JRarGurg, Sonntag, den 3. Mai,
Mr. 103
1874
(ObrrijrHifdjc Jeiluim
baltischen Provinzen sollten mit der russischen
und dem
merten Gebäude« zu bewahren tief heilig; und auf alter lieber Stätte
über Der Vor-
ausgetauscht.
In der Schweiz herrscht Jubel die Annahme der BundeSreviston. VundeSralh beeilt sich, die nöthigen
ernannt, welche in erster Reihe über die obligatorische Civilehe, sodann über die Stellung der Consessionen, über die Religion» sreiheit und zuletzt über die Reihenfolge der übrigen betreffenden Agenden einen Bericht auSarbeiten soll. In den Delegationen zu Pest wurden am 20 April friedliche Worte über die einzuhaltende Sparsamkeit
hinauf zum Abendstern, der hoch oben über der dunkeln Fichte stand und mit flammendem Glanz alle andern Sterne überstrahlte.
Da sank stc zurück und im Anschauen des Sternes verschleierte sich ihr Blick, bis er brach; und das Herz, das so jubelnd einst der Welt entgegengeschlagen in kind licher Freude, daS so sehnsüchtig auf den Himmel gehofft, darniedergeworfen von Leid und Gram, stand still: es hatte auSge- schlagen.
Kein Schluchzen, kaum ein Athemzug unterbrach die heilige Stille; nur draußen ein lauggezogenes schmerzliches Geheul des armen Nero, den man auSgcschloffen vom Sterbezimmer.
Aber es war nur ein einziger langsamer verhallender Klageton, eine flehende Bitte, ihn nicht zu vergessen, dann legte sich das treue Thier auf die Thürschwelle und harrte geduldig auf Helenens lockenden Ruf.--
Eduard hatte die Entschlafene sanft au» den Armen der zusammenstnkenden alten Frau genommen; er trug sie auf ihr Lager, er legte seine Hand auf die gebrochenen Augen, sie schließend, wie er'S versprochen, und wiederholte wortlos daS Gelübde, ein Trost zu sein den armen gebeugten alten Stuten, sein Herz rein zu erhalten und klar, nach Frieden zu streben mit aller Kraft männlichen Willens, in aller Ergebung des Christen.
So hatte da» letzte unschuldige Opfer der Sünde Anderer seine kurze irdische,
Vergangenen einen Tempel bauend, baut und pflanzt eS dort für Gegenwart und Zukunft. Kräftige Naturen zerschmettert daS Schicksal oder eS schmiegt sich mdlich zu des Siegers Füßen.
Eduard hatte ein selsmkräftigeS Gemüth, das emporstrebte au8 den Wogen der Lei denschaft. Aber wie hart in einem solchen
I" der belgischen Repräsentantenkain mer griff der Führer der Opposition, Herr Fröre, in einer Rede, welche zwei Sitzungen ausfüllte, die ganze Politik des clericalen Ministeriums und besonders die Finanzver- waltung deffelben an, welcher er zum Vorwurf machte, daß sie Privatinteressen zum Nachthcile deS Staate» begünstige.
Das dänische Ministerium hat sich nicht nut während der ReichStagSsesston als recht dauerhaft erwiesen, sondern jetzt auch einen bedeutungsvollen Wahlsieg aufzuzeigen. Der Justiz-Minister Klein, dessen FolkethingS- Mandat bekanntlich von der Opposition (58 Stimmen) für ungültig erklärt worden war, hat am 24. d in Aalborg mit 1032
halb General Manuel Concha mit heg» neuformirten dritten ArmeecorpS von Castro in südlicher Richtung gegen Balmaseda vor rückt, um dort den linken Flügel der Carlisten zu fasten. Am Dienstag nahm Concha die feindliche Stellung bei Munecas, wäh rcnd Serrano mit der Hauptarmee, um die Bewegungen deS dritten Corps zu unterstützen, einen Angriff auf die Positionen an der Straße von Somorostro nach Nocedal richtete. Arn folgenden Tage sollte der Kamps fortgesetzt «erden; nähere Berichte fehlen noch. In der Hauptstadt dauert unterdesten die politische Scharmützelei in den Zeitungen fort; ministerielle und republikanische Blätter greifen lebhaft die Alfon-
pnblik von 1873 herausgefordert, hat Caste- lar in einem veröffentlichten Briefe der „föderalistischen" Republik entsagt und wird sich in Zukunst mit der überhaupt „möglichen" Republik begnügen. Vielleicht, daß auch diese ihm mehr Enttäuschungeu als erfüllte Hoffnungen bringen würde.
In E n g l a n d sind die bisherigen Parlamentsverhandlungen überaus glatt abgetan- fen; der Finanzminister hat von dem Ex Premier Gladstone, besten Rede man mit großer Spannung entgegengesehen, eher ein Vertrauens- als Mißtrauensvotum erhalten und seine Vorschläge sind ohne Schwierigkeit angenommen worden. Weniger gemüth- lich zeigte sich Gladstone in einer anderen Sitzung, als der Tory Smollett ihn wegen der Parlaments-Auflösung mit einem Tadel bedenken wollte und, um seinem humoristi scheu Ahn Tobias Smvllet Ehre zu machen, ein Füllhorn von Witzen über ihn aus schüttete. Die Witze waren jedoch weniger glücklich als klobig, und Gladstone zerzauste den verwegenen Kritiker wie ein Bulldogge einen allzufrechen Affenpintscher ab straft.
Rach Holland wird vom Kriegsschau, platze aus Sumatra gemeldet, daß der größte Theil der holländischen Truppen sich am 28. nach Java eingeschifft hat und nur eine Besatzung von 2500 Mann im Kraton von Atschin zurückbleibt
an Glück und Leid so reiche Wallfahrt vollendet.
Hebet dem mit Blumen geschmückten Sarge reichten die alten Leute sich ernst und schweigend die Hand. Ihre Blicke flosten in einander, diese Blicke voll Liebe, voll Treue, voll Frömmigkeit. AuSharren mit einander bis an’» Ende, das sagten diese Blicke. Ihr Schmerz war sehr still, Eduard mußte den seinen erst austoben. Die Kämpfe der Jugend find so stürmisch; eS ist so viel in einem jungen Herzen, das sich aufiehnt gegen den Schmerz, das ihn zurückweisen möchte wie ein Unrecht. Wer dem Ende des Lebens nahe steht, übergibt sich mit feinem Schmerz dem Himmel; die Jugend fühlt noch die Rechte der Welt und der Strett mischt sich in den Kummer. Sie sträubt sich gegen das Leid und daS ist ihre Hülfe. Die Zeit mildert, verwischt, verklärt; daS Leben macht seine Ansprüche geltend und die tief dem Menschen innewohnende ost unverstan bene Sehnsucht nach Glück, daS Verlangen höher zu stehen als das Schicksal, treibt das Herz an, den Grundstein des zertrüm
Hofbesitzer Claus Johannsen, der nur 894 Stimmen erhielt, obgestegt.
Der schwedische Reichstag hat für die StabSvsficiere der gesammten Armee die TheurungSzulage für das nächste, aber nicht für dieses laufende Jahr bewilligt. Der mit Oesterreich-Ungarn abgeschlossene HandelS- und Schifffahrtsvertrag ist am 15. d. M. ratificirt worden. Den von der' zweiten Kammer gefaßten Beschluß, die Regierung auszufordern, daß sie auf die Errichtung eines internationalen Schiedsgerichtes hin- wirken möge, hat der Ausschuß der ersten Kammer für nicht empfehlenSwerth erachtet.
Der Kaiser von Rußland, der am Mittwoch in sein 56. Lebensjahr eingetreten, hat sich am Freitag auf die Reise begeben, zunächst nach Bersin und von dort nach Stuttgart, um am 8. Mai der Vermählung seiner Nichte, der Großfürstin Wera mit tem jungen Herzog von Wüttemberg beizuwohnen. Bon dort reist er alsdann nach London. Sein zweiter Sohn, Großfürst Wladimir (geb. 22. April 1847), durch Procuration (deS Grafen Hiroganow) mit der Herzogin Maria, Tochter des Groß- herzogS von Mecklenburg-Schwerin (geb. 14. Mai 1854), verlobt, wird am Sonntag sich der Braut Persönlich vorstellen. Die Hochzeit soll im Juli Statt finden. Die von der „Ruff. Welt" (Rußki Mir) auS- gesprengte Nachricht, auch die Städte der
Gemüch der Kampf ist, wie lange es währt, wie an Verlusten reich der Sieg — wer vermag’S zu ergründen!
Ernst und gebeugt schreitet daS Leid durch die Welt; lächelnd auf blumigen Pfaden oft wandelt die Schuld; aber wer da beiden ins Herz schaut, dem wird sie klar werden, die auSgleichmde Güte, die strenge Gerechtigkeit Gottes
Z» Frihliutze.
Ein« kleine botanische Studie.
Wieder einmal ist der Frühling in’» Land gezogen, die trüben, grauen Tage sind Hellern Sonnenschein gewichen, und in der Natur, die mondenlang in starrer Ruhe vor uns gelegen hat, beginnt jenes wundersame Walten und Weben, jenes Schaffen und Zeugen, in Folge besten die Gefilde, die noch vor Kurzem d es Winter» Leichentuch überzog, gar bald von duftendem Blüthen- fchnee überdeckt sehen und all’ die Tausende von SBienen und Käferchen und Insekten aller Art wiederum ihr muntere» Treiben beginnen und der Vöglein mekodienreiche Schaar auf den Fluren und in den Hainen ihre Lieder erschallen lassen werden. Kein Wunder, wenn e» uns hinauslockt aus bet staubigen Stube, aufzusuchen alle die trauten Pätzchen, an denen wir vergangenen Sommer so gerne geweilt, kein Wunder, wenn wir mit einer gewissen Regung von Zärtlichkeit die Blätterkrone unseres LieblingsbanmeS, in besten Schatten wir gar oft gelagert, in all der Pracht der früheren Jahre entwickelt
Anzeigen nimmt entgegen: w Spedition d Blatte», sowie die Annoucen-Bureaxx von Th. Dietrich & Co. in Mel und Hannover; ^h. Dietrich in Frankfurt a. M.; fiaafenftein & Vogler tn Frankfurt a. M., Berlm^Leip- ■ia, Mn rc.; Rudolf Moss« in Berlin, Frankfurt a. M. rc.
arbeiten zu den Ausführungsgesetzen zu treffen. Zur Feststellung des AbstimmungS ergebniffes hat er die Bundesversammlung zu einer außerordentlichen Session auf den 28. Mai einberufen.
Die italienische Deputirlenkammer hat die allgemeine Berathung über die Finanzgesetz Vorlagen geschlossen und ist zu den einzelnen Artikeln derselben übergegangen.
In Frankreich hat eine separatistische Rede des Abgeordneten Piccon in Nizza viel Staub aufgewirbett; die gejammte französische Presse fatH sich unliebsam durch diese offen ausgesprochenen Trennungsgelüste der Nizzarden berührt, obwohl dieselben längst öffentliches Geheimniß waren. Piccon jucht einzulenken, und bet Generalrath, der am 23. April in Nizza seine Schlußsitzung hielt, trennte sich mit dem Rufe: „Es lebe Frankreich!" Seit drei Jahren hatte er aus Rücksicht auf die dortige Stimmung diej-n LcyalitätSdeweiS nicht abzulegen für klug befunden. Piccon hat als Deputirter der Seealpen feit dem 24. Mai in allen erheblichen Fragen für; die Regierung gc stimmt, galt aber von je her als unzuver- läfstg und unberechenbar in seinen Auslassungen, unb hat nunmehr seine Demission als Deputirter gegeben In Paris dauern die Verhaftungen der Communarb» fort
Aus Spanien ist zu melden, daß der Kampf, welcher die Entscheidung für das Schicksal Bilbao's bringen soll, nach mehr als vierwöcheutlicher Pause wieder ausgenommen worden ist. Serrano hat sich endlich entschlossen, den Feind wenigstens von zwei Seiten zugleich anzugreifen; weS-
Mit Htk«chntr» Flügeln.
Povelle von Adelheid von Auer.
(Schluß.)
War'» zum letzten Schlummer? — Aber noch hoben sanfte Athemzüge die Bmst. Der alte Förster war jetzt auch hinzugetreten, und schaute schweigend auf daS bleiche Kind; Eduard lag noch auf Von Änieeti: aber in seinem Blick flammte ein begeisterter Entschluß ; die Mutser betet? still fort
Lautloses Schweigen im Zimmer und draußen im Wald jene heilige Stiye, wie sie oft waltet im grünen herrlichen Tempel de» Herrn, und da» Herz stimmt zu feier- sicher Andacht.
Kein noch jo leises Rausche« m den Bänylen, kein lockender Ton der Vögel, kein Aeste krachen unter den Schritten eine» verspäteten Wanderer». Nur der Quell sang ein froh herziges Lied von Jugendlust und Jugend- laune, während der Wald lauschte dem sanften Entschlummern einer müden Seele, während die Sterne die Heimach der Heimwärtsziehen- den erleuchteten und Gott«? Stimme, im heiligen Schweigen der Natur sich eben so verkündend wie laut ertönend im Sturm, in sich rief Jein armes, liebe» Kissd, dem dje Liebe, die Hoffnung, dft Schusucht nach Glück Flügel gegeben, dem bi« Welt sie gc brechen hatte.
Folgte Helene schlummernd dem Ruf? — Aber nein noch einmal öffnete sie die großen Siänzenben Augen, noch einmal richtete sie das Haupt einpor. „Dort, bort!" sagte sie dann mit hellklingender Stimme unb beutete
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von ®. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Iäger'schx, Buchhandlung in Frankfurt a. M ; Jnvalidendauk, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
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Für in der Expedition zu ertheilegde AuskMft und Annahme von Adressen werden Sgr. berechnet.
fiften an, deren Umtriebe sie fürchten. Durch Stimmen über den Gegencandibaten der Linken, ein übrigens gleich nach Erscheinen konfis - " ~ -
cirieS Buch Pi y Margall's über die Re
«»eftellungen auf die „vßertz. Zeitung" für die Monate Mai und Juni werden von allen Pqstanstalteu, für Marburg and Umgegend in der Expedition entgegen; genommen.
Politische Wschku-Uebcrstcht.
Arn vorigen Sonnabend erledigt« ber Reichstag noch daS Kirchendiener- unb ba» Prcßgesetz, woraus am Sonntag ber feierliche Schluß ber Session durch Kaiser Wilhelm selbst ftattfanb. Da» Preßgesetz hat eine Fassung erhalten, die es unzweffelhast er- scheinen läßi, baß eS die Annahme ber Bundesregierungen erhält. Am Montag hat ber Sanbtag seine Sitzungen wieder begonnen unb zunächst daS ExpropriationS gesetz berathen unb auch in zweiter Lesung angenommen, auch das Gesetz über das Kostenwejen in Auseinandersetzungssachen ist aach den Vorschlägen ber Agran-Commission ebenfalls in zweiter Lesung angenommen.
In Oesterreich sinb betbe Kammern edenwohl mit ReligionSgesetzen beschäftigt Ueber baS erste consejsionelle Gesetz wurde zwischen beiden Häusern am 24. April ein konformer Beschluß erzielt. DaS Abgeordnetenhaus erledigte am 28. das Klvster- gejetz bis zum §. 16 und nahm die Amendements an, daß zur Errichtung von Orden und zur Ansiedlung von Klöstern ein ReichS- gejetz erforderlich fei, und daß in inländische Klöster nur österreichische Staatsbürger ein- treten unb Vorsteher berfelben sein dürfen Der CultuS-Minister erklärte aber, die Regierung könne den beschlossen Abänderungen nicht zustimmen. Bei den Verhandlungen am 25. April stellte der Servilenprior Pater Rainer den Grundsatz auf, „daß der religiöse Mensch über dem sittlichen stehe;" zugle ch prieS er „die Normen eines Ordens al» das höchste Maß der Freiheits Im Herrenhause entwarf Cardinal Schwarzenberg am 24. bei der Debatte über die Besteuerung der Pfründen ein herzbewegendes Bild, wenn er in Folge hiejeS Gesetzes demnächst auS- gepfindet würde I In Pest hat die von» ungarischen Abgeordnetenhause ernannte Com Mission vvsi 27 Mitgliedern, welche über die Regelung de» Verhältnisses zwischen Staat und Kirche berichten soll, eine Siebener Commission