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Marburg, Sonnabend, den 23. Mai.

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«n,eigen nimmt entgegen: Je Expedition d. Blatte», sowie die Annoncen-Burcaux von Th. Dietrich & Co. m

^aascnst-in & Vogler in Frankfurt a.M.VerlinLeip- »a, Köln 2C.; Rudolf Moff« in Berlin, Frankfurt a. M. rc.

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurta." M.; Jnvalidendank, A- Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition («och'sche Buchdruck-rei) bezogen 22j Sgr., durch die Postämter 27 Sar (excl. Bestellgebühr und ,ncl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. - Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sar ®"r'

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 2j Sgr. berechnet.

Deutsches Keich.

## Berlin, 21. Mai. Die „Post", das jetzige Organ der Frciconscrvativen, hat gestern eine neue Organisation der ReichS- Hehörde in Vorschlag gebracht, mit der Tendenz,- sie dadurch dem Einfluß des leitenden Staatsmanns wirksamer zu unter­werfen und die einheitliche Verwaltung in höherem Grade zu erreichm. Da diese Tendenz im Ganzen dem Streben der großen liberalen Parteien entspricht, wird diese Erörterung ohne Zweifel in der „Presse" za weiterer Beleuchtung Anlaß geben und es liegt die Frage nahe, warum bisher die Frage nicht von anderer Seite schon angeregt worden ist. — Ein hiesiger Correspondcnt, der übrigens seinen Nachrichten auch mitunter eine Sensationsnachricht als Zugmittel beb zumischen liebt, vertritt die Meinung, daß ein Ministerium „Goulard" in Frankreich der deutschen Reichsregierung keine unwill­kommene Combination sein werde. Wir sind nicht in der Lage, die Richtigkeit dieser Annahme aus sicherer Quelle bestätigen oder in Abrede stellen zu können, und überlasten die Vertretung derselben lediglich dem betr. Korrespondenten. Gewiß ist nur, daß die Bildung des Ministeriums kein Gegenstand diesteitiger Einwirkung irgend einer Art sein kann und als innere Angelegenheit be­trachtet wird, deren Lösung und Entwicklung zunächst dem betr. Lande überlasten bleibt, wenn fie auch natürlich mit Interesse von allen Seiten verfolgt wird. — Der Wieder­eintritt deS Herrn v. Weither in den diplo­matischen Dienst wird von verschiedenen Seiten in widersprechendem Sinne diskutirt. Der Nachricht von der Berufung des Herrn 8. Werther als Gesandter für Konstantinopel wird von einem oft gut unterrichteten Cor- refpondenten der Weser- und Magdeb. Ztg. widersprochen. Daß diese Candidatur übri­gens in ernstliche Erwägung gekommen sei, wird vielfach bestätigt, doch ist eine Ent­scheidung unseres Wissens nach nicht ge- troffen. — Die Anwesenheit der Oberpräsi- denien der Rheinprovinz und der Provinz Posen hat zu der Meldung Anlaß gegeben, daß hier eine Conserenz der Oberpräsidenten rusammenberufen sei zur Berathung über die Kirchcuverhältniste. Diese Nachricht ist unbegründet; die bezeichneten Oberpräsidenten

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haben nur als Mitglieder des Herrenhauses und der freien Funktion in demselben sich zu einer Berathung derselben hierher begeben Selbstverständlich wird ihre Anwesenheit auch zu Erledigung amtlicher Angelegenheiten be nutzt worden sein. — Als Wirkung der Aufhebung des Zeitungsstempels scheint vorläufig eine Herabsetzung deS Abonne­mentsbetrages nicht in Aussicht zu stehen, tote man bei den Verhandlungen über die Aufhebung immer hervorhob, im Gegentheil sollen die Vertreter der hiesigen „Presse" überein gekommen fein, die bisherigen Preise aufrecht zu erhalten. Die „Tribüne" kündet zwar tägliches Erscheinen an, statt deS drei maligen per Woche, ober unter Erhöhung des Abonnementsbetrag-.

— In der Denkschrift, welche daS Reichs­eisenbahnamt über die Erhöhung der Tarife an den Reichskanzler gerichtet hat, befindet sich nach der „Magdeb. Ztg." u. a. folgende Ausführung: „Das Jedermann zustehende Recht, die Preise seiner Waaren oder seiner Leistungen zu bestimmen, ist bezüglich der Eisenbahnen nur deshalb beschränkt, weil dieselben unter Mitwirkung deS Staates eine mehr oder weniger mvnopolische Stellung einnehmen. Während von einem Mißbrauche dieser Stellung bei Staatsbahnen nicht wohl die Rede fein kann, hat der Staat für Privatbahnen zwar die Pflicht, solchen Miß brauch zu verhüten, aber bei Ausübung dieser Pflicht die Motive seines Verhaltens in erster Linie nur in der wirthschaftlichen Lage der Eisenbahnen selbst zu suchen und diese hierbei als ein Ganzes aufzufasten. Wenn einzelne alte Bahnen in Folge ge­ringer Anlagekosten, günstiger Betriebsver- hältniffe und in Folge ihres Anlaufens an große Städten eine gute und selbst hohe Rente gewähren, so sind unter gleich günstigen Verhältnissen Häuser und andere Vermögens­objekte in gleichem und noch höherem Maße gestiegen. Ist es der Konkurrenzverhältniste wegen an sich unthunlich, diesen begünstigten Bahnen geringere Tarifsätze aufzuzwingen, so kann vielmehr nur die Durchschnittsrente maßgebend sein, und da diese im Verlaufe weniger Jahre und, wie nachgewiesen, wesent­lich in Folge hoher Betriebskosten, von mehr als 6 Proz. auf nahezu 4 Proz. gesunken ist, so kann der Wunsch, dieselbe durch

Der KLSkiinig.

Novelle von M. v. Roskowska.

(Fortsetzung.)

„Der Geldtransport sollte erst morgen Mittag abgehen!" erklärte sie, Alles, was sie empfand, und namentlich auch eine kleine Schadenfreude, verbergend. „Man hielt es iadeß für sicherer, ihn bedeutend früher, als bestimmt worden, abzusenden. Ueberhaupt wird es hier bald anders werden. General Mckac ist fehr empört über diesen kleinen Krieg und hat die gemeffenftc Ordre gegeben, Hu zu enden. DaS ist'S, was ich Euch wittheilen wollte, Diether Hartmann, weh halb ich, ohne auf die ESeorte zu warten, abfuhr. Und dafür erhielt ich solchen Lohn, fast ermordet worden!" Sie ertastete bi« Hand deS ihr gegenüber Sitzenden und lächelte, als sie ihren Ring an seinem Finger toblte. Zwar entzog er hastig, wie entsetzt, 'etnt Hand ihrem Druck, allein, daS ver- Auchie ihr Lächeln nicht — im Gegentheil.

scheuesten Vögel zu fangen, ist ja gerade 668 größte Vergnügen.

. Er sprang hinaus, ohne halten zu loffen, lhsach mit den Andern. Wenn sie die Wahr- redete, daS Geld schon vorüber war, t?nn mußten ja die zu morgen getroffenen Verabredungen sogleich abgesagt «erben — -er Gedanke an einen Hinterhalt der Frau- Zssen lag nahe.

Und die an der Heerstraße versteckt im «Lalde Zurückgebliebenen bestätigten bann

auch halb, baß Geldwagen vorübergefahren seien.

Zwischen dem Thal der Jsenach und der Hochspeier erhebt sich, die andern, zahlreichen Bergkuppeu überragend, ein gegen zwei tausend Fuß hoher Gipfel, unter dem Namen: der hohe Berg bekannt. Buchenwälder be­decken ihn fast bis zum Scheitel hinauf.

Auf einem unwegsamen Pfade arbeitete sich eine Anzahl Personen empor. Es war wieder ein wenig Frost eingetreten, doch nicht so stark, um den schon weich gewordenen Schnee fest zu machen; dieser war nur um so glatter geworden — die Wanderung also nicht blos beschwerlich, sonder» auch gefährlich.

Die Dienerin der Marquise hatte krank zurückgelassen werden muffen, Diether feine Gefährten dazu vermocht, obschon daS ge­fährlich war, während um ihren Tod, nach dem üblichen Ausdruck: kein Hahn gekräht hätte. Die Dame selbst hatte alle Ent­behrungen und Anstrengungen ertragen — allein jetzt erkärte sie plötzlich: fie könne nicht weiter und setzte sich in den Schnee.

Vergebens, daß ihr gesagt wurde, man fei bald am Ziel, noch vor Sonnenuntergang — sie blieb dabei, daß sie die Füße nicht mehr regen könne.

Die Anderen waren mehr oder minder ermüdet; Diether, als der Stärkste, nahm sie daher wie ein Kind auf den Arm, folgte so mit ihr den Voranschreileiiden.

Tariferhöhung auf 5 bis 51/2 Proz. zu steigern, als ein Mißbrauch nicht erachtet werden. Es tritt hinzu, daß die Mehrzahl der Bahnen durch Konkurrenz neuer ent weder im Bau begriffener oder doch ge­sicherter Linien einer Verkehrsabnahme ent gegengehen, deren Folgen durch Ersparuisfe — mag hierauf auch nicht überall mit dem er­forderlichen Ernst Bedacht genommen wer­den — nicht ober nur zum geringeren Theile befestigt werben können. Gelangt hiernach bie Staatsaufsicht zu ber Ueberzeugung, daß eine Erhöhung ber Tarifsätze nach ber wirth­schaftlichen Lage ber Eisenbahnen zur Aus gleichung ber erhöhten Betriebskosten ge­rechtfertigt sei, so wirb auch biefenige Re­gierung , welche in billigen Frachten den dehauptsächlichsten Hebel für den National- wohlstand erkennt, dieser Ueberzeugung aus die Gefahr hin folgen müffen, daß andere Industriezweige unter der Tariferhöhung leiden könnten. Für den von der Reichsbe­hörde einzunehmenden Standpunkt treten weitere erhebliche Erwägungsmomente hinzu Die Reichsverfasiung überweist die Controle über das Tarifwesen dem Reiche. Die Aus­übung dieses Rechtes steht nach Erlaß des Reichsgesetzes vom 27. Juni v. I. dem Reichseifenbahnamte unter Leitung be« Reichs­kanzlers zu. Wirb ber Umfang unb die Bedeutung dieses Controlrechtes erst durch das vorbehaltene Reichseisenbahngesetz klar gestellt werden und werden allgemeine Ent schließungen, zu welchen etwa die Ausübung dieser Controle führt, gemäß Art. 7 Nr. 2 und 3 der Reichsverfasiung vom Bundes rathe ausgehen müffen, so soll daS Reich zwar dahin wirken, daß die möglichste Gleich­mäßigkeit und Herabsetzung der Tarife erzielt, insbesondere bei größeren Entfernungen für gewisse Rohprodukte der Pfennigtarif thun- lichst eingeführt werde; in dieser Anordnung ist jedoch schon ihrem Wortlaute nach eine positive und exekutable Vorschrift nicht zu finden. ES wird darin der bei Berathung ber Verfassung vor 7 Jahren bestandenen Auffassung ber Tariffrage Ausbruck gegeben unb für baS Reich im Allgemeinen ein Ziel bezeichnet, für besten Erreichung gewirkt werben soll, ohne bie Mittel und Wege für diese Einwirkung zu bezeichnen. Es konnte nicht die Absicht fein, eine Erhöhung der

Tarife überhaupt auszuschließen, da Jeder­mann wußte, daß bei dem bestehenden Klassi- fikationssysteme die Erhöhung der Fracht für einzelne Artikel von Ermäßigung für andere Artikel häufig untrennbar ist, wie denn solche Erhöhung seit Publikation der Verfassung tagtäglich ohne Widerspruch er­folgt ist, es konnte die Absicht eben so wenig dahin gehen, eine Tarifserhöhung auSzu schließen, welche nur den Zweck verfolgt, die Veränderung des Geldwerthes auszu- gleiche», eine Veränderung, welche, wenn auch unbeabsichtigt, ihren annähernden Aus­bruck in bem Markpfennig, gegenüber dem bisherigen preußischen Pfennig findet."

— Die Ministerialverfügung, womit die mehrerwähnte neue Prüfungsordnung für Lehrerinnen unb Schulvorsteherinnen eilige- führt wirb, hat nach bet „Voß Ztg." sol- genben, die verschiedenen Bestimmungen gleich­sam zusammenfassenden Wortlaut: „Die nachstehende Prüfungsordnung tritt nach 8 28 derselben vom 1. October d. I. ab an Stelle der die Prüfung ber Lehrerinnen unb Schulvorsteherinnen regelnden bisherigen Bestimmungen, soweit letztere nicht gesetzliche Kraft haben. Diejenigen Personen, welche nach diesen Bestimmungen bis 1. October b. I. bie Prüfung bestanden haben, sind auch später befugt, nachMaßgabe der aufGrund ihres Zeugnistes erworbenen Befähigung Unterricht zu ertheilen, resp. eine Schule zu leiten. Personen, welche bis zum 1. Oct. d. I. keine Prüfung bestanden haben, bei Erlaß dieser Verfügung aber in einer öffent­lichen Schule bereits provisorisch Unterricht ertheilen oder dieselbe leiten, dürfen in dieser Thäligkeit noch drei Jahre verbleiben; ihr längeres Verweilen ober ihre befinitive An­stellung ist aber von der vorherigen Able­gung der erforderlichen Prüfung abhängig. Das Nämliche gilt von solchen Personen, welche bei Erlaß dieser Verfügung an einer öffentlichen Schule provisorisch als Lehrerin oder Vorsteherin fungiren und bis zum 1. October dieses Jahres nur eine geringere, als bie für ihre Stelle künftig erforderliche Befähigung durch ein Prüfungszeugniß dargethan haben. Die­jenigen Personen, welche bei Erlaß dieser Verfügung an einer öffentlichen Schule als Lehrerin ober Schulvorsteherin

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Das hatte sie nur beabsichtigt — ba sie feit den acht Tagen ihrer Gefangenschaft noch nicht ein einziges Mal mit ihm unter vier Augen reden vermocht. Jetzt waren sie so gut wie allein; auf dem schmalen Pfade sand nur einer Raum und die Vorauf­schreitenden konnten sie nicht verstehen, wenn sie, wie sie es jetzt that, in fein Ohr hineinsprach.

»Noch habe ich für meine Rettung ja gar nicht danken können! Vor all diesem rohen Volk erstarb mir jedes herzliche Wort." Sie umschlang seinen Nacken fester, als eS nöthig war, um sich zu halten und neigte ihr Gesicht dicht an das (einige. „Wer hätte gedacht, daß wir uns so wiedersehen würden, als wir auf dem Käsefeste mitein­ander tanzten?"

Trocken versetzte er: „Ich nicht! Die Frau Marquise aber hätte wissen können, daß, wer Wind säet, Sturm erntet."

Sie hielt es für geraden, bie« Thema fallen zu kaffen.

Er war so klug, um vorauszusetzen, ihre Reise bamals sei keine bloße VcrgnügungS- tour gewesen. „O wie schrecklich, in diesen endlosen Wäldern herumgeschleppt zu werde»! Wohin bringt Ihr mich denn jetzt?" fragte sie kläglich, obgleich ihr auf alle derartigen Fragen sonst nie Bescheid geworden, man sich bestrebt hatte, ihr alle Namen zu ver­bergen und sie über die Richtung möglichst im Umklaren zu loffen

Zetzt antwortete Diether indeß mit einem Anflug seines Humors: „In die Drachen­kammer, Dame! Ihr kennt doch die Ge­schichte vom hörnernen Siegfried? Nun, seht Ihr den Dampf dort? Als Jüngstes firied von dem neidischen Schmied hier herauf geschickt wurde um Kohlen zu holen, meinte er, ber Meiler rauche dort, doch war es der Äthern des fürchterlichen Lindwurms, der ihn verspeisen sollte. Jungsiegfried aber er­schlug den Drachen, badete sich in dessen Blut und zog bann hinab gen WormS, um das schöne Töchterlein ber Königin Ute zu freien. — Jetzt läßt sich ber Drache nicht erschlagen," setzte er verdüstert hinzu.

„Wer weiß?" ging sie auf feinen früheren Ton ein. „Vielleicht zieht von dieser Drachenkammer ein neuer Held aus, eine Königstochter —"

Er setzte sie auf den Boden nieder. Sie befanden sich auf dem Gipfel, ber sich, aus kahlen Felsen bestehen!), fast eine Viertel­stunde hinstreckt, aber verhälnißmäßig schmal, höchstens zweihundert Fuß breit ist. Renee blickte rasch um sich. Rings nur bewaldete Berge! Jener höchste, fern im Norden, war der majestätische Tonneröberg, der Ausläufer de« Gebirges gegen die Ebene hin. Und dort, im Osten, schimmerte zwischen ein paar Bergriesen hindurch ein schmaler, blaudämmernder Streifen — das Rheinthal. Sie behielt nicht Zeit zu längerer Umschau, ward bedeutet, nach der