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1874

Marburg, Freitag, den 1. Mai

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schichten, unk besonders auch in solchen Kreisen, welche früher zumeist von den Ein­gebungen deS Mj^rauens und der Zweifel- ucht gegenüber der Regierung geleitet wur den, sich unter dem Einflüsse der großen Thatsachen der letzten Jahre ein Umschwung (U vollem freudigem Vertrauen gegen die Regierung und zugleich zu einer richtigeren tVürdigung der Bedürfnisse und Erforder­nisse des Staatswesens vollzogen hat. Es wird die gemeinsame Aufgabe aller Patrioten sein, diese Stimmungen und Gesinnungen im deutschen Volke sorgsam zu pfleg« und zu nähren, aus daß eine ächte und that kräftige Begeisterung für Kaiser und Reich immer mehr die Grundlage unseres politi­schen Lebens werde und somit des Kaisers Zuversicht sich erfülle,daß das deutsche Vaterland unter dem Schutze der gemein samen Institutionen einer gedeihlichen'-Ent Wickelung entgegengehe."

Im Bundesrath arbeitete am Dienstag hauptsächlich der Justiz«Ausschuß zum Abschluß der Verhandlung über die Gericht- Organisation; ferner beschäftigte man sich mit der Anwaltsordnung, den Notariate gebühren, u. s. f. Eine Plenarsitzung steht für die allernächsten Tage, vielleicht schon für morgen in Aussicht, Eine Erweiterung de- Materials, welches jetzt den BundcS-

Sradt und alle Tabakspflanzer des Elsasses gegen sich haben". Dies sei, fügt das Blatt bei, abermals eine jener zahlreichen

Gedächtniß aufgehäuften Zahlen stanv von nun an mit unverlöschbarer Flammenschrift das Jahr verzeichnet, in dem der Sturm der Well vernichtend, zog über Helenens blüthenreiches Dasein. Sie war weicher ge- wordm durch den Schmerz; denn sie dachte nicht an sich, wenn des Mädchens liebliche« Bild vor ihre Seele trat.

(Fortsetzung folgt.)

#* spanischen Kriegsschauplatz.*)

Santander, 23. April, Nachdem ich vorgestern in der Begleitung des Correspon- denten derKreuzzeitung" einen in vieler Hinsicht recht interessanten Ausflug in die carlistische Provinz Guipuzkoa gemacht, bin ich bei prachivollem Weuer von San Se­bastian mit einem höchst unsanbern spani­schen Dampfer nach Santander gefahren. Der Krieg wird hier zu Lande mit einer Gemächlichkeit geführt, von der man sich jenseits der Pyrenäen nur schwer einen Begriff machen kann. Bei Henduye, dem französischen Grenzorte, in welchem, als wir ankamcn, gerade die Wache eine Compagnie Infanterie und ca. 30 Chasseurs ä cheval einander adlöste», überschritten wir die klassische Bidasioa mit ihremhei­ligen Altersgrau", um in Jrun von dem dortigen Alcalden die Erlaubniß zum Pas- sirrn zu erhalten. Da er indeß nicht zu finden war, jo setzte Niemand unsrer Wei-

) AuS einem Briefe de» Spezial Korrespon­denten der,O-see-8tg"

jeden Glücks, jeder Hoffnung beraubten Erde, als nun doch die Nacht des Tode« hinzog über diese geliebten leuchtenden Augensterne, als der brechende Blick deS Freundes auf ihr ruhte, Strahl auf Strahl der Liebe darin unterging, als ste ihn um­faßt hielt und mit Angst und Entsetzen hinstarrte aus seine marmordlelche Stirn; als er zusammensank in ihren Armen, al« nun plötzlich die Erkenntniß der Wahrheit über sie kam, und ste, mit einem Angst schrei der Verzweiflung au« dem Traum erwachend, der ihr das kommende unver­meidliche Geschick verhüllt, einer Todten ähnlich zusammenbrach über der Leiche dessen, der allein Bedingung ihre« Lebens gewesen.

E« war zu Ende mit ihren künstlich er­regte» überreizten Kräften; völlige Apathie, geistige wie körperliche trat ein, nur zuweilen unterbrochen von Anfällen jo trostlosen, so verzweiflungsvollen Schmerze«, daß kein mildes Wort der frommen alten Frau im Stande war, auch nur mit einem Schimmer de« Trostes in diese entsetzliche Nacht hinein zudringen. Es war unsäglich traurig, dies arme junge Mädchen zu sehen, deren Jugend unterging im Gram; diese vor sich hin­starrenden Augen ohne einen Strahl der Hoffnung darin, diesen gebrochenen Körper, der kraftlos dahinsank unter der Gewalt des Kummer«. Keine gewaltsam auSdrechende Krankheit beraubte sie mitleidig de« Be wnßtseinS und führte sie raschen Schrittes der Vereinigung mit dem Geliebten entgegen ; n in, sie war nicht krank, sie verlor keinen

Ordnung und eS ist Aussicht vorhanden, daß der Entwurf gleichzeitig mit den Übrigen Reichsjustizgesetzen an den Bundesrath und den Reichstag gelangen bfirfte. In Bezug auf die geschäftliche Behandlung dieser Materien Seitens des Reichstages wird die Frage wegen Einsetzung einer ständigen Commission zum Austrag gebracht werden, welche zwischen der einen und der anderen Session deS Reichstags die umfasieuden Entwürfe zur Berathung für da« Plenum vorbereiten soll.

Arolsen, 26. April. Nachdem die Landes - Synode in ihrer Sitzung vom 3. Oktober 1873 die Erhebung einer Kirchen­steuer von IVz Prozent der gesammten in den hiesigen Fürstenthümern für das ge­nannte Jahr aufkommenden StaatSfteuern beschlossen hatte, veröffentlichte daS Regie­rungsblatt dieser Tage eine Bekanntmachung vom 16. d. M., die Veranlagung und Er­hebung dieser Steuer betreffend.

Friedberg, 26. April. Das hiefige Prediger - Seminar wird nach Ablauf eine« Jahre« unfreiwillige Arbeitseinstellung ma­chen. Da« letzte theologische Examen in Gießen haben zwar drei Candidaten be­standen, die jetzt ihr Jahr in Friedberg absolviren; für die nächsten Semester ist jedoch, nach Mittheilung derMain -Ztg." in Folge des geringen Besuche« der hohen Schule von Theologen durchaus keine Aus­sicht auf Candidaten vorhanden, und wird so das Seminar nach Verlauf eines Jahre« seine Thätigkeit auf «in« Zeit lang «instellcn müssen.

Straßburg, 25. April. Das heutige Els. Journal" spricht sich mit großer Leb­haftigkeit für die Erhaltung der hiesigen Tabaksmanusactur in derem jetzigem Bestand« aus ES hofft, die Reichsregierung werd«

Mit tz«br«chr»kn Fläzeln.

Novelle von Adelheid von Auer.

(Fortsetzung.)

ES war Allen, die dieS Krankenlager umgaben, als öffne sich ihnen der Blick in die Zukunft, al« schauten sie Felix in schönster Vollendung irdischen Wallen«, als stände er vor ihnen, der gottbegabte, er­leuchtet« Künstler, der für sein reines Em- pfinden, für die Harmonie seine« Geistes in den himmelentsproffenen Klängen der Musik die Sprache gefunden; al« jähen ste ihn walten im Hause, den kindlich frohen, kind­lich guten Menschen, der die Welt liebte wie sie ihn, al« sähen sie ihn, den träume rischen Ernst seiner Künstlerseele hinein­tauchen in HeienenS jugendfrisches Herz, und seine Schöpfungen schmücken und vollenden mit den blitzenden Geistesfunken ihre« früheren sprudelnden Frohsinns. Und nun zu wissen, daß dies Alles nur ein Traum, eine Vision sei, daß der überirdische Strahl dieser lichten Augen erlöschen müsse, daß irdische Nacht ihn deckm würde für irdische Augen, und daß er, vom Himmel geliehen, erst dort wieder leuchten würde in seiner seltsamen wundervollen Klarheit! He­lene konnte stundenlang am Bett de« Kranken fitzen und nur hineinschauen in das träu­merische Licht dieser Augen, die bald glühten in der Ekstase seiner verwirrten Phantasie, bald sie anblickten mit dem milden sanften Glanz einer sommerlichen Mondnacht.

E« war ein furchtbarer Sturz aus der Höhe de« Himmel«, in den ste sich hinein» geträumt, zu der Wirklichkeit einer für sie

Augenblick das Gefühl ihres Eiend«, aber aller Lebensmuth, alle Lebenskraft « ar dahin, die Hoffnung versunken, der Glaube macht lo«, nur die Liebe lebte und suchte mit ver­zweifelnder Sehnsucht ihr irdische« Ziel im Himmel.

Sie muß fort von hier, je eher je lieber trotz ihrer Schwäche" , sagt« der Arzt zur Großmama, ein Wechsel deS Aufenthaltes vermag e« vielleicht allein noch, diese Läh­mung ihres Geistes zu heben. In der Hei- math wird die Erinnerung milder werden."

Helene hob die sterbenSmüden Augen aus.

AuS der Heimath wollte er mich einst holen", sagte sie leise mehr zu sich selbst als zu den Anderen,dort wird er mich finden, ach, in die Heimath!"

Es kchrte fast ein Leben zurück in diese arme vernichtete Seele, alS ihre Sehnsucht ein näherliegende« Ziel sand alS das Grab. Mit krankhafter Ungeduld betrieb sie die Abreise, und die Thränen Florinen« bei dem Abschied fanden keine zur Erwiderung, wur­den nur beantwortet durch die mit tiefem Seufzer hervorgestoßen« Bitt«, ihr die Trüb­sal zu verzeihen, die fie schuldlos in ihr Hau« gebracht

Florine war nie so tief betrübt gewesen, al« da der Wagen, in dem man da« arme zusammenbrechende Kind getragen, ihren Augen entschwand. Nun war sie wieder allein, nmi hatte fie wieder nichts als chre Bücher. Doch nein, sie hatte mehr! Seit Helene bei ihr gewesen, war ein Strahl lebendigen Leben« in ihre künstlich erzogene Seele gedrungen. Unter den todten in ihrem

Kosten des weiteren erfolgreichen Zusammen 11 wirkens mit dem Reichstage erkaufen woll- . ten. Die Zuversicht be« Kaisers für bie Zukunft beruht aber vor Allem auf ber ortschreitenden Entwicklung des Versassungs eben«, sowie auf ber im Lande zur Geltung gelangenden Ueberzeugung von der Noch- weubigkeit ber nachhaltigen gleichmäßigen Ausbilbung ber nationalen Wehrkraft Der Verlauf dieser jüngsten Session war in der That geeignet, bas Vertrauen bes Kaisers unb ber cerbünbeten Regierungen auf bie weitere politische Entwickelung im Reiche zu rechtfertigen unb zu stärken; benn weit be veulsamer noch als bie einzelnen Früchte bet Session, ist der politische Sinn unb Geist, aus welchem bie Reihe wichtiger Vereinba­rungen ber brei letzten Wochen hervorge gangen ist, ber Geist einer wahrhaft ver­trauensvollen unb thatkräftigen Einigung zwischen ben Bundesregierungen und dem Reichstage. Die Bedeutung unb die Kraft dieser Gemeinschaft ist während dkS Verlaufs der jüngsten Session dadurch noch erhöht worden, daß der Geist der ReichStagsmehr heit sich an der eigentlichen Quelle seiner Kraft, in dem Bewußtsein be« deutschen Volke« selber erfrischt unb gestärkt hat. Die Bewegung aus ben Tiefen ber Ration heraus, welche ben Reichstag mit unerwar tetr Kraft unb Emschiebenheit auf ba« Zu sammenwirken mit bem Kaiser und den ver­bündeten Regierungen hinwies, war von einer mächtigen unb wirksamen Bebeutung nicht blo« für die Militärfrage, sondern für die gejammte Stellung und Thätigkeit be« Reichs lages. Durch jene unumwundenen Kund­gebungen des VolksgeisteS sah sich die na tionale Mehrheit in ihrem patriotischen Geist und Streben bestärkt unb angefeuert und schloß sich fester als zuvor zu förderlichem Wirken unb Schaffen für be« Reiches Wohl unb Gedeihen mit den verbündeten Regie tungen zusammen. Diese jüngsten Vorgänge im deutschen Volke unb in ber Reichsver­tretung find gewiß dazu angethan, bie Zu­versicht be« Kaiser« auf bie weitere Ent- - Wickelung be« Reiches zu stärken; benn sie geben Zengniß davon, daß in weiten Volks

Anzeigmmmmtentgegen: »ie Gxptdttron d. Butte«, jgou die Annoncen-Bureaux non Th. Dietrich & Co. m «affel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Laasenstein & Vogler in Stanlfurt a. M, Berlin, Leip­zig, 68ln rc.; Rudolf Moss« in Berlin, Frankfurt a. M. rc.

Anzeigen nimmt entgegen: Me enwbiflmt d. Blatte«, sowie die Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M ; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; E. Schlotte in Bremen.

-r-77-77T nufcet ben Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch bie Expedition («och'sche Buchdruckerei) bejagen 22i Sgr., durch die Postämter 27 Sgr. Erscheint tügtrch außer d-^^ALLh"und incl. Stempelsteuer) für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. - Jnsertwnsgebühr ür die gespaltene Zeile 1 Sgr.

Für in der Expediston zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden Sgr. berechnet. ___

rath beschäftigt, ist vorläufig wohl nicht zu erwarten; man wird sich nur mit Abwicklung der vorliegenden Arbeiten beschäftigen und bann eine nicht eben langt währende Pause eintreten lasten, da die Arbeiten für bie Herbstsession schon im August in Angriff genommen werden sollen. Wie man hört, wirb der PräsibeM d«S ReichSkanzleramte« StaatSminstter Delbrück in biesern Jahre auch schon früher wohl bald nach Fertig­stellung der jetzigen BundeSrathSarbeiten seine Ferienreise antreien, um frühzeitig nach Berlin zurückkehrrn zu können. Das Reichseisenbahngesetz wird jedenfalls zu den Reichstagsvorlagen im nächsten Herbst gehören; Vorarbeiten bezüglich de« bekannten Entwürfe« sind bereit« angeordnet. Im . _

preußischen Kriegsministerium beschäftigt man! Fragen , über welche kein Korrespondent sich gegenwärtig mit der Mililirstrafprozeß s mit Sachkennrniß zu sprechen befugt fein

Cttettettuiigen aus MeOberh. Zeitung" ; B sür die Monate Mai und Juni wer- , den von allen Postanstalten, für Marburg , und Umgegend in der Expedition entgegen- genommen. ;

Deutsches Reich.

Berlin, 29. April. Die de« heutigen Buß> und BeitageS wegen bereits gestern erschieneneProv.-Corr." bringt unter der Ucberschrift:DeS Kaisers Zuversicht" fol groben Artikel: Kaiser Wilhelm hat e« sich nicht versagen wollen, ben Reichstag, welchen et bei ber Wiedervereinigung nach de» Neu­wahlen nicht alsbald h<Me persönlich be grüßen können, jetzt beim Schluffe der Session um sich zu versammeln, umso mehr, als diese Sessiondurch die tiefgreifende Wichtigkeu ihrer gesetzgeberischen Ergebnisse sich ben be beuifamjten Sessionen ber früheren Reichstage anreiht". Als bie hervorragendste unter ben zu Staube gekommenen Arbeiten be­zeichnet ber Kaiser von Neuem bas Gesetz, welches die Organisation des deutschen Heere« dauernd sichern soll. Die Thronrede betont einerseits bie Gründe, au« welchen die ver­bündeten Regierungen, ungeachtet der Noth wendigkeit einer allseitig festen und bauern­den HeereS - Organisation, doch daS Zuge ständniß einer vorläufig siebenjährigen Be ftimmung ber Friedensstärke be« Heeres mit Zuversicht machen konnten, anbererseitS bie feste Erwartung, daß diese UebergangSzeit demnächst zurnothwendigen definitiven ge­setzlichen Regelung" auch in Bezug aus diesen Punkt führen werde. Die verbündeten Re- gierungen habenbie Stetigkeit der Ent Wickelung ber Reichsverfastung" nicht ge sihrden, vielmehrsür bie Fortbildung uuse ter neugewonnenen nationalen Einrichtungen di« Grundlage allseitigen EinverständmsteS gewinnen" wollen. Durch diese Worte der Kaiserlichen Thronrede wird vollkommen bestätigt, daß bie oetbünbeten Regierungen, indem sie dem Ausgleich in ber Militärsrage zustimmten, ihren Blick eben auf die ge­jammte Lage und Entwickelung der Reichs Politik und aus bie Befestigung der Grund­lagen derselben richteten und einen parlamen­tarischen Sieg in ber Militärfrage nicht auf

nicht ben Fehler begehen, für bie Petition Ringeisen unb Genosten Partei zu ergreifen, benn sie würbe ein ganzes Quartier unserer