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JRarÖlltg, Donnerstag, den 7. Mai.

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«»zeigen nimmt entgegen: bte d. Blattes,

sowie die Amwncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. m Äaffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M-; Laasenstein & Vogler in irantfurt a. M-, Berlin, Leip. Hg, Köln re.; Rudolf Mofse in Berlin, Frankfurt a. M. re.

(Obrtl)cl)ifd)f Jritung.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d- Blattes, sowie die Annonceu-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'schx, Buchhandlung in Frankfurt a. M-; Jnvalidendank, A. Rete- rneyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

um, Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn-und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (H och'sche Buchdruckerei) bezogen 22j Sgr., durch die Postämter 27 Sar. inbei (excl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden Sgr. berechnet.

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Berlin, 5. Mai. Kaiser Alexander, Deutschlands bester Freund, hat wiederum zwei Tage in unserer Hauptstadt zugcbracht, die in ihm nicht nur den nahen und lieben Verwandten des eigenen Herrscherhauses, sondern auch einen lang gewohnten lieben Gast mit aufrichtiger Freude in ihrer Mitte begrüßt hat. Das letzte Jahrzehnt ist für die Bevölkernng Berlins reich, überreich an großen geschichtlichen Momenten, an so bedeutungsvollen Ereignissen gewesen, wie fie selbst im Leben eines großen Volkes nur irgend möglich sein können. Kaum wüte es dem Berliner zu verargen, wenn er in dieser Beziehung etwas verwöhnt wäre und nach drei Triumph.Einzügen und der Drei Kaiser -- Zusammenkunft sich der­artigen Eindrücken weniger zugänglich er­wiese. Aber der durchaus spontane und überaus herzliche Empfang, welchen Kaiser Alexander am Sonntag Seitens der Be­völkerung gefunden, die sich zu Tausenden und aber Tausenden auf seinem Weg gereiht hatte, beweist, daß die Bewohner der mit den Geschicken deS Herrscherhauses und des Vaterlandes eng verknüpften Hauptstadt im Glanze einer neuen Zeit die beste Tugend eines Volke», die Dankbarkeit, nicht verlernt haben. Nicht allein die Verehrung für die Herrschertugenden deS unserem geliebten Kaiser so eng befreundeten Fürsten, die Dankbarkeit für da», was Kaiser Alexander Preußen und Deutschland in den schwersten Momenten unserer neueren Geschichte ge- wesen, war eS vor Allem, welche am Sonn­tag die Berliner freiwillig in so großen Masten auf die Straßen rief. ES mar die immer wieder sich erneuernde Bestätigung, daß nnser Volk in allen feinen Schichten echte Freundschaft hoch zu schätzen und durch allen Wechsel der Zeiten Treue um Treue zu halten weiß.

DerReichsanzeiger" publieirt das

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Reichs Castenschein-Gesetz.

Anknüpfend an die Veöffentlichungen deS Grafen Arnim und die Liebäugelei der Ultramontanen schließt dieNordd. Allg. Ztg." ihren heutigen Leitartikel mit Folgen­dem: Es nimmt unS gar nicht Wunder, daß gleichwohl Herr Reichensperger und die ultramontane Presse aus dem Verhalten de» Botschafter- Capital schlägt: denn der Zweckheiligt" daS Mittel. Aber zu ernstem Nachdenken fordert das Gebühren

der französischen Negierungspresse auf, welche, wie derFran-aiS" und da» Organ des Due DeeazeS, die PariserPresse", für den Grafen Arnim Lanzen brechen. Wie sollen wir das verstehen? Heißt es soviel, als ein Ausdruck der Vorliebe der franzö fischen Staatslenker für eine Politik, welche in zwangloser Animosität gegen das Papst- thum dem deutschen Kanzler den Vorwurf macht, zu lange gute Seiten aufgezogen, la- virt und nicht scharf genug von vornherein Rom aufs Korn genommen zu haben? Oder empfindet die Zeitung des Due Decazes über jede Schilderhebung gegen den Reichs­kanzler eine nicht zurückzuhaltende Befriedi­gung? ist den französischen Politikern jeder Stein, der gegen die deutsche Politik ge­schleudert wird, so willkommen, daß sie gar nicht danach fragen, von welcher Seite her der Wurf erfolgte? Unseren Verhältnissen entspricht es, Akt davon zu nehmen. (In einem Theil der gestrigen Nr. al» Telegramm mitgetheilt).

Posen, 3. Mai. Der Erzbischof Le- dochowSki hat, wie dieGerm." mittheilt, aus Anlaß seiner Verhaftung ein sehr gnä­diges und belobigendes Handschreiben des Papstes erhalten.

Dnrmfkadt, 4. Mai. Während eine Reihe von Blättern den 1. Juli bestimmt als den Tag der Jnkraftiretung der neuen Verwaltungsgesetze bezeichnet hatte, hört man jetzt, daß der Termin bis zum 1. August d. I. verschoben fei. Die Wahlen sollen im September stattfinden. Auf dem vorigen Landtag wurde den Ständen eine Gesetzes Vorlage gemacht, wonach die Hundesteuer von jährlich zwei auf drei Gulden erhöht und den Gemeinden gestattet werden sollte, außerdem noch eine Steuer von ein bis zwei Gulden jährlich für sich zu erheben. Der Gesetzesentwurf wurde indesten nicht ange­nommen. Tie gegenwärtige zweite Kammer hat den Gegenstand bei Berathung des Budgets wieder zur Sprache gebracht und die Regierung ist hiernächst ersucht worden, die Hundesteuer auf sechs Mark zu erhöhen, gleichzeitig auch den Gemeinden die seiner Zeit beabsichtigte BesteuerungS-Befugniß zu ertheilen. Die Regierung soll im Begriffe fein, den Wünschen der Stände in fraglicher Richtung zu willfahren, namentlich auch eine Hunde - CoMmunalsteuer einzuführen. Die Bestimmung, wonach jeder Hund eine me­tallene Steuermarke an sich tragen soll,

wird voraussichtlich auch in Hessen eingeführt werden.

Nürnberg, 4. Mai. Eine zur Be sprechung der Bierfrage heute anberaumte Volksversammlung wurde aufgelöst, weil der Vorsitzende der Auflösung der Versammlung am Samstag erwähnte. Die Arbeiter waren erbittert, beruhigten sich jedoch in Folge der Ermahnung ihres Führers. Der Vorsitzende erklärte das Versammlungsrecht als illusorisch.

Straßburg, 2. Mai. Ter am vorigen Dienstag erfolgte Schluß des hiefigen Kna benfeminard hat Beachtung nur in engeren Kreisen gesunden, die zu erweitern man aber gewiß Sorge tragen wird. So viel über die Sache bekannt wurde, hat der Ober­präsident diese Maßregel erst angeordnet, nachdem alle Mittel zur Verständigung voll­ständig erschöpft waren und die Frage nahe lag, ob Gesetze gegeben werden, um befolgt oder mißachtet zu werden. Ueber die in­timere Natur der einschlägigen Verhältniffe wird wohl noch Nähere» verlauten. Wie man hört, waren zuletzt 13 Lehrer an dieser Anstalt thätig, sämmtlich Geistliche, welche selbst aus derselben hervorgegangen waren. Die Erinnerungsfeier de» Stiftungstages unserer Universität ist gestern mit einer Festversammlung im Schlosse in Anwesen­heit des Oberpräsidenten, des Gouverneurs von Hartmann, sämmtlicher Professoren und sonstiger angesehener Personen, wie auch der studirenden Jugend begangen worden. Einer Rede des Rektors Hoppe - Seyler über die Entwickelung und Aufgaben der deutschen Universitäten, folgte die Vertheilung der verliehenen Auszeichnungen für die Studi renden, welche die üblichen Preisfragen gelöst hatten. Abends hielt die Studenten schäft einen Fackelzug durch die Haupt {tragen der Stadt, der eine große Zu­schauermenge he: beilockte. Ein FesteommerS schloß die Feierlichkeiten de» Tage». Heute wurde, wenn auch bei unfreundlicher Witte rung, ein Ausflug nach Zaber» und der unfern davon gelegenen malerischen Schloß- Ruine Hohbarr unternommen.

Ausland.

Wie», 5. Mai. Im Abgeordnetenhaus antwortete der Finanzminister auf die In terpellation betreffs der KrisiS:Der Re- gicrung ist die Gelegenheit willkommen, vor der Vertagung deS ReichSrathS nochmals ihre Stellung zur Krisis darzulegen. Tie Abnahme der Consumtion und die damit

verbundene Stockung einzelner Produktions­zweige sind theilS die natürliche Rückwirkung der Krisis deS Effektenmarktes, theilS die Folge einer wiederholten Miß-Ernte und da­durch wesentlich verschärft, daß weite aus­wärtige Verkehrsgebiete das Schicksal gleich ungünstiger Wirthschaftsverhältniffe mit uns theilen. Unmöglich könnten die einer Staats- gemalt zur Verfügung stehenden Mittel einer Krise Stillstand gebieten, welche au» dem Zusammentreffen so verschiedenartiger Ur­sachen hervorging. Insoweit ein Eingreifen des Staates, besonders behufs Vermehrung der Creditgewährung und Förderung der Bauthätigkeit, möglich war, fand dasselbe unter Mitwirkung des Reichsraths statt. Die Regierung war unablässig besorgt, die gesetzlich genehmigten Eisenbahnbauten und Staatsbauten baldmöglichst auszuführen. Falls gegen Erwarten die Stockung der Arbeitsthätigkeit größere Dimensionen an- nehmen sollte, wird die Regierung alle durch die Umstände gebotenen Maßregeln einleiten. Wenn die Nachfrage nach Salinenscheinen nicht namhaft nachläßt, wird die Regierung eine weitere Ermäßigung deS Zinsfußes ein­treten lassen. Auf Grund des December- GesetzeS sind zunächst 16 Vorschnßeaffen mit einer Dotation von 10,600,000 fl. er­öffnet worden, namhafte Beträge sind da­durch dem Handel und Gewerbe zugeführt worden, außerdem wurden im Wege der Centralleitung weit bedeutendere Summen flüssig gemacht. Die Regierung begreift vollständig den Ernst der wirthschaftlichen Situation, kann sich aber auch nicht verhehlen, daß, während früher durch Ueberfchätzung der CapitalSkraft und Anweisung aller Werthe auf die Leichtgläubigkeit deS Publi­kum» gesündigt wurde, nunmehr eine Unter schätzung der wirthschaftlichen Kraft und ungerechtfertigtes Mißtrauen in die allge­meine Kreditwürdigkeit eingetreten sind, wel­ches von gewinnsüchtigen Spekulanten auS- gebcutet wird. Die Regierung wird auch ferner die Entwickelung der ökonomischen Verhältnisse offenen Auges und warmen Herzen» verfolgen, und wenn sie sich auch nicht berufen fühlt, Schäden, welche Einzelne durch verfehlte Speeulatione» erlitten, auf Kosten der Gesammtheit zu heilen, so wird fie im Sinne des kaiserlichen Handschreibens vom 18. Februar sich möglichst bestreben, die wirthschaftlichen Bedrängnisse zu lindern." (Tie Ausführungen des Finanzminister^

Inzwischen halte die Marquise Zeit, ein Gespräch mit Diether anzuknüpsen. Sie äußerte sich entzückt über das Fest und fragte den Käskönig eben so angelegentlich nach dessen Ursprung, wie sie vorhin den Leininger darnach gefragt.Es ist ein uralter Brauch, soll schon au« den Zeiten des guten Königs Dagobert herstammen", berichtete er.Auf unserem Dürkheimer Bruch, da» sich an der Jsenach von der Saline gegen LamleSheim hin erstreckt, haben die benachbarten Höfe und Dörfer nur gegen eine Abgabe da» Weiderecht Diese Abgabe besteht in Käsen, die vom sogenannten KäS- könig, den Heuer ich vorstelle" er ver­beugte sich ganz artig gegen seine Gefährtin -- alljährlich am Pfingstmontag in feier­lichem Umtritt eingeholt wird. Am frühen Morgen schon bin ich ausgeritten, denn es ist ein stundenweiter Weg und"

Wie allerliebst!" unterbrach sie ihn leb­haft.Und wie schade, daß wir schon morgen abreisen. Ihr habt hier gewiß mancherlei Sitten und Bräuche, die man in meiner Heirnath nicht kennt, von denen man am Hofe von Versailles vollends keine Ahnung hat. Ich bin entzückt von Der­gleichen und Ihr, mein Freund, hättet mich darin gewiß gern unterwiesen. Das Leben hier scheint überhaupt sehr angenehm zu

Der KiiSkönig.

Novelle von M. v. Roskowska.

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(Fortsetzung.)

Da» reizte ihn nun wieder, belustigte ihn aber auch. So kurz angebunden, wie Du, »4t keine Andere gegen mich, und eben so Wenig in ganz Dürkheim Eine, die'S aus- geschlagen hätt', meine Königin zu fein. Die Tarne da gehört hier nicht heim, könnt'» also nicht sein. Aber zur Tänzerin bekäme ich sie schon, wenn ich grabe wollte. WaS Du glaubst'« nicht? Nun sollst Du'S sehen. Sie kommt ja schon nach dem König­reich mit.

DaSKönigreich" war ein WirthShaus, >n welchem beim Käsefest getanzt und ge- !chmaust wurde, da» dämm die Vergünsti­gung zeitweiser Abgabefreiheit genoß. Dahin Hrte nun der Käskönig feine Genossin, »ie der Marschall die feinige. Die Achter und andere Theilnehmer de» Umritts hatten !>ch inzwischen auch mit Gefährtinnen vre­ichen und die Zuschauer folgten dann dem Zuge oder eilten ihm voran. Die fremde Dame hielt sich in der Nähe DietherS und fragte eifrig vom Grafen die Bedeutung

Festes.

Dor demKönigreich" ward Wein stedenzt. Während die jungen Leute vor Ungeduld brannten, den Tanz auf dem

Nasen zu beginnen, trat Diether, gestachelt j neigt, ihm zu willfahren. Sie blickte

durch Bärbels Achselzucken und kühle Ab­lehnung, mit dem Becher zu den vornehmen Zuschauern. Leicht ein Knie vor der Dame beugend, sagte er, zum höchsten Staunen der umstehenden ob solcher Dreistigkeit, ehr­erbietig, doch unbefangen:

Mein Königreich dürfen schöne und vornehme Fremde nicht ungelabt verkästen. Bitte, thut mir die @$re an, Dame es ist vom besten Gewächs auf dem Michels- berg droben und lagerte manch Jahr in meine» Vaters Keller."

Die Marquise schaute ihn lächelnd an, nahm den Becher, trank und bot ihn bann dem Leininger, der ihn auf einen Zug leerte. Womit danke ich dafür? Einem König kann man keinen gewöhnlichen Lohn bieten," scherzte sie.

Ich wüßte einen hohen, ungewöhnlichen!" ergriff Diether keck die Gelegenheit beim Schopf.

Ihr Blick war außerordentlich ermunternd.

Gönnt mir einen Tanz!" Der KSskönig richtete die Hellen Augen überredend auf die Dame. Setzte er hier fein Stück nicht durch, so hatte er'» bei Bärbel für immer verfpiett.

E» bedurfte keiner besonderen Ueberrebung die Marquise war durchaus nicht abge-

fragend auf ihren erlauchten Begleiter, flüsterte dabei mit ihrem reizendsten, ver­führerischesten Lächeln und sie lächelte stets überaus reizend und verführerisch: der frische grüne Rasen winkt so verlockend! Wenn es nicht gar zu unpassend wäre"

O darum kein Bedenken, Fran Mar­quise!" kam Graf Emich ihrem sichtlichen Wunsch entgegen.Etikettenrücksichten kom­men hier nicht in Betracht und zu befahren ist wahrlich nichts an der Hand eine« meiner Bürgerföhne, so keck der Bursche auch auSsteht und, wie Figura zeigt, wirklich ist."

Noch bevor der Graf ausgesprochen, hatte Diether der Dame vom Pferde ge­holfen. Durch den Beistand der Umstehen­den war ihr Reitkleid bald fo hoch, wie nöthig, geschürzt. Triumphirend führte er sie bann zum Tanzplatz, mit ben lachenden Auge» Bärbel suchend. Diese wich seinem Blick indeß aus.

Die Königin soll inzwischen nicht ver- laffen zusehen," lachte in bester Laune der Graf und näherte sich dem Mädchen, eS zum Tanzplatz zu führen.

Bärbel machte erst, verlegen knixend, eine Menge Einwände, ehe fie ihrem hohen Tänzer folgte.