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ffr. 115

Marburg) Dienstag, den 19. Mai

1871

Anzeigen nimmt entgegen: kfe Expedition d. Blatte-, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich L Co. m «affet und Hannover; Th. Dietrich in Frankftrrt a. M.; öaasenstein & Vogler m Krankfutt a- M, BerlinLeip- Cvln ic.; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurts. M. :c.

(!"'licrl|clTifd)c Jrtlung.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie btt Annoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sch? Buchhandlung in Frankfurt a. M; Jnvalidendank, A- Rete- meyer in Berlin; Carl Schütz- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quattal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 88Z Sgr., durch die Postämter 87 ®gr.

<excl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 88 Sgr. Jnsertionsgedühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr.

Für in der Expedition zu ettbeilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden Sgr. berechnet.

Deutsches Strich.

h Berlin, 16. Mai. Vor dem Gin- tritt in die Tagesordnung erbat und erhielt heute der Abg. LaSker das SB ort zur Be antwortung drr vom Fürsten Putbus im Herrenhaus ihm insinuirten Anklagen. Die Rede war von sichtbar günstiger Wirkung begleitet und rief eine lebhafte Bewegung hervor, welche erst mit Aufnahme der Tages­ordnung allmählich wieder zur ruhigeren geschäftlichen Haltung überging. Eine lange Reihe von Vorlagen, darunter die Fünfzig- Millionen - Eisenbahn - Anleihe fand glatte Erledigung. In parlamentarischen Cor respondenzen sind Besorgnisse geäußert wor­den, daß daS ExpropriationSgesetz im Her- renhause Schwierigkeiten begegnen werde; der Bericht deS Herrn von Kröcher gibt jedoch zu solcher pessimistischen Austastung keinen Anhalt, da er die Fassung, die das Gesetz im Abgeordnetenhaus erhalten, für annehmbar erklärt. Selbst dieVossische Ztg.", sonst als allezeit getreuestes Oppo- silionSorgan eine Abweichung vom Front machen als einen Makel fürchtend, läßt nunmehr dem Reichspreßgesetz doch ihre Anerkennung zu Theil werden und feiert den 7. Mai als einen Tag von Bedeutung für.die Preste und die Volksfreiheit. In der Voraussetzung, daß das Preßgesetz die Majorität erhalten werde, konnte das Fort- schriusbiatt vorher ungenirt und ohne Ver­antwortlichkeit durch Bekämpfung sich die Lorbeeren unerschütterlicher Gesinnungstüch- tigkeit sichern, ohne befürchten zu müssen, daß ihr dadurch die Vortheile des Preßge- setzeS verloren gingen. Die Errichtung neuer Lehrerseminare zu dem Zwecke, dem Lehrermangel abzuhelfen, wird im EultuS- Mnistenum als ein nicht unbedenkliches Mittel angesehen, da schon im Princip die Begründung dauernder Einrichtungen zur Befriedigung nur vorübergehender zeitweiser Bedürfnisse als eine Ueberschreitung der Ausgabe das Ziel leicht verfehlen laste. Zweckentsprechender wird die Erweiterung der bestehenden Seminare nach Maßgabe de« concreten Bedürfnisses befunden. Dem­nach sind die Provinzialjchulcollegien ange wiesen worden, über daS in ihren Bezirken etwa hervortretende Bedürfniß nach Erwei-

Der KaSkiuiz.

Novelle von M. v. RoskowSka.

(Fortsetzung.)

Er lachte dieser Gefahr. Jene konnten blvS drohen, nicht wirklich schaden, hielt man sich hinter dem Bollwerk de« Gemäuers. Die wilde Lustigkeit, die ihn einen Augen­blick überkommen wollte, wich indeß sogleich Beide Hände auf die Augen prestend, mur­melte er mit erstickter Stimme:Zum Verrückt werden ist's! Weißt noch Bärbel, wie hier btt Grundstein gelegt wurde zu dem Bau?"

Ja wohll" Sie dachte ihm über diesen schweren Augenblick durch Zerstreuung fort juhelfen und suchte ihn gleichzeitig weiter

ziehen. Er stand jedoch wie in den Boden gewurzelt, gleich den alten Bäumen ring«.Kaiser Konrad des SalierS Stamm­sitz, die Limburg, stand einst hier. Da verunglückte KonradS ältester Sohn auf der Jagd und er, wie seine fromme Gemahlin Gisela beschloß über des Erstgeborenen Grab ein prächtiges Kloster zu bauen und ^gleich einen Dom in ihrer geliebten Stadt Speyer. An einem frühen Julimorgen, ich weiß nicht welchen Jahre«, aber eS sind doch über siebentehalbhundert Jahre her, legte er hier den Grundstein und ritt dann nüchtern die sieben Stunden bis Speiet, um bort den Kaisetdom zu gründen. Muß ein ganzer Mann gewesen sein; dieser Konrad! Heutzutage bekäm' ein Kaiser so etwa« vor dem Frühstück nicht fertig."

Und nachher auch nicht!" grollte Diether.

terung der qu. Lehranstalten Bericht zu erstatten.

16. Mai. Die Abreise des Fürsten Bismarck nach Varzin ist verschoben.

Fraukfurt, 15. Mai. Am Mittwoch Vormittag wurde von Hrn. Director Eiseln die Generalversammlung des Vereins von Lehrern höherer Unterrichtsanstalten der Provinz Hessen -Nastau und des Fürsten thums Waldeck in Gegenwart von etwas über 200 Lehrern eröffnet. Ein Statuten- Entwurf gelangte zur Vorlage, welcher ohne Debatte einstimmig angenommen wurde. Der §. 1 bezeichnet als den Zweck des Vereins die Förderung des durch denselben vertretenen Lehrerstandes in Bezug auf Wissenschaft, Amts und gesellschaftliche Stellung. Aus dem Berichte über die Thätigkeit des Vor­standes ist hervorzuheben, daß derselbe auf seinen Plan, eine Statistik des Schulwesens der Provinz anzufertigen, verzichten mußte, da ihm die einzelnen Anstalten das dazu benöthigte Material nicht einsandtcn. Aus dem Referate über die Kassenverhältnisse ergab sich, daß der Verein am Jahresschlüsse 270 Mitglieder zählte, welche sich jetzt auf 370 beziffern. Die Kaste schloß mit einem Saldo von 25 Thalern ab. Im Hinblick auf die günstige Finanzlage wurde beschlossen, auch in dem neuen Geschäftsjahr nur 1 Mark pro Kopf als Beitrag zu erheben. Was den nächstjährigen Versammlungsort anlangt, so wurde das in, erster Linie vorgeschlagene Marburg einstimmig gewählt und der Vereinsvorstand aus fünf dortigen Lehrern, den Herrn Gymnasial-Director Dr. Münscher, Professor Kollmann, Gymnasial-Oberlehrer Dr. Buchenau, Rector Dr. Hempfing und Pfr. Dude von der höheren Bürgerschule mit dem Rechte bet Kooptation gewählt. Für einen Vorschlag, ähnlich wie in anderen wissenschaftlichen Versammlungen Sectionen zur Berathung gewisser Fragen zu bilden und dann über das Resultat im Plenum Bericht zu erstatten, konnte sich die Versamm­lung nicht erwärmen und überwies man denselben zur weiteren Prüfung dem Vor­stande. Herr Gymnasial - Director Göbel aus Fulda referirte sodann übet die erste Frage der Tagesordnung:Soll der fran­zösische Unterricht auf dem Gymnasium in

Darum steht'S auch so jämmerlich um das Reich. Damals war'S anders! Und daß es so ist, daß hier keine Männer sind und daß ich vor den Wälschen wie ein Spitzbub davonlaufen soll !* Er stieß einen dumpfen Schrei aus, und fuhr verzweifelnd mit den Händen in die Haare, während heiße Thränen aus seinen Augen stürzten. Wenn je Einer, dann hätte er jenem Kaiser eine solche Arbeit vor dem Morgenimbiß nachmachen können. Die hohe muskulöse Gestalt war nie so voll blühendster Kraftfülle erschienen, als in diesem Ausbruch maßloser Verzweiflung.

Diether, sei gescheidt, rase nicht gegen Dich selber!" bat da- Mädchen, doch ohne selbst jetzt in jene Aengstlichkeit zu verfallen, die in diesem Augenblick ganz natürlich ge­wesen wäre.Aus dem Stadtthor jagen Reiter nach der rothen Hohl. ES sind Wälsche und sie schneiden Dich unten ab, wenn Du nicht schnell fortmachst". Zn- sammenfahtend verstummte sie. Da war auch bet Diener in Blau und Gelb nein, sie täuschte sich nicht. Et trennte sich eben von den Andern, schlug den sogenann­ten Geisenweg ein, bet von bet Stabt aus zur Abtei führte. Jetzt machte er benen auf der Haidenmauer ein Zeichen und winkte nach der Ruine hin.

Bärbel fürchtete dm Mann mehr, als alle Franzosen zusammen. BlitzeSschnell schoß eS durch ihren Sinn: gewiß habe er von seiner Herrin den Auftrag, ihr den

Quinta oder Untertertia beginnen?" Redner sprach sich im längeren Vortrag dahin aus, daß der französische Unterricht in der Quinta principiell zu verwerfen sei und am frühesten in der Untertertia zu beginnen habe. Der Correferent, Herr Director Paehler von Montabaur, saßt die Frage ziemlich in ent gegengesetzter Weise auf und verwies den Beginn des Unterrichts im Französischen in die Quinta. Eine Abstimmung, wessen Meinung die Mehrheit für sich habe, sand man nicht für angezeigt, da ja doch in Bälde durch das Ministerium die Frage entschieden werden dürfte. Hinsichtlich deS zweiten Punktes der Tagesordnung:Die deutsche Orthographie", Referent Herr Oberlehrer Dr. Buchenau, sprach die Versammlung als Princip auS:Es ist dringend wünschenS- werth, daß die höheren Schulen des Vereins­bezirkes sich über die auf denselben zu be­folgenden Grundsätze bezüglich der deutschen Rechtschreibung einigen." Zur Ausarbeitung derselben wählte man eine Commission, be­stehend aus den Herren Oberlehrer Dr. Buchenau in Marburg, Director Dr. Piderit in Hanau, Dr. Weismann hier und Lehrer M. Kremer hier. Ebenso wurde die Frage der Gründung einer Witwen - und Waisen­kaffe für die höheren Schulen der Provinz einer Commission überwiesen, gebildet aus den Herren Rector Buderus zu Kastel, Se­minarlehrer Franke in Usingen, Rector Hempfing in Marburg, Reallehrer Wagner aus Fulda. Schließlich einigte man sich hinsichtlich der Ferien-Frage über das Princip, welches es in hohem Grade wünschenswerth, wenn nicht geradezu nothwendig bezeichnet, daß Semester- unb Schuljahr - Abschluß in bet ganzen Monarchie berfelbe sei unb daß mithin auch eine einzige Ferien-Ordnung eingesührt habe.

DreSde«, 16. Mai. In bet heutigen Sitzung der zweiten Kammer wurde der Entwurf des Gesetzes, betreffend die Ein­führung einer progressiven Einkommensteuer mit Deklarationszwang mit 51 gegen 17 Stimmen angenommen.

München, 16. Mai. Der Beschwerde- Ausschuß der bayerischen Kammer hat die Beschwerve deS Jesuitenpaters, Graf Fugger, wegen Ausweisung mit 5 gegen 4 Stimmen

schmucken Käskönig in Gutem oder im Bösen mitzubringen, sahnde hier auf ihn. Daß er unmöglich wissen könne, Diether sei eben hier oben, das fiel ihr nicht sogleich ein.

Unb Diether, der noch immer rafenb schien, hatte weder ihre Worte beachtet, noch sah er danach auS, um überhaupt etwas zu beachten! Sein wilder Schmerz hatte den Gipfel erreicht und bann trägt ber Aus­bruch beleihen bei einem so heißblütigen unb kraftvollen Menschen oft baS Gepräge des heftigsten Jähzorns, das sich im Zer­stören Luft zu machen strebt. Was standen diese Maunreste denn noch wie für Ewig­keiten da, während Alles niedergesunken war, was jener Mann und Kaiser, der den Grund dazu gelegt, unb seine Nachfolger aufgebaut? Blindwüthend griff Diether nach bem Gestein, als wolle er eS, wie einst Simson bas Haus bes Philisters, über sich zusarninenstürzen. Er bedachte nicht, baß bieses Steingefüge ber Kraft eines Menschen, unb sei er noch so stark, nicht weichen werbe; er bedachte unb bachte eben nichts, empfanb nur bittere«, verzweiflungsvolles Weh.

Aber ber Stein, den er, sich stark auf- ftemmenb, erfaß hatte, gab ohne jeden Wider­stand nach. Er taumelte zurück, wäre fast zu Boden gestürzt. Und jenem Stein nach rollten einige andere, fo daß Bärbel, im ersten Schrecken wähnend, die Mauer breche wirklich ein, statt zu fliehen, auf Diether zusprang.

für unbegründet erklärt. Der Botschafter bei der französischen Regierung, Fürst Hohen­lohe, welcher einige Tage bei seiner Familie hier verweilt hatte, ist heute Nacht nach Paris abgereift.

Straßburg 14. Mai. Der seit einigen Tagen hier anwesende Geiieral-Postdirektor Stephan hat begonnen, sich durch dienstliche Ausflüge direkte Einsicht in den Stand ber reichsländischen Postverwaltung zu ver­schaffen. Seit ungefähr einer Woche ist in den unteren Räumlichkeiten des hiesige» Stadthauses eine von dem Verein bet Straß­burger Kunstfreunde" veranstaltete Kunst­ausstellung eröffnet, die erste derartige Aus­stellung feit dem Jahre 1870. Der ge­nannte Verein hat bisher seine Unberührt- het mit ben cingeroanberten Elementen auf das Aenglichste zu wahren gewußt unb uns in Verbindung damit nicht nur französisch ge­druckte Einladungsschreiben unb Kataloge, sondern auch eine ganz nach Pariser Art zube- reiteteBilder sammlung circa 200 Nummern vor Augen gestellt. Das einzigen bedeutende Kunstwerk der Ausstellung gehört dem Ge­biete der Plastik an; es ist der zu Paris in vortrefflichem Erzgusse neu heagestellte Ikarus" von dem Straßburger Meister Graß, eine Statue, deren erstes Original bei bem Brande des Kunstausstellungsge- bäubeö auf des Kleberplatze 1870 zerstört worben war. Der Wieberaufbau des ge­sprengten Rheinbrücken-Uferpfeilers unb ber eisernen Uebetbrütfung bes ersten Strom durchlasses auf ber Kehler Seite ist ber Vollenbung nahe. Der Wafferstanb bes Rheines hat burch bie jüngsten heftigen unb anbauernben Regengüsse keine Erhöhung er­fahren.

LuSlaud.

Rom, 16. Mai. Die Deputirtenkammer hat ben ersten Artikel des Gesetzentwurfs, betreffend die Einführung des Tabaksmono- pols in Sicilien mit 163 gegen 126 Stimmen angenommen.

Pari-, 16. Mai. DerMoniteur" meldet, die Verhandlungen mit Mexico wegen Wiederaufnahme der diplomatischen Be­ziehungen stünden auf bem Punkte, befinitiv abgeschloffen zu werben. Es sei bereits in ber Person beS Hrn. Outrey ein Gesanbter

Allein eS waren nur kleine Steine ge­wesen ; bie Mauer, auS riesigen Werkstücken gefügt, stand unerschüttert vor den bebenden Menschenkindern. Denn auch Diether über­lies ein Schauer. Der Zornausbruch war vorüber.

Während Bärbel auS Herzensgrund: Gott sei Dank!" flüsterte, kam Diether vollends zu sich. Zu weich' frevlerischem Beginnen hatte seine Heftigkeit ihn hinge- riffen. Wäre dieser Stein nicht so lose unb bie Mauer nicht so fest gewesen, Bärbel hätte schwer beschädigt sein können.

Auch diese schaute nach dem Fleck im Gemäuer und Beide wunderten sich. Diether hatte, weil ihm die Vertiefung eine bessere Handhabe bot, unwillkürlich gerade ben Stein unter jenem ersaßt, ber bei dem Schuß herabgefallen unb es war in ber dicken Mauer eine Höhlung entstauben. Was enthielt biefelbe aber? Es sah gelbbraun aus, saft wie eine gebräunte Haut.

Diether zögerte nicht, sich unb sie zu überzeugen, was es sei. Er griff hinein unb zog einen schweren Leberbeutel hervor, dem dann noch ein paar andere folgten. Sieh doch, was drinn steckt, am Ende gar ein Schatz!" rief er in gänzlich veränderter Stimmung.

Bärbel scheute sich indeß vor ber Be­rührung biefer Beutel. Die Mauer war dem TeufelSstein brüben, welchen ber Teufel auf baS herrlich vollendete Kloster hatte schleudern wollen, fast gegenüber, und sie