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Marburg, Sonntag, den 10. Mai

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»Den Ring einer Dame zu beschädigm, das wäre nicht fein", warf ein geschmirgelter, junger Bursche dazwischen.

Diether'S Anstrengung hatte nur den Er­folg, daß die Fingerspitze auflief, der Ring hinter einem kleinen Flcischwall saß.

Jst'S denn wahr, daß Speier nnd Worms sich ergeben und wir auch?" fragte eine klangvolle Frauenstimme im Nähertreten. Gott im Himmel, haben wir denn keine

unterbrach er sich selber. Er hatte den Ring abstreifen wollen, es aber nicht ver

sprochen und die Session wird aller Wahr­scheinlichkeit nach in gemeflenem Tacte ab- schnurrcn, wie eine gut geregelte Uhr. Aus­nahmsweise von Interesse war eine Sitzung de« Oberhauses, in welcher Lord Rüssel, kein Freund der passiven Rolle, die England in den letzten Jahren gespielt, einen Antrag auf Vorlegung der mit europäischen Re­gierungen gewechselten Correspondenz zum Anlässe nahm, um der Regierung die im europäischen Rathe ihre gebührende Stellung vorzuhalten. Wie unparteiisch er sich auch auszudrücken suchte, so war doch aus seinen Worten hcrvorzuhören, daß er mit der Zeit eine Friedensstörung von französischer Seite besorgt England gemahnt haben will, nach Kräften einem neuen europäischen Kriege vorzubauen.

Aus Niederländisch -Indien wird be» richtet, daß die Besatzung in Atschin um 1000 Mann verstärkt wurde wegen der feind­lichen Haltung der Bevölkerung.

In der belgischen Repräsentanten­kammer wird seit länger als einer Woche ein großer Wortkampf zwischen der clcricalen und der liberalen Partei ausgefochten, der nur für die bevorstehenden Wahlen einen Zweck zu haben scheint.

Der König von Dänemark wird sich in diesem Sommer persönlich nach Island be­geben, um dem 1000jährigen Jubiläum der Insel beizuwohnen.

Der schwedische Ministerrath bleibt einstweilen unverändert, nachdem jetzt Justiz­rath Carlsson an Stelle des zurückgetretenen Adlercreutz Justizminister geworden ist. Die Opposition in der zweiten Kammer, welche neuerdings die Absetzung dreier Minister verlangt hat, verfügt zwar über 96 Stimmen, bildet aber im Plenum beider Häuser nur ein Dritthcil aller Stimmen.

Der Kaiser von Rußland hat am 1. d. Petersburg verlassen und von Berlin, wo er die letzten Tage verweilte, am 5. d. ich nach Stuttgart begeben.

Der König von Griechenland kann durchaus keine Minister finden. KumunduroS verlangte ganz freie Hand und Aenderung der auswärtigen Politik; beide« wurde ihm nicht bewilligt. Deligeorgis weiß auch keinen Ausweg. Es bleibt jetzt nur noch die Berufung an« Land.

Der Sultan hat den Fürsten Milan von Serbien, der am 30. April in Kon­stantinopel eingetroffen ist, eigenhändig mit

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Diether hörte seinen Namen nennen trat hinzu, nicht minder verwundert, die Andern.

Ich bin kein Wälscher", lehnte

ertheilte DepretiS am 5. Mai eine im Mi­nisterrath unter deS Kaisers Vorsitz am 4. beschlossene Antwort, welche dahin ging, daß die Regierung vollkommen den Ernst der wirthschaftlichen Situation begreife, auch ferner die Entwickelung der ökonomischen Berhältniffe scharf im Auge behalten und im Sinne des kaiserlichen Handschreibens vom 18. Februar sich bemühen werde, die Bedrängnisse zu lindern, wenn sie sich auch nicht berufen fühle, Schäden, welche Ein­zelne durch verfehlte Spekulationen erlitten, zu heilen. Durch Majorität von 126 gegen 70 Stimmen wurde hierauf der Antrag Plener's, über diese Beantwortung in nächster Sitzung die Debatte zu eröffnen, abgelehnt. Der Kaiser und Andrassy sind am 5. Mai wieder nach Pest geeilt, wo die Ausschüsse der Delegationen eifrig am Werke sind.

Am 1. Mai sind die neu vollendeten Strecken der schweizer Jurabahn von Biel nach Chaux be Fonds und von Son eeaoS nach TavenneS dem Verkehr über geben. In den letzten Tagm deS April starb zu Chur der Oberbefehlshaber der Sonderbundstruppen von 1847, Oberst v. SaliS-Soglio.

Das italienische Parlament hat das Gesetz über die Einkommensteuer mit erheb­licher Majorität angenommen, somit hat das Ministerium in einer vielbestrittenen Frage den Sieg davongetragen. Der Papst hielt am 4. Mai ein Confistorium, in welchem er die neuen Cardinäle Regnier, Tarnoezy und Fäleinelli investirt und drei Bischöfe für Italien, je einen für Frankreich, Boli Vien, Canada, Neuseeland, drei für Austra­lien und eilf in partibus ernannte.

Mit Beginn der nächsten Woche sind die Parlamentsferien in Frankreich zu Ende; bereits findet sich die Mehrzahl der Majo- ritätsmitglieder in der Nähe; in den Salons und in den Blättern summt es wie in einem Bienenkörbe kurz vor dem Schwärmen, und rennoch weiß Niemand, was die Sommer ession bringen wird. Am Schluffe der letzten Woche blühte die Hoffnung, daß die gemäßigten Parteien der Nationalversaumi lung sich vereinigen würden, um dem Prä­sidenten der Republik eine feste Stütze zu bieten. Plötzlich drehte sich der Wind und es hieß: Keine Botschaft, keine liberale Regierung! Hat Mac Mahon noch einmal eingewilligt, Broglie mit den Legitimisten weiter manöveriren zu laffen, so liegt der

Kennt Ihr diese Farben nicht? Sie waren diesen Sommer auf der Har tenburg und Pfingsten auch hier. Meine Herrin ist die Marquise Deligny und ich sollte nur an den jungen Mann, den Käs­könig, dessen ich mich jetzt wohl erinnere, eine Bestellung auSrichten. Also auf ein Wort."

Hauptgrund darin, daß Depeyre und Larcy auszutreten drohen, wenn die jetzig Schwebe. Politik aufgegeben wirb, unb baß Broglie dann schwerlich im Stande sein würbe, sich im Sattel zu erhalten. Es fragt sich nun, ob die Coalition vom 24. Mai auch in bet Sommersaison ihre alte Zähigkeit bei ben Abstimmungen bewährt, was den Republi canern allerdings sehr zweifelhaft erscheint. Geht Alles, wie es neuerdings vereinbart wure, so legt Broglie am Dienstag den Entwurf über die hohe Kammer, Magne den über die neuen Steuern zu Herstellung des Gleichgewicht« im Budget von 1874 auf den Tisch der Nationalversammlung, worauf jener der Dreißiger», dieser der Budget Commission zugewiesen unb zur DiS cussion über ba« Wahlgesetz geschritten, bann der Bericht über Magne's Vorlage vernom men, bas Bnbget von 1875 unb bas orga Nische Gemcinbegesetz biScutirt wirb, bamit ber Dreißiger Commission Zeit bleibt, ben Entwurf über bie hohe Kammer zu berathen.

Am 2. Mai traf enblich in Mabrib bie Freubeubotschast ein, baß Bilbao gerettet, bie große Entscheibunz in bem unseligen spanischen Bürgerkriege gefallen sei. Vier Tage lang bauerte ber erneute Kampf, ohne jeboch von schweren Verlusten begleitet zu sein. Die Carlisten würben bnrch eine combinirte Bewegung bcS britten Armeeeorps unter Concha unb eine« TheileS ber beiben übrigen Corps gegen ben linken Flügel aus ihren Stellungen so zu sagen herauSmanö verirt, unb als bie furchtbaren Positionen von San Pedro Abanto, SansuenteS und Santa Juliana den Truppen Serrano's ohne Kampf in die Hände gefallen waren, fah Elio sich genöthigt, die Belagerung Bll bao's auszuheben und den Rückzug anzu­treten. Von ungeheuerem Enthusiasmus be grüßt, ritt Concha am Nachmittage deS 2. Mai in die erlöste Stadt ein, einige Stun­den nach ihm auch Serrano, der aus dem gleichfalls befreiten Portugalete kam. Die carlistische Armee zieht sich in den Richtun gen von Durango unb Oduna zurück.

In Englanb hat man vor Kurzem bie neue Schwiegertochter ber Königin, Groß fürftin Marie Alexanbrewna, begrüßt dieser Tage gab der Lorbmayor von Lonbon ihr ein Ballfest von märchenhafter Pracht und gegenwärtig rüstet man sich auf bie Ankunft ihres Vater«, be« Kaisers von Rußlanb. Bon Politik wirb blutwenig ge

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Dem Besuche be« Kaisers von Rußlanb am Hofe unseres Kaisers, ber am Schluß voriger Woche baselbst eintraf lagen biesmal diplomatische Zwecke fern; ein Glück ver­heißendes Familienereigniß war es, das den Glanzpunkt diesmal bildete. Am ver­gangenen Montag wurde nämlich in der Hauptstadt de« deutschen Reiches bie Ver­lobung des Großfürsten Wladimir, jüngsten Sohnes des Kaisers von Rußland, mit der Großnichte unseres Kaisers, der Herzogin Marie von Mecklenburg, vollzogen. Der Reichsanzeiger hat nunmehr das vom deutschen Reichstage mit so großer Einmüthigkeit an genommene strenge Reichs Schutzgesetz gegen die unbefugt amtirenden Bischöfe und sonsti­gen Kirchendiener amtlich verkündet, auch da« preußische Abgeordnetenhaus hat nach drtilägischer Specialberathung dem tief ein­schneidenden Gesetzentwurf wegenVer Weitung ber erledigten katholischen BiS- thümer" in allen seinen wesentlichen Punk- ten mit überwältigender Mehrheit zugestimmt. Unter solchen Umständen wirb wohl bald, so darf man hoffen, bie Curie gelinbere Seiten aufziehen! Inzwischen hat ba« Reichs preßgesetz, wie es aus ber britten Lesung des Reichstags hervorgegangen, bie Zu stimmung de« BundeSrathS erhalten und wartet der täglich zu gewärtigenden kaffer lichen Verkündigung. Der Brief be« Grafen Arnim an Döllinger wirb dessen Rücktritt an« dem diplomatischen ReichSdienste zur Folge haben und damit der Botschafterposten in Konstantinopel al« vakant angesehen werden.

Im österreichischen Reichstage wur­den die drei ersten konfessionellen Gesetze im Sinne Stremayr'S erledigt und erhielten bereits auch die kaiserliche Sanction; die Abänderungen am vierten, bem Klostergesetze, gehen bahin, baß ersten« bie Errichtung eines Kloster« nur burch ein Reichsgesetz bewilligt werben barf, also bie Zustimmung beider Häuser erfordert; zweiten«, daß die österreichischen Klöster nur von inländischen Orden abhängen und keine Ausländer zu lassen sollen, und dritten«, daß den au« den Klöstern austretenden Personen noch weitere Erleichterungen, als bie Regierungsvorlage bietet, zu bewilligen seien. Noch mißliebiger -iS Stremayr ist im Abgeordnetenhause der Finanzminister. In Folge einer Interpel­lation über bie Geschäfts unb Geldstockung

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Er wollte Diether bei Seite nehmen.

Dieser trat nnwirrsch zurück.Hab' nichts Geheimes zu verhanbeln mit Einem, ber in Gesellschaft ber* er verschluckte ben AuSbruck, ber ihm auf ber Lippe schwebtefeinblichen Solbaten kommt."

Der Diener lächelte höhnisch.Wenn Ihr'« burchaus vor all ben Leuten hören wollt meiner Herrin kann'S auch egal sein. Sie läßt den KäSkönig schönstens grüßen unb ihm sagen, sie könne ihr Ver­sprechen, auf baS sie ein Pfanb gab, noch nicht einlösen; ober wenn er vielleicht selber einmal Zeit hätte zu einer Reise nach Hom­burg la forteresse, so"

Bebaure hab weder Zeit noch Lust dazu!" fiel Diether heftig ein.Und wa« das Pfand betrifft, so bnngt'S Eurer Herrin wieder und sagt ihr Gottes Donnerkeil!"

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, fotoie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in gaffel und Hannover; Tb- Dietrich in Frankfurt a. M-; Haafenftrin L Vogler in Lanksurta.M.Berlin^Leip- 2a, Cöln rc.; Rudolf Moss« M Berlin, Frankfurt a. M. rc.

Sagt ihr: ,Wo die Wälschen so aufspielen, da tanze man bei nuS nur ben Kehraus." Er machte neue vergebliche Versuche, ben Reif herunterzubekommen.

DaS Lächeln bes Dieners würbe noch hämischer.Bemüht Euch nicht was meine Dame einmal hält, läßt sie nicht wieber ioS. Vielleicht besinnt Ihr Euch später auf eine passendere Antwort jetzt will ich nicht« gehört haben."

Damit wandte er sich, um seinen Antheil an dem reichlichen Imbiß nicht zu ver­säumen.

Und sollte ich mir ben Finger abhacken!" Diether riß, ben verursachten Schmerz nicht achtenb, heftig an bem Goldreif.

Er muß burchfeilt werben", riethen die Umstehenben.

Nach KriegSbrauch mußte ber Parlamentär mit oerbunbenen Augen burch'S Thor ge­führt werben unb feine Begleitung braußen bleiben. Allein es waren schon so viele Geschichten im Umlauf von ber furchtbaren Grausamkeit ber Wälschen gegen Alle, bie nur baS Geringste, wa« ihnen nicht zusagte, zu thun wagten, daß ber kleine feindliche Trupp eingelaffen und auf« Beste be- wirthet wurde, während bie Väter ber Stabt sich versammelten.

Der Diener in Blau und Gelb, ein Deutscher, spazierte in ber Straße umher unb erfunbigte sich nach bem König vom Käse.

Er meint ben KäskönigI Wie em­pfängt Diether Hartmann Botschaften von den Wälschen?" Die Angeredeten waren höchst erstaunt.

Der KäSkönig.

Novelle von M. v Roskowska.

(Fortsetzung.)

Der alte Hermann schüttelte zu seinen Ideen den Kops.DaS ist, als wollte »an mit Felsblöcken schmeißen man kriegt sie eben nicht vom Boden los", sagte Als Anno 1672 der Tanz los ging, hatte ich, obgleich Ehemann und Familien- dater, auch ähnliche Raupen im Kopf und S»r heißes Blut. Aber Du weißt, unsere Felsen hier sitzen fest. Nicht einmal der Gottseibeiuns konnte einen loskriegen, als " bie Abtei Simburg bamit zertrümmern Allte. Unb boch hatte er biefe in bem Wahn, es werbe ein WirthShauS mitbauen helfen, unb berTeufelsstein" liegt noch »Wetrudbar ba. Nimm Dir ein Exempel b?an unb rnotestire nicht ferner meine federn Collegen, bie Rathmannen, mit Deinen Vorschlägen, die doch nicht ange ^mmen werden, also nutzlos sind."

Diether wollte lebhaft antworten. Beide Mrchten indeß auf.

»Was ist daS?"

Wie Alle, die nicht durch Krankheit Meffelt waren, eilten sie hinaus auf diel Straße.

®er Thürmer hatte bie Reiter fignalisirt. Der Offizier brachte die Aufforderung,

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal burch die Expedition (« och'sche Buchdruckerei) bezogen 224 Lar dur-k> bie'<Rnftsmi,r (erd. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Sttmpel 22 Sgr. - Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile'! Sar $ ' 37 ®°r'

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden Lj Sgr. berechnet.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, sowie die Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'scho- Buchhandlung in Frankfurt a. M; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

französische Besatzung aufzuuehrnen unb eines Mann ab.

Kontribution zu geben, wibrigenfalls bie Stabt bem Erdboden gleich gemacht würbe.

Wiberstanb wäre um so unsinniger, als sich die beiden mächtigsten Städte ber Nachbarschaft, Speier unb Worms, unter­worfen hätten.

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