Mr. UM.
Zllarburg, Sonntag, den 17. Mai.
187^
fowie bte Annoncen-Bureaux wn Th- Dietrich & Co. m «affet und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M; Haasenstein L Vogler m Frankfurt a- M-, Berlm^Lech- Cdln ic.; Rudolf Stoffe iuBerlin, Frankfurt a- M. rc.
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Pslitische WochkN-Ueberficht.
Kaiser Wilhelm verweilt seit dem Schlüsse voriger Woche in Wiesbaden. Er macht dort täglich seine Ausfahrten, besucht Abends da» Theater, und Berichte von dort rühmen die Frische seines Aussehens und seiner Rüstigkeit. Bor der Abreise von Berlin hatte der Kaiser noch zu längerer Besprechung den Fürsten Bismarck besucht, der sich zum Pfingstfest nach Varzin begeben und daselbst 8 bi» 10 Tage verweilen und alsdann nach Kisstngen gehen wird, da sich die ton sultirenden Aerzte nunmehr definitiv für diesen Kurott entschieden haben. Die kirchen- politischen Ergänzungsgesetze haben in beiden Häusern de« Landtags ihre Erledigung gefunden und hofft man vor Pfingsten noch dm Schluß de« Landtags zu ermöglichen. — In Baden beschäftigt sich die Kammer mit einem Gesetze über die Regelung der Verhältnisse der Altkatholiken.
Die beiden ersten der in Oesterreich vorgelegten vier kvnfesstoncllen Gesetze, das Mr die äußern, Rechtsverhältnisse der katholischen Kirche und das über die Beiträge zu den Religionsfonds, haben die kaiserliche Sanction erhalten und sind am 13. durch die amtliche Wiener Zeitung verkündigt worden. Am 7. Mai wurde die erste Session des ReichöratheS, der am 8. November 1873 eröffnet worden, vertagt, nachdem das zum ersten Male aus allgemeinen Wahlen hervorgegangrne Abgeordnetenhaus 63, das Herrenhaus 21 Sitzungen abgehalten, die vorzugsweise den konfessionellen und volkS- wirthschaftlichen Angelegenheiten gewidmet waren.
Au« der Schweiz ist zu melden, daß im Canton Baselstadt der Große Rath einen Antrag auf BerfaffungSreviston für erheblich erklärt hat. Es sollen dabei unter Anderem die Zunstwahlen abgeschafft und eine besoldete Regierung von kleinerer Mitgliederzahl ein- gesührt werden.
Das italienische Parlament fährt fort, die Finanzgesetze mit ungewöhnlicher Schnelligkeit zu votiren, so daß die Gesammtheit der Minghetti'schen Vorlagen voraussichtlich baldigst zur Annahme kommen wird. Nur die Einführung der TabakSregic auf Sicilien
Luthers Herberge in Marburg.
Als im Jahre 1529 Dr. Martin Luther nach Marburg kam, um an dem von Landgraf Philipp von Hessen zwischen den deutschen und schweizerischen Reformatoren veranstalteten Religionsgespräch Theil zu nehmen, soll er sein Absteigequartier im Gasthaus zum Bären in der Barfüßerstraße genommen haben.*) Als das Gasthaus zum Bären wird nun in neuer und neuester Zeit das am Eingang in die Barfüßerstraße liegende SuppeS'sche HauS bezeichnet. Daß diese Annahme jedoch eine irrthümliche ist, soll durch nachstehende Erörterungen, gestützt auf verschiedene, im hiesigen Stadtarchive neuer« dingS gemachte urkundliche Entdeckungen, begründet werden. Zugleich mag sich hieran der Nachweis schließen, welches HauS das ehemalige Gasthaus zum Bären war.
In der Barfüßerstraße und deren nächsten Nähe befinden sich mehrere Brunnen, welche man ehedem Kümpfe nannte. Der eine, am Ausgang der Marktgaffe, neben dem jetzigen Heu- oder ehemaligen Kornmarkte, an dem oben erwähnten SuppeS'schen Hause, ist mit einem Löwen verziert, der ein Schild hält mit einer Inschrift und der Jahrzahl 1772; der andere, in der Barfüßerstraße neben dem Urff'schen Hause, am Eingang « die Augustinergafle, trägt auf seiner Röhrensäule einen Pinienapfel; der dritte steht
*) Siehe Schmitt, Ludwig, zweiter Pfarrer btt res. Gemeinde zu Starburg. Das Religions- ßkspräch zu Starburg 1529. Starburg 1640, bei Elwett. S. 64.
findet lebhaften Widerstand Seitens der Deputirten dieser Insel, welche dem Mi nisterium bereits Gegenvorschläge gemacht haben, um den Ertrag der einzuführenden Regie in anderer Weise auszubringeu.
Die französische Nationalversammlung nahm am 12. Ma! ihre Sitzungen in Versailles wieder auf. Die Frühlingssaison verspricht stürmisch zu werden. Broglie, der nicht in der ersten Sitzung erschien, soll sehr beunruhigt sein. Buffet'S Wiederwahl zum Präsidenten ist bei Enthaltung der Linken von der Abstimmung erfolgt; am Freitage sollte die Tagesordnung für die Arbeiten der Session sestgesetz werden, und diese wird über die Haltung und Stärke der Parteien und, wie die Besiegten vom 24. Mai hoffen, über das Schicksal der Regierung entscheiden. Die Lage ist bis jetzt, wie sie seit Wochen war: Mac Mahon will sich nicht ohne Noch von Broglie trennen, dieser nicht ohne die äußerste Noth die Politik des 24. Mai aufgeben; er wird die konstitutionellen Gesetze einbringen, ohne die Dringlichkeit derselben zu verlangen, um sie entweder mehr nach der linken oder rechten Seite des Hauses neigen zu können. So ist es möglich, daß das Septennium noch bis zum Herbst ein bloö persönliches Ding bleibt, es ist aber auch möglich, daß zur Organisation desselben geschritten wird. Broglie bietet der Rechten das Wahlgesetz als Köder, da sie dieses so wenig wie das Unterrichtsgesetz ohne festes Zusammengehen mit der Regierung in ihrem Sinne zu erlangen vermag.
Während der neue Oberbefehlshaber der spanischen Nordarmee, General Concha, noch mit den Vorbereitungen beschäftigt ist, um den über die Carlisten gewonnenen Sieg zu verfolgen, hat Serrano, der Präsident der Republik, in Madrid schon iene Ministerkrisis zur Lösung gebracht.
Mit der erfolgten Ankunft de« Kaisers von Rußland in Windsor ist der Theilnahme, welche die Bevölkerung Englands allen Ereigniffen in den hohen Kreisen zugewendet, neue Nahrung geboten; das Programm, welches sich über acht Tage erstreckt, ist sehr reichhaltig. Das Parlament ist mit den se== 1 - ■ -
auf dem Plan. Der vierte, der „PeterS- kumpf", befand sich vormals in der Untergasse; der fünfte noch AuSgangS des vorigen Jahrhundert« unter dem oben erwähnten Kornmarkte auf der Hofstadt, da, wo dermalen die Linde steht. Die Kümpfe reichten ehedem theilweife bis in die Straffen, wurden aber aus Zweckmäffigkeitsrücksichten bei wiederkehrendem Umbau bis auf die jetzigen Stellen zurückgezogen. In den hiesigen Stadtbau - Rechnungen werden sämmtliche Brunnen erwähnt, jedoch nur die beiden zuerst genannten kommen bei der Lösung des oben erwähnten Problems in Betracht.
Welches Alter die beiden Brunnen, der am SuppeS'schen und der am Urff'jchen Hause, haben, kann wegen Mangels an Nachrichten nicht mitgetheilt werden, da die vorhandenen Stadtbaurechnungen nur bis zum Jahre 1452 zurückreichen, was jedoch die Namen derselben anbelangt, so läßt sich darüber Auskunft geben. Der Brunnen neben dem SuppeS'schen Hause heißt in den älteren Stadtbaurechnungen der „Kumpf am Kornrein" oder „am Kornmarkte", und von da ab, wo er den Löwen als Zierde erhielt, der „Löwenbrunnen". Als im Jahr 1538 ein Neubau desselben nolhwendig war, wurde er dem damaligen Stadtmaurer Ludwig verdingt. Die Baurechnung berichtet darüber folgendermaßen: „1538 Außgaden Zum Nuwen kowp Am körn reyn. Burge- meister vnd Raith haben Meister Ludwig Murer Ein runden komp Zwmtzig schuweit am körn reyn--alle steine zu brechen vnnd
Vorstadien des Gesetze« zur Regelung des Gottesdienstes und de« Schenkstundengesetzes beschäftigt.
Ganz Holland schwimmt in Festesjubel wegen des 25jähttgen Jubiläum« deS Königs. In Amsterdam sind am 11. und 12. Mai glänzende Festlichkeiten gefeiert worden, alle gorische Aufzüge, kirchliche Feierlichkeiten, Ceremoien, Illuminationen und Serenaden haben stattgefunden. Rotterdam und Haag werden demnächst Feste feiern und nach diesen noch andere Städte, so daß die Feier einige Wochen dauern wird.
In der belgischen Repräsentantenkammer war ein unangenehmer Zwischenfall vorgekommen, indem eine Aeußerung des Herrn Frere-Orban von Herrn Guillery als persönliche Beleidigung ausgenommen wurde. Durch Berufungen einflußreicher Mitglieder der liberalen Partei ist aber der Streit beigelegt worden, eine dahin lautende Erklärung wurde von Herrn Bara in der Kammer vorgelesen, und damit ist zugleich der wochen lange zwecklose Wortkampf der Partei zu Ende gekommen und die Kammer hat sich wieder den Geschäften zugewandt.
Dem schwedischen Reichstage ist ein Gesetzentwurf vorgelegt worden, welcher das Heerwesen fast ganz »ach preußischem Muster umzubilden bestimmt ist und die allgemeine Wehrpflicht einführen soll.
Der Kaiser von Rußland hat am 8. d. in Stuttgart der Hochzeit feiner Nichte, der Großfürstin Vera Constantinowna, bei gewohnt, ist bann auf der Reise nach England am 12. d. in Amsterdam eingetroffen, um dem König der Niederlande zu dessen 25jährigem Regierungs-Jubiläum seinen Besuch und Glückwunsch abzustatten und hat, wie bereits erwähnt, den briltischen Boden betreten. Fürst Gortschakow hat nun auch feinen Agenten beim Vatikan, Herrn Kapnist, von Rom abberufen, nachdem schon vor acht Jahren die beim Papst beglaubigt gewesene russische Gesandtschaft aufgehoben worden war.
Die griechischen Kammern sind aufgelöst und die Neuwahlen auf den 1. Juli anberaumt. Bulgari« führt die Regierung weiter.
hauwen sampt dem boboen biff vffs setzen »erbingt vmb 47 gulben, ist alle betzalt thut 51 Pfunb 1 Schilling." Der Brunnen neben bem Urff'schen Hause heißt in ben Stabtbaurechnungen bis zu Anfang bes 16. JahrhunbertS ber „Kumpf in bet Barfüßer- gaffe“. Um biefe Zeit würbe bas HauS, neben welchem ber Kumpf stanb, ein Gasthaus, baS in seinem Aushängeschild einen „Bären" führte, und fortan heißt der Brunnen ber „Kumpf beim Bären", ber „Bärenkumpf" unb, wo er in ben Stabtbaurechnungen nach bem Jahre 1772 neben dem Löwenbrunnen genannt wird, der „Bärenbrunnen". Einen Bären als Zierde erhielt er erst im Jahre 1705, jetzt krönt die Brunnmsänle statt eine» Sören ein Pinienapfel. *) Auch beim Löwenknrnpf war im Jahre 1539 ein Umbau nöthig, wie die« ebenfalls die Stadtbanrechnung berichtet, Jn ber es heißt: „öffgeben Zum kompe bet bem Beeren. Endres scheerer vnd Ludwig fchnider kärnrnerer zu Marpurg. Anno Domini 1539. Außgeben den Steinmetzen und Murern. Item Donnerstag nach Regum haben Bürgermeister vnd Raith Ludwig der Staidt Murer Ein Ronden komp 14 schue weit Im lichten vnnd Neun schue hoch In die barfuffen gaffen von grossen quadern bei bem beern verdingt bei seine cost die Steyne zu brechen zu hawen
* ) Welche sachliche Gründe Bürgermeister unb Rath veranlaßt haben, den Bären gegen einen Pinienapfel zu vertauschen, läßt sich wegen Mangels an Nachrichten nicht ermitteln.
Den türkischen Finanzen wirb einstweilen toieber einmal geholfen fein. Sabyk Pascha hat ben französischen unb englischen Finanzen folgenbe Vorschläge machen bürfen: Die großherrliche ottomanische Bank wirb mit anberen Finanzanstalten zu einer Nationalbank bereinigt unb bnrch Aufnahme eine« zweijährigen Vorschusses werben bte Mittel gewonnen zur Tilgung ber schwebenben unb zur Verzinsung ber öffentlichen Schulb.
Rumänien ist jetzt burch Eröffnung ber Strecke Jassy-Ungheni in birecte Eisen- bahnverbinbung mit Rußlanb (Obessa) getreten.
DentscheS Keich.
* • Berlin, 15. Mai. Wiederum ist ein Mitglied unseres diplomatischen Corps, ber bisherige Gesanbte in Konstantinopel, Graf Kaiserlingk, vom Leben abberufen worben; nachbem eben bie Hoffnung auf Besserung aus Baden ausgesprochen worden war, folgte unmittelbar daraus schon die Todesnachricht. — Die Hoffnung, baff ber Schluff ber Lanbtagssession bis Pfingsten erfolgen werbe, ist burch bie rasche Erledigung der beiden kirchen-politischen Gesetze wegen Verwaltung erledigter Bisihümer und wegen Ergänzung des Gesetzes über Vorbildung und Anstellung der Geistlichen wieder befestigt worden. Man rechnet nunmehr darauf, daff die Majorität auch dem Synodalgesetz ihre Zustimmung geben werde und damit würde die Erfüllung des allseitigen Wunsches nach parlamentarischer Ruhe bis zum Herbst gesichert erscheinen. — Pro- seffor Adolph Wagner hat in dem neuesten Heft der von v. Hvltzendorff herausgegebenen Jahrbücher für Volkswirthschast, Gesetzgebung und Statistik einen Artikel über bie preuff. Finanzverhältnisse unb bie Entwickelung berfelbcn unter bem Einfluß ber Kriegsverhältnisse eine höchst interessante Beleuchtung ber wichtigsten finanziellen Tagesfragen geliefert, bereit Beachtung an- gelegentlichst zu empfehlen ist. Auch seine frühere kleine Abhandlung über Staatspa- picrgeld, Reichskaffenscheine und Banknoten ist ein wichtiger Beitrag zur Klärung der Finanzpolitik und geeignet, herrschende Irr-
sampt den bobben biff vfs setzen bei seiner cost baurn Jme geben 38 gülden den gulben zu 26 albus, thut 49 Pfund 4 Schilling." *) Hiermit wäre unsere Aufgabe gelöst unb bas Resultat derselben geht dahin, daß nicht an der Stelle des SuppeS'schen, sondern an der des Urff'schen Hauses das ehemalige Gasthaus zum Bären geftanben hat, welches bie Ehre hatte, ben deutschen Reformator zu beherbergen.
Mit bet Entfernung bes Bären vom Brunnen — von ber es unentschieden bleibt, ob es eine freie ober gewaltsame war — ging zugleich bie Tradition des Gasthauses gleichen NamenS verloren. Als man nach vielen Jahren wieder einmal nach demselben suchte, Niemand ober mehr Auskunft zu geben vermochte, mag man auf ben am Kellerhalse des SuppeS'schen Hauses befindlichen ein Wappenschild mit einem Baum haltenden Bären, neben welchem die Jahrzahl 1672 steht, aufmerksam geworden sein und dieses Haus für das ehemalige Gasthaus zum Bären gehalten habe». B.
*) In demselben Jahre wurde auch der Kumpf unter dem Kornmartte neu gebaut. In der Stadtbaurechnung heißt es: „Außgeben Zum Nuwen kompe beneder dem körn margte. Anno Domini 1539. Item, Meister Ludwige der Murer den komp unter dem körn margt bei seiner kost zusetzen zuuermuern vnd die Treppen darumb zu legen, allein das die Staidt beredschafft vnd anbdager stelle, verdingt, bauen Jme geben 26 gülden Landwere, thut 33 Pfund 8 Schilling.