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Jllaröurg, Mittwoch, den 6. Mai.

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««zeigen nimmt entgegen: bie Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in Mel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. 9Jt.; Laasenstein & Vogler in Frankfurt a. M-, Berlin, Leip- ,jq, Cöln rc.; Rudolf Moss« in Berlin, Frankfurt a. M- rc.

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d- Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von G. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M-; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurts M; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn-und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 22 Sgr., durch die Postämter 27 Sgr. (excl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 2$ Sgr. berechnet.

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Deutsches Reich.

# Berlin, 4 Mai. Der Besuch des Kaisers von Rußland hat natürlich in die Hofkreise eine lebhaftere Bewegung und durch die heute stattgcfundene Parade ist auch dem Militär der übliche Antheil an den Empfangs feierlichkriten zugewiesen worden; im Wesent­lichen trägt der Besuch einen privaten Cha­rakter und schließt deßwegen die Veranstal tüng großer officieller Festlichkeiten aus. Auch die gestrige Opernvorstellung entbehrte deö höheren GallaprunkeS; die beiden Kaiser waren nur im Interims - Ueberrock in der kleinen Loge des Prinzen Carl zugegen; das hohe Brautpaar, Großfürst Wladimir und die Prinzessin von Mecklenburg, nebst der Großherzogin von Mecklenburg, dem Kron Prinzen und der Kronprinzessin, erschienen in der großen Mittelloge. Die Begleitung 4eS angesehensten diplomatischen Rathgebers des Kaisers, Geheimen Staatsraths von Hamburger, und anderer hoher Beamten des Kaisers Alexander findet in der längeren Dauer des SlufenhalteS im AuSlande ihre Erklärung und ist nicht für den hiesigen Aufenthalt oder für damit zu verbindenden Staatsangelegenheiten berechnet, wie vielfach vermuthet wurde. Insbesondere sind keine Verhandlungen über die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Rußland bei dieser Gelegenheit in Aussicht genommen. Im Vordergrund der politischen Discussion er­halten sich noch immer die Angelegenheiten deS Grafen Arnim. Was die Gegenwart nicht darbietet, um den Stoff gehörig in die Länge und Breite zu ziehen, muß die Vcr gangenheit nachträglich aufgewärmt liefern. So erzählt man von einem vom Grafen Arnim ausgebreiteten, der höchsten Instanz direct vorgelegten Promemvria in der kirchen- politischen Frage, welches dem Verfasser die Mißstimmung des leitenden Staatsmann's zugezogen haben sollte; man hat damit je- doch nur einen ähnlichen Vorgang auS früherer Zeit ohne unmittelbaren Zusammen­hang mit der Tagesfrage wieder an's Licht gezogen. Im Allgemeinen legt man über Haupt der Person und der Sache eine viel zu hohe Bedeutung bei, der ersteren nament- lich eine höhere, als man von maßgebender Seite bisher jemals bei aller Anerkennung des SchätzenSwerthen gethan hat. Von der Eventualität der Berufung zu leitender Thä tigkeit ist auch in der Zeit der KrifiS auf

Der Ätitinit.

Novelle von M. v RoskowSka.

(Fortsetzung.)

Die Marquise Rence Deligny war in der Thal nicht erbaut von dem Ausritt im Rachmittagssonnenstrahl, der auf dem staubi­gen Wege zur Stadt, wie in den engen Gassen der letzter«, heiß brütete. Eine Jagd im schattigen Walde oder eine galante Unter­haltung in den kühlen Sälen der Harten­burg wäre ihr angenehmer gewesen. Welch Vergnügen konnte eS gewähren, sich unter das Volk zu mischen? Gern hätte sie dem gastfreien Grafen die Kenntniß, wie die Türkheimer den Pfingstmontag feiern, er­lassen. Mit halbem Ohr nur hörte sie auf seine Erzählung, wie die Abtei Limburg droben durch einen seiner Ahnen zerstört worden. Hatte sie die Geschichte doch so­gleich vernommen, als nach ihrer Ankunft hier ihr Blick auS dem Fenster der Harten- durg zuerst auf die gewaltigen Trümmer des Klosters gefallen war.

An dem Obermarkt zeigte ihr der Leinin

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grr:Die Erwählte des Käskönigs, also die Käskönigin!" und sie zuckte geringschätzig die Achseln. Die Mäochen hier zu Lande dünkten sie häßlich und plump, und Ellrichs Värbel davon keine Ausnahme. In der That erschien das große, schlanke Bürger- - Mädchen mit dem ernsthaften, von Verlegen-

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maßgebender Seite nie die Rede gewesen und nie ist Anlaß auch nur zu solcher Erwägung gegeben worden. Das Gerücht hat sich auch mit Ankündigung oder Erwartung bc vorstehender Ernennungen für hohe Beamten- Stellungen, Regierungsprästdien z B. be­schäftigt, obgleich in der That solche Stel­lungen zur Zeit nicht vacant sind, und keine solche Vacanzen in Aussicht stehen. Der BundeSrath hat den Ausschuß für Handel und Verkehr beauftragt, Vorschläge für die Zusammenstellung der Commission für Reichs- Medicinal - Statistik vorzubereiten. Es sind dazu in Vorschlag gebracht worden die Herren: Bitter, Präsident der Seehandlung, Engel, Director des Königl. Preuß. Statistischen Büreau's, Eulenburg, Kgl. Preuß. Geheimer Medicinal-Rath, Dr. Reinhardt, Vorstand des Königl. Sächs. Medicinal - Collegiums, Herschensteiner, Kgl. Bayer. Geheimer Re gierungs - Medicinal«Rath, Dr. Koch, Kgl. Würtemberg. Ober Medicinal Rath, Pfeifer, Großherzogl. Hessischer Ober-Medicinal-Rath und Meltzen Preuß. Geheimer Reg. - Rath, Vorstand der statistischen Ceutralcommission des Deutschen Reichs. Unser Kaiser wird sich am 7. d. M. zu einem 14tägigen Auf enthalt nach Wiesbaden begeben und von dort aus auf einen Tag dem Kaiser Alexan der in EmS einen Besuch machen. Vom Zusammentreffen der drei Kaiser in Ems ist in unterrichteten Kreisen Nichts bekannt. Von Wiesbaden wird Kaiser Wilhelm zu einem längeren Aufenthalt nach Babelsberg zurückkehren.

Berlin, 3. Mai. Die Verhand­lungen des Abgeordnetenhauses tragen recht sichtbar das Gepräge der durch den Reichs­tag gewonnenen neuen Situation und Par­teibildung. Kaum ist jemals eine zu end- und fruchtloseren Principienstreit reiche Ge­legenheit bietende Ausgabe wie der Entwurf der Kirchengemeinde, und Synodalordnung in so geschäftsmäßig correcter Behandlung zu rascher Erledigung gekommen, und von allen Parteien der ernste Wille mit Weg­lassung erschwerender Nebenfragen die Haupt­ziele zu erreichen, so wirksam dokumentirt worden. Wenn das Verhalten der Parteien im Reichstag zum Militärgesetz - Entwurf eine Zeit lang zu der deprimirenden An­nahme Veranlassung gab, daß der deutsche Particularismus und Doctrinismus hart näckig sich als Hinderniß erfolgreicher Real

heit glühenden Gesicht nicht reizend, dessen Haltung nicht anmuthig, oder auch nur un­gezwungen.

Aber jetzt war der Käskönig da.

Hinter einem Trupp Musikanten, die ihren Instrumenten mehr lärmende als me­lodische Töne entlockten, oder vielmehr er­preßten, ritten paarweise auf stattlichen, gut­geschirrten Pferden, die Dürkheimer Bürgers söhne. Sie Alle überragte Diether Hart­mann. Nicht allein die aus Kornblumen zierlich geflochtene Krone auf seinem blonden Haar und der vergoldete Scepter, aus dessen Spitze ein blumengeschmückter Käse steckte, diese Attribute seines heutigen Königthums, zeichneten ihn vor Allen aus. Er war auffallend hübsch und die hohe kräftige Ge statt so schön, daß Reuse in einen Rus der Ueberraschung auöbrach. Seine Hellen Augen leuchteten voll schelmischer Huld auf die Menge hernieder Frauen und Kinder kreischten zwischen Schreck und Jubel auf, wenn er das Pferd steigen ließ, um es dann leicht und sicher zu zügeln, und die grüßen­den Schwenkungen seines Scepters erregten die höchste Bewunderung aller Kenner, weil er dm Käse darauf, und unzerbröckelt zu behalten wußte. Der gleichfalls mit Blumen gezierte Marschall, die beiden Achter und das übrige Gefolge erregten neben ihm nur dm A itheil ihrer Angehörigen Die mit

Politik in den Weg stellen und die alten parlamentarischen Traditionen kurzsichtigen kleinlichen Parteitreibens als chronische Krankheit forterben lassen würde, daß selbst die großartigen Ereigniffe der deutschen Geschichte keine Heilung deS Erbfehlers im deutschen Charakter gebracht hätten, so drängt sich auch dem schließlichen Verlauf des Reichs­tags und dem jetzigen Verhalten des Land­tags die aufrichtige Ueberzeugung auf, daß wir im politischen Leben wieder einen be deutenden Schritt vorwärts gekommen sind und die im Reichstag überwundene Krisis als ein dauernder Gewinn von großer Trag­weite in unserer parlamentarischen Geschichte verzeichnet zu werden verdient. Einen im Gegensatz hierzu wenig erquicklichen Gegm stand der öffentlichen Discussion bieten die publicistischen Bemühungen des Grafen Ar nim, sich als berufener, aber verkannter Vertreter einer der Regierung entgegenge fetzten Politik in der Kirchenfrage geltend zu machen. Je bedenklicher sein Erfolg, desto heißer scheint sein Verlangen zu wer­de», als destgnirter Retter des Kirchenfrie dens zu erscheinen. Ter Bundesrath hat das Preßgesetz dem Justizausschuß zur Vor­bereitung der Annahme überwiesen. Die hierzu erforderliche Zeit ist von den Be­vollmächtigten zur Einholung der Instruktion von ihren Regierungen benutzt worden. Seitens der preuß. Regierung ist die Zu stimmung in vertraulicher Form zwar schon gesichert, wird aber officiel durch Beschluß noch festgestellt werden müssen. Die Sanctio- nirung durch den Kaiser als Oberhaupt des Reichs ist nicht durch d.e Bundesverfaffung bedingt, sondern als preuß. Landesherr, da der Bundesrath der gesetzgebende Faktor in Verbindung mit dem Reichstag ist. Die Uebersicht, welche der Finanzminister über der Stand der preuß. Finanzlage gegeben, hat sich dies Mal einer weniger eingehenden Würdigung Seitens der Presse zu erfreuen gehabt, als den überraschend günstigen Re­sultaten nach wohl zu erwarten gewesen sein würde. Man könnte diesen Mangel an ausdrücklicher Anerkennung wohl als beson­ders schmeichelhaft betrachten, indem man supponirt, daß diese ernstlichen Resultate im Voraus mit Sicherheit erwartet worden sind, und deßwegen als vollendete Thatsache nicht mehr überraschen. Eine andere Er­klärung liegt wohl auch in der Fülle fon-

KSse beladenen Wagen hinter dem Zuge interessirten vollends nur einige wenige leiden schriftliche Liebhaber dieser hier übrigens sehr häufigen Speise. Dem Käskönig aber jauchzten bei allen Bewegungen nicht allein entzückt die Buben zu, die ihn schon weit draußen vor dem Thor eingeholt hatten, auch andere Leute begrüßten ihn durch Tücherschwenken ober boch wenigstens durch Lächeln unb freunbliche Augenwinke.

Auch bie Marquise that das. Langeweile und Unmuth war ans ihren Zügen ver­schwunden; diese belebten sich eigenthümlich und die dunkeln Augen funkelten auf. Sie verwandte den Blick nicht von Diether und erröthete, als er, zum Dank für die ihm geschenkte Aufmerksamkeit, sich und seinen Scepter vor ihr viel tiefer, als selbst vor dem Grafen, neigte. Lebhaft fragte sie dann:

Wer ist dieser junge Mann? Unmöglich ein Bürger und gar ein Bürger aus diesem kleinen alten Nest".

Graf Emich lachte.Dennoch ist eS so, schönste Frau! Seinem Vater gehört das verräucherte Hans da an der Ecke, das noch die Spuren des Sengens und Schießms aus dem Reunionskriege trägt, und ein großer Theil der Weingärten am MichelS- berge, fast die beste Lage bei Dürkheim. Aber er sitzt wirklich wie ein Edelmann zu

[tiger, da« öffentliche Interesse lebhaft in Anspruch nehmender politischer Vorgänge.

BAC. Ueber da« Preßgesetz wird morgen (5. Mai) im Bundesrath abge­stimmt werden, seine Genehmigung unter­liegt keinem Zweifel. Von allen Beschlüffen deS Reichstags bleibt außer dem Diätenge­setz, dessen Ablehnung im Bundesrath von vornherein feststand, nur das Civilehegesetz in seinem Schicksal unentschieden, und zwar lediglich, weil Baiern im Wege der Landes­gesetzgebung vorzugehen beabsichtigt. Nach der Zusammensetzung der bairischen Kammer ist keine Aussicht vorhanden, dort ein Ci- vilehegesetz durchzubringen; aber auch wenn in einzelnen andern Staaten diese Materie durch Landesgesetz geregelt werden sollte, wird das Reich es nicht aufgeben, ein Reichsgesetz darüber zu erlaffen, und eS wird vielleicht schon in der Herbstsession dem Reichstage eine Vorlage über die Ci- vilehe von Seiten des Bundesraths zugehen.

Hannover, 1. Mai. Schon mehrfach ist auf den bedeutenden Lehrermangel unserer Provinz hingewiesen worden. Nach einer Nachricht, die man als zuverlässig betrachten darf, sind im Consiftorialbezirk Hannover gegenwärtig noch über 40 größtentheils gering ootirte Schulstellen zu besetzen. Kleinere Pfarren und Callaboraturen sind gleichfalls in Menge vacant. In der Provinz Han­nover sollen überhaupt noch 160 Schulen ohne Lehrer sein. Der dadurch an vielen Orten herbeigeführte Nolhstand hat eine Höhe erreicht, die dringend zur schleunigen Abhilfe mahnt, denn das traurige Aqskunfts- mittel, Präparanden, bie noch in sehr jugend­lichem Alter stehen, mit Lehrämtern zu be­trauen, kann auf die Dauer nicht genügen.

Trier, 1. Mai. Die Professoren des hiesigen bischöflichen Seminars sind wegen ihres Verhaltens bei ihrer Exmission,wo­durch der bekannte Volkstumult wenn nicht hervorgerufen, so doch unterstützt und ver­größert worden sei", in Anklagezustand versetzt.

Aus Thüringen, 2. Mai. Eisenach wird im Laufe des Sommersemesters wieder reich an Versammlungen fein. Die (bereits signalisirte) studentische Delegirten-Versamm- lung ist von Greifswalde aus angeregt und hat den Zweck, denjenigen academischen Verbindungen, welche politische Tendenzen verfolgten und die nach der Constituirung Pferde und könnte im Aeußern, bis auf die ausgearbeiteten Hände, einen Kavalier Vor­steven, wie nur je einen in königlichen Prunksälen gab. Freilich wird stets der alerteste Bursche zum Käskönig gewählt.

Ein Ausdruck von Bedauern umwölkte das Antlitz der Dame, doch nur vorüber­gehend. Unwillkürlich trieb sie ihren Zelter an, nm kesser zu sehen, was nun vorgehe. Je weniger sie sich von diesem Volksfest versprochen hatte, nm so mehr intereffirte sie sich fitzt dafür.

Der Käskönig hatte indeß die seiner harrende Königin erreicht, sprang schnell vom Pferde und bot ihr mit aufglänzendem Blick die Hand. Sein Marschall gesellte sich zu ihrer Gefährtin, und die Bürgerwache schloß einen schützenden Kreis um die beiden Paare, welche nun wohl ober übel auf dem holperigen Marktplatz bie üblichen Ehreniänze aufführten. Diether erntete habet wieber allgemeinen Beifall. Bärbels Wesen, wie­wohl abweisend genug, war doch weniger schnöde, als sonst, wenn Diether sich kleine Freiheiten hatte herausnehmen wollen. Die allgemeine frohe Stimmung war ansteckend; der Stolz auf seine Gewandtheit unb bie Auszeichnung burch ihn ließ sich nicht ganz unterbrücken.

Wenn jemals, so schien dem jungen Manne jetzt b?r Augenblick gekommen, die