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Marburg, Mittwoch, den 22. April.
187a.
Anzeigen nimmt mts-gnu .
»te <fea»bitwn d Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. m «asiel und Hannover; Th. z Dietrich in Frankfurt a. M-; Haasenstein & Bögler in Frankfurt a. M-, Berlin, Loch' ija, Köln rc-; Rudolf Moffe ch Berlin, Frankfurt a. M- rc.
Obcrhkßschc Jeilmig.
Anzeigen nimmt entgegen: die Cxyebition d- Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a- SUI.; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
TsrfrfaetMt tllalich außer den Werktagen nach Sonn, und Feiertage«. Preis für das Quartal durch die Expedition («och'sche Buchdruckere,) bezogen 22z Sgr., durch die Postämter 27 Sgr. ' 8 (epi. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. - Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr.
Für in der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden sz Sgr. berechnet.
mir gestatten, Helenen nach wie vor zu sehen." fuhr er in so weichem Ton«, mit so bittenden Augen fort, daß wieder einmal das alte Herz, wohin er oppellirte, an den Mauern seines Gefängnisses rüttelte und schüttelte, und Fräulein Florine, die doch zeitlebens ein so strenger Kerkermeister gewesen, wohl suhlte, wie sie dem Drängen werde nachgeben müssen. „Sie werden mir das nicht abschlagen. Geht Helene nach Hause, daun folge ich ihr, dann sollen ihre Großeltern mich kennen leinen, und versagen diese mir ihr Kind nicht und wollen mir diesen Schatz anvertrauen, dann will ich noch einmal versuchen, des Vaters Segen zu erringen. Bleibt er aus, nun so hoffe ich, die göttliche Gerechtigkeit und Milde wird den vorenthaltenen Segen des VaterS nicht al« Waffe brauchen gegen das Geschick eines Menschen, der nichts gethan hat, diesen Segen zu verwirken. Nicht wahr, Helene, Du fürchtest Dich nicht, mir trotzdem Dein Glück anzuvertrauen?"
„Mein Glück — das bist Du!" sagte ste und erröthete vor dem leuchtenden Blick, der sie zum Dank für diese Antwort ttaf.
In den trübe begonnenen Tag hatte nun doch ein Sonnenstrahl hineingeleuchtet, und
«Leftelluugeu auf die „Dbertz. Zeitung" für die Monate Mai und Juni werde» von allen Postanstalteu, für Marburg Mn» Umgegend in der Expedition entgegen- geuommen.
Deutsches »eich.
•« Berlin, 20. April. Der zehnjährige Erinnerungstag der Erstürmung der Düp peler Schanzen ist nicht allein in militärischen ober durch Beteiligung am Kampf persönlich intereifirten Kreisen als Ehrentag gefeiert worden, sondern auch die angesehensten politischen Blätter haben in großer Zahl der Bedeutung des Tags Worte ge liehen, welche in patriotischen Kreisen weit hin lebhaften Wiederhall finden werden. Nachdem soeben erst die Frage um gesetzliche Begründung unseres Heerwesens und Sicherung seiner bewährten Leistungsfähigkeit die Gemüther erregt und Widerstreit der Meinungen hervorgerufen hatte, ist das «arme Jntereffe, welches die Organe der öffentlichen Meinung den militärischen Ehrentagen widmen, ein erfreulicher Beweis nicht allein deS mit unserer neueren Geschichte gewachsenen patriotischen Sinnes, sondern auch des festgewurzelten Einheitsgefühles zwischen Ruhestand und Wehrstand. Durch die enge organische Verbindung unseres Heerwesen« mit dem gesammten Volksleben ist das Bewußtsein der ManneSwürde und des Berufes, die nationale Ehre und Wohl fahrt mit dem Messer in der Hand zu wahren, lebendiger geworden, wie andererseits auch da« Bevürsniß den Frieden zu pflegen allgemeiner. Es ist dieß daS Mit te(, die Friedensliebe mit der Sicherung der vollen Wehrkraft in unserer deutschen Bevölkerung fe innig verschmelzen zu lasten, wie eS bei keiner anderen Nation bis jetzt erreicht worben ist. Dieses in den Besprechungen der Düppelfeier sich kundgebende nationale Selbstgefühl ist zugleich der wirksamste Protest gegen die Bemühungen der Gegner, unser neu geschaffmes gesundes und aufstrebendes Staatsleben als eine fünft tiche, den Keim deS Verderbens in sich selbst ttagende Ueberstürzung darzustellen. Theil- nahmlose, schlaffe Ruhe ist nicht das Kennzeichen eines gefuuben Staat«- und Volkslebens , sondern gesunde Volkskraft drängt zum lebendigen Schaffe», will selbstthätig sein und eine gewiste Freiheit der Bewegung haben, unter gefchickter Leitung aber wir» die Mannigfaltigkeit gesunder Elemente schließlich zur harmonisch orgonifirten Staats
tmiviutii. >rcr aiuua
dieß gilt für das individuelle, wie für das Staatsleben! Ohne Kampf kein Sieg, ohne Arbeit und Aussaat keine Erndte. — Die vom BundeSrath ernannte Commission zur Berathung von Plan und Methode zur Aufstellung eines Entwurfes für daS bürgerliche Gesetzbuch hat nunmehr in ihrem Bericht Anträge gestellt. Danach soll das Handelsrecht von diesem Gesetzbuch getrennt gehalten werden und Gegen stand besonderer Codification sein, mit Hülfe der Revision und Ergänzung deS geltenden Handelsgesetzbuchs. Neu hinzu kommen sollen: 1) die im Handesgesetzbuch fehlen den Zweige des VersicherungSrechtS; 2) die Materie der Binnenfchifffahtt; 3) daS Verlagsrecht. Die Commission des Entwurf« zum bürgerlichen Gesetzbuch soll au« hervorragenden Juristen der Theorie und Praxi« gebildet werden und aus revidirenden con trolirenben und krilisirenden Mitgliedern stch zusammmsetzen. Da« Domicil der Com- misston bleibt weiterer Entscheidung vor behalten.
BAC Berlin, 20. April. Die Vkr- öffentlichungen, welche in den letzten Wochen zur Aufklärung der Stellung der preußischen Regierung gegenüber den im vatikanischen Konzil zum Ausdruck gelangten Bestrebungen ftattgefnnben haben, geben den vollständigsten Aufschluß darüber, von welcher Seite der Streit zwischen Staat und Kirche ge nommen hat. In den Verhandlungen des preußischen Landtag« und des deutschen Reichstag« ist wiederholt von Seiten der ultramontanen Wortführer, namentlich vom Abgeordneten Mallinckrodt die Frage aufge wovfen worden: „Wer hat denStreit angefangen?" Die Veröffentlichmtg der preußischen Konzils Depeschen gibt nun das Material zur Beantwottung jener Frage in die Hand, und diese lautet: Rom hat den Streit angefangen und die deutsche» Bischöfe haben trotz aller Warnungen an diesem Streite sich bethe'ligt. ES handelt sich bei diesem Streite nicht um den Kampf von politischen Parteien, sondern um einen Prinzipienkampf, welchen die römische Kirche gegen den Staat überhaupt erhoben hat. In unfern parlamentarischen Versammlungen spielt stch also nicht eis Parteikampf ab, e« handelt sich für dieselbe» auch nicht um die Unterstützung einer be stimmten, den Bestrebungen der Mehrheit gfiieigten Regierung, sondern eS wird von denselben der Streit zwischen Kirche und Staat genau und ganz so aufgefaßt, wie
ihn die Kirche von Anfang selbe, mit vollem Bewußtsein geführt hat als einen Kampf der Kirche gegen den Staat überhaupt, deffen volle Souveränität die Kirche gründ sätzlich in Abrede stellt. Prinzip steht gegen Prinzip und in diesem Sinne wird der Kampf von Seiten der Regierung, welche für das Prinzip der vollen Staats- fouveränität eintritt, wie von Seiten der Vollsvertretung, welche genau dasselbe Prinzip vertritt, auch fernerhin geführt werden.
— 20. April. Der BundeSrath hat gestern noch nicht die Berathung des Preß- gesetzes beendigt. Die Aussicht auf allseitige Verständigung über den einzigen Differenz-Punkt, die polizeiliche Beschlagnahme, ist gestiegen. Dieselbe soll sich dem Ber nehmen nach auf die möglichst engsten Grenzen, etwa die Gefährdung öffentlicher Ordnung, beschränken.
Königsberg, 18 April. Nächsten Mittwoch sind es 150 Jahre, feit unser größter Landsmann, Immanuel Kant, geboren wurde (22. April 1724). Die hiesige Kantgesellschast wird den Tag durch Aus fchmückung seines Denkmal« auf dem Kantplatze feiern.
Weimar, 15. April. Nach zweitägige» Verhandlungen hat heute ber Nachtrag zum Landtags Wahlgesetz die Zustimimmg des Landtags gefunben. Statt der indirekten, werden künstih nur direkte Wahlen statt- finden. Die Vertretung der. ehemaligen Reichs-Unmittelbaren fällt »eg, die privile- girten Wahlen von fünf höchstbesteuerten Grundbesitzern und ebenso vielen Nicht- Grundbesitzern , welche mit 1000 Thaler oder mehr Einkommen eiiigeschätzt sind, wurden beibehalten; die Zahl der Abge ordneten bleibt 31. Da« neue Gesetz tritt, obwohl die Regierung anderer Ansicht war, sofort nach feiner Publikation in Kraft, und wird alsdann der jetzige Landtag aufgelöst und ein neuer gewählt.
NuSlsnd.
Wie», 20. April. Die „Montags- R^vm" meldet: Die konfessionelle Commission des Herrenhauses hat das Gesetz über die äußeren Rechtsverhältnisse der katholischen Kirche nunmehr in der Fassung des Abgeordnetenhauses angenommen.
Bern, 20. April. Bei der geftrigen Abstimmung über die Annahme der Bundes revisioi'. stimmten nach dem jetzt bekannten Gesammtrefultat % mit Ja, Vs mit Nein. In der Abstimmung ber Stände haben 14Vz Cantvne für, 7Vz Cantone gegen die
Mitgebrochenen Flügel».
Novelle von Adelheid von Auer^ (Fortsetzung.)
Felix ging, Gram und Kummer im Her zen. Der Zorn gesellte stch noch dazu, al« er im Hausflur Blum begegnete, der ihn mit verstellter Theilnahme fragte, ob er krank sei, er sehe so blaß und verstört aus. Er murmelte eine unverständliche Antwort «md stürzte zur Mutter, dieser fein Leid zu klagen Sie hatte wenigstens Trost für ihn; fie meinte, be« Vaters Wille werde nicht unbeugsam sein, er solle nur Geduld haben Sie beruhigte fein aufgeregte« Gemüth, in dem de« Vaters Worte tiefe, wenn auch unbestimmte Befürchtungen erregt halten. Was biefer von feiner mittellosen Lage ge sprochen, sei Thorheit, sei nur ein Vorwand, fine ihm mißliebige Heirath zu verhindern.
So war Felix wieder Herr seiner Anf- regung, al« er zu den ihn ängsüich erwartenden Damen hinaufging.
„Meine Helene," sagte er, „die ersten Wolken ziehen x-.. unserem Himmel herauf, aber nur Muth und vertrauen, wir werden fie verfcheuchen."
Dann theilte er ihnen seine- Vater« Weigerung mit. Sie hatte viel von ihrer
Schroffheit, ihrer Jämmerlichkeit eingebüßt in seinem Diunde. Dennoch war Tante Florine auf« Beußerste piquirt
„Mein Fuß betritt feine Schwelle nie wieder," sagte sie, „et hat mich in meiner Nichte beleidigt, Und ich laffe mich nicht wie ein Spielwerk behandeln. E« thut mit leib um Sie und Helene, ober sie dürfen von nun an nicht mehr zu mit tornmen. E« würde mein Zartgefühl auf’« Aeußetste verletzen, den Sohn des Mannes zu sehen, bet meine eigene geliebte Nichte nicht als Tochter annehmen will."
„Ich möchte Ihnen nun gern sagen," unterbrach sie Felix, ber trotz seiner ernsten Stimmung lächeln mußte über diese sonder bare Sucht, sich selbst bei allem in den Vordergrund zu stellen, „ich möchte Ihnen nun gern sagen, wie meine einzige Hoffnung auf Fortdauer meines Glücke« Ihre Freundlichkeit, Güte und Einsicht ist. Helene ist und bleibt meine Braut, kein Machtspruch der Menschen kann da« Ludern, und, wenn ich fortfahre, ste als solche zu betrachten, so geschieht nur, was ich meinem Vater al« meinen unumstößlichen Willen, al« meine Pflicht, al« mein höchstes Glück erklärt habe. Sie werden da« billigen, Sie werben
Annahme gestimmt. Bei den Wahlen zum großen Rath im Eanton Neuenburg wurden 90 Radikale und 11 Conservative gewählt. In der Stadt Bern sind die Conservativen vollständig durchgefallen. Auf dem Lande sind die Wahlen zum Großen Rath meist liberal ausgefallen.
Bafel, 20. April. ' Den „Baseler Nachrichten" zufolge war die Betheiligung an der gestern stattgehabten Abstimmung über die neue BundeS-Verfaffung eine sehr große Nach den bis gestern Abend 9 Uhr bekannten Resultaten hatten 267,000 mit ja, 133,000 mit nein gestimmt.
Paris, 19. April. Nach dem „Siscle" hat der Plan, den der Herzog von Broglie über den Senat, ober die zu schaffende erste hohe Kammer dem Verfassungs-Ausschuß entwickelt hat, auch vor den Augen der Legitimisten keine Gnade gefunden: sie wollen stch nicht mit den Orleanisten auf ein so „dunkles Abenteuer" einloffen und, wie auch der „Monde" bereits vor einigen Tagen erklärte, nach den Ferien darauf bringen, baß zuerst bas neue Wahlgesetz, „welche- der cmservativen Partei sicherere Bürgschaften bietet," votitt werbe. Der Herzog von Broglie rechnet aber auf ben Ehrgeiz derjenigen Deputieren, deren Ansehen im Abnehmen begriffen ist ober die nie zu Ansehen gelangt wären, obgleich ste stets «ach dem Willen ihrer Führer stimmten, und er hofft, daß die Aussicht auf die Pair-würde sie gegen alle anderen Ansichten hieb- und stichfest machen werde. Broglie will die „Vertretung der Jntereffe»" im Oberhaufe so organiftren, daß sie dem Unter hause das Gegengewicht halte, baß die ehemaligen Minister, großen Grundbesitzer, Officiere, Generale und Admirale, Gerichts- Präsidenten rc. im Nothsalle die aus den allgemeinen Wahlen hervorgegangene Kammer heimzuschicken den Muth haben. Die'Legitimisten halten einen so eingerichteten Senat für eine zu Gunsten der Orleanisten ihnen gelegte Falle: man wolle in demselben den Herzog von Aumale zum Präsidenten und diesen bann zu Mac Mahons Erben unb zur Brücke für die Thronbesteigung Louis Philippe'« II mache». Die Republique Frantzaise glaubt aber heute nachweisen zu können, daß alle monarchischen Eier, die Frankreich in« Nest gelegt würben, denn das merkwürdigste Zeichen der Zeit fei die feit zwei Jahren immer allgemeiner cknd stetiger werdende Bekehrung des Landes zur Q& iViij fiflif link »Alu A ntHttw ■-» * nt n w. i JvtpUVUl, UnV 'St[tt ttttt Hü)
sein Schimmer, so wie die Ruhe eines festen Entschlusses lag auf Felixens Antlitz, als die Mittagsstunde ihn hinunterrief. Trotzdem war die Unterhaltung einsilbig, selbst Blum vermochte nicht die finstere Stirn des Geheimrath« aufzuhellen.
„Für heute-nehme ich Abschied, liebe Mutter," sagte Felix nach Tisch zu dieser. „Jetzt gleich muß ich gum Kapellmeister in die Probe, den Abend habe ich einigen musikalischen Freunden zugesagt unb löse damit ein feit so langer Zeit gegebenes Versprechen, daß ich e« nicht wieder umgehen darf, wie lästig e- mir auch fein mag Heule siehst Du mich also nicht wieder."
„Da« trifft sich ganz günstig," erwiderte die Mutter; „ber Vater hat heute Abend eine wichtige Conferenz bei dem Minister unb ich will auch ausfahren. Also auf morgen!"
Felix ging. — Die Probe dauerte lauge, ihm war der Kops wüst und benommen, die Aufregung wirkte nach. Es war ihm unendlich peinlich, noch jener onbern Verpflichtung nachzukommen; er mußte sich förmlich dazu zwinge»; ober er ging hin. Lärmende Fröhlichkeit tönte ihm entgegen; man hatte ihn schon lange in diesem kleinen,