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Marburg, Sonnabend, den 30. Mai.

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mich nie mit einer einlaffen mögen, die, sei'S auch um meinetwillen, Scham und Sitte, deutsche Scham und Sitte aus den Augen setzen mocht'. Im Uebrigen aber habt noch­mals Dank für Eure gute Meinung und Fürsorge.*

auöschusses, Lehrer Sturm, die Festgenossen mit herzlichen Worten begrüßt hatte und Unter Leitung des Bürgerschuldirektors Ber- thelt aus Dresden das Präsidium für die Hauptversammlungen in den Herren Schul­rath Th. Hoffmann aus Hamburg, Lehrer Sturm aus Breslau, und Berthelt auS Dresden gewählt worden war, wurde heute Vormittag um 91/2 Uhr die erste Haupt­versammlung in dem großen Schießwerder­garten mit einer Begrüßung derselben durch Oberbürgermeister von Forckenbeck eröffnet. Breslau werde der Versammlung das nicht gewähren können, waS andere größere Städte, Berlin, Wien, Hamburg gewähren konnten, aber in Einem, worauf es im Wesentlichen ankomme, in dem Herzen für die deutsche Schule, in dem durch die That bekräftigten Erkennen, wie die Geschicke deS Volkes davon abhängen, daß die Schule ihre Aufgabe erfülle, stehe unsere Stadt keiner anderen Stadt nach. Der kgl. Schul- und Regie­rungsrath Rancke begrüßt hierauf die Ver­sammlung im Auftrage der kgl. Regierung in längerer Rede. Die Versammlung be­stätigte sodann die in der Vorvcrsammlung gefaßten Beschlüffe, worauf Schulrath Hoff­mann aus Hamburg einen Vortrag hält „über die nothwendigen Bedingungen für eine fernere glückliche Entwickelung des deutschen DolkSschulwesens." Er befürwortet die Annahme folgender Thesen: 1) Gründ­liche Lehrerbildung, würdige Stellung der Lehrer, allgemeine richtige Würdigung des Lehrerberufes sind das erste Erforderniß für das Gedeihen der Schule. 2) Das Vereinsleben der Lehrer muß sich fortschreitend enwickeln und ausbreiten sowohl zu ideellen, als auch zu materiellen Zwecken. 3) Die allgemeine Schulpflicht ist im Jntereffe der Jugend ein Gegenstand der Reichsgesetzgebung und unnachsichtig durchzuführen. 4) Die öffent­lichen, d. h. die Staats- und bürgerlichen Gemeindcschulen sind in Bezug auf Konfession nicht zu trennen. 5) Um den Anforderungen der Zeit gewachsen zu bleiben und um eine wirksame Verbindung zwischen Schule und Familie herbeizuführen, ist neben der fach­kundigen Leitung eine sorgfältige Schulpflege herzustellen. — In der Diskussion stellt Schuldirektor Heinrich aus Prag den Antrag, in These 1 hinter dem Worte „des Lehrer-

sagt, daß spätestens bis Ausgang 1875 die deutsche Panzer- und Schlachtenflotte die demnächst für dieselbe in Aussicht genommene Stärke von 8 Panzer - Fregatten erreichen wird und außerdem, wahrscheinlich noch vor Abschluß dieses Jahres, auch der Zuwachs einer Panzer-Korvette für dieselbe zu er­warten ist. Auch die deutsche Schraubcn- flotte wird bis zu dem gleichen Termin eine Steigerung ihrer Schiffszahl noch um zwei Glattdecks. Korvetten erfahren, und besitzt demnach Deutschland die begründete Aussicht, sich von diesem Zeitpunkt ab auch auf -der See in einem wenigstens annähernd der jetzigen deutschen Machtstellung entsprechenden Berhältniß vertreten zu finden.

— Die Königin von England wird sich den bisherigen Dispositionen nach, nicht nach Petersburg begeben, dagegm wird dieselbe im Monat August an dem hiesigen Hofe zur Konfirmation des ältesten Sohnes des Kronprinzen erwartet.

— 28. Mai. Heute Vormittag fandm in der HedwigS-Kirche die Exequien für den verstorbenen v. Mallinckrodt statt. Der Sarg war vor dem Hochaltar aufgebahrt, von brennenden Kerzen umgeben. Rechts und links des Katafalks standen viele Mit glieder der CentrumS-Fraction, namentlich beide Reichenfperger und Windthorst, außer­dem waren Löwe, Dunker, Lasker, und Ziegler in der Kirche, die auch sonst zahl- reich gefüllt war. Das Requiem celebrirte der geistliche Rath Müller. Heute Abend wird die Leiche in aller Stille nach West­falen befördert, um in der Familiengruft beigesetzt zu werden. Mit der Familie wird nur der Abg. Windthorst (Meppen) die sterb liche Hülle des Freundes zur letzten Ruhe­stätte geleiten.

Bre-la«, 27. Mai. Die Versammlung deutscher Lehrer sandte während deS heutigen Festmahles unter stürmischer Begeisterung einen telegraphischen Gruß an Se. Maj. den Kaiser. Auch an den Fürsten BiSmarck und den Cultusminister Dr. Falk wurden begrüßende Telegramme gesandt.

— Den telegraphischen Nachrichten über die 21. allgemeine deutsche Lehrerversammlung lassen wir noch folgenden Bericht über die erste Sitzung folgen: Nachdem in der Vorversammlung der Vorsitzende des Orts­

an, mit all Eurer Macht und Heimtücke, allein oder mit Helfershelfern — ich lache Eurer. Bin, Gottlob, keinS unsrer armen Weiber, die Eure guten Freunde zwingen konnten, ihren nichtswürdigen Lüsten zu dienen. Und das ist eine Frau — 0 pfui! Ihre Mutter war ein ehrliches, deutsches Weib und fie redet unsere Sprachei — O meine Mutter unter ihr deutschen Mädchen und Frauen alle, vergebt mir, daß ich bis­her noch nicht wußte, wie hohe Ehre ihr verdient! Wenn ich an Eine von Euch künftig nur denke, will ich in meinem Herzen immer vor ihr auf den Knieen liegen. O Du, die ich durch meinen Leichtsinn schwer kränkte —"

Die feurige Anrufung Bärbel'S schnitt die Marquise, schnell gefaßt, ab. „Ich meinte es ja nicht so —I Großer Gott — wie könnt Ihr denn nur denken, voraussetzen —? Diether, das hab' ich nicht um Euch ver­dient.*

Er hatte sich unmuthig auf den Seffel geworfen, murmelte:

„Nun ja, das ist ein andrer Ton! Mit einem ähnlichen schmeichelte wohl Delila, oder wie das Weibsstück hieß, dem Simson das Geheimniß seiner Mannheit ab. Gott bewahr' mich, und Du, lieb Bärbel!"

Er hatte wohl Ursache sein Mädchen an- zurufen. Die Marquise, einsehend, daß sie einen Fehler begangen, indem sie sich zur Heftigkeit hinreißen ließ, scheute vor nichts

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche« Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler m Hannover; C. Schlotte in Bremen.

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Er fühlte, daß er weitersprechen muffe. „Warum mir der kuriose Brauch nicht ge fällt? Auch darum, Frau Marquise, weil eine Frauensperson, die Einem von freien Stücken gestand, sie habe ihn gern, das gar bald auch einem Andern sagen könnte, oder doch möchte, also kein Verlaß auf sie ist. Und darin ist Unsereins heikel. Haltens nicht mit den vornehmen Herrschaften, wo'S manchmal mit der Treue nicht allzu genau genommen werden soll. Hab' gehött, bei den Welschen sei'S ander« als bei uns, bin aber, Gottlob, kein Wälscher. Wie man die, die man lieb hat, vor Gott und Men­schen und für alle Zeiten zu eigen haben, also zu seinem Eheweibe nehmen will —"

„Zum Eheweibe!" fuhr Renee nun doch aus. „Aber Diether, das ginge nun und nimmermehr. Dir ganze Welt wäre ja außer sich und der König gestattete nicht eine —.*

Das war den doch zu deutlich, um miß­verstanden zu werden. Die Marquise erhob sich ungestüm. „Mensch, Ihr redet noch im Fieber, bedenkt nicht, daß Ihr Euch — um Euren HalS reden könnt. Auf einen Wink von mir, ja wenn ich nur meine Hand von Euch abziehe, feig Ihr ein Kind des Todes! Begreift Ihr nicht, daß meine Neigung verschmähen, für mich tödliche Be­leidigung ist? Daß der Mund, der der­gleichen nur anzudeuten wagte, auf ewig verstummen muß?"

Oho, bläst der Wind au« dem Loche?" lachte Diether mit seinem alten Uebermuth. »Nur zu, Unsereins läßt sich so leicht nicht umwehen!" Da sie in maßlosem Zorn, mit ihren Drohungen fortfahren wollte, richtete er sich auf und erhob seine Stimme zu wahrem Donnerlauten. „Still! Wo beim Teufel ist's denn erhött, daß ein WeibSbild einem Mann etwa« abzwingt und gar, daß er sie gern haben soll? Meint Ihr, mich zu schrecken? Kommt an, kommt

Deutsches «eich.

« Berlin, 28. Mai. Wenn man sich heute vergegenwärtigt, welcher Aufwand von Petitionen, Erklärungen und Agitation s. Z. namentlich von Seiten der Ultraconservativen gegen di« neue Kreisordnung in Scene ge­fitzt wurde, ist eS besonders erfreulich, von kompetenter Seite zu hören, daß bei der fortschreitenden Ausführung der früher an- gckündigle Widerstand ziemlich allgemein befferer Erkenntniß und verständnißvollem Entgegenkommen gewichen ist. Der Er- fahrungSsatz: „grau, theurer Freund, ist alle Theorie!" scheint sich auch in dieser Frage zu begegnen. Einrichtungen, die auf da« praktische StaatSbedürfniß gegründet find, und nicht vom einseitigen Parteiftand- punkt aus, sondern von allgemeiner viel- fettiger Erfahrung und richtiger Beurteilung der Verhältnisse ihre Begründung herleiten, haben die Kraft in sich, den Widerstand de« PesstmiSmuS und SonderintereffeS zu brechen, sie find der steigenden Anerkennung und Unterstützung sicher in dem Berhältniß, al« sie praktisch sich dem allgemeinen Vet- ständniß näher bringen. — Die neue Or­ganisation der nationalliberalen Partei be gegnet selbstverständlich bei don extremen Parteien rechts und link« nicht der wohl «ollendsten Aufnahme; die Consolidirung einer großen, als breite und sichere Basis der Regierungspolitik dienenden Mittelpartei muß ein Stein des Anstoßes sein für bie: mehr und mehr reduzirten Gegenparteien,: deren Gegengewicht in entscheidenden Fragen e« kaum noch zu einer fühlbaren Bewegung bringen kann. Eines Lächelns kann matt fich kaum erwehren, wenn von Organen der Gegenparteien der nationalliberalen Partei! ihre wachsende Zahl und Macht als eine drohende Gefahr hingestellt wird; wenn die Ohnmacht und die Zerbröckelung ad Mini­mum al« Beweis de« Gedeihen« einer Partei gelten soll, bann werben allerdings die Nationalliberalen gern auf diese Bürg schäft für die Zukunft verzichten, und sie yrn dm Gegnern überlassen. — In Aus­führung de« Gesetzes über die Beurkundung

D« Ätifenig.

Novelle von M. v. RoskowSka. (Fortsetzung.)

Er zog fich etwa« vor ihr zurück. „Ku rioser Brauch da« — gefällt mir gar nicht! tonnt Keine lieb haben, der ich nicht nach- Segangen bin durch Dick und Dünn, bei gutem und schlechtem Wetter; die mich nicht vanchmal tüchtig abtrumpfte, bi« sie sah, daß jch's wirklich ehrlich meine, ste mir Wahrhaft an'« Herz, ja in'S Herz gewachsen ist" Dabei fragte er sich wieder, wa« et Hon so oft gethan, warum denn nut Bärbel w jenem Septembertag wie reiner Sonnen- schein ausgesehen hatte? Wenn er wieder ihr zusammentraf, mußte sie e« ihm stgru wollte er ste dazu zwingen. Wenn — ja, wenn 1 Vielleicht begegnete er ihr nim- wieder, war ste umgekommen in der Hattenburg oder später. All' die fürchter­lichen VorstÄlungen, die sich ihm ausdrängten, Achten ihn fast rasend, und dort saß mit Stiche« Blick die Dame — er bediente in Gedanken eine« andern, viel weniger feinen Ausdruck« — die an Allem ober doch ^Ntigstrn« an der Trennung bet beiden Herzen Schuld war. Wenn ste ihn nicht Erstand oder nicht verstehen wollte, al« et ** scherzend zurück»»«, mußte e« derber geschehen. Daß er ihr zum Dank verpflichtet ®8t< änderte baren nichts.

Mit einem Anfluge von Muthwillen er>| Artete sie die Fortsetzung seiner Rede.

des Personenstandes hat der Minister des Innern auf wiederholte Anfragen den Be­scheid zukommen kaffen, daß zur Bildung der Standesbezirke die Zusammenlegung kleiner Bürgermeisterbezirke keinem Bedenken unterliege, daß bei Theilung großer Bür­germeisterbezirke in mehrere Standesbezirke jedoch das Bcdürfniß sehr sorgfältig zu ermitteln sei, ehe Genehmigung erfolgen könne.

— Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: „In Belgien hat die Wahrnehmung, der wir vor einiger Zeit Ausdruck gaben, und zu der auch die „Prov. Corresp." sich be­kannte, daß Frankreich, wenn es neuen Krieg gegen Deutschland anfangen sollte, weder mit dem Kopf gegen die Wand, b. h. gegen Metz anstürmen, noch ans bet Felsenspalte Belfort sich hervorwagen, sondern mit der vollen Breitseite sich auf Belgien entladen würde, in erfreulicher Weise Berständniß gefunden. E« ist für den Weltfrieden von hoher Bedeutung, wenn bie öffentliche Meinung Belgien« sich der Einsicht erschließt, baß ba« deutsche Reich diesem Königreich gegenüber gar kein andere« Jntereffe und keinen andern Wunsch hatte und habe, als die Erhaltung seiner Unabhängigkeit und Neutralität, wäh­rend dieselben gerade von der Seite her in Frage gestellt werde, von welcher Deutschland mit einem Rachekrig bedroht sei. Bei uns herrscht hierüber kein Zweifel; die gleiche Einhelligkeit bricht sich nun in Belgien Bahn und scheint dazu angethan, die Seele seiner auswärtigen Politik zu bilden." — Dasselbe Blatt bestätigt die Mittheilung unseres Ber liner •• Korrespondenten in Nr. 122 unseres Blatte«, wonach die Nachrichten Berliner Blätter über beabsichtigte Veränderungen in Betreff deS literarischen Bureaus des StaatS- Mimfteriums und der „Prov.-Corresp." völlig grundlos sind.

— Der Bundesrach hat in seiner Sitzung vom 11. b. M. beschlossen, nunmehr auch Fünfmarkstücke in Silber prägen zu lassen. — Die allzu winzigen Zwanzigpfennigstücke sollen künftighin etwas größer werden; was durch Erhöhung chres Kupfergehalte« be­werkstelligt werden wird, da die jetzigen fast ganz auS Silber bestehen.

— Ein Artikel ber „Elbetf. Ztg." welcher „Deutfchlanb zur See" überschrieben ist,

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awieigen nimmt entgegen: u, fltrpebition b. Blatte», <o»ie die Annoncen-Bureaux 00a Th. Dietrich & Co. in Mel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M-; ßaafenftein & Vogler in fcantfurt a- M-, Berlin, Leip- L, Cöln rc.; Rudolf Moss. ^Berlin, Frankfurt a. M. rc.

«Gestellungen auf bie „vberh. Zeitung" <O für den Monat Juni werden von eilen Postanstalten und von der Expedition w Marburg angenommen.

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Eine seltsame Liebeserklärung in der That Wie man seine Liebste heirathen unb für — ober beshalb um so pikanter! Daß er sich allein behalten will, bleibt man ihr auch bald zu ihren Füßen liegen werde, war ja treu, Dame. Das ist eben deutsche Art, zweifellos, und jeder Augenblick bis dahin konträr der der welschen. Drum hält' ich steigerte ihre Erregung, machte ihn in ihren “:'t " “2‘ ---- ' " ‘

äugen begehrenswerther. Zu Hilfe kommen wollte sie ihm nicht mehr, obwohl nun eine Pause entstand.

„Schiert Unsereinen nicht," fiel er ihr ins Wort. „Ich rede ja von uns, wo keine Welt und kein König nichts dreinzu-

Srscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für ba« Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 22j Sgr., durch dieVoüämter 27 Kar (excl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. — JnfettionSgebüht für die gespaltene Zeile 1 Sgr. * 47 ®6r'

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