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Hn 107.

Marburg, Freitag, den 8. Mai.

1871

atyeigen nimmt entgegen: ue Expedition d. Blatte», toroie die Annrmcen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. m fiaffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M-; Saasenstein & Vogler m Frankfurt a. M-, Berlin^Leip- ,ig. Cöln rc.; Rudolf Moss« in Berlin, Frankfurt a. M. ic.

(l)brtl)fffifd)r Jalung.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d- Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M ; Jnvalidendauk, A- Rete- rneyer in Berlin; Carl Schuß­ler m Hannover; C. Schlotte in Bremen-

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn» und Feiettagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Ä och'sche Buchdruckerei) bezogen 221 Sgr., durch die Postämter 27 Sar. (excl. Bestellgebühr und ind. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zelle 1 Sgr.

Für in der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden Sgr. berechnet.

Deutsche» Keich.

e# Berlin, 6. Mai. Wenn man etwa noch im Zweifel befangen gewesen fein sollte, ob die Vorlagen im Reichstage über da« Verfahren gegen fortgesetzte Reni, tettj ihres Amtes entsetzter Geistlichen und im Landtag über die Verwaltuitg erledigter BiSthümer noch praktisch geeignet sein wer­den, dem Ungehorsam gegen die Staatsge­setze wirksam entgegen zu treten und der rebellischen Agitation die Spitze abzubrechen, so wird die sich steigernde Leidenschaftlichkeit der Ätramontanen Gegner diese Zweifel vollständig beseitigen. Gegen Lufthiebe und Schläge in'S Wasser würden die Ultramon tonen sich nicht zu solcher Maßlosigkeit fortreißen lassen, wie sie in den letzten Reden hervorgetreten ist. Die Erkenntniß, eine ungerechte und verlorene Sache zu vertheidigen, benimmt ersahrungSmäßig die Selbstbeherrschung und verleitet zur Ueber- schreitung der sonst beobachteten Grenzen. Nebenbei liegt den aussichtslos fortgesetzten hartnäckigen Redeübungen der Clericalen auch wohl die Absicht zu Grunde, wenig­sten- möglichst die Entscheidung zu verzö­gern, da man sie nicht abwenden kann. Dieser Taktik wird jedoch das Präsidium mit allen innerhalb der Geschäftsordnung zustehenden Mitteln entgegenwirken. — Der Kaiser Alexander hat gestern Berlin wieder verlosten. Die gestrige „Nordd. Allgem. Zig." hat dem Besuch wohl die rechte Be­deutung gegeben, indem sie den Ezoaren al- dm „besten Freund Deutschlands und Preußen«" bezeichnete. Nach der „Prov. Corr." hat die freudige Theilnahme der Bevölkerung an dm zwischen den beiden Monarchen Rußlands und Deutschlands bestehmden wahrhaft innigen Beziehungen hervorzehobm. — Da Graf Arnim noch immer in dm politischen Erörterungen figurirt, möge hier zur Richtigstellung cour- firender Gerüchte bemerkt werden, daß bis jetzt weder ein DemisfionSgesuch an höchster Stelle vorliegt, noch auch eine Audienz ge­währt worden ist, oder dem Vernehmen nach in Aussicht stehe. Eben so wenig ist andererseits eine Erledigung der Angelegen­heit in irgend einer Weise erfolgt. — Im Handelsministerium soll die durch den Tod des Ministerialdirektors Moser erledigte IV. Abtheilung für Handel und Gewerbe dem­nächst wieder besetzt werden, und zwar durch

Der KaSkiiniss.

Novelle von M. v. Roskowska.

(Fortsetzung.)

„Dm Burschen kann ich brauchen, will und werde ihn mir also zu eigen machen," dachte sie. „Er scheint angesehen und ein- stußreich in seiner Weise, und bedarf bei feinen seltenen Vorzügen nur des Spörens, an dem eS nicht fehlen soll.

Sie wandte sich nach einem Manne aus dem Gefolge um, besten Farbe gelb, blau und ihn als ihrm Diener bezeichneten. Er hatte, wie sie voraussetzte, sich nach allen Verhält, nistm des KäSkönigS erkundigt. Jndeß — was nützte das jetzt, da die Abreise auf morgen bestimmt worden? Mit Mühe nur verbarg sie ihre Verstimmung vor dem Lei­ninger; war ihr Befuch bei demselben, von dem sie sich und auch Anderen so viel ver- sprochm hatte, doch ganz fruchtlos gewesen, allein sie durfte nicht durch eine Miene ver­lachen, in welcher Absicht sie hierhergekommen »ar, und mußte ftoh sein, wenn sie sich von ihm und ben ©einigen geschickt los- machen konnte.

Bei ihrer Ankunft in der prächtigen Hartenburg erwartete sie ein Fehlschlag. Ihn Zofe, die schon feit einigen Tagen kränkelte, hatte sich, ernstlich erkrankt niederlegen müsten ~ man fürchtete den AuSbruch der Blattern und an deren Begleitung war nicht zu denken.

einen als früheres langjähriges Mitglied des Handelsministeriums mit den Geschäften dieses Ressorts vollkommen vertrauten Be- omten. — Da mit dem nächsten Jahres wechsel auf Grund des Reichsmünzgesetzes die ReichSmarkwährung in Kraft tritt, soll eine vollständige Erneuerung sämmtlicher pro 75 schon gültiger General- und Spezial- Etats erfolgen. Die Umwandlung durch eine Deklaration zu vollziehen, ist nicht thunlich erachtet worden.

— Die „Norddeutsche Allgem. Zeitung" bespricht heute den Besuch des Kaisers Alexander bei dem Fürsten Bismarck. Mit diesem Besuch, sagt das Blatt, ist ein neuer Beweis des Wohlwollens und der Sym­pathie des Kaisers für Deutschland und besten nationale Politik gegeben. Auch außer halb dcS Reiches werde die nicht gewöhn­liche, aus dem freiesten persönlichsten Antriebe des Kaisers hervorgegangene Auszeichnung, welche derselbe durch seinen anderthalbstün- bigen Besuch dem deutschen Kanzler ange- deihen ließ, al« ein Act von wahrhaft po­litischer Bedeutung und als ein neues Unter­pfand fortdauernder Harmonie zwischen Rußland und Deutschland anerkannt werden. — Der „Reichsanzeiger" publicirt das Reichsgesetz über Jnternirung und Aus­weisung renitenter Kirchendiener. — Die Erhöhung der Eisenbahntarife ist nunmehr gestern vom Reichskanzleramte deftnitiv voll­zogen worden und steht die amtliche Publi- cation dem „Börfencouricr" zufolge demnächst bevor. Den Gsenbahnen wäre gestattet, eine Erhöhung bis zu einem 20procentigen Zuschläge eintreten zu lassen.

— Die neueste „Prov Corresp." schließt ihren Leitattikel „DaS neue Kirchengesetz" mit folgenden Sätzen: „In keiner preußisch- patriotischen Partei besteht noch ein Bedenken darüber, daß es sich bei der vollen und siegreichen Durchführung des Kampfes gegen die römische Politik gegenwärtig um die höchsten Lebensbkdingungen des preußischen Staatswesens handelt, — daß eS nicht ein Kampf gegen Religion und Glauben ist, bei welchem das Gebot gälte: „Du sollst Gott mehr gehorchen als den Menschen", — sondern die Abwehr kirchlicher Uebergriffe auf das Gebiet, von welchem auch für den Papst und die Geistlichkeit das Wort gilt: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt" — und das Wort: „Seit unterthan der Obrig­

Die Gräfin stellte ihr zwar eine andere Dienerin zu Verfügung, jedoch um die Bc- bienungr oflthr handelt es sich nicht.

Eilig nahm sie mit ihrem vertrauten Diener Rücksprache.

„Vor den fremden Mädchen konnte ich'S am fremden Orte nicht verbergen und erregte damit sicherlich Verdacht, daß ich so unvor­sichtig war, so viel mitzunehmen — ich konnte indeß nicht ahnen, wie thörjcht und hart­köpfig die Leute hier seien, daß ich also durchaus keine Verwendung dafür habe, während dieselbe überall sonst nur allzu leicht ist. Also, was nun, Charles?"

Charles gab nach einigem Sinnen Rath und sie ging darauf ein, weil sie eben keinen Seffern wußte. Er holte feinen Mantel und trug dann in demselben etwas aus ihrem Zimmer, zum Pferdestall. Da man schon zur morgenben Badereise rüstete, und die Gäste im Schloß des gastfreien Grafen Emich die unbeschränkteste Freiheit genoffen, achtete Niemand auf da« Treiben des Dieners, fiel eS auch nicht auf, daß die Marquise noch mit diesem allein ausritt. Für ihr langes Ausbleiben hatte sie eine freundlich aufgenommene Entschuldigung, die: daß sie die wundervolle Aussicht von dem Berge, auf welchem die Trümmer der Abtei Limburg liegen, noch einmal betrachten wollte und sich dabei verspätet Hobe.

keit, denn sie ist von Gott gesetzt." Die vorgeschlagenen Maßregeln sind von großer Schärfe und von tief einschneidender Be deutung; — sie entsprechen der Größe deS Un­gehorsams und des Trotzes, welchen die Geist­lichkeit der Staatsgewalt entgegensetzt. Die Bischöfe ober ihre Gebieter in Rom haben die Lage geschaffen, welcher der Staat die neuen Gesetze anzupassen genöthigt ist: sie allein haben die folgen zu verantworten. Daffelbe Blatt schreibt über den Besuch des Kaisers von Rußland am Hofe unseres Kaisers, daß derselbe durch seinen gesammten Verlauf ous's Neue von ben wahrhaft innigen Beziehungen Zeugniß gegeben, welche zwischen ben Monarchen der beiden mächtigen Reiche und zwischen den beiden Fürstenhäusern be­stehen, sowie von der freudigen Theilnahme der Bevölkerung an diesem Verhältnisse. Der Aufenthalt des Kaisers von Rußland in unserer Hauptstadt ist auf den Wunsch des­selben durch keine größere Festlichkeit gefeiert worden; derselbe war vielmehr lediglich dem engeren vertraulichen Verkehr der Fürsten gewidmet. Statt einer größeren Parade des Gardecorps, wie sie sonst stattzufinden pflegte, fand am Tage nach der Ankunft des Kaisers (am Moittag, 4.) das Exercieren einer Brigade im Feuer statt, bei welchem es vorzugsweise darauf ankam, die Feuer Wirkung des neu eingesührten Gewehrs und die dadurch herbeigeführten Aenderungen der Gefechtsverhältniffc zur Anschauung zu brin­gen. Am Dienstag (5.) besichtigte der Kaiser von Rußland sodann das aus Brau denburg herangezvgene Kürassier-Regiment Kaiser NicolauS von Rußland auf dem Königsplatze vor dem Sieges-Denkmal. Die beiden Kaiser wurden hierbei, wie überall während deS Besuchs, von der Bevölkerung mit dem unverkennbaren Ausdruck herzlicher und begeisterter Theilnahme begrüßt. Die Anwesenheit deS Kaisers von Rußlano und der Großfürsten erhielt noch eine erhöhte Bedeutung durch die in Berlin feierlich ver­kündete Verlobung des Großfürsten Wladimir mit der Prinzessin Marie von Meckleuburg- Schwerin, Tochter deS Großherzogs. Der Kaiser von Rußland hat am Montag Nach­mittag ben Reichskanzler Fürsten Bismarck mit einem längeren Besuch beehrt, nachdem schon vorher der russische Reichs kanzler Fürst Gortschakoff längere Zeit bei dem deutschen Kanzler verweilt hatte.

Tief aufathmend fuhr Diether mit der Hand über Stirn und Augen, dann war er wieder mit ganzer Seele bet dem Käsefest. Die Entfernung der schönen Dame, von den Andern sehnlich herbeigwünjcht, warf keinen Schatten auf seine (Stimmung, vielmehr wurde es jetzt erst recht luftig. Alle nahmen am Tanze Theil, Gesang und Jauchzen über tönte fast die Musik und der KäSkönig eilte, seine Königin in die Reihen zu führen, mit einer Anwandlung von Sorge und Reue — eS kam ihm zum Bewußsein, daß er über der vornehmen Dame Bärbels vergessen hatte. Glücklicherweise schien ihr das ent gangen zu fein. Sie sah heiterer drein, als sonst, lachte und scherzte mit ihren Gespielinnen und warf den Umstehenden Neckereien zu. Zwar vermied sie seinen Blick, ging auf feine Versuche zu einer traulichen Unterhal­tung nicht ein. Allein das war ihre Art so, auch, daß sie sich zu dem fröhlichen Uebermuth nicht hinreißen ließ, dem sich die Andern Angaben, ohne daß es von den zu- schauenden Alten gerügt wurde, — im Ge gentheil meinte diese, wie jede zu Jahren gekommene Generation: zu ihrer Zeit sei ‘e6 viel lustiger gewesen und die heutige Ju­gend steif und nicht ein Bissel lebendig. Den Käskönig nahmen sie fteilich aus; das war ein Bursche auf dem Platz: beim Tanz, wie beim Trinkdn, beim Utzen und Necken,

Die russischen Gäste haben sich am Dienstag Abends von unserem Hofe verabschiedet und sich zunächst nach Stuttgart begeben, von wo der Kaiser von Rußland nach Ems zu gehen gedentt. — Schließlich bestätigt die „Prov.-Corresp." die bereits von uns ge­brachte Mittheilung, daß unser Kaiser sich am Donnerstag (7.) Abend nach Wiesbaden begeben und dort etwa 14 Tagen verweilen wird. Auf der Rückreise von dort gedenkt Se. Majestät dem Kaiser von Rußland zu EmS einen kurzen Besuch zu machen und nachher bis gegen Mitte Juni auf Babels­berg Residenz zu nehmen.

— Fürst Bismarck befindet sich in fort» schreitender Besserung. Derselbe reist mit Eintritt wärmeren Welters nach Varzin. Gewiß ist, daß der Fürst im Laufe des Sommers ein Bad besucht. Welches Bad auszuwählen ist, hängt von den noch aus­stehenden Bestimmungen eines ConciliumS ärztlicher Nvtabilitäten ab.

Bon«, 2. Mai. Die Altkatholiken der Kreise Bonn, Rheinbach und Siegburg werden nunmehr zu einer eigenen Pfarrei vereinigt werden. Die Verhandlungen über die Errichtung dieser altkatholischen Pfarrei mit dem Sitze des Pfarrers in Bonn, sind bereits so weit gediehen, daß jetzt alle eingeschriebenen selbstständigen Altkatholiken ihre bezüglichen Erklärungen vor den Orts» Behörden zu Protokoll abgeben müssen, gleich wie dies vor Kurzem schon in Köln geschehen ist. Den Bürgermeistern sind die Verzeichnisse der eingeschriebenen Altkatho­liken zugegangen und werden dieselben nun besondere Termine anberaumen, damit die betreffenden Personen ihre Zugehörigkeit zu der zu errichtenden Pfarrei erklären können.

Darmstadt, 6. Mai. Der Kaiser von Rußland wurde auf seiner heutigen Durch­reise nach Stuttgart von dem Großherzog und den Prinzen Ludwig, Alexander und Wilhelm am Bahnhofe empfangen und nahm im Residenzschloffe ein Dejeuner ein.

Karlsruhe, 4. Mai. Der Großherzog hat zu den gestern begonnenen Pferde- Rennen des badischen Rennvereins Mann­heim für heute seinen Besuch zugesagt. Auch Prinz Wilhelm und andere hohe Herrschaf­ten ans Darmstadt, Baden und Stuttgart waren zu dem Sportfest erwartet. General v. Werder hat ein Rennen gestiftet, daö

wie bei der Arbeit und — einer etwaigen Prügelei, ohne welche dergleichen Belusti­gungen nicht abgehen, wo der feurige Wein in Strömen fließt, ja bereit Würze ein kleiner Kampf mit blutigen Köpfen zu fein pflegte.

„Bärbel, guck mir in die Augen", bat er zärtlich. „Meine Mutter selig sagte von mir, als ich noch ein kaum käfehoher Bub' war, ich hätte ein Mundwerk, wie ein Mühl­werk und könnte eine ganze Red' brau« machen, wo Andre kein Won drauf fänden. Du hast auch gesehen, daß ich nicht blöde bin und sei's gegen die vornehmsten Herr­schaften — aber möchte ich Dir was sagen, so recht aus dem Herzen heraus, bann ist'«, als läge der ganze Donnersberg mir quer in der Kehle und nicht ein einzig Wörtchen kann daneben hervor. Könnt'st mir ein Bischen zu Hilfe kommen, Bärbel, oder mir'S aus den Angen ablesen, was ich mein’. — Schau, waS für einen schönen Ring mir die Dame ansteckte! Willst ihn haben? Mir ist er doch zu enge."

War sie vorhin schon nicht geneigt, seine Bitte zu erfüllen, so wendete sie sich jetzt völlig ab, warf ihm über die Achsel ein herbe«: „Versteh' mich nicht drauf, in den Augen zu lesen — brauch keinen Ring!" zu.

Er hatte sich'S indeß vorgenommen, heute mit ihr in’« Reine zu kbittmen, und ihr