Marburg, Dienstag, den 28. April.
Sr. 98
187«
Iwlrftfdlf Jrihmg
br-
zu Olympia unterzeichnet worden ist. Professor CurtiuS wollte am 22. April nach Olympia reisen und Mitte Mai in Berlin zurück sein — Nach dem deutschen Wochenblatt ist die Herzogin Marie von Mecklenburg- Schwerin [geb. 14. Mai 1854] verlobt mit dem Großfürsten Wlademir, Sohn des Kaisers Alexander [geb 22. April 1847]. Die Braut bleibt evangelisch; die Hochzeit findet im Juli Statt.
— Seit der Ausbesserung der Gehälter der aktiven Beamten und der Gewährung der Wohnungsgeldzuschüsse an dieselben sind an das Staatsministerium so zahlreiche Ge suche um Pensions-Erhöhung von solchen früheren Staatsbeamten eingegangen, welche vor Erlaß des Pensionsgesetzes vom Jahre 1872, und vor den in den Jahren 72 und 73 erfolgten Gehaltserhöhungen rc. in den Ruhestand versetzt worden, daß das gedachte Ministerium Veranlassung genommen hatte, für den Staathaushalts Etat pro 1874 durch den Landtag Mittel bewilligen zu lassen, welche, da zu einer allgemeinen Erhöhung der Pensionen, bei dem Mangel an Rechtsgründen dafür, kein Anlaß gefunden worden ist, ausreichend «scheinen, um den betreffen- den Beamten, im Falle wirklichen Bedürf nisseö ausreichende Unterstützungen gewähren zu können. Das Ministerium hat nunmehr beschlossen, solchen pensionirten Beamten, deren Gesammt-Gnnahme durch die inzwischen gestiegenen Preise der Lebens-Bedürfnisse un auskömmlich geworden ist, unter Vorbehalt des Widerrufe« einen Zuschuß zur Pension in Form einer fortlaufende» Unterstützung und zwar bereits vom 1. Januar dieses Jahres ab, zu bewilligen. Zu diesem Zwecke sind die Regierungen und fonftigen Provinzialbehörden bereits mit Anweisungen zur Erhebung von Recherchen versehen, um die Bedürfligkeit und Würdigkeit der zu ihrem Ressort gehörigen Penstonaire sestzustellen und Vorschläge über die Höhe der zu ge währenden Unterstützungen einzureichen. Hierbei sollen nachstehende Grundsätze fest- gehalten werden: a) Die fortlaufende Unterstützung darf die Pension, welche den betreffenden Beamten zu bewilligen gewesen wäre, wenn im Zeitpunkt seiner Pensionirung das Pensionsgesetz vom 27. März 1872, sowie die in den Jahren 1872 und 1873 erfolgten Verbesserungen deS Ein
trat er sein Zimmer, schloß die Thür ab und nahm die Pistolen aus dem Kasten. Aber noch war der nachtgeborne Gedanke der Verzweiflung nicht reif zur wahnsinnigen Thal. Er legte die Waffe wieder hin und schritt auf und ab in feinem Zimmer, in dem er alle Fenster geöffnet hatte, als müßte er sonst ersticken. „Du sollst Vater und Mutter ehren", sagte er dumpf vor sich hin. „Gott sei mir gnädig, ich kann das Gebot nicht halten! schrie er dann plötzlich wild auf und rang die Hände. Und »ieber wurde der rastlose Gang durch'S Zimmer fortgesetzt, wäh«nb Helene in der Nebenstube auf den Knieen lag, in tödtlicher Angst den Schritten lauschend, und Tante Florine vergebens versuchte, ihr Trost ein jusprechen.
Thränen, längst ersehnte Thränen ström- len aus Felix' Augen, als seine wild durch «nanderströmenven Gedanken plötzlich bei HelenenS Bilde verweilten. Aber auch dies Bild durfte nicht leuchten in fein« vernich lenden Seele, nie durste sie ihm angehören, bürste nie den Name» tragen, den fein Vater, feine Mutter — gebrandmarkt mit unauslöschlicher Schmach.
Das war zu viel für Felix. Dieses Lied, das ihn so ost zu seligen Stunden der Liebe gerufen, das jetzt noch in zauberischen Tönen die Erinnerung heraufbeschwor in einer Seele, die nichts mehr sah, als zertrümmerte Tempel und umgestürzte Altäre, dieses Lied hatte seine süße Macht vertauscht gegen eine un- heilvolle. Verloren war, was «e ihm einst verheißen, e« blieb für ihn nichts stehen, als das traurige Wort „Laß brechen" „Dein H«z, es kann, es darf feinen Schmerz nicht ausströmen in Klagen." Das war zu viel! Seine Gedanken, von der Höhe ihrer lichten Klarheit hinabgerisse» zu Unrecht und Schuld, zerrüttet durch den Kampf zwischen Liebe und Verachtung derer, die et geliebt, zerbrochen von dem Verlust aller seiner Hoffnungen, verwirrten sich; die Verzweiflung siegte und bet Wahnsinn verdunkelter Begriffe trieb ihn vorwärts zu jener entsetzlichen That, die dem Schöpfer ungeforbnt, im gerufen ein Leben zurückgibt, dessen Lasten zu tragen, deffen Pflichten zu erfüllen der ohnmächtige gebrochene Geist den Muth und die Kraft verloren.
Mit geschlossenen Augen, mit krampfhaft arbeitender Brust hörte Felix zu, dann streckte er die Hand aus, — dann--
— aber die Waffe, emporgehoben die Schuld zu fügen zu unverschuldetem Leid, erfüllte ihre traurige Bestimmung nicht, wenigstens nicht völlig. In der Verwirrung seiner
kommens der akiiven Beamten einschließlich deS WohnungsgeldzuschuffeS, schon bestanden hätten, niemals übersteigen, b) Al« maßgebend bei der Bewilligung soll jedoch in der Hauptsache nicht die Differenz der nach a) sich berechnenden und bet wirklich gewährten PensionSbeträge, fonbern bie Frage ber Bebürftigkeit für bie Beschlußfassung sein, in welchem Umfange bie Unterstützungen zu gewähren sind; mit jener Differenz hat vielmehr nur dir äußerste Grenze angebeutet werben sollen, bis zu welch« unter besonbnen Umstänben bei b« Bewilligung gegangen werben kann, c) Die Frage bet Mürbigkeit ist wesentlich mit in Betracht zu ziehen, d) Außerordentliche Unterstützungen , welche ben betreffenben Pensionären in biefem Jahre etwa schon gemacht fein sollten, sinb, um unmotivirten Bevorzugungen zu begegnen, bei der Bewilligung von bauernden Unterstützungen, soweit eS sich um Zahlungen für das Jahr 1874 handelt, mit in Anrechnung zu bringen, e) Die gewährten fortlaufenden Unterstützungen sind widerrufliche, f) Sie werden, wie die Pensionen, monatlich pränumerando gezahlt, g) Kommen zur Kenntniß der zahlenden Kaffe Umstände, welche die fortdauernde Würdigkeit ober Bebürftigkeit beS Empfängers in Frage stellen, so hat biefelbe ber vorgesetzten Dienstbehörde davon Anzeige zu machen, h) GnadenmonatsbetrSge sind von diesen dauernden Unterstützungen bei dem Ableben der Empfänger an deren Hinter bliebene nicht zu gewähren.
Darmstadt, 22. April. Die Frage der Aufhebung des Oktrois wurde auf jetzigem Landtage von den Abgg. Goldmann, Küchler, Edinger und Heinzetling durch einen Antrag auf bie Tagesorbnung ge» bracht, wonach bie Regierung um eine Gesetzesvorlage ersucht werben soll, welche bestimmt, baß vom 1. Januar 1876 an in keiner Gemeinbe bes GroßherzoglhumS Oktroi auf Brodsrucht, Mehl, Backwaaren, Kartoffeln, Schlachtvieh, Fleisch unb Fleisch- waaren, sowie Brennmaterial erhoben werden darf. In d« letzten Session der zweiten Kammer wurde von einem der Antragsteller dieser Antrag in Erinnerung gebracht und erklärte damals die Regi«ung, erst Stellung in dieser Angelegenheit nehmen zu können, sobald bie eingeforberten gutachtlichen Aeuße-
Vor biefem Gedanken starben seine Thrä- nett unb Eis legte sich auf fein Herz.
Da fiel fein Blick aus feine Violine, bie Gefährtin feiner Kindheit, fein« hoffnungsvollen Jugend. Welche Träume von Glück und Ruhm hatte er einst ihren Seiten ent lockt; wie hatte er feine erwachende Liebe ihr anvertraut, wie fein Glück ihr vorgejubelt! — Noch einmal loderte die Künstl«- feele in allem Fen«, all« Gluth, all« Innigkeit des reinsten Streben« in ihm auf! Das gottgefenbete Genie, konnte es untergehn in Nacht und Anzweiflung? — Konnte er sich nicht noch ein Glück «ringen, das, himmelentsproffen, ihn hinaufführte zum Himmel, das die Erde mit ihren Qualen versinken liefe, wenn d« Genius in ihm seine Schwingen regte ? — War sein Herz gestorben und seine irdische Liebe, konnte nicht dennoch ein Kranz feine Stirn krönen, ein Kranz unv«gänglichen Ruhms? — Aber nein, tausendmal nein! Sein Name durfte nicht leuchten vor d« Welt; kein Klang, kein Ton noch so rein, noch so innig dem Herzen entströmend und an das Herz sich schmiegend, durste die finst«e Geschichte heraufbeschwören, für bie es auf Erden nur Schande unb Schmach, im Himmel nur das Gericht Gottes gab. Sollte bie Kunst die reine eble, entroürbigt w«den burch ben Namen de« Künstlers? — Sollte man sagen, «, bem wir gelauscht, ber bie Be
geisterung erweckt unb alles Edle im Herzen entzündet hat, er ist der Sohn eines Betrügers, ber Sohn einer Frau, bk Ehre unb Pflicht vergessen? I
Er nahm die Violine, schlend«te sie zur Erbe unb zertrümmerte mit einem kräftigen Fußtritt feine letzte Hoffnung, das letzte Band, das ihn an bie Erde feffelte.
Helene fuhr empor, al» sie ben Ton hörte. „Um Gott, Tante, er ist wahnsinnig, er ist verloren, wenn wir ihn nicht retten," rief sie entsetzt.
Tante Florine selbst war in höchst« Angst unb Erregung. Sie ging an feine Thür, sie klopfte, sie bat um Einlaß, vergebens »Er will mich nicht hören," sagte fie, „weißt Du nichts, was Macht über ihn hat?"
Ein Lichtstrahl flog über Helenen- Antlitz. „Das Lieb, baS ihn immer gerufen," sagte sie leise, „o Gott, bem Ruf wird und muß er folgen!"
Sie eilte zum Flügel; die Häicke gitterten, sie vermochten nur leise Accorde an zusch lagen
Angst unb Kummer fesselten bie Stimme; sie schwang sich nicht frei wie sonst empor, sie bebte, aber in ihrem Beben, in ihrem gedämpften sterbenden Ton klang fie so rührend, so ergreifend, al« läge eine tief gebeugte gefesselte Seele vor Gott unb bäte ihn in glühenber Anbacht, die Feffeln zu lösen.
Mit gebrochenen Flügeln. Novelle von Adelheid von Auer.
(Fortsetzung.)
Mit derselben fast bewußtlosen Ruhe
lung des Papiergeldumlaufs in Deutschland fand große Schwierigkeiten in dem von der V«gangenheit überkommenen Ergebniß einer vielgesagten Entwickelung. Unt« Ihrer Mitwirkung ist eS gelungen, durch bundesfreundliche Ausgleichung der Verschiedenheiten eine Regelung herbeizuführen, welche durch Herstellung eines einheitlichen Papiergeldes innerhalb der durch die Rücksichten strengster Vorsicht gebotenen Grenzen, sowie durch Betheiligung der mit d« Natur des Landes Papiergeldes verbundenen Hemmungen allen Verkehrskreisen zur Befriedigung gereichen wird. Auch auf anderen Gebieten habe» Sie im Verein mii dem BundeSrathe die Gesetzgebung und die Institution des Reiches weiter ausgebildet. Die Förderung und Unterstützung, welche bie von mir in Gemeinschaft mit den verbündeten Regierungen befolgte Politik in Ihren letzten Beschlüssen gefunden hat, befestigen in mir die Ueberzeugung, daß das deutsche Vaterland unter dem Schutze der gemeinsamen Institutionen einer gedeihlichen Zukunft entgegensehe und daß Europa in der sorgsamen Pflege, welche die geistigen, sittlichen unb materiellen Kräfte Deutschlanbs finden, ein Psanb beS FriebenS unb ber gesicherten Fortbildung seiner Cultur erblicken werde. Ich entlaste Sie, geehrte Herren, mit Dank gegen Gott, dessen Gnade Mir gestattet hat, nach ernster Krankheit Sie heute um Mich zu versammeln.
— Bei bem Reichstagsschluß waren etwa 150 Reichstagsmitglieb« anwesend. In der Diplomatenloge befanden sich der französische und ber österreichische Botschaft«, sowie mehrere Gesanbte. Die Bunbesrathsmit glieber unter Führung bes Staatsministers Delbrück standen zur linken Seite des Thrones. Der Kais«, von dem Kronprinzen unb ben Prinzen Carl, Friedrich Carl, Alexander, Georg unb August von Württem berg gefolgt, wurde mit einem enthusiastischem Hoch begrüßt, das der Präsident des Reichstages ausbrachte. Bei Verlesung ber Thronrede wurde der auf bie Erhaltung des Friedens bezügliche PastuS sehr beifällig ausgenommen. Ein vom bayerischen Minister Fäustle auf ben Kaiser ausgebrachtes Hoch schloß bie Feierlichkeit.
— 25. April. Aus Athen ist hi« die Nachricht eingetroffen, daß ein deutsch griechischer Vertrag über bie Ausgrabungen
Anzeigen nimmt entgegen: bie Expedition d. Blatte«, iowie di« Anuonceu-Bureaux vo» Th- Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Öaafenftein & Vogler in Xrantfurt a- M-, Berlin, Leipzig, Cöln rc.; Rudolf Moss, m Berlin, Franlsutt a. M- rc.
«»eftellungen auf die „Ob«-. Zeitung" <O für die Monate Mai und Juni w«= Seit von allen Postanstalten, für Marburg und Umgegend in d« Expedition entgegen: genommen.
' Deutsches Reich.
Berlin, 26. April, Mittag« 1 Uhr Soeben ist ber Reichstag durch den Kaiser mit folgender Thronrede geschlossen worden: Geehrte Herren! Die Session, an deren Ab schluß Sie stehen, reiht sich durch die tiefgreifende Wichtigkeit ihrer gefetzgeberifcheii Ergebniste den bedeutsamsten Sessionen der früheren Reichstage an. Das hervorragende unter Ihr« Mitwirkung zu Stande ge- gekommene Gesetz soll, nach den Absichten der verbündeten Regierungen, dem deutschen Heere diejenige Organisation dauernd sichern, in welcher bie Gewähr für ben Schutz unseres Vaterlandes und für ben Frieden Europas beruht. Um die Stetigkeit ber Entwickelung unserer Verfassung sicher zu stellen unb um für bie Fortbildung unser« neugewonnenen nationalen Einrichtungen bie Grundlage allseitigen Verständnisses zu gewinnen, haben die verbündeten Regierungen eingewilligt, die von ihnen vorgeschlagene und nach chr« Ueberzeugung nothwendige definitiv« gesetzliche Regelung b« FriebenSstärke be« Heeres ber Zukunft vorzubehalten. Sie haben dieses Zugeständniß in ber festen Zuversicht machen können, eS w«be bie regelmäßige Berathung des Militär-Etats unb bie fortfchreitenbe Entwickelung beS VcrfastungSleben« bem Laube unb ben künftigen Reichstagen die Ueberzeugung gewähren, daß die Sicherstel lung der nachhaltigen unb gleichmäßigen Aus- ditdung ber nationalen Wehrkraft unb bie Herstellung einer gesetzlichen Unterlage für bie jährlichen Budgetberathungen nothwenbig fei, um bem deutschen Heere eine feiner Be beutung für das deutsche Reich entsprechenve Festigkeit ber Gestaltung zu sichern. Mit patriotisch« B«eitwilligkeit haben Sie Ihre Mitwirkung geliehen zur Beseitigung ber in ber Erfahrung hervorgetretenen Mängel bet gesetzlichen Bestimmungen über bie Versorgung ber Jnvaliben bes Reichsheeres unb der Marine. Ich sage Ihnen Meinen Dank für bie Fürsorge, welche Sie von neuem für bie Interessen Derer betätigen, die im Waffendienste für baS Vaterland Kraft unb Gesundheit geopfert haben. Die Rege-
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blatte», sowie bie Annoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a- M; Jnvatidenbank, A. Rete- rneyer in Berlin; Carl Schußler in Hannover; C- Schlotte in Bremen-
Erscheint täglich außer ben Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quattal durch die Expedition («och'sche Buchdruckerei) bezogen 22j Sgx., durch die Postämter 27 gar (excl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. - Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. V ’
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 2| Sgr. berechnet.