Einzelbild herunterladen
 

Wr,

JRarfiurg, Sonnabend, den 18. April.

1871

OftrhMhr Jritung

noch erheblich zusammen bei der Erwägung, hemmte den Wahlfortaang. Seitdem ruhte daß die Mitglieder der CentrumSpartei und diese Angelegenheit. Eine Interpellation in

die Socialdemokraten mit ihrem Votum nicht die eigene Ueberzeugung aus freiem Entschlusie vertreten haben und vertreten konnten, sondern an die Ordre gebunden waren die ihnen ohne Rücksicht auf den Gegenstand der Entscheidung die Opposition gegen die Regierung principiell zur Pflicht macht. Mit Recht sagt dieNational;.", wenn man das ganze deutsche Volk befragen könnte, so würde sich gewiß ergeben, daß auch diejenigen Deutschen die Reichsgrenzen gut behütet wisien wollen die bei den Reichs- tagswahlen den Ultramontanen ihre Stimme gegeben haben. Daß die ultramontanen Abgeordneten auch in dieser Frage das Volk hinter sich hätten, das werden selbst die Franzosen kaum annehmen." Die Mel

der vorjährigen Session des Landtags wurde dahin beantwortet, daß man erst abwarten

DnitschtS Keich.

H Berlin, 16. April. Nachdem die Krisis glücklich überwunden, und der Auf­regung eine zur leichten Erörterung des Verlaufs wie der unmittelbaren und mittel baren Wirkungen auffordernve Ruhe und Klärung eingetreten ist, tritt in dm Be­sprechungen der reichssrmndlichen Presse immer bestimmter die Befriedigung über das Resultat hervor, während dagcgm die Organe Rvm's und ihrer Minoritätsgenossen demo kratischer und socialdemokratischer Richtung ein strenges Gericht halten über die ver biSmarckte Welt, während die lieben Franzv sm nur mit Wallfahrten beschäftigt und von versöhnlicher Liebe zu Deutschland er- füllt sind herrscht im Deutschcn Reich nur der CäsariSmUs und bereitet neue Friedens- stömngm vor, die Volksfreiheit und VolkS- «chtc gehen immer mehr verloren, weil das Boll selbst blind gemacht worden ist gegen den Segen der ultramontanm demokratisch­kommunistischen BeglückungSrecepte! Eiserne antibiSmarcksche Charaktere wird man bald vergeblich mit der Laterne suchen, denn die verdorbene Weit hat keinen freien Raum mehr für solche Säulm der Freiheit! Als vierte im Bunde stimmt auch dieKreuzz." ihr Klagelied an über die entschwundene Geflnnungstüchtigkeit. Ein schwarzer Flor ist über das dmtsche Vaterland ausgebreitet .durch welchen daS Licht patriarchalischer Glückseligkeit nicht mehr durchdringen kann! DieNational;." beleuchtet heute an bei? Hand authenttscher Kundgebungen unb1 spezieller Daten das Treiben des Herrn E. Richter und führt ihm seine Anmaßung ebenso wie die Mißerfolge seinerzusammen- geschmol;enen Fraktion recht eindringlich zu Gemüthe. Herr Richter hat zu dem be- drnklichen Mittel seine Zuflucht gmommen, die untreu gewordenen bisherigen Parteige­nossen in Korrespondenzen unverblümt in der öffentlichen Meinung herabzusetzen; wenn man jedoch den von ihm für diese ange- wendetrn Maßstab an die noch verbliebenen Stützen feiner Fraktion anlegt, dürfte die Kritik wmig imponirende Größen noch vor finden. Auch die Minorität gegm den Compromißantrag schrumpft an Gewicht .

geordneten beabsichtigt wird, die Angelegen- seit sofort nach Wiedereröffnung des Land­tags dort zur Sprache zu bringen Nach derDr. Pr." haben 5 Mitglieder ihren Austritt aus dem Dmtfchen Reichs - Verein angezeigt.

Sotha, 15. April. Die herzogliche SkaatSregierung hat das KirchcnverfaffungS- werk von Neuem in Angriff genommen. Die noch restirenden Wahlen find zum Voll­zug ausgeschrieben worden. In einem Theile der Wahlkreise ist bereits im Jahre 1870 gewählt worden. Der Ausbruch des Krieges

wolle, wie sich die Dinge in Preußen ge­stalten würden.

Mainz, 14. April. Das hiesige groß­herzogliche PalaiS wird zur Aufnahme hoher Gäste in Bereitschaft gesetzt. Gegen Ende kommenden MonalS wird der Großherzog Aufenthalt hier nehmen, um dann den Kaiser, welcher von EmS oder Wiesbaden herüber kommen wird, zu empfangen. Ob der Kaiser von Rußland (Schwager unseres Groß Herzog«) ebenfalls einen vorübergehenden Be­such abstatten wird, scheint noch unentschieden. Der Herzog von Edinburg mit seiner jungen Gemahlin dürfte auf der Reise in sein künf tigeS Land (Coburg-Gotha) feine hohen Verwandten hier begrüßen. Prinz Ludwig von Hessen hat heute hier iu seiner Eigen­schaft als Commandeur der hessischen Divi­sion die Jnspection der zuletzt eingelretenen Mannschaften bezüglich ihrer Ausbildung vorgenommen. Sie erstreckte sich auf drei Bataillone des 117. Regiments und einen Theil des gleichfalls hier garnisonirenden 1. Bataillons des 118. Regiments, deren Leistungen in den Turnübungen, dem Parade- und Gefechtsdienst. Der Prinz äußerte sich sehr anerkennend über die Truppen und deren Führung.

München, 13. April. Zufolge aller­höchster Bestimmung wird am 24. d. M. am königlichen Hof daS Fest deS Ritteror. dens vom hl. Georg gefeiert werden, und werden bei demselben die k Prinzen Ludwig und Leopold den Ritterschlag als Großpriore erhalten. Seit 1870 war kein Ritteriest mehr abgehalten worden. DaS heute ausgegebene Gesetz, und Verordnungsblatt veröffentlicht den kgl. Abschied für den Land

düng, daß auch General von Manteuffel von Sr. Majestät zu einer Conserenz über die Militärfrage berufen gewesen sei, ist un­begründet. Der Kaiser hat weder eine s. g. MarschallS-Confcrenz zu diesem Zweck be rufen noch überhaupt mit anderen mili tärischen Autoritäten sich berathen als mit dem Kriegsminister v. Kameke, Graf Moltke und General v. VoigtS Rhetz.

Pofe», 15. April. Die Nachricht von der .Amtsentsetzung des Erzbischofs Ledo- chowski wurde hier von der ganzen polnischen Bevölkerung mit größter Theilnahmlostgkeit ausgenommen.

Dre-de», 15. April. Sächsische Blätter melden, daß in Anbetracht des ablehnenden Verhaltens der sächsischen Regierung gegen das Reichs-Civilehegesetz von liberalen Ab i

Anzeigen nimmt entgegen: tie E«edition d. Blatte«, sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Go. m Kaffe! und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; Laasenstein & Vogler in A^nkstirt a. M-, Berlin, Leip­zig, Eöln rc.; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt a. M. rc.

Helene, die noch jung genug war, auch in der Conversation Ansprüche des Herzens denen de« Geistes voranzustellen, kritistrte nun vollends nicht den Inhalt dieser Ge­spräche. Sie hatte Frau Berger gleich lieb­gewonnen und, als ste ein Stündchen mit ihr verplaudert, war ihr zu Muth, wie wenn sie daheim einen Gang durch den Wald gemacht habe, um Blumen zu pflücken.

Als Felix kam, fand er beide Damen im besten, freundschaftlichsten Einverständniß. Aber leider erschienen nun auch noch andere Gäste, unter ihnen der schon erwähnte Hein­rich Blum, der, wenn er auch durch seine Stellung als Privatsecretair des Geheim- raths.einen nur sehr untergeordneten Rang bekleidete, doch von diesem selbst, wie von deffeu Gemahlin so sichtlich in den Vorder­grund gestellt wurde, daß er völlig gleich­berechtigt ztz der übrigen Gesellschaft stand. Er schien sich deffen auch sehr bewußt. Er war ein junger, sehr nobel ausehender Mensch, mit etwas unheimlich glühenden Augen und mehr scharf als fein gezeichneten GesichtSzügm. Sein Benehmen war gewandt und vollständig von jener Schüchternheit ent­fernt, die gewöhnlich den jungen Leuten eigen, welche durch irgend eine bezahlte Stellung in eine Familie aufgenommen sind, ohne doch eigentlich zu ihr zu gehören' Allerdings herrschte hier der Umstand vor, daß Blum der Sohn eines JugendbekannteN des Geheimraths war und also nicht allein durch seine Brauchbarkeit als Arbeiter und

rath von Oberbaiern, dem wir folgende Stelle entnehmen:Der Landrath hat in richtiger Würdigung der hohen Bedeutung, welche die Förderung und Hebung des BolkSschulwesen« und hiermit der Volksbil düng behauptet, diesem wichtigen Gegenstände, wie in den Vorjahren, so auch bei seiner etzten Versammlung eine besondere Bedacht

- »ahme zugewendet und bedeutende Mittel 1 für diesen Zweck bewilligt. Wir nehmen ' hiervon gern Veranlassung, demselben hierfür unsere volle Anerkennung auSzusprechen."

AuSland.

$Bi<», 16. April. Das Abgeordneten- ' Haus nahm heute mit großer Majorität in der Generaldebatte die zweite Confessions- Vorlage, betreffend die Anerkennung der Religions -.Gesellschaften an, nachdem fünf Redner für den Gesetzentwurf gesprochen und Niemand principielle Bedenken dagegen geltend gemacht hatte.

,13. April. In den hiesigen Blattern wird die ungarische Delegation aufgefordert, im gemeinsamen Kriegsbudget so viel als möglich zu streichen. DieUngar. Corr." will erfahren haben, daß die Zurück­ziehung des famosen, namentlich gegen die Deutsch - Ungarn gerichteten GesetzeniwurfS, betreffend die neue Territorial-Eintheilung der Jurisdiktionen, eine beschlossene Sache ist. Doch sei man im Ministerium des Innern der Ansicht, daß die Einführung einer zweckmäßigeren Administration im Wege der Deccntralisation und Selbstverwaltung nur bei gleichzeitiger Abänderung der jetzigen unzweckmäßigen Territorial Eintheilung mög­lich sei. Es werde daher ein Ausweg ge- ucht, der jedoch bis jetzt noch nicht gefunden ei. Die Bürgerschaft Schäßburgs hat in voriger Woche dem Führer der sächsischen Abgeordneten Josef Gull als Zeichen ihres vollen Vertrauens einen Fackelzug gebracht. Auf eine Ansprache des Professors Gooß erwiderte Abg Gull:Offen und rückhalts­los sei es ausgesprochen, daß wir sind und bleiben wollen: zur Vertheidigung unseres Rechtes auf nationalen Fortbestand und nationale Fortentwicklung entschlossene, ar­beitsame, gewiffenhafte und vorwärts schrei- tendc deutsche Bürger."

Bern, 16. April. Der Berner Regie- rungSralh hat auf eine Nachricht, daß im Jura am nächsten Sonntage, am Tage der Volksabstimmung über die Bundesrevision, Unruhen befürchtet werden, zu deren Ver­hütung in einer außerordentlichen Sitzung die nothwendigen Maßregeln angeordnet.

Mit gekrochenen Flügel».

Novelle von Adelheid von Auer.

(Fortsetzung.)

Sie sah ihn denselben Tag noch wieder, denn Frau Berger, die neugierig war, He- lenen lernten zu lernen, hatte selbst ein paar Zeilen an Florine geschrieben und diese gebeten, die ihr zugedachte Staatsvisite in «ne« freundlichen Abendbesuch zu verwandeln.

Das ist sehr freundlich von ihr", sagte Nvrine,aber es überrascht mich nicht. Sie ist immer sehr zuvorkommend gegen "ich, ste hat mich sehr lieb, das kommt Dir nun mit zu gut. Natürlich bleibt die Visite nun für ein anderes Mal, denn wir wollen die Schicklichkeit doch nicht um der Freund­schaft willen herabsetzen."

Helenen« Herz klopfte, als sie die hell erleuchteten Zimmer durchschritt, in deren Mem sie von der Wirthin empfangen wurden. Ste war überrascht, nicht nur von dem Manz der Einrichtung, sondern mehr noch der geschmackvollen Anordnung des Aber die Wirthin überstrahlte Alles Hekene meinte, sie habe nie ein so liebliches gesehen, nie eine solche Freundlichkeit wHhe lächelnden Lippen, in den glänzenden

Da« geistige, tief in der Seele erglühte da« i« ihres Sohnes Augen leuchtete, ?ar nicht in den ihren; aber diese feffelten anderer Weise durch ihren herzgewinnen- ftn Liebreiz, durch ein sanftes Hineinblicken "die Seele be« Andern, durch ein fast "wulhige« Senkt« der langen, dunkeln

Wimpern. Helene war bezaubert und ihre kindliche Offenheit verrieth so sichtlich den empfangenen Eindruck, daß Frau Berer's sich sonst, so gleich bleibende Freundlichkeit einen Grad der Wärme annahm, der ihrem einnehmenden Wesen nur einen Reiz mehr verlieh.

Erst spät erschien der Geheimrath, am spätesten Felix, welcher der Probe einer neuen Oper hatte beiwohnen müssen. Der Geheimrath Berger machte auf Helene keinen angenehmen Eindruck. Sic fand etwas Ab­schreckendes in seinem finstern, scheuen Blick, such seine Stimme fiang scharf gegen die weichen Laute der Frau. Sie war froh, daß er sic nicht weiter berücksichtigte, daß tr sich neben Tante Florine setzte und beide sich bald in ein Gespräch über die neuesten politischen Ereignisse vertieften. So halte ie die schöne, anmuthige Frau Berger für sich fttlrin. Diese besaß in vollem Maße das Talent, in liebenswürdigster Weise zu plaudern; die Unterhaltung mit ihr erschöpfte sich nie. Allerdings wäre es oft schwer ge »efen, nachher zu wiederholen, was sie gesprochen, weil ihre Conversation nicht gerade eine von Gedanken getragene war, aber man dachte auch nie, darüber nachzu­grübeln; die Zeit entfloh schnell in ihrer Gesellschaft, daS war Alles. Diese Art von Unterhaltungsgabe wird in der Welt im Allgemeinen unendlich geschätzt. Selbst geistreiche, überlegene Naturen ruhen sich gern dabei aus, und dem Oberflächlichen I genügt sie auch in jeder Beziehung |

durch seine, dem Geheimrath angenehme Unterhaltungsgabe, diese seltene Bevorzugung erlangt hatte. Er nahm sie übrigens mit vollendeter Leichtigkeit, als sei sie sein Recht, an, und da der Anmaßung, geht sie mit geistiger Ueberlegenheit Hand in Hand, meist von der Welt viel mehr gewährt wird, als sie verdient, so stieß er fast nie auf eine Zurückweisung seiner Ansprüche. Nur mit Felix vermochte et eS nicht, sich zu stellen; dem jungen Mann war er von jeher zu­wider gewesen. Er war der Einzige, der es zuwsilen versuchte, ihn in seine Schranken zurückzuführen; die Versuche prallten aber meist an der eisernen Unverschämtheit BlumS und der Unterstützung ab, die er bei dem Geheimrath und dessen Frau fand.

Wie es in einem Hause, zu dem zwei so hervorstechende musikalische Genies gehörten natürlich war, verging der Abend nicht ohne Musik. Frau Bergcr's ausgezeichnete Stimme hatte noch die volle Frische der Jugend, die künstlerische Ausbildung derselben übertraf Alles, waS Helene sich je davon geträumt. Sie empfing ben vollen Eindruck einer wirk­liche» Kunst, der von edelster, innerster Schönheit durchstrahlten, in ihrem vollen Getst »iebetgegebenen Nqttir. Sie ar überrascht, bezaubert, ja so ergriff n, daß sie mit Mühe Thränen zurückhielt, Thränen, die doch nur einer Empfindung seltenen Glückes entsprangen.

Die konnte sich anfänglich gar nicht ent­schließen, nun auch ihrerseits den Bitten der Gesellschaft nachzugeben und eins ihrer ein

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn-und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdrucketeit beioaen 22t »

Best-Üg-bühr und iml. Stempelsteuer) für das Ausland excl- Stempel 22 Sgr. - Jnskrtionsgebühr L die'

Für m der Expedition zu ertbeilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 24 Sgr. berechnet.

Anzeigen nimmt entgegen: die ®xpebttion d. Blatte«, sowie die Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & 6o. in Frankfurt a. M.; Jägerische Buchhandlung in Frankfurt a- M; Jnvalidendank, A- Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C-Schlotte in Bremen-