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R«,ei gen nimmt entgegen: bk Srpedition d. Blattei, die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. m flnffel und Hannover; Ly. Mch m Frankfurt a. M; haaienftein & Vogler in Nfurta.M,»erlinLeip. jiq Cöln rc.; Rudolf Stoffe j« Berlin, Frankfurt a. M. rc.

JRarÖlirg, Sonntag, den 24. Mai.

(ObrrljrlTifdif Jrilung.

1871

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. - * M ; Jnvalidendank, A. Rete- rneyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C- Schlotte in Bremen.

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«.scheint täglich außer den Werktagen nach Sonn-und Feiettagen. Preis für das Ouattal durch die Expedition (Ä och'sche Buchdruckerei) bezogen 221 Sgr., durch die Postämter 27 Sgr. texcl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden Sgr. berechnet.

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Befinden lauten immer erfreulich. Der neue Botschafter des Reichs bei der französischen Regierung, Fürst Hohenlohe, ist am Sonn­abend voriger Woche auf seinen Posten nach

Politische Wocheu-Ueberftcht.

Die beiden Häuser des Landtags haben ihre nochwendigsten Aufgaben erledigt und der Schluß der Session erfolgte am Don­nerstag Nachmittag. Der Kaiser König, der im vorigen Herbste an der persönlichen Er- rfsuung derselben durch sein damaliges hart­näckiges Unwohlsein gehindert war, hat auch jetzt die Schließung nicht in Person voll­ziehen können, da er den Frühlingsaufenthalt in Wiesbaden bis nach Pfingsten fortsetzen

1 «id überdies gerade in diesen Tagen dm von England zurückkehrenden Kaiser von Rußland noch einmal zu begrüßen habm • ,jrd. Die Nachrichten von do« über sein

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Paris abgereist. TagS zuvor war vom Kaiser die Ordre vollzogen, durch welche sein Vorgänger Graf Arnim in den Ruhe­stand versetzt wurde. Am gleichen Tage starb zu Baden-Baden der vormalige preuß. enb deutsche Gesandte bei der Pforte, Gras Kcyserlingk, welcher seit dem Conflict zwischen dem Fürsten Bismarck und dem Grafen Arni» neuerdings wieder als Candidat für den Botschafterposten bei der Pfotte genannt

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In Oesterreich war eine stille Woche, besonders in Eisleithanien, dessen Haupt- Augenmerk die in Pest tagende ReichSrathS- Delegation war. Der Stein des Anstoßes in den Verhandlungen derselben, das KriegS- Ludget, wurde schließlich am 18. Mai zu gegenseitiger Zufriedenheit beseitigt, indem tut Compromiß zwischen der Regierung und der Partei Herbst, entgegen den Anträgen de» AuSfchusteS, mit theilweise zu Gunsten der Regierung erhöhten Posten, jedoch mit dem Vorbehalt, bei dem Extraordinarium durch weitergehende Abstriche die Mehrbe- willigung zum Theil wieder auszugleichen, zu Stande kam. Am 19. wurden in Folge dessen im Extraordinarium 46 Millionen bewilligt, dagegen der Titel betr. die Fort­setzung deS przemySler Festungsbaues ge­strichen. Im BudgetauSschusie der Reichs- rathrdelegation war die Regierung bei Titel 22 des ordentlichen HeereserfordernisseS, .Raturalverpflegung", auf Antrag des Re­strenten Groß einem Abstriche von nahezu anderthalb Millionm begegnet; damit hätte stch der K^iegSminister indirekt zur Abkür­zung der Präsenzzeit angewiesen gesehen.

Am 11. Mai wurde vom schweize­rischen BundeSrath der neue mit England bereinbarte AuSlieferungSvettrag genehmigt. 3» Eanton Glarus hat die jüngste Lands­

gemeinde die Gleichstellung der Söhne und Töchter hinsichtlich des Erbrechts beschlossen. Der Große Ralh deS CantonS Tessin hat die beantragte Revision der Cantonalver- fasiung einstweilen abgelehnt.

DaS italienische Parlament hat am 17. Mai das vielbestrittene Gesetz über die Einführung deS Tabaksmonopol« auf Si- cilien angenommen. Der Papst empfängt noch täglich einheimische und auswärtige Deputationen, welche ihn zu seinem Ge- buttstag beglückwünschm.

Frankreich befindet sich seit dem Sonn­abend wieder in einer schweren Krisis, die vorläufig nur eine Cabinetskrists ist, aber unter den obwaltenden Verhältnissen weitere Verwicklungen droht. Am 15. Mai brachte der Vice-Präsident deS Ministeriums den Gesetzentwurf über den Großen Rath, wie die Erste Kammer heißen sollte, vor die National-Versammlung. Die Legitimisten der äußersten Rechten zeigten sich höchst er­bittert über die Ansichten, welche darin, schlecht verhüllt, den Orleans gestellt wurden; zugleich verlautete, daß der Graf von Ehambord kürzlich den Seinen strenge Weisung zugeschickt hatte, nicht länger die Politik deS rechten Centrums und der Rechten zu unter­stützen. Schon am 16. bot sich die Gelegen­heit, dem Cabinet zu zeigen, daß es ohne die äußerste Rechte keine Majorität habe. Die Frage, ob zuerst das politische Wahl­oder das Gemeindegesetz auf die Tagesord­nung kommen sollte, brachte die Entscheidung, da Broglie für den Vortritt des Wahlge­setzes mit kühner Entschiedenheit eintrat. Bei der Abstimmung sprachen sich 381 Stimmen gegen diese Priorität, 317 für dieselbe aus. Das Cabinet Broglie fiel mit 64 Stimmen am 13. Mai; al« Thiers am 24. Mai 1873 zurücktrat, handelte es sich nur um 14 Stimmen. Ein Jahr weniger acht Tage hat die Koalition der drei monarchistischen Fractionen gedauert. Es handelt sich nun um ein Cabinet, das, wie wenigstens der überwiegende Theil der Majo­rität vom 16. Mai verlangt, entweder das Septennium der Republick oder die Auf­lösung der National-Versammlung bringen, das aber, wie die Coalition vom 24. Mai will, nur ein persönliches Septennium für Mac Mahon auf die Fahne schreiben soll. Der Präsident der Republik nahm die Ent­lassung des Cabinets Broglie am Abend des 16. Mai an und übertrug Goulard die Bildung eines neuen Ministeriums ®ou lard ging ans Werk, Ministerlisten reihten sich an Ministerliften, ohne daß bis zur Stunde das officielle Blatt die definitive veröffentlichen konnte.

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Der AiiSkiniß.

Novelle von M. v. RoskowSka.

(Fortsetzung.)

Diether machte ihrem Zaudern ein Ende, indem er sie aufhob und vorsichtig hinabstieg auf kleine FelSvorsprünge, die nur eine sehr unvollkommene Tr^rpe bildeten.

Erschreckt stieß sie einen Schrei auS — 'S war, als fiuthetee ihr ein breiter Feuer ström entgegen.

Im nächsten Augenblick lachte sie über ihren Schrecken. Den DrachenfekS durch­bricht von Osten nach Westen eine Höhle, einen natürlichen Tunnel bildend. Die unter Sehende Sonne warf eben ihren flammend- 'vthen Schein durch die Oeffnung gen festen. Ja der schönen Jahreszeit ist die Aussicht auf diese »albbeftanbencn Höhen und Tiefen kaum herrlicher, als sie e6 in diesem Augenblick »ar. Der Schnee schim­merte rosenroch und das Meer von kahlem Gezweig erschien wie mit Feuerströmen übergossen.

Es Hane indeß Niemand Zeit ober Sufi, Uns die« prächtige Schauspiel zu achten.!

An dem qualmenden Feuer breitete eine Anzahl schon früher hierher Geflüchteter, darunter auch Frauen und Kinder, appetit lich duftende Stücke Wildbraten, während die zuletzt Angekommenen die Gluth um­drängten, um daran ihre nassen Füße zu trocknen oder sich ermüdet auf Haufen von dürren Blättern warfen.

Für die Marquise ward ein besonderes und möglichst gutes Lager bereitet, ihr auch das beste Stück Braten gebracht. Dadurch, daß sie nicht klagte oder murrte, sich mit guter Laune in ihr Schicksal ergab, hatte sie ihren Hütern nicht nur Achtung, sondern sogar eine Art Theilnahme eingeflößt. Selbst in der schlechten Stimmung, welche die Flucht immer hervorrust, ließ man sie dieselbe nicht empfinden.

Ja, man war auf der Flucht, obgleich es ihr möglichst verborgen worden, obgleich in den Köhler- oder Holzföllerhütten, in denen sie bisher Obdach gefunden, nie in ihrer Gegenwatt von den Unternehmungen der Franzosen, oder den Mißerfolgen der Bauern

Das neue spanische Ministerium hat es noch nicht zeitgemäß erachtet, mit einem be­stimmten politischen Programm vor die Nation zu treten. Im Allgemeinen ist es allerdings richtig, wenn die Politik schweigt, so lange dem groben Geschütz noch das Wort gestattet werden muß, und so ver­sprechen die Herren Zabalb, Sagasta und Genoffen denn auch in einem Manifest, in welchem sie sich bei dem Lande einführen, vornehmlich die Beendigung des Carlisten- kriegeS zu betreiben und den Frieden auf der Halbinsel wie in den Colonien sicherzu stellen; sei dies geschehen, so könne der Augenblick eintreten, wo die Nation, frei gefragt, Über ihr Geschick entscheiden möge. DaS Ministerium begegnet jedoch vielem Miß­trauen, und die Alfonststen verschärfen den Argwohn, indem sie mit einer gewissen Ostentation den conservativen Charakter der neuen Regierung anpreisen; in dessen dürf­ten die Anhänger de« SohneS der Exkönigin Isabella sich doch verrechnen.

Am Donnerstag hat der Czar seine Rück­reise nach dem Continent angetreten und somit eine volle Woche auf dem gastlichen Boden Englands geweilt. Der Anfang war nicht vielverheißend, denn das Wetter war schlecht und die kaiserliche Jacht hatte daS Mißgeschick, bei der Abfahrt auS Vlif- singen aufzulaufen, waS die Ankunft in England um einen halben Tag verzögerte und die nach Gravesend zusammengeströmte neugierige Menge um das Vergnügen, den Herrscher aller Reußen zu bewillkommnen, den Bürgermeister des löblichen Themse- städtchenS aber um die Ehre brachte, dem hohen Ankömmling eine wohlgefetzte Adresse vorzulesen. Indessen scheint der kaiserliche Aufenthalt sonst recht nach Wunsch abge laufen zu fein. Der Czar hat mit seinen alten und neuen Verwandten das Parlaments­gebäude , den Krystallpalast, die City, ver­schiedene Gastmähler, Bälle und Concerte der hohen Aristokratie besucht, auch einer Heerschau in Aldershott und einigen Hebungen in Woolwich beigewohnt, lleberall, wo er sich öffentlich zeigte, wurde er mit Wärme begrüßt.

In Holland werden die Festlichkeiten aus Anlaß deS 25jährigen Jubiläums deS Königs fortgesetzt. Am 19. gab der Stadt- rath von Haag dem König in Schevmingen ein Diner, welchem die königliche Familie, der Großherzog und die Großherzogin von Weimar, das diplomatische Corps, die Mi­nister und die höchsten Behörden beiwohnten

In Belgien bereitet man sich mit Eifer auf die Kammerwahlen vor, welche Anfangs nächsten MonarS Start finden werden. Der

Kaiser von Rußland wird auf der Rückreise von England einen kurzen Besuch in Brüssel abftatten. Der König der Belgier wird ihm bis Antwerpen entgegenreisen.

Dem schwedischen Reichstage, dessen Session übrigens am 15. d. gesetzlich hätte geschloffen werden müssen, ist außer dem Entwurf zur Neugestaltung der Landarmee auch eine Vorlage zur Neuordnung der See- vettheidigung zugegangen, welche auch die allgemeine Wehrpflicht zur Grundlage hat.

Der Kaiser von Rußland trifft Frei­tags von England kommend in Brüffel ein. An den Umstand, daß er auf feiner Reise vom Fürsten Gortschakow begleitet wird, hatte man Hoffnungen auf eine Reform deS Gränzzolltarifs geknüpft; aber solche Dinge lassen sich doch nicht im Fluge abmachen.

Die griechische Abgeordnetenkammer, deren Neuwahlm auf den 4. Juli anberaumt sind, soll am 5. August zusammentreten.

Der Sultan hat seinen Minister des Auswärtigen, Raschid Pascha, abgefetzt und zu dessen Nachfolger im Amt den ersten Dolmetscher deS Divans, Aarifi Bay, der früher Gesandter in Wien gewesen, gemacht. Fürst Milan von Serbien hat am 15. d. Konstantinopel verlassen und ist zu mehr­tägigem Besuche beim Fürsten Carl von Rumänien in Bukarest eingetroffen.

Deutsches Reich.

** Berlin, 22. Mai. Der bekannte vielseitige Correspondent, welcher ultramon­tane wie nationale Blätter bedient, hat ausfindig gemacht, daß für die Form der Entlaffung des Grafen Arnim aus dem Staatsdienst die Rücksicht auf den Ruhege­halt maßgebend gewesen fei; bei der Be­rechnung , welche dieser Behauptung zur Begründung dienen sollte, ist eö dem guten Mann aber nur geglückt, seine eigene that- sächliche Unkenntniß der Verhältniffe zu dokumentiren, indem er drei Viertel des Gehalts annahm, während nur die Hälfte dem zur Disposition Gestellten zusteht. Dadurch ist schon die ganze Berechnung falsch gerathen und hinfällig geworden, in Wirklichkeit ist auch diese Rücksicht gar nicht in Betracht gekommen und bei den sehr günstigen Vermögensverhältnissen deS Grafen Arnim kann man sich mit einer solchen Behauptung nur lächerlich machen — Die Gerüchte von dem bevorstehenden Rücktritt des Oberpräsidenten von Schleswig-Holstein, Grafen Scheel. Pleffen, werden thatsächlich widerlegt durch die Uebernahme der Ge­schäfte, nachdem der Genannte im besten Wohlsein aus Italien zurückgekehrt ist. — Der Justizausschuß des Bundesrathes hat

Hang vereinigen sie sich im Nüttetthal, das

die Rede gewesen. Diether vollends hatte nie eine Andeutung gegen sie fallen lassen

Sie vermied eS übrigens, und heute Abend noch mehr, als sonst, ihn anzureden, ober ihm sichtlich ihre Aufmerksamkeit zuzuwenben. Doch hörte sie mit großer Genugthuung er werbe nach Mitternacht bie Wache auf dem Plateau halten, währenb sie bis bahin Einer ber schon früher hier Anwesenben übernähme. Nie versäumte Diether diese Vorsichtsmaßregel, so wenig erbauet auch oft die Ermüdeten davon waren, und schon mehr als einmal hatte sie stch^ls sehr zweck­mäßig bewährt. Gleich den Andern suchte die Marquise möglichst schnell die Beschwerden des Weges und daS Peinliche ihrer Lage im Schlaf zu vergeffen.

Der Vollmond verbreittte fast Tageshelle, als Diether auS der Drachenkammer empor- stieg und seinen Wachtposten einnahm. Scharf traten selbst die entferntesten Berge hervor

der Schnee im Mondenstrahl und erschien fast wie das Aufblitzen von Waffen. Die Kronen der riesigen Bäume beugten sich, wenn ein Windstoß darüber hinfuhr, mit dumpfem Knirschen und Knarren, das fast einem Stöhnen glich; zuweilen erklang der Schrei eines Nachtvogels. Das waren die einzigen Töne, welche die Einsamkeit unter­brachen. Auch durch den Anblick ferner menschlicher Wohnungen ward diese Einsam­keit nicht vermindert — eS gab hier meilen­weit kein einziges Haus.

Die Wache war jedenfalls unnütz — in die Tiefe dieser Waldungen ber innern Haardt wagten sich die Wälschen nicht. Indeß war zu große Vorsicht bester, als gar keine, auch mußte dieselbe diesen von Natur so sorglosen Leuten zur Gewohnheit gemacht werden; schlafen konnte Diether zudem doch nicht.

Jin Westen deS Felfeiis, auf dem er hin- und herschritt, liegt daS Dreibrunnenthal, östlich daS Lindenthal. Am nördlichen Ab-

und die Windungen der verschiedenen Thäler ließen sich schon durch dm auf ihnen lagern­den Schatten deutlrch mit dm Augen ver-. ,.u, »»» »uiuu^ui, vu»

folgen. Hier und da glitzerte und flimmerte I weiterhin in daS Jägerthal mündet. Diether'S