätter behaupten, von einer Gefährdung der Neutralität Belgien- könne so wenig dir Rede sein, wie von dem Gedanken an einen Revanchekrieg Frankreichs gegen Deutschland. Die „Poft" und die „Nordd. Allg. Ztg." legen gleichzeitig dieser Erklärung eine Zwei- deuiigkeit unter, da nach Allem was man bisher in Frankreich gesprochen und geschrieben hat, der Gedanke an den Revanche krieg den Franzosen nicht so fern liegt oder wenigstens bis jetzt gelegen hat. — Auf Anregung deS Reichskanzlers hat daö Staats- Ministerium den Ressortministern empfohlen, Berfügung treffen zu wollen, daß in allen amtlichen Schriftstücken die Bezeichnung des Absenders und möglichst auch des Gegenstandes der bttreffenden Schriftstücke in der oberen linken Eck« zu leichterer Uebersicht
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«meUen nimmt entgegen: * (toebitie* d. Blatte», ^"bUannoncen.Sureaur
Th. Dietrich & Co. m Md und Hannover; Th. dich »n Frankfurt a. M., Xjafenftein & Vogler in Sjurta. M-, Berlin, Lew- 2? Mn rc.; Rudolf Moff« ^Berlin, Frankfurt a. M. rc.
äneftettengen auf die „Ebert. Zeitung" D für den Monat Juni werden von «len Postanstalten «ud von der Expedition t, Marburg angenommen.
beigefügt »erbe. — Seit Einführung ber Auf desi»rung des Diensteinkommens der activeu Staatsbeamte gehen in großer Zahl auch von Pensionären Gesuche um entsprechende H ^Verbesserung ihrer Pension ein, welche der " gesetzlichen Begründung entbehren und deß
wegen Berücksichtigung nicht finden können. In Erwägung jedoch der thatsächllch vielfach vorhandenen dürftigen Lage bet Pensionäre ist in dem Etat pro 1874 ein Fonds zur
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nie ganz ablegen konnte, zu dämpfen. So paßen denn der Käskönig und Ellrich's Bärbel doch ganz vorzüglich für aneinander — besser, als vielleicht jemals ein Paar, von dem Jedermann behauptet hatte, es fei eigens für einander geschaffen.
Denn der KäSkönig blieb Diether Hartmann zeitlebens im Munde feiner Freunde und Landsleute. Die nächsten Jahre nach dem Aufbau der Stadt dachte man nicht an diese Pfingstfeier, und dann kam wieder der spanische Erbfolgekrieg, in dem das schöne Rheinland gleichfalls schwer geschädigt wurde. AIS man endlich das Fest in alter Weise beging, hieß der jede Pfingsten neugewählte Bursche der neue Käskönig, Diether aber schlechtweg der Käskönig, selbst als sein Enkel zu dieser Würde erkoren wurde.
Die Marquise tröstete sich bald — wozu in Versailles ja Gelegenheit genug vorhanden. Sie behielt aber eine lebhafte Abneigung gegen die Deutschen und Deutschland, besuchte zeftlebenS nicht mehr ihre Güter im Reich; jenes Schloß war ihr ohnehin nicht geblieben, weil das BlieSthal beim Friedens- schluß nicht an Frankreich fiel. Ditther sah und hötte nie wieder etwas von ihr.
Wohl aber hatte er, ohne zu wissen, daß eS ihr gehörte, ihr Geld, dm Schatz aus dm Ruinm der Abtei Limburg, gehoben. Es half ihm die schrecklichen Kriege überdauern und die verwüsteten Grundstücke
-Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quattal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 22j Sgr., durch die Postämter 27 Kar («xcl. Bestellgebühr und mcl- Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. — Jnsertiousgedühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr.
Für in der Expedition zu ettheilcnde Auskunft und Annahme von Adressen werden 21 Sgr. berechnet.
geben auch nur ein einziger Wehetag fein taugen, die bisher da- bittere Brod der sollte. Und nun — und nun — ihre Stimm« brach in Thränen, „bin ich noch
Unterstützung würdiger bedürftiger Pensionäre jur Verfügung gestellt worden, und haben die betreffenden Behörden Anweisung erhal- ten, miet Ermittelung der Verhältnisse bei BvrkAmg von UnterstützungS Gesuchen sachlich begriinbete Vorschläge beizufügen. — Der Minister deS Innern hat die RegierungS- 1 9.
- D« ÄiStinig.
Novelle von M. v. Roskowska.
(Schluß.)
Diether suchte und sand sie. Und als er m überströmender Freude, Alles vergessmd, »e» in der letzten Zeit zwischm sie getteten war, mit offenen Armen auf sie zusprang, möchete sie zwar tief, wehrte ihn ober nicht ab, sondern lehnte, in Freudenthränen aus brechend, den Kopf an seine Schulter.
„Ich hatte Unrecht damals — beim SSS- kch und später, Ditther, verzieh mirl" flüsterte fc. „Mein Sinn war zu hochfahrend und Nchthaberisch."
Die anders ihn das berührte, als die Dtte ber Marquise um Verzeihung! Ganz iffchrockm tief er: „Nein, nein, liebe» Herz, *«< fällt Dir denn um GotteSwillen ein? 3ch — ich und mein Leichtsinn, mein liebet- mein — waS weiß ich? «ar Schuld
Ich habe dafür gebüßt und danke ®ett, daß er mich zur Erkenntmß brachte so gnädig strafte. Dich möcht ich ^cht um ein Tüpfelchen anders, hab' Dich ?*abt s 0 unmenschlich lieb. Luch weiß $ nun ja, warum Du mich nicht mehr 'Rundlich ansehm mochtest und sogar die Men Blumm, die ich Dir auf» Fenster- !**& legte, verwelken ließest; — nur daS j$ne sag' mir ehrlich: warum warst an dem
Tage, als ich von Hause mußt', 6er= ^ugt, als hättest Du in den Himmel selbst schaut? So leuchtend denk ich mir das