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Ur 1OM.

JHarßlirg, Dienstag, den 5. Mai.

187a:

Anreizen nimmt entgegen: die Spedition d. Blatte-, sowie die Annvncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. m Saffet und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M-; Saasenstein & Vogler in Frankfurt a. M-, Berlin. Leip- ,iq. Cöln rc.; Rudolf Moss» in Berlin, Frankfurt a- M- rc.

OftrhcUthc Munn.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d- Blattes, sowie die Annvncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buch Handlung in Frankfurt a. M; Jnvalidendank, A- Rete? meyer in Berlin; Carl Schuß­ler in Hannover; C-Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich

außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition («och'sche Buch druck er ei) bezogen 224 Sgr., durch die Postämter 27 Sgr. (crcl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl- Stempel 22 Sgr. — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 24 Sgr- berechnet.

Deutscher Reich.

BerltÄ, 2. Mai. Der Justizausfchuß des Bundesralhes hielt gestern wieder eine Sitzung, in welcher die Berathung über die Justizgesetze fortgeführt wurde. Die Erledigung derselben scheint sich, mehr als erwartet wurde, zu verzögern. Es soll die Absicht bestehen, die Ausarbeitungen dem Reichstage gleich bei seinem Zusammentritt, der im Oktober zu erwarten ist, vorzulegen, um dann die Bearbeitung einer Kommission zu übertragen, welche auch nach Schluß des Reichstages hier bleiben würde. Den Mit gliedern würden allerdings Diäten zuge standen werden müssen und überhaupt für dieses Arrangement ein Gesetz nothwendig fein. — Der Eisenbahnausschuß des Bundes­raths hat am Montag die Berathung des von dem RcichScisenbahnamt ausgestellten neuen Betriebreglements zu Ende geführt Das neue Reglement wird, wie hiesige Blätter melden, auch für Baiern, seitens der baic- rischen Regierung eingeführt werden. Die Berathungen haben eine vollständige Ueber einstimmung der Reichöregierung und der österreichisch-ungarischen Regierung ergeben, so daß das in Vorbereitung begriffene Reg lement gleichlautend für das Deutsche Reich und Oestereich-Ungarn, also für ein Gebiet von 70 Millionen Seelen in Kraft gesetzt werden wird. — Wie erinnerlich, hatten sich die Bundesregierungen bereit erklärt, ihre Entscheidungen über allgemeine Erhöhung der Eisenbahngütertarife bis zum 15. Mai auszusctzcn, da bis dahin die Beschlußfaffung des BundeSraths über die vom Reichstage angekündigte Tarisreformvorlage erfolgen sollte. Dieser Termin ist neuerdings bis zum 1. Juni verlängert worden. — Feld marschall Graf Moltke, hatte den italienischen Generalstabsches um ein genaues Verzeichniß aller militärischen Werke gebeten, welche seit dem Jahre 1870 in Italien veröffentlicht worden sind. Der Generalstabschef theilte dem Kriegsminister den Inhalt des Briefes sofort mit und bat um die Erlaubniß, dem berühmten Manne nicht das Verzeichniß, sondern die Werke selbst von Amtswegen zum Geschenk machen zu dürfen, und der Minister bewilligte ihm daS und fügte zu den Werken, welche der Generalstab besaß, noch andere hinzu. Und so gingen in drei großen Kisten über 180 Werke in elegantem

Der KaSkönig.*)

Novelle von M. v. Roskowska.

Wo sich einer der Pässe deS Haardtge­birge«, der nördlichen Fortsetzung der Vo­gesen, nach der fruchtbaren Nheinebene hin öffnet, an der Jsenach, der Grenze zwischen dem alten Worms- und Speiergau, liegt das Städtchen Dürkheim. Durch seinen Wein berühmt ist es jetzt ein beliebter Bade- und Kurort in Baiern; im 18. Jahrhundert, bis zur französischen Revolution, war cS die Residenz der Grafen von Leiningen- Hartenburg. Der dreißigjährige, wie der Reunionskrieg, hatte zwar den Wohlstand deS Ortes, wie des ganzen Rheinlandes, arg geschädigt, allein die unverwüstliche Krast des köstliche Reben tragenden BodenS diese Verheerungen viel schneller ausgeglichen, als in andern Theilen Deutschlands.

Jetzt — 1688 — herrschte seit einem Jahrzehnt wieder Frieden und der frühere Wohlstand begann aufzublühen. Das zeigte sich recht bei dem uralten, Dürkheim eigen- thümlichen Käsesest.

Pfingstmontag war'S und prächtiges Wetter. Die Frühkirschen rötheten sich schon, die weiten üppigen Wiesen gen Lambsheim hin prangten in ihrer schönsten Blüthenpracht; die schönsten Kornfelder des Rheinlands glichen der grünen, wogenden See und aus

*) Nachdruck nicht gestattet.

Einbande nach Berlin ab. — Die Regierungs- Hauptkaffen, sowie sämmtlichc Kreis und Forstkaffen sind, wie hiesige Blätter melden, nunmehr in den Stand gesetzt worden, neben den preußischen Silbergroschen auch Reichs­zehnpfennigstücke zu dem Werthe der ersteren in Umlauf zu bringen.

Bre-la«, 30. April. Der OrtSaus schuß für die 21. deutsche Lehrerversamut lung hielt, der „Schl. Z." zufolge, am 25 d. M. eine allgemeine Versammlung, in der u. A. folgende Mittheilungen gemacht resp. nachstehende Beschlüsse gefaßt wurden: Der Herr Handelsminister hat den Theilnehmern der Versammlung aus allen preußischen Staatsbahnen eine Fahrpreisermäßigung ge- währt, so daß die Dauer des TageSbillets auf die Zeit vom 20. Mai bis 6. Juni c. ausgedehnt wird. Während der Tage vom 28. bis zum 30. Mai — dem 2 und 3. Tage der Versammlung und dem des Aus fluges in das schlesische Gebirge haben Di rectoren und Lehrer hiesiger Lehranstalten Ferien. Zum 30. Mai hat die Direction der Freiberger Bahn einen Extrazug mit ermäßigtem Preise bewilligt. Außerdem finden ein Festabend im Schicßwerder und Vorstellungen zu ermäßigten Preisen in beiden Theatern statt. Von Prof. Dr. Cohn ist eine demonstrative Vorführung der Loh- meyer'schen Modelle zugesicheri worden. Kunsthändler Lichtenberg gewährt den Theil nehmern der Versammlung gegen Vorzeigung der Mitgliedskarte unentgeltlichen Eintritt in seine» Kunstsalon. Festlieder sind bereits eingcgangen und noch in Aussicht gestellt; Die baldige Einsendung derselben an den Vorsitzenden der RedactionS - Commission bleibt sehr erwünscht. Das Frauen Comite, welches für die gastliche Ausnahme der Lehrerinnen — es sind bereits weit über 100 angemeldet — Sorge tragen will, hat seine Thätigkeit bereits mit günstigem Erfolge belohnt gesehen. 800 Quartiere sind in Familien, 300 in Hotels zur Verfügung. 2160 Mitgliedskarten sind bereits ausge- gebm, 1800 an Auswärtige. Nur die Be­sitzer einer solchen haben überall Zutritt 2500 sollen bis zum 10. Mai ausgegeben werden. Meldungen sind an den Haupt­lehrer Herrn Slurm (ParadieSstr. 8) mit Hinzufügung von 1 Thlr. einzusenden. Für die Ausstellung sind die Säle des Stände-

den Weingärten an alle» Abhängen quoll das wunderbar süße und berauschende Aroma der Rebenblüthe. Zu dieser Zeit „rühret sich der Wein im Faste" und vermuthlich. um seiner Rührung zuvorzukommen, be­mühte man sich mit anerkennenswerthem Eifer und besten würdigem Erfolge, in Wirths- wie in Privathäusern, ein Fäßchen nach dem andern auszustechen. Natürlich wurde der Blume wie dem Feuer des Dürk- heimer Gewächses viel Lob gespendet von den Gästen, die aus der Narbarschaft herbei geströmt waren, und die Einheimischen thaten in gewohnter Weise Bescheid.

In den mit frischem Grün aufgeputzten Gasten drängten sich Kinder und Frauen im Festtagsstaat. Auf dem Obcrmarkt bildeten einige mit Blumen und Bändern geschmückte Jungfrauen den Gegenstand der Aufmerksamkeit; die noch ankommenden Fremden wurden in Augenschein genommen und die Maibäume vor den Häusern, in welchen es ein junges Mädchen gab, erregten den Antheil namentlich der jüngeren Be­schauerinnen. Jeder junge Bursche ehrte die Auserkorene durch das Aufpflanzen einer möglichst großen, mit Rauschgold und bunten Bändern gezierten Birke unter ihrem Fenster. Dieses Mal gebührte der Preis offenbar dem „Mai" von Ellrichs Bärbel. Sogar die Mädchen, die bisher gemeint, ihre eigenen Verehrer hätten das Höchste geleistet, muß-

hauseS mit schätzenswerther Bereitwilligkeit der Commission des Ortsausschusses über­lastenworden. Der Verleger der „Schlesischen Schulzeitung", Buchhändler Priebatsch, hat sich bereit erklärt, jenes Organ während der Festtage kostenfrei an die Theilnehmer der Versammlung zur Vectheilung zu bringen.

Pot-dam, 1. Mai. Der Kronprinz und die Kronprinzessin haben dem hiesigen Bürgerverein, der unter lebhaftestem An­klange den Plan gefaßt hat, eine Volks- Bibliothek für Potsdam zu gründen, außer einem Beitrage von 300 Mark eine Anzahl von Büchern (ca. 150 Bände) auö ihrer eigenen Bibliothek überwiesen.

Schwerin, 2. Mai. Der Großfürst Wladimir von Rußland und die Prinzessin Maria von Mecklenburg werden sich morgen nach Berlin begeben, wo anläßlich der An Wesenheit deS Kaisers von Rußland die Verlobung derselben proklamirt werden wird.

Coburg, 1 Mai. Der Landtag für Coburg ist auf den 7. d. M. wieder einbe- rufcn worden, um zunächst den Staatseaste- Etat auf die noch übrige Finanzperiode 1874—1877 festzustellen und das bei der letzten Tagung vorgelegte revidirte VolkS- schulgesetz zu berathen, welches wesentliche Verbesterungen, namentlich in Bezug auf einheitlichere Leitung deS VolksschulwesenS, Wegfall der Loealschul-Jnspectionen in den Landschulen und durch Einführung von Fortbildungsschulen anstrebt. Als Minimal­gehalte sind festgestcllt: a. für widerruflich angestellte Lehrer sowie für HülfSlehrer 1) in der Stadt Coburg 650 Mark; 2) in den Landstädten 600 Mark und 3) in den übrigen Ortschaften 500 Mark und freie Wohnung; b. für unwiderruflich angestellte Lehrer in der Stadt Coburg 1000 Mark bis zum 5. Dienstjahr, aufsteigend bis zu 1400 Mark vom Anfang des 21. Dienst- jahres an; in den Landstädten 800 Mark, aussteigend bis zu 1200 Mark und in den übrigen Ortschaften (Landschulen) 600 Mark, aufstcigcnd bis zu 1000 Mark.

München, 1. Mai. Mit dem Beginn des nächsten Schuljahres wird der neue Organisationsplan, welchen der oberste Schulrath für dir humanistischen Gymna­sien, das Realgymnasium und die Gewerbe­schule unter Vorsitz des Cultusministers v. Lutz entworfen hat, ins Leben treten. Wie

ten es zugestehen. Daß er von Diether Hartmann herrühre, war kein Geheimniß.

„Also ist'S richtig zwischen ihnen?" hieß es, und in sehr verschiedenem Ton, in Gruppen von jungen und bejahrten Leuten.

„Das wußte man doch gleich, als er sie zur Königin wählte!" klang es dann wohl etwas schnippisch zurück.

„Wenn es nur ein gutes Ende nimmt: Als Käskönig ist Hartmann« Diether am Platz, aber als Ehehalter und Hausvater? Eh. geht doch 1"

Die« Bedenken konnte nicht ungegründet sein, denn e« machte auch Solche stutzig, bei denen Neid nicht vorauszusetzen. Außer dem wurde geltend gemacht, daß Ellrichs Bärbel weniger als jede Andere für Diether paffe; darin stimmten fast Alle überein, ob­schon aus verschiedenen Gründen. Während Einige mtinteii, ein so stilles gesetztes Mäd­chen sei zu schade für den leichtfüßigen und leichtherzigen, ja auch wohl leichtsinnigen Käskönig, fanden die Andern eS unbegreif­lich , daß ein so prächtiger Bursche d e m Mädchen nachgehen könnte und prophezeiten, er werde alsbald erkalten, nun sie aufgehört, die Spröde zu spielen, waS Diether ja nur hauptsächlich beihört habe, so närrisch das immerhin sei.

Der Ruf: „Sie kommen!" schnitt alle derartigen Erörterungen ab. Selbst die durstigsten Zecher eilten an die Fenster oder

verlautet, gehören zu wesentlichen Abände­rungen, welche durch denselben die gegen­wärtige Einrichtung der genannten Anstalt erfährt, nicht bloS die Errichtung einer, den bisherigen vier Lateinschulen vorher­gehenden neuen Claffe, deren Besuch fakul­tativ bleibt, sondern insbesondere die Ab­schaffung der Jahresschlußprüfungen, des sogen, allgemeinen Fortgangs, der Zensur beim Gymnasial-Absolutorium, zu dem von der StaatSregierung ein Commissar abge­ordnet wird, eine andere zweckmäßigere Vertheilung deS Lehrstoffs auf die einzelnen (Haffen, die Reducirung der Religionsstun­den in den beiden obersten Claffen auf je eine Stunde in der Woche u. f. w. Die Konformität, welche durch diese neuen Be stimmungen die erwähnten bairischen Lehr­anstalten mit den preußischen erhalten, wird wohl die Gültigkeit des bairischen Gymna- stal-Absolutoriums für das ganze Reich mit sich bringen. — Die Stadt Wasserburg in Oberbaiern ist heute durch einen verheeren­den Brand zu zwei Dritttheilen in Asche gelegt. Ueber diesen Brand wird ferner gemeldet: 20 Häuser sind gänzlich zerstört, 3 beschädigt worden. Unter ersteren befindet sich daS Rathhaus und die Kirche, unter letzteren das Bezirksgericht. DaS werthvolle Gemeindearchiv ist gerettet. Vom Kriegs- Ministerium wurde auf Ansuchen eine Pio- nirabtheilung abgesendet 24 Feuerwehren waren bei der Löscharbeit thätig.

Ausland.

Wie», 29. April. Der Kaiser wird nach Verlauf einer Woche und nicht vor dem 8. Mai, nach Ungarn reisen. Am 8. Mai soll auch nach neueren Bestimmungen der ReichSrath vertagt werden, wobei jedoch an­genommen wird, daß bis dahin das Gen- darmeriegesetz, die Novelle zum Landwehr- gesetz, das neue Militär-PensionSnormale, die Eisenbahnvorlagen und die Justizvorlage Über die Fristen-Erstreckungen vo» beiden Häusern erledigt sind. Bezüglich der confes- sionellen Vorlagen reflcctirt die Regierung nur mehr auf das Zustandekommen der drei ersten Gesetzentwürfe. Das Klostergesetz ist als definitiv gescheitert zu betrachten, nach­dem das Abgeordnetenhaus auch in der gestrigen Verhandlung wieder mehrere wesent­liche Abänderungen der Vorlage beschlossen hat, die gleichfalls die Zustimmung der Re­

aus die Straße, um den Zug zu sehen, den Musik von der Brühlwiese her an-- kündigte.

Aber auch von der entgegengesetzten Seite nahte eben ein Reitertrupp, der nicht unbe­achtet bleiben konnte.

Durch die rothe Hohl, Über welcher auf steilem Berge die prächtigste Klosterruine Deutschlands, die Abtei Limburg emporragt, von feinem Schlöffe Hartenburg her, kam der Grundherr, der Graf Leiningen, von einigen Dienern gefolgt, neben ihm eine Dame in prachtvollem, grünen Sammetkleide, ihr weißes Roß mit vollendeter Gewandheit und bezaubernder Anmulh zügelnd.

„Wie schön — wie prächtig — wie stolz!" lief es bewundernd durch die Reihen. „Diese Feder auf dem Hut! Und diese funkelnde Agraffe! Wie eine Prinzessin! Ob's eine Schwiegertochter des Herrn Grafen werden soll? Dazu sind seine Söhne zu jung! — Sie schaut eben nicht drein, als möchte sie lange auf den Ehzemahl warten. Und zugleich so hoffärtig, al« wär's ihr nicht gut genug, sich unter Unsereins zu mischen. Wer mag sie sein?"

Höchst willkommen war's den Neugierigen, die jedes Stück ihres Anzugs, jeden Zug ihres Antlitzes musterten, daß ihnen durch die Krämer, die mit der Hartenburg in stetem Verkehr standen, Auskunft über die Dame ward. „Eine reiche Erbin ans