Marburg, Sonnabend, bett 16. Mai.
Mr. 113
187«
ObrrhtWr Jrihing
Englands auf die Sicherung des Friedens sagt. Gegenüber der sonstigen Zurückhaltung des englischen Ministers ist die aus
drückliche Betonung der in den letzten Jahren eingegangenen Verträge und der bindenden Kraft derselben von großer praktischer Bedeutung.
Die Verträge, auf welche Lord Derby hinweist, sind augenscheinlich die über die Neutralität von Luxemburg und Belgien, — die im voraus verkündete energische Wahrung dieser Verträge kann in der Thal eine der entschiedensten Friedensbürgschaften werden.
Seitdem Metz und Straßburg in unseren Händen sind, ist für Frankreich der Angriffs krieg gegen Deutschland sehr erschwert: ein überraschender Angriff könnte nur etwa über Luxemburg oder Belgien versucht werden. Insoweit nun die Kriegspartei in Frankreich sich der Täuschung hingcben sollte, eintreten den Falls unter Nichtachtung der Neutralität von Belgien und Luxemburg vorgehen zu können, ist es von hoher Bedeutung, daß England im Voraus seinen festen Entschluß bekundet hat, für die Aufrechterhaltung jener Verträge auch an seinem Theile einstehen zu wollen.
Durch diese Erklärung hat sich England thatsächlich an der Friedenspolitik betheiligt, welche seit den letzten Jahren der Gegenstand des gemeinsamen Strebens der mit dem Deutschen Reiche befreundeten Mächte ist Lord Ruffel hat sich, indem er Ane solche Erklärung veranlaßte, ein Verdienst um die Sicherung des europäischen Friedens erworben. (Prov. Corr.)
Fülle von Farben und köstlichen Früchten rings.
„Wem wird all dieser Segen zu Gute kommen?" seufzte das Mädchen.
Der junge Mann stöhnte laut auf; Zorn und Grimm wollte ihm die breite Brust sprengen.
Bärbel nöthigte ihn, weiterschreitend, ihr zu folgen. Was nutzte es, die Pein dieser Stunde zu verlängern? Uebrigens kannte sie Furcht und Sorge nicht für sich selber, nur für die Andern.
Nun standen sie der Heidenmauer gegenüber. Diese riesigen steinernen Ringwälle, durch ausgcworfene Gräben noch unzugänglicher gemacht, finden sich auf vielen Bergen der Vogesen und zwar auf solchen, welche den Abhang nach btwi Rhein hin beherrschen Sie wurden in Zeiten errichtet, aus denen keine Kunde zu uns herüberkam, dienten aber jedenfalls zur Abwehr eines über den Rhein dringenden Feindes. Münzen und sonstige kleine Funde in der ümwallung deuten darauf, daß Römer einst hier lagerten; aber wahrhrscheinlich rühren diese Werke von den Kelten her, den Ureinwohnern, die von den Germanen verdrängt worden. Vor Jahrtausenden schon hatten streitbare Männer dort Wacht gehalten und dann blutig gekämpft.
Auch jetzt stand eine Wache auf der Heidenmauer. Im Sonnenstrahl glänzten hinter dem Gebüsch die Läufe einiger jener schweren plumpen Pistolen, womit die Kavallerie bewaffnet war. Aber nicht Ein
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, ?L Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C- Schlotte in Bremen-
Spitze der Kundgebungen der Sympathie und Verehrung für die Regierung unseres Kaisers gestellt; — eS war daher im Voraus gewiß, daß seiUem jetzigen Vorgehen eine Absicht gegen die deutsche Politik nicht zu Grunde liegen konnte.
Der Verlauf der Erörterung hat dies vollkommen bestätigt, und so zurückhaltend die Aeußerungen des englischen Ministers auch waren (s. Nr. 106 d. Bl.), so sind dieselben doch in mehrfacher Beziehung von Bedeutung für die Beurtheilung und weitere Entwickelung der europäischen Lage.
Zunächst wird die zuversichtliche Erklärung des Lord Derby, daß nach allen ihm vorliegenden Mitlheilungen eine Gefahr für den europäischen Frieden zur Zeit nicht bestehe, wirksam dazu beitragen, die leichtfertig oder gefliffenilich verbreiteten beunruhigenden Gerüchte, welche Lord Ruffel erwähnte, zum Schweigen zu bringen.
Weiter aber ist von großer Bedeutung, daß Lord Ruffel sowohl, wie Lord Derby nicht auf Seiten Deutschlands, sondern in Frankreich die Quelle neuer Kriegsgefahren erblicken. Während Deutschland nach dem von Lord Ruffel citirten Ausspruche Moltke's sich nur darauf gefaßt macht, das, was es erworben hat, gegen neue Angriffe zu schützen, hält Lord Rüssel solche Angriffe seitens Frankreichs deßhalb für möglich, weil nach den ihm zugegangenen Mittheilungen die französische Armee vom höchsten Marschall bis zum niedrigsten Soldaten nach Revanche verlange, — und auch Lord Derby erkennt die in Frankreich in weiten Kreisen herrschende Ansicht, daß man das Verlorene wiedererobern müsse, als den vernehmlichsten Grund der vorhandenen Beunruhigung.
Durch die übereinstimmenden Erklärungen der englischen Staatsmänner ist hiernach Frankreich als der Heerd der vorhandenen Kriegsbesorgnisse bezeichnet wordell.
Mit dieser thatsächen Beurtheilung der Lage steht denn auch in Ucbereinstimmung,
Deutsches Reich.
Berlin, 14. Mai. Gelegentlich der Beratungen, welchen der gegenwärtig dein Abgeordnetenhause zur Beschlußfassung vorliegende Entwurf über das Vormundschaftswesen im Justiz . Ministerium unterzogen worden , trat der Wunsch hervor, eine Uebeisicht über das innerhalb des preuß St-ateS geltende Recht der väterlichen Gewalt als eines das Vormundschaftswesen nahe berührenden Rcchtsstoffes zu gewinnen. Im Auftrage deS Justizministers ist daher
geborne spähten dort nach dem anrückenden Feinde, sondern f'-emde Eindringlinge überwachten von den Höhen die Bewegungen der Thalbewohner!
In ohnmächtigem Zorn schüttelte Diether die geballte Faust hinüber. „Es kann nur ein kleines Häuflein fein, das ein Dutzend entschlossener Männer, die hier jeden Fußbreit Landes kennen, leicht beschleichen und überwältigen möchte! Und sie sind der Schrecken der ganzen Gegend! Da, wie die Leute dort, die nach ihren Gärten hinauf wollten, davonlaufen! Es muß sie Jemand hinaufgeführt haben, denn, wie fanden die Fremden gleich den besten Beobachtungspunkt heraus? Auch hätte sie unser Thümer sonst auf ihrem Wege bemerkt."
Die Franzosen schienen übrigens auch das Paar bemerkt zu haben. Einer näherte sich der Schlucht, die beide Höhen schied und legte den Karabiner an.
Bärbel riß ihren Gefährten ungestüm zurück und hinter einen Mauervorsprung. „Unsinn, sich hier eine Krähe wegpusten zu lassen."
Gleichzeitig war der Schuß gefallen und dröhnend polterte ein Stein aus dem Gemäuer neben ihnen herab auf die schon am Boden liegenden Trümmer. Er mußte lose dort gelegen haben, sonst hätte die leichte Kugel ihn nimmer verrückt. In der Thal ward eine kleine Höhlung sichtbar, die aber den Beiden entging, die nicht davor, sondern daneben standen und zudem mit andern Dingen beschäftigt waren.
Der AaSttuig.
Novelle von M- v. RoSkowska.
(Fortsetzung.)
Sie befanden sich auf dem Berggipfel und und vor ihnen lagen die Reste der stolzen, reichen Abtei, die ihreS Gleichen kaum jemals gehabt hatte. Noch standen einige der vierundzwanzig Säulen der Basilika, von denen die Sage geht, daß keine geringere Person, als der Teufel selbst, sie hierher geschafft habe.
Jede 20 Fuß hoch und 12 im Umfange, ohne die Kapitäler und Piedestale, gleichfalls aus demselben Stück Gestein gemeißelt, er- tegtn sie noch heute das Erstaunen des Beschauers — in früheren Zeiten hielt man es für unglaublich, daß Meuschenkräfte diese Kolosse auf den steilen Berg zu bringen vermocht. Zwölf Mal vierundzwanzig Stunden hindurch hatten die Leute des ge- waltthätigen Emich IV. von Leitungen den eieftgen Brand geschürt und seitdem fast zwei Jahrhunderte an der Ruine genagt, die der ""gegegenb als Steinbruch diente, aus dnn man mit leichter Mühe schon behauene Werkstücke zum Bauen erhielt, dennoch I ragten stolz prächtige Thürme und Portale und namentlich die Mauern bei Kirche und Kreuzgänge, als seien sie für bie Ewigkeit gegründet. hervor. Sie hatten in bin Kriegen , i'ither oft als Deckung bes Thales gebient unb i gewaltig gewölbten Keller als Asyl i flüchtiger. Gewiß bevölkerten sie sich auch I letzt bald» teieber, doch boten fie schwerlich i wirksamen Schutz. Die Besatzung der |
Anzeigen nimmt entgegen, bie Expedition d. Blatte-, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in «aisel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a- ®t.; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a- M, Berlin, Letp- Ätc.; Rudolf Moss, in Berlin, Frankfurt a. M. rc.
Kurlands Stellung zu de« euro- ® pruschen Verhältnissen.
Eine Besprechung der allgemeinen politi- tische Lage, welche jüngst im englischen Oberhause zwischen Lord Rüssel und dem Minister der auswärtigen Angelegenheiten, Lord Derby stattfand, hat in ganz Europa um so größere Aufmerksamkeit erregt, als man seit längerer Zeit nicht mehr daran gewöhnt war, die englische Regierung und das englische Parlament den politischen Vor. gingen auf den Kontinent ein hervortretendes Interesse widmen zu sehen. Nachdem nun vor einiger Zeit ein Ministerwesel in England stattgefunden hat, durch welchen die Partei der TorieS an die Stelle der Whigs getreten ist, konnte aus der Ankündigung einer Verhandlung über die europäische Politik leicht die Vermulhttng entnommen werden, daß die neue Regierung aus der bisherigen Politik der Zurückhaltung heraus zulreten beabsichtige.
Die Anregung zu der politischen Erörte rung ging allerdings nicht von einem Mitglied e der Torypartei aus. Lord Rüssel, der älteste und angesehenste Führer der Whigs, fand sich veranlaßt, die jetzige Regierung über ihre Auffassung der europäischen Lage jund über ihre Stellung zu derselben zu befragen, anscheinend hierzu bewogen durch mannigfache beunruhigende Gerüchte über drohende Kriegsgefahren, welche neuerdings mit einer gewissen Beflissenheit verbreitet worden find, und erfüllt von dem Wunsche, daß durch eine Aufklärung über die wirkliche Lage und durch das eintreten Englands für eine ernste Friedenspolitik bie Zuversicht auf eine friedliche Entwickelung befestigt und erhöht werde.
Die deutsche Politik durfte in der Thai« fache, daß eS Lord Rüssel war, von welchem die Anregung zu der Besprechung im engli schen Parlament auSging, von vom herein ein Anzeichen erkennen, daß dem Vorgänge jeder Gedanke eines Mißtrauens oder Uebel wollens gegen Deutschland fern lag; denn der greise Staatsmann hat schon seit langer Zeit der Ueberzeugung Geltung zu verschaffen gesucht, daß ein starkes Deutschland eine der besten Bürgschaften deS kontinentalen Friedens
Srfchemt täglich außer den Werttagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quattal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 22j Sar , durch die »-kämt« »7 Sar (excl. Bestellgebühr und mcL Stempelsteuer), für das Ausland -xcl. Stempel 22 Sgr. - Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr $ 7 ®8
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 2) Sgr. berechnet.
unter Benutzung einer Reihe amtlicher Berichte eine umfassende Untersuchung angestellt und ihr Resultat jetzt durch den Geheimen Justiz- und vortragenden Rath im Justizministerium, Dr. Stölzel, zu veröffentlichen begonnen worden. Der Hauptsache nach bietet, wie Dr. Stölzel sagt, dieses Resultat eine systematische Darlegung des geltenden Rechts, wobei nicht die Absicht war, alle Einzelbestimmungen, namentlich in denjenigen Gebietslheilen, in welchen codificirles Recht besteht, vollständig auszn- nehmen unb wieberzugeben, vielmehr leitete der Gesichtspunkt, baß es vorzugsweise auf Vergleichung bet brei geltenden Rechtssysteme in ihren Principien und auf Beachtung derjenigen Momente ankomme, welche bad Fortleben beutsch - nationalen Rechtes kunb- geben; „denn unverkennbar neigt der Zug unserer gegenwärtigen Rechtsentwickelung dahin,' das Fremde, so weit es den heutigen Anschauungen widerstrebt, abzustreifen und nach Möglichkeit zum Einheimischen zurück- zukehren, ein Zug, der von legislatorischpolitischem Standpunkte aus die regste Unterstützung verdient". Es sind deshalb auch am Schluffe der im nichtamtlichen Theile des „Justiz Ministerialblattes" veröffentlichten Erörterung einige Bemerkungen über die Richtung angeknüpft, welche für eine künftige Gesetzgebung sich etwa empfehlen könnte. — In Betreff der Verbesserung der Lage der Unteroffiziere der Armee und Marine ist vor Kurzem angeordnet worden, daß bei allen Kasernen - Neubauten und bei älteren Kasernen, wo es die lokalen Verhältnisse gestatten, für verheirathete Unteroffiziere mindestens auf die Compagnie 3 Wohnungen hergestcllt werden. Die Zahl der besonderen kleinen Stuben für Vicefeldwebel unb Kapi- tainb'armeS ist ebenfalls auf 3 für jebe Compagnie normirt. Außerbem soll in jeder Compagnie für 3 bis 4 ältere Unteroffiziere eine besonbere Stube, so wie für die KorporalschaftS - Unteroffiziere besondere Schlaf- und Aufenthaltsstellen, getrennt von denen der Mannschaften, und eine eigene Unteroffiziers-Menage bestehen.
Gotha, 11. Mai. Unter großer Be lheiligung des Publikums hat gestern die
Hartenburg drüben hatte ja vollauf mit den Anstalten zur eigenen Vertheidigung zu thun. Natürlich hatte Diether diese Höhe auch in feinen Plan hineingezogen unb betrat sie nun vielleicht zum letzten Mal, als heimathloser Flüchtling 1
Die wunbervolle Aussicht war nicht geeignet, ihm bas Scheiden leichter zu machen, so wenig Diether im Grunde auch auf eine bloße schöne Aussicht gab. Da tag in der Thalöffnung die alte Stabt unb borflber hinaus, viele Meilen weit, bie Rheinebene zu beiden Seiten bes Stromes. Seitwärts, nur burch bas schmale Thal geschieben, prangte die Hartenburg in ihrer imposanten Pracht unb Festigkeit unb rings auf ben Höhen, wie in ben Thälern, ber Segen beS Herbstes. Reben, so voller Trauben, baß bie Pfähle, an benen sie hier gezogen würben, kaum ihre Last zu tragen schienen; ganze Haine von Manbeln Ober edlen Kastanien, die Wege überall beschattet von Alleen prächtiger Nußbäume — ein so schöner unb reicher Fleck Erbe, wie eS ihrer wenige giebt, ein wahres Paradies!
Wohl ahnten bie Beiben nicht, daß dieses ParabieS, wie ber ganze Rheingau, im nächsten Herbst eine Wüste sein unb manches Jahr herüber hinweggehen werbe, bevor die üppige Natur und der menschliche Fleiß wieder all bie Verheerungen verwischt, welche bie roheste Barbarei anrichtete, — aber ihre Gedanken bildeten einen grellen Gegen satz zu dem hellen Sonnenlicht, und ber
fei, einer Ueberzeugung, welche neuerbings was Lord Derby über bie etwaige Einwirkung in immer weiteren Kreisen in Englanb Boden " 1 ■ - - ■ • — -•
gewonnen hat. Lord Ruffel hatte sich gerade in ber jüngst verflossenen Zeit mit bem mächtigen Ansehen seines NarnenS an bie