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Sr. 118

Marburg, Freitag, den 22. Mai.

1874

.»wie die Amwncen-Bvreaux oon Th. Dietrich & Co m gaffet unb Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leip- S, Cöln-c.; Rudolf Moss« 'n Berlin, Frankfurt a. M. rc.

WrrheMt Jalung.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie die Annonccn-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'schx Buchhandlung in Frankfurta. M.; Jnvalidendank, A. Rcte- meyer in Berlin; Carl Schuß­ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Crscheml täglich außer den Werttagen nach Sonn- und Fe,ertagen. Pr 's für da» Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 22j Kgr., durch die Postämter 27 Sar texcl. Bestellgebühr und tncl. Stempelsteuer), für das Ausland excl- Stempel 22 Sgr. - Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sar

Für in der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adressen «erden Sgr. berechnet.

die Pfalzgrasen Könige von Schweden ge-

nicht, namentlich war der große Karl Gustav

" wurde überfallen und weggenommen. Bis

Dieser Beweisführung ließ fich um so we-

zeigen, daß wir behandeln lassen, Rhein; daß wir wenn wir ihnen, helfen können.*

streiften diese Banden, in ihrer Kenntniß

Wege und dem Einverständniß der in Hren Wohnungen Gebliebenen so großen Vorschub findend, daß kaum je einer von chncn ergriffen ward. Zum Theil war patriotische Sinn und der Stolz, den b,t Kraft der Herrscher stets dm Unter- Akbrnm verleiht, was diesen Widerstand her- ^vrrief. Die Fürsten von Pfalz-Zweibrücken waren meist tüchtige Männer gewesen und ütts antisranzösisch gesinnt. Im dreißig- Mrigen Kriege hatte das Ländchm wegen

Verwandtschaft mit Gustav Adolph von Schweden durch die Kaiserlichm und die Spanier doppelt schwer gelittm, seine Be­wohnerschaft aber auch oft großm Muth tint' Zähe Widerstandskraft gezeigt. Seitdem

hier außerordentlich beliebt und Zweibrückm unter seinem Statthalier nach damaligen griffen eine der bestregierten Herrschaften. Außer der Anhänglichkeit an ihr Fürsten = Haus und der Abneigung gegen die Wälschen trieb sie aber auch die Roth zum verzweifelten Kampf. Der Boden ist größtentheils nicht so ergiebig, wie am Ostabhange des Ge­birges, oft sogar ganz unfruchtbar. Die französischen Erpressungen, hier ganz beson­ders hart aus Haß gegen Schweden und

Auch muffen wir ihnen uns nicht ungestraft so wie die Aermsten über'm diese wenigstmS rächen, leider Gotte«, auch nicht

Osterfest trennte die völlig verschiedenen Phasen. Bis Ostern schien, als solle die Session in fjolge innerer Zerfahrenheit der Reichstagsmehrheit unfruchtbar verlaufen, nicht bloß in Betreff des Militärgesetzes, sondern in Bezug auf alle wichtigen Vor­tagen.

Da traten in der Osterwoch die mächtigen Regungen im deutschen Volke hervor, deren erfrischende Wirkung sich im Reichstage und im gesammten politischen Leben geltend machte.

Der Ausgleich über daS Militärgesetz wurde gleichzeitig der Ausgangspunkt eines neuen lebendigen Zusammenwirkens aller nationalen Parteien unter sich und mit den Regierungen, -- und die Kraft dieser neuen Einigung ist über den Reichstag hinaus wirksam geblieben.

Als Frucht der Reichstagssession aber find vor Allem die vier wichtigen Gesetze über das Reichsheer, über das Reichspapiergeld, über die Presse und über die Verhinderung der unbefugten Ausübung von Kirchenämtern hervorzuhebm.

Der zweite Abschnitt der prcußischm Landtagssession ist ungeachtet der verhältniß mäßig kurzen Dauer seit dem 26. April nicht minder reich an bedeutenden gesetz geberischen Ergebniffen. In einem Zeitraum von noch nicht vier Wochen find theilweise unter den lebhafttsten Kämpfm zwei tief greifende kirchenpolitische Gesetze, sowie ferner die Vorlage über die evangelische Kirchen verfaffung mit beiden Häusern vereinbart worden, daneben eine Reihe wichtiger Gesetze von finanzieller und volköwirthschaft licher Bedeutung, namentlich die umfaffende Bewilligung zu neuen Eisenbahnanlagen in ast allen Theilen der Monarchie, ferner daS Gesetz über die Enteignung deö Grund- eigenthumS, endlich eine Fülle von @e= etzvvrlagen von minder ausgedehnter Be deutung.

Die Bewältigung dieses reichen Materials st nur durch den allseitigen ernsten und auf praktische Ergebnisse gerichteten Eifer, der sich in der Mehrheit beider Häuser geltend machte, möglich gewesen.

Die Zuversicht, welche die Regierung beim Beginn der neuen Session aussprach, daß die Landesvertretung in fester Gemein»

Die Landtag-- und ReichStagS- Teffion.

Die diesjährige parlamentarische Cam­pagne, welche soeben ihr Ende erreicht, wird als eine der arbeitsreichsten und erregtesten, aber zugleich als eine der ergebnißreichsten im Gcdächtniß der politischen Kreise bleiben.

Seit dem 12. November v. I. haben nacheinander und zum Theil nebeneinander zuerst der preußische Landtag, sodann der deutsche Reichstag und schließlich wiederum der Landtag ihre Sessionen gehalten. AIS der Reichstag am 5. Februar versammelt wurde, setzte der Landtag neben demselben bi» zum 25. Februar seine Arbeiten fort und vertagte sich dann dis zum 13. April; aber erst mit dem Schluffe des Reichstags am 26. April konnte der Landtag seine Thätigkeit wieder in vollem Maße auf­nehmen.

Der erste Abschnitt der Landtags-Session war vornehmlich der Feststellung des Staats­haushalts und der Vereinbarung des Ge setze» über die Civilehe gewidmet.

Die Berathung deS Staatshaushaltsetats war insofern von großer und zugleich er- frenlischer Bedeutung, al« die günstige Lage der Finanzen die Befriedigung der hervor- getretenen erweiterten Bedürfnisse auf allen Gebieten der Staatsverwaltung in reichem Maße gestattete.

Der Gesetzentwurf über die Einführung der Civilehe, welcher von Seiten der Re gierung wesentlich au« Gründen eines dringen­den praktischen Bedürfnisses, wie es sich im Verlaufe des kirchlichen Kampfes entwickelt hatte, vorgelegt worden war, wurde in der Landesvertretung von fast allen Parteien in demselben Sinn und Geist ausgenommen, und die entgegenkommende Verständigung zwischen den beiben Häusern über die prak­tische Gestaltung der bedeutsamen neuen Einrichtung war daS wichtigste Evgebmß jene« ersten TheilS der Session, welche eben um dieses Gesetzes willen über den Beginn der ReichtagSsesflon ausgedehnt wurde.

Der Reichstag hatte an seinem Theile Aufgaben von der tiefgreifendsten Bedeutung zu löfm, vor allen hervorragend daS Gesetz zur Regelung der deutschen Wehrkraft.

Auch in der Reichstagssession traten zwei Abschnitte hervor, bte kurze Pause zum

Niger etwas entgegensetzen, als sie mit wilber Leidenschaftlichkeit vorgenommen wurde. Der langgenährte Haß heischte Befriedigung, der nur allzu begründete Rachedurst ein Sühn­opfer. Ueberdies war eS für die eigene Sicherheit viel gefährlicher, die Marquise zu schonen, als sie zu tödten dennoch graute Dieiher vor dem Weibermord und er wäre entschlossen gewesen, Alle« an ihre Rettung zu setzen, auch wenn er sie vorher nie gesehen hätte.

Durch seinen auflodernden Zorn vorhin hatte er für seinen Zweck viel gewonnen. Die Leute mußten sich bei ihm entschuldigen und dabei kam es ihnen wieder voll zum Bewußtsein, wie muthig, besonnen und selbstlos er sich bisher bewiesen hatte. Nie, selbst durch die anhaltendsten Anstrengungen, ermüdet, immer voll Ideen und Pläne, aus einer Klemme zu gelangen ober einen Anschlag gegen ben verhaßten Feind aus­zuführen, dabei seinen Antheil an der ost reichen Beute stets den unglücklichen, auS- gesogenen Bewohnern des Landes überlastend, war er im Allgemeinen beliebt und geschätzt, Seine ungewöhnliche Körperkraft und zähe Heftigkeit erhöhte fein Ansehen unter diesen Menschen nicht minder, als seine Klugheit und Uneigennützigkeit; auf diejenigen, die sich ihm angeschlosten hatten, besaß er un­beschränkten Einfluß. Dieser Haufe gehörte freilich nicht dazu trotzdem hörte er ihn jetzt wenigstens ruhig an.

hältniste einzuschlagen sei, hat das Mini­sterium deS Herzogs v. Broglie eine ent­scheidende Niederlage erlitten. Der Antrag der Regierung, vor Allem ein Gesetz über die künftige Organisation der Volksvertretung (in zwei Kammern) in Berathung zu nehmen, ist mit 381 gegen 317 Stimmen abgelehnt worden, und daS Bezeichnende ist dabei, daß nicht etwa die Linke über die Rechte gesiegt hat, nicht die Republikaner über die ver­einigten monarchischen Parteien, sondern unter der Mehrheit von 381 befinden sich 54 Legitimisten und 17 Bonapartisten. Es ergiebt sich daraus, daß eben die Einigung der konservativen Parteien, auf welcher die anscheinende Kraft der jetzigen Regierung beruhte, zersplittert ist. Hieraus ergiebt sich die Größe der Schwierigkeiten der inneren Sage Frankreichs. Die Nationalversammlung bietet in ihrer Zusammenstellung und Par- teigeftaltung überhaupt keinen Boden und keine Stütze mehr für irgenb eine feste Regierungsgewalt, und man darf daher einer Reihe weiterer Verwickelungen entgegensetzen. Glücklicherweise haben dieselben für jetzt und vermuthlich auf lange Zeit hinaus nur eine innere Bedeutung für Frankreich allein." Das genannte Blatt schreibt ferner:Unser Kaiser hat den Aufenthalt in Wiesbaden mit bestem Erfolge fortgesetzt und gebenkt sich nach einem Besuche im Rheingau am Sonntag (24.) nach Ems zu begeben, um dort von Neuem mit dem Kaiser von Ruß­land zusammenzutreffen und am Dienstag (26.) nach Babelsberg zurückzukehren, wo wenige Tage darauf auch Ihre Majestät die Kaiserin Augusta eintreffen wird, um etwa 14 Tage dort gemeinschaftlich mit dem Kaiser zu reftbiren. Am 29. unb 30. wird Se. Majestät die großen Frühjahrsparaben des Garde-Corps bei Berlin und Potsdam abhalten. Der Reichskanzler Fürst Bis­marck wird sich in den nächsten Tagen zu mehrwöchentlichem Aufenhalt nach Varzin begeben.

Wie-badeu, 20. Mai. Der Kaiser nahm heute Vormittag zu Fuß eine Parade der hiesigen Garnison ab. Sein« Rüstigkeit wurde allgemein bewundert. Heute Nach­mittag findet zu Ehren des Kaisers eine Corsofahrt, morgen ein Wettrennen statt.

Köln, 17. Mai. In der gestrigen

bald in das bitterste Elend, und die Grausam keit, womit die geringste Widersetzlichkeit bestraft wurde, erbitterte ungemein. So wurde denn Grausamkeit mit Grausamkeit vergolten und der Kampf hatte, wie immer unter solchen Verhältnissen, einen entsetzlichen Charakter angenommen. Selbstverständlich waren eS von Anfang an nicht gerade die Friedlichen unb Weichmüthigen, welche zu den Waffen griffen, welche ihnen zugänglich. Dazu verwilderte dies vogelfreie Leben in­mitten der herbsten Entbehrungen und Stra- patzeu außerordentlich, unb alle bösen Seibern schäften wurden mehr und mehr entfesselt. Der Krieg an sich ist etwas Schreckliches, aber ein Volkskrieg der Schrecklichste der Schrecken. Alle die Scheußlichkeiten, welche

Der Kästtnig.

Novelle von M. v. Roskowska.

(Fortsetzung.)

Die Zweibrückischen Bauern hatten sich nicht so leicht, wie die der anderen Herren und die Städler den Franzosen unterworfen. Sie führten einen lebhaften kleinen Krieg ßtgen die ungeheuere Uebermacht und thaten derselben möglichst viel Schaden. Keine Patrouille durfte sich in die Wälder oder ^rge wagen, sie kehrte nimmer zurück; fein Transport geraubten Geldes oder Guts auf der Kaiserstraße ohne bedeutende Be- deckung nach der Grenze geführt werden

brauchen darf,heimgezahlt." Kein Wälscher kam lebend au» ihren Händen; Todtschlagen oder Aufknüpfen war der kurze beliebte Prozeß. Wußten fie doch, daß im entgegengesetzten Falle ihnen auch kein Pardon ertheilt worben wäre.

Darum hatte Diether auch kein Wort

wegen beS getöbteten Kutschers bet Marquise verloren; eben darum war oder schien es auch ein Ding der Unmöglichkeit, bas Leben ber Dame 'zu rettenIst sie etwas Bes­seres, ist sie unschuldiger, als unsere Weiber unb Kinder, mit denen so schandbar umge­gangen wirb ? Nein, umgekehrt. Diese haben ben wälschen Bluthunden kein Leib gethan unb sie hat für bte Mordbrenner gewirkt, wo sie konnte, muß also unschädlich gemacht werben.

würbe überfallen unb weggenommen. Bis weil man mit Recht keine französischen Sym- ?cht an bte Thore ber besetzten festen Orte pathien vorauSsetzte, brachten da» Landvolk

. .. , = damals den kämpfenden Söldnerbanden viel

worden, vernachläßigten sie ihr Stammland geläufiger waren, als ihr ziemlich unvoll kommenes Exercier-Reglement, die in diesem orlean'schen Kriege so schamlos verübt Würben, wie einst von Panduren und Kroaten sie wurden zuletzt von den rachedürstenden Bauern, wenn nicht über­boten, weil ihnen Macht unb Gelegenheit fehlte, aber redlich wenn man bas Wort

schäft mit ber Regierung bas für bas Staats wohl Unerläßliche im rechten Augenblicke burchzuführen bereit fei, hat sich nach allen Richtungen bewährt.

Wenn bisher nicht in gleichem Maße bte Hoffnung auf bie Ausgleichung ber vorhan­denen tiefen Gegensätze in Erfüllung ge­gangen ist, so dürfen doch die Regierung und die Landesvertretung an dem Bewußtsein festhalten, daß sieauch da, wo sie lebhaften Störungen in einem Theile ber Bevölkerung entgegenzuwirken genöthigt waren, nur von dem Streben für bas Heil ber Gesammtheit geleitet waren." (Prov. Corr )

Deutsches Reich.

SJttHn, 20. Mai. Die heutigeProv.- Corr esp." schreibt über die Vorgänge in Frankreich Folgendes:In Frankreich sind von Neuem große innere Verwickelungen eingetreten: die Regierung, welche im Mai vorigen Jahres unter dem Marschall Mac Mahon eingesetzt worden ist, und welche im November nach bem Scheitern be« bourbo- nischen Restauration«versuchs durch bie Ver­längerung ber Gewalten Mae Mahons auf sieben Jahre innerlich gestärkt unb befestigt werben sollte, erscheint jetzt in ihrer wesent lichen Grunblage erschüttert. Die Einigung aller konservativen (ober vielmehr aller monarchischen) Parteien war das Banner, unter welchem der Herzog von Broglie am 24, Mai v. I mit einer Mehrheit von 360 gegen 344 Stimmen dm Präsidenten Thiers stürzte, bie Einigung aller kon servativen Parteien wurde im November von Neuem verkündet, als da« Septennat des jetzigen Präsidenten mit 378 gegen 310 Stimmen beschlossen wurde. Aber schon damals war es zu erkennen, daß diese neue äußerliche Einigung nur ein Nothbehelf und eine augenblickliche Auskunft war, daß die anscheinend so große Mehrheit in sich zwie pältig und zerfahren war unb baß ber Zwiespalt offen hervortreten mußte, sobald man bazu schreiten würbe, bie Bedeutung und das Wesen der neuen Regierung fest­zustellen. Dies hat fich jetzt bei dem ersten versuche zur wirklichen Organisation ber Regierungsgewalt bestätigt. Schon bei bet ersten vorläufigen Berathung über ben Gang, welcher zur Feststellung ber VerfaffungSver