Marburg, Sonntag, den 19. April
Wr. 91
187a
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dings auch für Serrano zu wünschen, denn mit einem Vertrage, wie der von Amorevieta wckr, würde er dem Lande nur Unheil zugr- fügt haben. Die Carlisten müssen besiegt und militärisch vernichtet, nicht durch Verhandlungen vorläufig beschwichtigt werden Möglich ist es indessen, daß Serrano ganz andere Zwecke verfolgte als einen Vertrag, nämlich carlistische Truppen und insbesondere Officiere von Don Carlos abzuwenden. Zugleich -wurde die Behauptung verbreitet, daß ein alsonststisches Pronunciamiento der Nordarmee bevorstehe; bis jetzt hat sich dieselbe flicht bewahrheitet, und Topete's Reise vom Kriegsschauplatz nach Madrid stand höchstwahrscheinlich in Zusammenhang mit dem Zwiespalt der conservativen und radi- calen Elemente im Cabinet, ohne daß die erster« es auf die Errichtung eines Thrones für Don Alfonso abgesehen hätten.
Dem englischen Parlamknt hat das Militärbudget' nicht den hundertsten Theil der Mühe und Sorge gemacht, welche der Deutsche Reichstag zu bestehen gehabt. Am Montag war daS Haus der Gemeinen nach den Osterferien wieder zusammengetreten; noch an demselben Abend wurden, nachdem einige Militärs ihr klagenreiches Herz über die schlechten Erfolge der Werbung auSge schüttet, die Armee Voranschläge im (Semite des Hauses angenommen und die Mutiny- Bills für Land- und Seetruppen zum zweiten Male gelesen
In Dänemark hat die gejammte Be völkerung der Hauptstadt bei dem feierlichen Begräbniß eines preußischen OfficierS, der zum Osterfeste nach Kopenhagen gekommen, der Lebensretter eines Knaben geworden und selber dabei erttunten war, ein rührendes Zeugniß dafür abgelegt, daß zwischen Dänen und Deutschen durchaus kein Nationalhaß besteht. Der König, der Kriegs Minister,
Flüsse und Nebenflüsse, als meinte sie, darin bestünde die Vorbereitung zum jenseitigen Leben, und als wollte sie dem lieben Golt dereinst keine Antwort schuldig bleiben, wenn er sich etwa bei ihr nach den Begebenheiten und Verhältnissen seiner irdischen Domainen und der La„e derselben erkundigen sollte. So beschäftigt, vermißte sie Helenen nicht, wenn diese zu ihren geliebten musikalischen Hebungen hinuntereilte.
Bei diesen war Felix zwar selten gegm- wärttg, aber sie sah und hörte ihn doch oft. Er verstand es gut, mit Tante Florine umzugehen und in aller Arglosigkeit ihr doch etwas diplomatisch seine Wünsche, als von ihr ausgehende Vorschläge, in den Mund zu legen. So hatte er'S erlangt, daß er zuweilen die Abende ganz allein mit den beiden Damen zubringen durfte, was Tante Florine, keinem anderen jungen Mann gestattet haben würde. Und neben diesem offenen Verkehr knüpfte sich noch so manche« unsichtbare Band um die jungen Leute, die, auch wenn sie nicht beisammen waren,' doch in Gedanken, und ach, wie innig, mit einander verkehrten. Seine Zimmer, im oberen Geschoß des Hauses liegend, grenzten an Tante FlorinenS Wohnstube; Helene, wenn sie still arbeitend am Fenster saß, hörte jeden seiner Schritte auS der Ungleichheit, auS der Ruhe derselben schloß sie jedesmal aus seine Stimmung. Wenn er sang oder auf der Violine phantasirte, was häufig bis tief in die Nacht hinein geschah, wie ost verließ sie dann leise ihre Stube, schlüpfte an der schlafenden Tante vorüber und saß nun still und einsam in dem dunkeln Zimmer, den Tönen lauschend, welche ihr alle die Träume künftigen Glückes und künftigen Ruhmes, die Felix in ihr Herz auS- geschüttet, wiederholten. Felix hatte ihr einst gesagt: „wenn ich mit Ihnen singen darf, wenn Sie meinen, daß Fräulein Fa»rine
Pslitischc Wochrn-Uetzerftcht.
Die Frage, die noch vor acht Tagen die große Dtehrzahl deS deutschen Volkes bewegte, hat in der abgelaufenen Woche ihre Entscheidung erhalten, 224 Stimmen im Reichstag haben den § 4 des Miltärgesrtze« gesichert. Möge nun aber auch in andern Dingen diese Majorität bleibe«, die RrichS- regierung bedarf ganz entschieden ihrer! Der preußische königliche Gerichtshof für kirchliche Angelegenheiten hat am Mittwoch, in Gemäßheit des Gesetze« vom 12. Mai 1873 (§. 24), die AmtSenisetzuqg des Erzbischofs von Posen und Gnesen, Grafen Ledochowski, ausgesprochen. Die deutsche Nation muß dem Fhsten Bismarck fest zur Seite stehen bej der kraftvollen Durchführung der von ihm schon 1869 und 1870 dem vatikanischen Concil gegenüber ausgestellten, jetzt aber erst an die Öffentlichkeit gebrachten Grundsätze: Nichteinmischung in da« innere Gebiet der Kirche, aber strenge und konsequente Ber- theidigung der staatlichen Souverainetät aus dem gejammten weltlichen Gebiete.
I» Oesterreich waren in dieser Woche alle Augen auf das Herrenhaus gerichtet, in welchem am 10. und 11. April die Generaldebatte über die konfessionellen Gesetze Statt fand und am 13. die Generaldebatte über die erste Vorlage betreffend die äußeren Rechtverhältnisse der katholischen Kirche be- gonnett wurde, nachdem ein Antrag der Minorität, über die Vorlage zur Tagerordnung überzugehen, mit 77 gegen 43 Stimmen ob« gelehnt worden war. Als nach dieser Abstimmung die Erzbischöfe und Bischöfe den Sitzungssaal verlaffen hatten, wurden die sämmtlichen Paragraphen deS Gesetzes in der Fassung des AuSschuffes angenommen und darauf auch das Eiujührungsgesetz unverändert genehmigt.
Die schweizer BundeSreviston hat nun
den Eltern die jubelnde Freude zu verkünden. Ihre Briefe athmeten ein solch' stilles, verständnißreiches Glänzen, sie waren diesmal auch die einzigen Lichter am WeihnochtS- baurn der Drei zurückgebliebenen einsamen Menschen, die den heiligen Abend so still, so in Sehnsucht verlebten, die, weil ihre Gedanken immer nach dem einen Ziel hinschweiften, gar nicht sahen, wie da draußen die Sterne, die in den dunkeln Tannen blitzten, tausend himmlisch schöne Weihnachts- bäume entzündet hatten.
„Unverdorben ist sie, fröhlich und unschuldig wie immer," sagte die Großmama.
„Aber wie öde, wie einsam wird es ihr vorkommen, kehrt sie zu uns zurück," wandte Eduard seufzend ein.
„Nicht doch, nicht doch," meinte der alte Förster, „solch' Vergnügen wird erschöpft und dann freut man sich um so lieber der wiedererkangten Ruhe und Stille."
„Vergnügen?" fragte sich Eduard leise, „Vergnügen? — ist's nicht mehr?"--
_ Er hatte Recht. ES war schon lange nicht mehr das Vergnügen, die erlangte Freude deS wechselnden Stadtleben«, was Helenens Köpfchen erfüllte und so schön und licht aus ihren Augen herauSstrahlte. Zn alle bett fröhlichen Versammlungen, an denen sie sonst jnur um des jugendlichen Genusses willen Theil genommen, suchte sie jetzt nur ein Ziel: Felix. — Und wie viel lieber waren ihr noch die stillen Stunden, die sie bei seiner Mutter mit ihm verlebte. Frau Berg« hatte sich ihres musikalischen Talents ernstlich angenommen; entzückt, daß sie nun Koloraturen und Triller lernte, gab Florine tun so eher alle übrigen beabsichtigten Studien auf, für die sie von Anfang an Helenen« Geist nicht hatte gewinnen können. Sie selbst fuhr fort, in ihrer trotte neu, unfruchtbaren Weise zu lernen, Vota beln «nd Säulenordnungen, Jahreszahlen,
Anzeigen «immi entgegen: die Expedition b. Blattes, fomie dtt Ännoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. m Äaffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Hänfenstem & Vogler in Itautlfurt a. M., Berlin, Leip- -iq, Cölnre.; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt a. M. re.
mein Kommen gestattet, so rufen Sie mich, Sie werden schon wissen wie." — Und sie wußte es natürlich, und das Lied, das ihn zuerst hinübergelockt, es rief nie vergebens, und so traurig-und ernst auch sein Inhalt, es war doch daS Zeichen zu glücklichen, seligen Stunden geworden. - ..
(Fortsetzung folgt.)
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Die Hessische Alterthümer-Sammlung.
Die Hessische Morgenzeitung bringt in der ersten Nummer vom 18. März d. I. die erfreuliche Kunde, daß unser Kultusminister eine jährliche Summe von 1000 Thlr. zur Errichtung resp. Unterhaltung einer Sammlung von Hessischen Allerhümern und eines KustoS aus Staatsmitteln bewilligen wolle. Jeder Freund Hessischer Alterthümer, Kultur und Geschichte kann dieses Ereigniß nur als ein freudiges begrüßen , denn endlich einmal soll etwas Bedeutendes in dieser Richtung geschehen. Weniger erbaut kann man jedoch von dem projectirien Aufstellungsorte und den Vorschlägen sein, - nach welchen die Sammlung zusammengebracht werden soll. Annehmbarer schon erscheint das was über den Plan und den Inhalt einer solchen Sammlung an einem anderen Platze erörtert wurde. Noch mehr müssen wir den, vorläufig allerdings nur destruktiven Erörterungen unserer schon genannten Casseler Collegiu beistimmen, welche in den Nummern vom 15. und 16. d. M. in einem längeren, jedenfalls von sachkundiger Hand geschriebenen Artikel einen Theil der Sünden des Artikels vom 18. März wieder gutzumachen sich bestrebt. — Bis zu den Artikeln vom 15. und 16. d. M. war stets der Rittersaal unseres Schlosse« zum A> chewahrungSorte der Sammlungen bestimmt. Glücklicherweise wurde aber in den neueften Morgenzeitungsartikeln dieser Pta»
Mit gekrochene» Flügel». - - Novelle von Adelheid von Auer.
(Fortsetzung.) ,
Helene hatte sich auf allgemeinen Wunsch noch einmal an den Flügel begeben müssen. Felix suchte die Lieder aus, die fie spielen sollte. „Das nicht", sagte er auf das Lied deutend „ da« ihn gestern so entzückte, „das ist mein Eigmthum, da» darf kein Anderer hören." .
Sie lächelte, erröcheie und legte da« Notenblatt fort, s'
Frau Berger hatte fich auch wiedsr zu Helenen gesellt; sie versuchte ein Duett mit ihr. Die beiden Stimmen tönten in prachtvollem Einklang. Aber Helenen war e« doch viel lieber, als fie aih Felix singen durste. Ihr war, al« trüge eine schimmernde Wolke fie beide in den Himmel hinein! -
Unk dann durfte sie sich auSrnhen, und Felix spielte seine Violine, »ährend einer feiner Kunstgenossen ihn auf dem Flügel begleitete. Sie zog sich ht die tiefe Nische eines Fenster« zurück und, als Felix sie nach geendetem Spiel dort aufsuchte, schwammey chre Augen in Thronen. ♦
Wie berauscht kam sie nach House. Sv hatte fie ihr erste« Debüt gefeiert. Der «benb war nur der Anfang einer Reihe froher, schöner Abende gewesen. Tante Florlne hielt Wort. Helmen blieb kein ®tr8*ugen versagt, das die große Stadt chr bieten konnte. Theater wechselte mit
, utü Conrerten, mit geselligen Zu lammenkünften jeder Art. Helene genoß all' dies Neue mit so jugendlicher, so lebendiger Freude, wie ein Kind, das sich zwar Monate lang auf Weihnachten gefreut, aber bann doch überrascht und geblendet vor dem reich besetzten Tisch, vor den goldenen Lichtern des Baume« steht, kaum weiß, wie e« leinen Dank, feine Freude ausbrücken soll und zuletzt die Augen nur still glänzen läßt,
der eornmandirende General, die Spitzen der Behörden, Militär und Civil haben ^em hochherzigen Fremden (Richard Günther au« Unruhstadt in der Provinz Posen) die letzten Ehren erwiesen.
Der schwedische Reichstag ist am 8. d. wieder zusammengetreten und hat zunächst das von der Regierung beantragte, vom norwegischen Storthing schon genehmigte schwedisch-norwegische Handels- und Zvllge- setz (Mellemrigslow) unverändert angenommen. Das norwegische Storthing nahm am 9. d. seine Sitzungen wieder auf, wählte Sverdruy und Essendrop aufs Neue mit großer Stimmenmehrheit zu Präsidenten und trat in die Berothung des Morine-BudgetS ein. Die von der Regierung für die Morine- Unterefftcire verlangte Löhnungszulage von 25 pCt. wurde abgelehnt, dagegen mit 62 gegen 46 Stimmen eine Zulage von 15 pCt. bewilligt.
Die Pforte hat die Schlüssel der armenischen Heilandskirche in ©alata (Konstantinopel) an sich genommen und erklärt, dieselbe vorläufig keiner der beiden:streitenden Parteien aushändigen zu wollet. Der Papst hat einen neuen apostolischen Provicar an des verstorbenen Pluym Stelle eingesetzt, und zwar Msgr. Milani. Die aus Deutschland vertriebenen Jesuiten und Lazmisten find in großen Massen in die Türkei ein- gewandert.
Deutsches Reich.
•• »erlitt, 17. April. Ueber die Stellung unserer Reichsgewalten und Reichs- verwaltungS-Organe sind neuerdings mehrfach Auffassungen zu Tage getreten, welche mit den Bestimmungen der Reichsverfassung sowohl wie mit den thalsächlichen Verhältnissen in Widerspruch stehen. Namentlich hat brr Abgeordnete Richter in seiner Rede
Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdrucker«i) bezogen 22} Sgr.. durch die Postämter 27 6er lexcl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. Jnsertionsgebühr für hie gespaltene Zeile 1 Sgr.
Für in dex Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 2} Sgr. berechnet.
mehr am 8. April auch die StandeSstimme deS CantonS Bern und am 12. April die be« CantonS GlaruS erhalten.
Wie schon zuvor die venetianischen und lombardischen Bischöfe, haben nun auch die piemontestschen eine Petition gegen daS Gesetz über die Civilehe eingereicht, und zwar nicht an den König von Italien, sondern an die Deputirtenkammer. Sie behaupten, daß die Staatsgewalt, indem sie verlangt, daß die Civi^trauung der kirchlichen vorhergehen müffe, in das kirchliche Gebiet eingreife.
In Frankreich hat sich feit Eintritt der parlamentarischen Ferien die Situation nicht merklich geändert. Die Hauptaufmerksamkeit des Volkes ist und bleibt die republikanische und die durch diese bedingte mate riefle Frage, und daneben das Steuer- mit dem RüstungS- und Festungswesen. In Verbindung mit den Organisationsarbeiten für die Teritorial - Armee ist auch bereits der Kriegs-Minister« mit der Ausrüstung dieser 400,000 Mann beschäftigt und die großen Bestellungen sollen bereits im Mai ansge- schrieben werden. Nach Neu - Caledonien, über daS in Folge der Flucht von Rochefort und Genoffen viel geredet worden, ist Ad rnial Ribourt, als außerordentlicher Bevollmächtigter am 14 April abgereift und hat strenge Weisungen mitgenommen. Di» depor- tirten CornmunardS, werden für ihre ent flohenen Mitverurtheilten zu leiden haben.
Statt der Äugeln durchschwirrten in den spanischen Kriegslagern während der letzten Wochen Gerüchte die Luft. Serrano^ hieß e«, habe mit Don Carlo« Unterhandlungen wegen einer Uebereinkunft ähnlich dem. Convenio von Vergara angeknüpft. Der Prätendent, sagen seine Anhänger, hat jedoch im Vertrauen auf die Gerechtigkeit seiner Sache und den endlichen Sieg alle Anerbieten zurückgewiesen. DaS wäre aller
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b- Blattes,, sowie bie Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'jche Buchhandlung in Frankflirt a. M; Jnvalibendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schußler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.