Nr. 116
Marburg, Mittwoch, den 20. Mai.
187«
Anzeigen nimmt entgegen: bit Expedition d. Blattes, sowie die Annoneen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. m Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M-; Saasenstein L Vogler in Sratitfurt a- M, Berlin, Leipzig, Cvlnrc.; Rudolf Moff, in Berlin, Frankfurt a. M. rc.
Wrrhcjsischt Jeilung.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jägerische Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidcndank, A- Rete- rneyer in Berlin; Carl Schußler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
it8 Volkes auf sich gezogen hatte, ihm gingen °uch andere Dinge im Kopfe umher — ein
Artikel über die Thronrede enthalten sein. Der erwähnte Redakteur hatte den fraglichen Artikel übrigens mit der Bemerkung begleitet, daß derselbe das Höchste an Rücksichtslosigkeit sei, was Dr. Sigl. bisher geleistet habe. Der Gemeinderath van Buer hat die Vornahme der Wahl eines Civilstandsbeamten unter Protest, als mit dem katholischen Glauben nicht vereinbar, abgelehnt.
von denjenigen, welche materiell eine roefent sich andere Richtung verfolgt zu sehen wünschten, ist thalsächlich, wie ausdrücklich anerkannt worden, daß die Regierung für ihre Vorlagen einen vollkommen conetten Weg eingeschlagen habe. Dem rechtzeiitgen Schluß des Landtages steht nunmehr kein Hiiiderniß mehr entgegen; man nimmt an, daß derselbe am Freitag, vielleicht auch schon Donnerstag erfolgen werde. Die Volksver- treter werden sich also für das Pfingstfest der wohlverdienten Ruhe erfreuen können mit dem Bewußtsein, den Staatskarren glücklich auf den Weg gebracht zu haben, auf dem er nun den Sommer über ohne parlamen tarische Bcihülfe fein Ziel verfolgen kann. Zn den Berichten der Abgeordneten an ihre Wähler und in Uebersichten der Preßorgane wird das überreich angesammelte Material nach allen Richtungen hin und von den verschiedensten Standpunkten aus zur Ge winnung des FacitS verarbeitet werden. In dem einen Punkte werden wohl die Ansichten ziemlich allgemein übereinstimmen, daß die parlamentarische Arbeit der letzten Session mit Consequenz und vielfach mit Selbstver- läugnung den Zwecken und Aufgaben des Staats erfolgreich gedient hat, auch die Gegner dieser Staatsziele werden sich dem Einfluß der Thatsachcn nicht entziehen können und sich trotz allen Widerstrebens der unwiderstehlichen Macht der gewonnenen und bewährten Uebereinstimmung zwischen allen entscheidenden Faktoren der Gesetzgebung unterwerfen müssen. Richt minder aber wie im Innern des Reichs- und Staatslebens wird nach außen durch diese Befestigung der Grundlagen die Entwickelung Deutschlands die Position gesicherter und freier, während
1 o Bremen, 17. Mai. Es sind von den Lettern der internationalen landwirthschaft- lichen Ausstellung Veranstaltungen getrosten worden, daß für die Besucher der Ausstellung die erforderliche Menge von Wohnungen vorhanden ist. ES ist ein „Auskunfts-Bureau für Wohnungen" errichtet worden Auf erlassene Aufforderung sind diesem Bureau viele Wohnungen von Privatleuten angemeldet worden, die gewillt sind, während der Dauer der Ausstellung Fremden eine geeignete Unterkunft zu gewähren, und zwar zu dem Preise von 12/3 Thlr. für Bett, Licht und Frühstück (Caffee, Butter und Brod) pro Tag. DaS AuSkunftsbureau wird diese Logis denen, welche sich seiner Vermittelung bedienen, unentgeltlich nachweisen. Zu dem Zwecke nimmt es schon jetzt, und zwar bis 8 Tage vor Eröffnung der Ausstellung, also bis zum 5. Juni, Vorausbestellungen entgegen. Der Preis für den ersten Tag ist dem Bureau von dem Besteller im Voraus einzusenden. Das Bureau schickt ihm eine Karte mit der Adreste der besorgten Wohnung zu. Hat der Besteller seine Wohnung nicht am ersten Tage in Anspruch genommen, so ist der eingesandte Betrag verfallen und wird über die Wohnung von Neuem verfügt. Bestellungen sind nebst den entsprechenden Geldbeträgen an das bezeichnete Bureau zu richten. — Der Großherzog von Sachsen- Weimar hat seinen Besuch der internationalen landwirthschaftlichen Ausstellung in Bremen angemeldet. — Von dem Executiv-Comitä der internationaleu landwirthschaftlichen Aus- stellung zu Bremen ist die Summe von 1000 Mark für den besten Dampfflug ausgesetzt, der auf Haideboden (zu forstwirth- schaftlichen Zwecken) arbeitet. An einem näher zu bestimmenden Tage soll zu dem Zweck zu Bassum (3/t Stunde Eisenbahnfahrt von Bremen) ein Probepflügen statt- findcn. — In Bezug auf die Prämien-Ver- theilung ist noch die Maßnahme zu erwähnen, daß die ersten, zweiten und dritten Preise in den Sectionen der Thiere auf Wunsch
autoritär In Frankreich, dem päpstlichen Schooßkinde, in dem mit dem päpstlichen Segen reichlich versorgten Lande der Wallfahrten, haben Gesetzlosigkeit und Verwirrung, Um stürz alles Bestehenden und Widerstreben Aller gegen Alles stetig zugenommen und das Chaos scheint hier die Regel werden zu sollen. Die staatliche Ordnung scheint unvereinbar zu sein mit Rorn'S Gunst und Herrschaft, ebenso zeigt stch'S in Spanien. Kein Wunder also, wenn in Deutschland die Erkenntniß zunimmt, daß die öffentliche und allgemeine Wohlfahrt, wenn von Rom die Alternative aufgcdrängt wird, entweder die Herrschaft des Krummstabes oder die weltliche Souveränität, unter der letzteren besser gedeihe. — Unsere schon früher ausgesprochenen Zweifel, daß die Regierung zur Verlegung de« Preuß. Etatjahrs geneigt sei, haben sich neuerdings durch die bestimmte Erlärung des Finanzminister als begründet erwiesen.
Bonn, 16. Mai. Die Zahl der Alt
katholiken, welche auf dem hiesigen Rathhause amtlich ihre Beitrittserklärung abgaben, beträgt im Ganzen 226.
Aus Rheinland - Westfalen, 17. Mai. Das Zuchtpolizeigcricht in Coblenz verurtheilte vergangene Woche in einer einzigen Sitzung nicht weniger als 11 gesperrte Geistliche — hier zu Lande auch „Sperr—linge" genannt — auf Grund der Maigesetze zu Geldbußen von 100 resp. 50 Thlr. — Die Crirninal Deputation des Kreisgerichts zu Neuwied verurtheilte unter Ausschluß der Oeffentlichkeit einen Ackerer aus Daufenbach wegen Majestätsbeleidigung zu einer Gefängnißstrafe von 6 Monaten. Der Verurtheilte wurde sofort verhaftet. — In Trier wurden ebenfalls wieder 3 Geistliche zu je 100 Thlr. verurtheilt; auch wurde in dem dortigen Gefängntß, in dem schon eine ganze Reihe von Geistlichen sitzen, ein Kaplan aus Stölben internirr — Das Zuchtpolizei gericht in Düffeldorf hat den Handelsmann Deselar aus Gubach wegen Majestätsbeleidigung zu einer zweimonattichen Festungshaft verurtheilt. In derselben Stadt hat vor einigen Tagen ein ultramontaner Herr einem Ingenieur mit den Worten: „Da Du liberaler Hund!" mit einem Bierglase ins Gesicht geschlagen und denselben erheblich verletzt. — Gerüchtweise verlautet, daß in Folge der in Kleve stattgehabtcn Exceffe 3 Compagnieen Infanterie dorthin verlegt werden sollen. — Gegen den verhafteten Redakteur der „Wests. Volksztg." ist das < Verfahren wegen einer Majestätsbeleidigung i eingeleitet worden. Letztere soll in einem | dem baierischen „Vaterland" entnommenen
Der KiiSkiinig.
Novelle von M. v. RoskowSka.
(Fortsetzung.)
ES war ein häßlicher Abend zu Anfang des Februar. Schnee mit Regen untermischt verdüsterte die Lust und der Wind peitschte beide« in das Gesicht Diethers, der in Begleitung eines wegkundigen Bauern durch einen unendlich scheinenden Wald ttabte.
„Grad', weil sie keine Welsche von Geburt ist, drum sind alle noch mehr erbittert gegen sie," sagte der Bauer eben in dem breiten Dialekt, der im Westrich und überhaupt im Gebirge gesprochen wird. „Sie ®a8 sich in Acht nehmen, daß sie nicht einmal von unfern Leuten ohne ein Regiment Bedeckung auf der Landstraße getroffen wird
' es geht ihr dann übel. Sie muggelt i8 viel und alle Schmach und Gewalt, die unfern Weibern angethan worden, thät man 'hr heimzahlen l"
Diether kannte die im BlieSkeffel begüterte Dame nicht, welche so sehr den Haß
Deutsches Keich.
»« Berlin, 18. Mai. Mit der un- veränderten Annahme des Synodalgesetzes im Herrenhause ist die Grundlage für die neue Entwickelung und Organisation unserer Kirchenverhältnisse zum Abschluß gekommen und von allen einflußreichen Parteien, selbst
also leicht genug. Die Hauptsache ist und bleibt, daß Alles vorher gehörig vorbereitet wird, und es keinen Aufenthalt gibt, sonst entkäme wohl kein Einziger von uns. Die Verfolgung wird gewiß sehr heftig sein."
„Ist das ein Weg und ein Wetter dazu!" seufzte der Andre. „Zum Ueberfall selber schadete uns Beides zwar nicht — im Gegentheil. Doch bei der später« Jagd käme uns Frost sehr gelegen."
„Ah bah!" lachte Diether. „Wird uns oder die Welschen solch' Wetter eher mürbe machen? Ich für mein Part hielte die Welt nicht auf unser Unterliegen. Sie bleiben stecken und die Zweibrücker oder die Weststricher überhaupt, wären nicht die, die sie sind, wenn sic sich nicht immer flott zu machen wüßten, überhaupt in eine Klemme kämen, aus der sie nicht bald einen Ausweg finden. Einen Schluck, Pirmin, da!" Er reichte ihm eine lederumflochtene Flasche hin.
Das Anerbieten wurde Nicht abgelehnt. Wir sind jetzt gleich an der Straße und wenn sich bei dem Wetter die Wälschen auch nicht leicht herauswogen, müssen wir doch vorsichtig fein. Es gefiel ihnen gewiß nicht übel, den Fang zu machen.
„Ist das der Wind? Unmöglich!" Diether horchte scharf auf.
Das Sausen und Rauschen in den Zweigen klang allerdings oft sonderbar. Dies waren indeß andere Laute — gellende, ob schon noch ziemlich ferne Hilferufe. „Eine Weiberstimme!" Diether trieb sein Pferd an.
„WaS kann denn da nur vorgehen? Ob die Wälschen wieder einmal ein Mädchen—"
„Nein, eS sind die Unfern!" 1
Der Holzweg, den Beide bisher verfolgt, '
Der Haufe hatte ihn sogleich als einen der Ihrigen erkannt, sich durch den Anruf also nicht beunruhigt gefühlt. „Der Käskönig!" hieß es jetzt und mit hörbarer Genug- thuung, während sich ihm mehrere Hände zum Gruß entgegenstreckten. „Kommt gerade recht zu dem Spectakel — wir haben sie!"
„Er wurde nur auf das Versprechen, uns zu folgen, am Leben und auf dem Bock gelassen! Und jetzt wollte er doch ihr gehorchen!" Damit deutete ein weißköpfiger Mann auf den regungslosen Körper de« Kutschers zu ihren Füßen und auf ein an deres menschliche« Wesen, das Einige nach einem Baume hingezerrt hatten.
Diether warf einen Blick auf den Rofse- lenker, den das am Wage» befestigte Windlicht, das Einzige, welches, dem Winde zum Trotz, nicht erloschen war, hell beleuchtete. Er trug Grün und Weiß, wenigstens sieht Blau und Gelb bei Licht gewöhnlich so aus — und verröchelte eben seinen letzten Athem.
(Fottsetzung folgt.)
Schwere Kirchenbuße».
Die Bücher vergangener Zeiten erzählen von harter Noch und Bedrängniß, welche die Feinde der Kirche, die Gegner geweihter Priester erfuhren. Während fromme Geschichtschreiber unserer heutigen milderen Zeiten sich oftmals bemühen, die unbeugsam waltenden Mächte in besserem Lichte zu zeichnen und die Härte der geistlichen Strafen zu entschuldigen ober zu beschönigen, zeigt sich bei allen Gewährsmännern und Erzählern keinerlei Neigung zu Nachsicht und Mitleid. Die Meinung sollte nicht
। mündete nun in die Landstraße. In einiger : Entfernung bewegte sich auf derselben ein : noch nicht zu unterscheidender Menschenhaufen, in dessen Mitte ein Windlicht wie ein Irrwisch flackerte. Das Geschrei wurde kläg licher und heiserer.
Vergebens suchte sein Begleiter Diether mit der Befürchtung zurückzuhalten, es könnte ein Haufen Wälscher, ja, da« Ganze eine Falle sein.
„Halt da, Leute! Was giebts?" rief Diether mit seiner kraftvollen Stimme, die den Lärm und Sturm übertönte.
Blitzschnell wandte sich Alles ihm zu.
„Vorwärts, Jean! Hole Rächer, wenn nicht Helfer!" So unterbrach die Frauenstimme ihren Hilferuf und zwar sehr energisch.
Es galt dem Lenker einer prächtigen Karosse, der auf seinem Bocke thronte. Un willkürlich dem Befehl gehorchend, riß er an den Zügeln und das schwerfällige Gefährt kam ein wenig vorwärts.
Doch nur ein klein wenig. Im nächstm Moment waren die berben Fäuste einiger Bauern den feurigen, ungeduldig den Boden aufwühlenden Roffen in die Zügel gefallen. Andere hatten in blinder Wuth auf den Kutscher zugcschlagen, ihn herabgeriffen und wieder zugeschlagen mit den alterthümlichen, mit rostigen Nägeln gespickten, hölzernen Keulen, die zum Theil ihre Bewaffnung bildeten.
Ein anhaltender schriller Schrei der Frau, ein schmerzliches Stöhnen und bann ein dumpfes Röcheln be« Kutscher« I
„Was giebts, was geht hier vor?" wiber- holte Diether, jetzt näher herangekommen unb sprang vom Pferde.
brvinichstiger Ueberfall auf einen großen lsanzösijchen GeldtranSpott. „Es wirb ein Hauptschlag, ein Verlust wie bie Franzosen A noch nicht gehabt!" Sein jetziger Führer sollte, sobald sie die Landstraße er 'f'cht hatten, al« sein Bote einen anderen
einschlagen, mußte also in alle Einzel- mten eingeweiht werden. „Die größte Bvrsicht ist nöthig, denn bie Entdeckung des Hinterhalts vereitelte den ganzen Plan. ES -"ibt also dabei, daß Jeder einzeln und vvrttchtjg jUm Sammelp atz schleicht. Grade bet Nähe von Homburg la forteresse eetben sie ganz sicher fein, das Spiel ist
z. B. in Frankreich die innere Verwirrung einen immer höheren Grad erreicht hat und zur Consolidirung der staatlichen Ordnung und Sicherheit weniger als je auch nur einen Ausweg zeigt, viel weniger Bürgschaft giebt. — Inmitten des großen Culturkampfes und des Existenzkampfes zwischen Staat und Hierarchie, trotz der Aufbietung aller Mittel und Allianzen zur Niederwerfung der Staatsautorität unter die Füße des Römischen Clerus, haben die coaliirten Gegner Deutsch landö es nicht verhindern können, daß die letzte parlamentarische Session reicher an positiven Errungenschaften geworden ist, als irgend eine andere; unter unermüdlich von dm Untramontanen fortgesetzten Drohungen und Prophezeihungen der bevorstehenden Auflösung, vermehrten sich im Deutschen Reich und in Preußen Schritt vor Schritt die Bürgschaften staatlicher Macht und öffentlicher Wohlfahrt, die Annäherung der ent scheidenden Elemente und das Uebergewicht der Freunde des Reichs und der Staats
Sflr in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von werd^ SgrdAnet 3