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Marburg, Donnerstag, den 14. Mar

Vr. 112

1874

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athmend, ab, daß sie den herben Kampf seiner Seele nicht auf seinem Antlitz lese. Dann streckte er, noch immer abgekchrten Gesichts, die Hand nach dem Gelbe aus

1 zugenommen, und man nimmt an, daß die­selbe in Folge der unmittelbar bevorstehenden Einsetzung einer Prüfungs-Kommission in Zukunft noch steigern wird. Im allgemeinen darf wohl als chararakteristich für die hiesigen Verhältnisse hervorgehoben werden, daß die Studirenden nicht überwiegend Thüringer sind, daß hier, ganz abgesehen von den zahlreichen Ausländern, die verschiedensten deutschen Stämme nnd Staaten vertreten sind. So wahrt sich Jena eine universellere Bedeutung als manche andere Universität, die trotz erheblich größerer Studentenzahl doch überwiegend Provinzial - Universitäten sind. Auch der Lehrkörper hat in letzter Zeit wieder erfreuliche Bereicherungen er­halten. Seit Beginn dieses Semest-rs liest der hochverdiente frühere Rektor der Landes schule Pforta, Konsistorialralh Dr. Peter über römische Geschichte; Schulrath Professor Dr. Stoy, der hier früher aufs segensreichste gewirkt hat, ist als Professor der Pädagogik wieder hierher berufen. Gegenwärtig habili» tircn sich in der philosophischen Fakultät Dr. Leo auS Greiz für Forstwissenschaften, Dr. von Sievers aus Livland für National­ökonomie und Dr. Frege aus WiSmar für Mathematik. — Endlich dürfte eS vielleicht weitere Kreise intercssiren, daß die neue Jenaer Literaturzeilung sich rasch einen be- deutenden Kreis von Abonnenten erworben hat und auch nach dieser Seite hin in fort währendem Aufschwünge begriffen ist.

Rudolstadt, 10. Mai. Man erinnert sich, daß kurz nach der Constttuirung des norddeutschen Bundes von hieraus ein Schmerzensschrei über die unerschwinglichen Anforderungen an die Staats-Finanzen er­tönte, und wirklich schloß in 1869 die Etats Periode mit einem Deficit von 90,000 Gulden Jetzt ist nun der Landtag des Fürstenthums eit dem 6. Mai versammelt, und womit ist er beschäftigt? Mit nicht Geringerem, als mit den reichlichen Etats-Ueberschüffen! So !>aben sich die Zeiten geändert. Schon 1872

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche" Buchhandlung in Frankfurt a. M; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- lrr m Hannover; C. Schlotte in Bremen.

und steckte eS in die Tasche, damit stumm andeutend, daß er sich füge.

„In der Drachenkammer wirst Du näch­stens mehr Geld finden und auch Kleider, wenn Du es vorziehst, in der Hartenburg zu bleiben, statt nach Holland oder sonst wohin zu gehen. Auch denkt Dein Vater da, an der bewußten Stelle, sobald eS sein kann, Nachricht von Dir zu finden."

„Wüßte ich, wer mich verrathen hat, ich legte dem Hallunken für immer das Hand­werk!" brach er grollend auS. Der ver­haltene Schmerz suchte sich im Zorn Luft zu machen. „Die Wälschen selber wußten nicht um den Weg; es kann also nur ein Schuft von Zuträger gewesen sein."

Ihre Miene verrieth unwillkürlich, daß sie darüber wenigstens ihre Meinung habe.

Er drang in sie, zu sagen, was sie wiffe.

„Dein Vater meinte, es sei der — der Mann in Blau und Gelb gewesen! Er habe Dir nachgesehen, als Du fortrittst." Jede Silbe entrang sich zögernd ihren Lippen. Was sein Vater noch hinzugefügt: „das komme davon, wenn Einer bei den Weibs­bildern Glück habe," verschwieg sie natürlich.

nungsruf bekämpfte, Staatsminister Jolly aber und die Abgeordneten Baar und Bluntschli denselben rechtfertigen. Hiernächst traten die ultramontanen Abgeordneten wieder ein und wurde die Berathung fortgesetzt.

München, 10. Mai. Das Fest der Fahnenweihe des hiesigen Veteranen- und Kriegervereins ist in jeder Beziehung glänzend ausgefallen. Nahe 400 verschiedene, aus Baiern und den benachbarten österreichischen Distrikten stammende Vereine mit 7—8000 Mitgliedern, sowie der deutsche Kriegerbund betheiligten sich an der Feier. Ueber den Verlauf des Festes bringt der „Nürnb. Corr." einen ausführlichen Bericht: Von der Sonncnstraße aus entwickelte sich nach 9 llhr Morgens der Festzug über den Maximaliansplatz re. nach der Ludwigsstraße. Eine Reiterablheilung und die Gebirgs- schützen-Compagiiie von Gaisach bildeten den Vortrab, dann folgten die Vereine der

Erträgen der Domanial- Forsten; dieselben ergaben 1852 nur 190,000, 1873 dagegen 518,000 st. Der Vermögensstand des Staates Rudolstadt ist ebenfalls günstig; die Staatsschulden betragen einschließlich der beim Reichs-Jnfalidenfond aufgenomme­nen 600,000 Thlr. und der 200,000 Thlr. Cafsenscheine im Ganzen 1,774,220 Thlr.; dem stehen als Activa gegenüber 299,212 Thlr. Antheil an der französischen Kriegs- Entschädigung und außerdem noch etwa 800,000 an Prioritäten, Actien und anderen Capital-Anlagen, so daß der ge- sammte eigentliche Schuldenbestand sich auf circa 500,000 Thlr beziffert.

Karlsruhe, 12 Mai. In der heuti­gen Sitzung der badischen zweiten Kammer, in welcher die Berathung des Altkatholiken- Gesetzes auf der Tagesordnung stand, er­eignete sich der folgende stürmische Zwischen­fall. Abgeordneter Friescr (Engen) bezeichnete das UnfehlbarkeitS-Dogma als eine Infamie und als Irrlehre, worauf die ultramontanen Abgeordneten, ausgenommen Junghans, unter Tumult und Protest den Saal verließen. Nachdem von JunghanS gegen Frieser der Ordnungsruf verlangt und dieser vom Präsidenten ausgesprochen war, entspann sich über die Zulässigkeit deS Ordnungsrufes eine Debatte, in welcher Kiefer den Ord-

Der Käskänig.

Novell« von M. v. Roskowska.

(Fortsetzung.)

Der verklärende Glanz deS Vormittags leg noch immer auf ihren Zügen, obschon doch keine Rede mehr war von dem muthigen Entschluß, der ihn anscheinend hervorgerufen mid sie in mehr alS einer Hinsicht zur Be- strgniß Ursache hatte. Die hellbraunen 8ufltn leuchteten, als sie rasch erwiderte: »Das Alles sagte ich Deinem Vater auch, llber er versetzte: alS Verbrechen gilt diesen Bluthunden ja jeder Versuch des Wider- standes, und sie machen so kurzen Prozeß, Mi keine Vertheidigung gehört, geschweige Nn anerkannt wird. Mir können sie nichts Naben — ich sprach kein Wort gegen die liebergabe. Und setzten sie mir auch noch

hart zu, ja käme eS wirlich zum Aeußer- — das wäre mir immer noch tausend *$al lieber, als wenn ich meinen Jungen ^Hinein sehen müßte oder sie ihn in ihr ^rdammteS Land schleppten. Er soll und Mß also machen, daß er fortkommt, darf 'inen die Freude und mir den Tort nicht *Nun, daß sie ihn kriegen; — ich befehle $ ihm und hoffe, er, sonst ein guter Sohn, "N diesmal nicht ungehorsam sein, mich

mit Kummer in die Grube bringen. Kr den Nothfall, wenn ich ihn nicht wieder- Hen sollt' gieb ihm meinen Segen, Bärbel, halte darauf, daß er fortmacht." Das N seine Worte, keins mehr, kein« weniger

sagen: überrumpelte. Schauerte ihm, daß er die Heimalh nicht wiecersebcn würde? Allein sie ließ sich das nicht merken, schlug vor, das Pferd am Herzogöwe.her im Ge­büsch zu verbergen, damit es zum ferneren Ritt verschnaufe, da er auf der Hartenburg nicht bleiben zu wollen scheine und erbot sich, ihn hinauf zu begleiten. Ihr war's als drohe ihm eine Gefahr, die sie durch ihre Gegenwart abwenden könne. Zudem hatte sie seinem Vater ja versprochen, für seine Entfernung zu sorgen. Sie mußte ihn also fortreiten sehen.

Selbstverständlich hatte er nichts gegen das Geleit einzuwenden und bald erstiegen Beide den röthlichen Sandsteinfelsen, der hoch hinauf mit Reben bepflanzt ist und deffen Spitze die noch in ihrer Zerstörung prächtigen Reste der Abtei Limburg krönen.

Nein, Diether wollte sich nicht auf die Hartenburg flüchten — die beiden Herren dort hatten ihm zu wenig gefallen — son- öem hetzen, ob sich im Westrich auch Alles den Fremden ohne Widerstand zu unter« weifen dachte. „Aber Du mußt hinauf, Bärbel. Und sollte sie erstiegen werden, was mir jetzt nicht mehr ein Ding der Unmöglichkeit scheint, so flüchtet Ihr in die Wälder — nach der Drachenkammer."

Sie jchüttelte dm Kopf. „Ich bleib' lieber daheim. Mir hat die Geschichte der Gräfin Eva von Leiningcn zu gut gefallen. Weißt, als damals im großen Bauernkriege

Deutsches »eich.

## Berlin 12. Mai. Wenn man sich paS Arbeitspensum betrachtet, welches die Tagesordnung deS Abgeordnetenhauses regel­mäßig enthält, kann man dem Hause das Zeugniß wegen Schaffens nicht versagen und die Hoffnung auf Ermöglichung des Schlusses bis Pfingsten festhalten. Die Realisirung dürfte jedoch bei alle dem wesentlich von dem Verlauf der Verhandlungen in beiden Häusern über das Synodalgesetz abhängen; falls die Plenarversammlung des Herren­hauses die Beschlüsse ihrer Commission adop ttrt und die Vorlage an das Abgeordneten­haus zurückgeht, bleibt wenig Zeit übrig, um die nothwendige Verständigung herbei­zuführen. Unsere Mittheilung über die Vor dereitunge» zue Umwandlung der Etatöauf- fteüungen pro 1875 für den Fall der Ein sührung der Markrechnung mit Beginn k. I. sind dahin aufgefaßt worben, daß die Einführung des neuen Münzfußes für diesen Termin von der preußischen Regierung schon beschloßen worden sei; eS ist jedoch nur die Eventualität einstweilen ins Auge gefaßt worden. Die Frist für den Abschluß der Vorarbeiten zum nächsten Etat ist in diesem Jahr um einen Monat, statt des 31. Juli bi« zum 31. August, verlängert worden, weil der Etat nicht schon im Herbst zur Vorlage kommt, sondern der Landtag dies Mal erst Anfang kommendenJahres znsammcn- trele» wird. Der vielbesprochene Bericht des Pariser TimeS-Correspondenten über die angebliche Unterredung zwischen dem König Victor Emanuel nnd Fürst Bismarck ist mm durch die italienische Regierung voll­ständig demmtirt worden. Die Time« und tzr Pariser Berichterstatter selbst haben sich ktpiren lassen. In politischen Kreisen er­regt daS neuerdings hervortretende Einlenken ultramontaner Organe, namentlich der kleine­ren in den Provinzen, einige Aufmerksam­keit, und man erwartet nicht ohne Neugierde die weitere Aufklärung dieses befremdenden llebergangS vom „fortissime“ zum „piano“. Die „Schics. Volksz" z. L. bringt gern «bauliche Betrachtungen mit Citaten gespickt Über die Geduld und Sanstmuth mit welcher die heilige Kirche früher Unbill und Ver­folgung ertragen habe, NB. wenn’« fein mußte!

Selbst in den Nöthen, welche die feind­liche Bedrängniß in der Stadt hervorgerufen, hatte man des Zwischenfalls mit dem Send­boten der Marquise nicht vergeffen, den­selben sogar weiter und vor Allem Bärbel erzählt.

„Der Ring thut's nicht, sondern das Herz enffchlüpste es ihr jetzt. „Unsinn, Dir die Hand zu beschädigen, als brauchtest Du sie nicht und vielleicht bald, gegen diese Menschen­schinder. Die Flüchtlinge erzählten Haar­sträubendes davon, wie sie hausen. — Aber nun sind wir unten.“

Sie befanden sich auf der Thalsohle und ihr Weg mußte sich hier scheiden.

„Es ist dumm und kurios dazu," sprach er stockend, als schäme er sich seines Ver langens. „Aber ich möchte die Sta.t noch gern einmal sehen! Wer weiß —" Ab­brechend schaute er zur Klosterruiue empor.

Sie erschrack bei diesem Beweis seiner Weichheit, die seinem frischen, übermüthigen Wesen scheinbar so fern lag und ihm doch zuweilen plötzlich überkam, um nicht zu

Anzeigen nimmt entgegen: »je ®rpebition d. Blatte«, sowie die Annoncen-Bureaux Mn Th. Dietrich & Co. in «kafsel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; vaafenstein & Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leip- «q, Cöln rc.; Rudolf Moff, in Berlin, Frankfurt a. M. rc.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn-und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 22; Sar dur-b di-Dostämter •« (erd. Bestellgebühr und inet. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Sttmpel 22 Sgr. - Mtionsgebühr für die gespaltene Zeile"'"^ 47 ®flt-

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 2$ Sgr. berechnet.

Er Hemmte, die Faust ballend den kleinen

, _ . Finger mit dem Ring noch besonders hart

Der junge Mann wandte sich, schwer- en und murmelte, neben einem Fluch, ein ‘ k "u n* Lc für den Diener der Marquise nicht viel Gutes verheißendes Gelöbniß vor sich hin. Mit voller Kraft schlug er dann auf einen Stein am Wege, um den Reif zu zerschmettern. Zwar blutete die Hand, allein das goldene Kleinod blieb unversehrt.

— Es wird nun bestätigt, daß der Justiz, ausschuß beim Bundesrathe beantragt hat, den Reichskanzler um Ausarbeitung des Entwurfs eines Civilehegesetzes zu ersuchen, nachdem der Reichstagsentwurf einstimmig abgelehnt worden war. — Im Ministerium des Innern werben gegenwärtig die Mate riaiien zur Bearbeitung eines neuen Vereins- und Versammlungsgesetzes gesammelt, welches, wie die „Voss. Ztg." erfährt, den Bundes rath in feiner Herbstsession beschäftigen wird.

— Ein in Algier erscheinendes Blatt, die Vigie Algsrienne hat herausgebracht, daß Bismarck auch in Tunis spuckt, um den Franzosen das Leben in Afrika sauer zu machen. Als Beweis führt sie an, „daß preußisches Geld in der Regentschaft verbreitet ist und ein Algerier an der Grenze von einem seiner tunesischen Schuldner mit deutschem Gelde bezahlt wurde." — Das ist in der That schlagend! Und das geht nun als baare Münze durch die ganze fran­zösische Welt.

Wiesbaden, 11. Mai. Der „Rh. Kur." schreibt: Es soll bei der in Aussicht genom­menen Gerichts-Organisation dem Vernehmen nach die Absicht bestehen, möglichst große Gerichtsbezirke zu bilden, so daß in Folge dessen, manche gegenwärtig vorhandenen Ge­richte ganz eingehen und bezw. mit einander verbunden werden würden, namentlich sollen die Bezirke der Appellationsgerichte zu Wies­baden zu Frankfurt a. M. und Kassel zu Einem vereinigt und das Gericht der zweiten Instanz für den so gebildeten Bezirk seinen Sitz zu Kaffel ober Frankfurt a. M. erhalten. Ob hier zu Wiesbaden ein Collegial-Gericht erster Instanz, ein Kreisgericht ober Land­gericht seinen Sitz behalten soll, wird auch als fraglich dargestellt. Der „Rh. Kur" meint, daß Ersparungsrücksichten wohl kaum das Motiv zu der beabsichtigten Veränderung der Gerichtsbehörden sei, da die neu ge- - bildeten größeren Gerichte mit vermehrtem i Personal besetzt werden müßten u. s. w, und I Jlaibirt im Uebrigen für Wiesbaden. i

Jena, 10. Mai. Unsere Universität ist i in regem Aufschwünge begriffen. Die Zahl der neu immatrifulirten Studirenden beträgt bis jetzt 202, es dürfte danach ein Gesammt- besuch von etwa 500 sich Herausstellen. Namentlich hat die Zahl der Philologen । und ich hab ihm die Hand darauf gegeben, daß Du gehorchen wirst, Diether!"

ergab sich ein Eiatsüberschuß von rund 37,000 fl., der sich Ende 1873 auf 99,000 I. erhöhte, und von welchem nach Deckung >er außerordentlichen Ausgaben noch 52,000 l. aufs Jahr 1874 übertragen werden konnten. Die Ursache dieser unerwartet _______, ______ «.v vcl

günstigen Wendung liegt in den höheren Münchener Vorstädte, dann jene von Ober-