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Mr 89

Marburg, Freitag, den 17. April.

1874

OlmhcMt Jätung

Deutsches «eich.

Südd. Guld. 3,677,500.

do.

trat Eme Oohlthätige mittelbare

Am folgenden Tage hielt zur geeignete« Zeit der Wagen vor der Thür, und die großen Vistten-jourvSW, auf die Florine Helenen sehr weitläufig vorbereitet, begannen in aller Feierlichkeit. Nach den ersten paar Besuchen meint.- Helene für sich, diese erste Einführung in die Welt sei bodr kein solides ' Kunststück, wie die Tante es ihr geschildert.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d- Blattes, * sowie die Annoncen-Bureanx von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; JLger'sche Buchhandlung in Frankfurt«. M.; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß-

lrr in Hannover; C- Schlotte in Bremen.

Wirkung auf unser inneres Parteileben hat die glücklich überwundene Krisis auch durch die vollzogene Spaltung der Fortschritts» Partei auSgeübt. Wenn schon seit dem Krieg mit Frankreich und Gründung deS deutschen Reichs der traditionellen Opposition ä tont prix im Volke die Achtung und Sympathie immer mehr verloren gegangen ist, so wer­den, nachdem jetzt nochmals die gcachtesten Führer sich von den reichsfeindlichen Ten­denzen der radiealen Heißsporne offen los­gesagt haben, die fortschrittlichen Liebäuge» leien mit den Ultramontanen, Sozialdemo­kraten und Franzosen der Bevölkerung noch unverhüllter entgegentreten, die destructiven Tendenzen der verkannten radikalen Genie's werden durch das Ansehen der bisherigen rnaaß volleren Führer nicht mehr gedeckt und ohne diese Stütze Einfluß und Vertrauen noch writer verlieren, obgleich oder vielleicht auch weil die Vosstsche Zig. zum Organ dieser Restpartei sich hergegeben hat.

DieProv.-Corr." bezeichnet die Mit­theilungen über die Frühjahrsreisen des Kaisers als verfrüht. Vermuthlich werde dem Emser Aufenthalte ein mehrwöchentlicher Aufenthalt in Wiesbaden und der Besuch Jugenheim» .vorhergehen. DerReichs- anzeiger" veröffentlicht ein Danksagungs- Schreiben des Fürsten Bismarck für die zahlreichen Beweise der Theilname, die er aus allen Theilcn des Reiche» und dem Auslande während seiner Krankheit erhalten, sowie für die Glückwünsche zu seinem Ge­burtstage. DieNordd. Allg. Ztg." be stätigt au» sicherer Quelle, daß der Ad- miralitätSrath von Madrid die beiden in der Sulu See in Beschlag genommenen deutschen HandelsschiffeLouise Marie" aus Alton« undGazelle" aus Apenrade mit den Ladungen freigegeben und die Behörden von Manila zur Ausführung dieser Ver­fügung angewiesen seien. Die Entschädigung der Eigenthümer der Schiffe für die durch die unberechtigte Beschlagnahme erlittenen Bertufte werde im Wege der Verhandlung hoffentlich bald geregelt werden.

Nach einer dem Reichstage mitge- theiltcn Ueberstcht hatte der Reichs Jnva- lidenfonds Ende Februar 1874 2625 Thlr. bei der ReichSkaffe und den Bankhäusern gut und außerdem folgende Anlagen gemacht (überall im Nennwerthe): Schuldverschreibungen deutscher Staaten Thlr. 32,140,500.

Landstraßennetz ausgenommen. Landesdirektor von Bennigsen erstattete einen ausführlichen Bericht über die Lage der bäuerlichen Ge­setzgebung. Die Regierung wird dem gegen Ende deS Monats wieder zusammeutretenden Landtage der Monarchie eine Vorlage machen, die nach Ansicht des Referenten und mehrerer Mitglieder deS Ausschusses den Wünschen der Provinz im Großen und Ganzen ent­sprechen und voraussichtlich vom Landtage auch genehmigt wird. Ferner machte der Landesdirektor Mittheilungen über die Ueber- gabe der Chauffeeverwaltung auf die provinzial- ständischen Organe, die mit Rücksicht aus ein gleichmäßiges Vorgehen auch tu den älteren Provinzen noch verzögert wird. Der Uebergang der Chausseeverwaltung vom Staat aus die Provinzen wird vermuthlich 1877 erfolgen.

München, 13. April. Der König von Bayern hat dem Veteranen- und Krieger­verein München ein Fahne geschenkt, deren Weihe auf den 10. Mai festgesetzt ist. Dieses Fest, soll glelchzeitg zur Gründung eines allgemeinen bayerischen Landes-Ver- bandeS dn Kriegervereine benützt werden. Da aber NreitS ein bayerischer Kriegerbund besteht, der sich mit den deutschen Verbänden verbrüdert hat, so kann es sich am 10. Mai nur um die Konstituirung eines partiku- laristischen Sonderbundes handeln. Eine dieser Tage stattgehabte Prästdialkonserenz zu Heilbronn hat daher beschlossen, dem dcutschgestnnten bayerischen Kriegerbunde da­durch eine moralische Unterstützung zu ge­währen, daß die dem deutschen Kartellbünd- niffe angehörigen, 811 Kriegervereine die Betheiligung an jenem Feste des 10. Mai ablehnen; werden sich sonach die Vereine der Provinz Schlesien, Sachsen, Westpfalen, Rheinland, Heflen, Rheinpfalz, des mürttem- bergischen und bayrischen Kriegerbundes ferm halten. Im Anschlüsse an diese Verbände hat auch der östreichische Veteranenbund jede Betheiligung abgelehnt, so daß sich am 10. Mai nur rein partikularistische Kriegerver­eine zu München zusammenfinden werden.

da« einst Blüthe gewesen und nun Vollen­dung ist, wer das nicht in sich trägt, der war nie jung. Die lebendige Seele, die unentwickelt, ahnend, träumend im Kinde ruht, die in der Jugend strebt und kämpft, hofft, glaubt und liebt, die emporschwebt über enge, steinerne Begriffe und mit ver­ständiger Erkenntniß den freien Flug nur zügelt, wo er sich in Ungebundenheit ver­lieren will, die dem Unrecht in# Auge schaut und es flieht, die da horcht auf die Stimme der Natur, um aufwärts zu ziehen zu Gott, diese lebmdige Seele ist das Prinzip ewiger Jugend im Mensche». Findest Du eine Spur von ihr in Florinen? Die hat das seltsame Ding, das sie ihm Seele nennt, immer am Gängelband abgenutzter Gewohn­heiten gesührt, die hat ihre Carricaturen gezeigt vom Leben, nie da« warmblütige, strebende, irrende Leben selbst; darum ist sie nie jung gewesen und kann nie geliebt worden sein. Sie ist übrigen» eine gut wüthige Person", fügte er sich selbst unter­brechend , hinzu, als wollte er durch dies kleine Lob der Angeschuldigte» eine Genug- thuung geben.

Fra« Berger stand meift den feurigen Ergießungen ihre« Sohnes etwas unbeholfen gegenüber. Sie half sich daun damit, daß sie ihm schmeichelnd das Haar aus der Stirn strich, chm diese küßte, ihn ihren lieben phantastischen Jungen nannte und von etwas Anderem anfing.

Ist Helene schön?", fragte sie nach einer kleinen Pause. Er declamirto daraus:

Nennst Du die Blume schön Bom Sonnenstrahl getroffen ? Kannst Du die Sterne sehn Ohne ein leuchtend Hoffen?

Anzeigen nimmt entgegen:

»rvedition d. Blatte», sowiedttAnnomen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. m Kassel und Hannover , Th. Die rich in Frankfurt a. M-, Laasenstein L Vogler uv, Frankfurt a- M-, Berttn, Leip« Zq Cöln-c-; Rudolf Stoffe ch Berlin, Frankfurt a. M- rc.

ihres Aeußern beitrug, verdunkelte sich bei den letzten Worten des EohneS zu Karmin. Felix lachte laut auf, als er es sah.

Du erröthest ja wie ein junges Mädchen, das eine gute Censur bekommen," rief er vergnügt aus, und nur weil ich Dich lobe. Nun sage ja nicht wieder, daß man alt werden kann, wenn man überhaupt einmal jung gewesen ist. Aber Gutenacht nun, Mama, wovon soll ich träumen? Von Deinen er- röthenden Wangen? Von Florine« lang­weiligen Bilderbüchern? Von Helenens himmelstürmendem Gesang? --- Ja von dem Gesang:

Die süße heilige Musik der Epähren

Soll noch im Traum das Leben mir verkläre»." Damit stürmte er hinaus.

Gott fei Dank, daß er geht," sagte die Mutter.Ich kann seine Poffxn jetzt kaum ertragen. Ich hoffe, er verliebt sich in das Mädchen, bann wäre er beschäftigt, dann hätte er einen Ersatz" sie sagte den Satz nicht aus. Sie. seufzte tief, stützte Den Kops in beide Hände und saß noch lange in grübelndes Nachdenkyi versunken, als Felix schon längst so fest und gesund schlies, daß selbst kein Traum es wagte, die Bilder des vergangenen Tages in flüchtigen Skizzeti zu copiren.

j - -Mit tcWföateit Flügel«.

i - Mvcklc von Adelheid von Auer.

V, iHMtsotzung.)

»Du fefetft,* fagte die Mutter lächelnd. »3# wB Dir iagen, wer sie ist, denn ich <**en Mfö föt, daß Florine ein junges Mädchen chrer Herwandtschaft für den Winter zu sich ebÄaben wollte und daß sie Hk vtel v«t M und ihren Berhältniffen Wlchlte. Sie ist eine Waise, von ihren Heecheltern erzogen. Der Vater, der vor N« Geburt starb, war ein verdorbene« weit, trat hat, wie Florine mit selbst Mtzföeift, erst diese geliebt; dann plötzlich sie hat nie ersahren, wodurch sie ihn so tick gckränkt sich von ihr gewendet und

fiepet die jüngere Schwester geheirathet."

Deck ist unmöglich," versicherte Felix. ,G« Mann, der so einfachen' Kindern, wie ich sie heute gehört, durch Musik solchen i Schwung geben, so ihren Geist, ihre Seele \ le »ecken versucht, ein so musikalischer ; Mensch, mag er übrigens gewesen fein wie - *t will, kann eine so unharmonische Dame, Fräulein Florine ist, nie geliebt haben." »Du weißt ja nicht, wie sie gewesen ist,"

die Mutter ein,sie ist jetzt alt."

Alt," wiederholte Felix,das wandelt nicht den ganzen Menschen um; das M doch nur, daß seine Blüthezeit vorüber 'st, aber an den Früchten noch kann man Blüthen erkennen. Sieh Mutter, wer "icht etwas in sich hat, das niemals alt 18<*b, niemals stirbt, das auch aus einem wnzelvollen Antlitz uns entgegenstrahlt wie toiges, jugendliches Lehen, wie eine Flamme, it in der Jugendzeit entzündet, nur immer «uterer, immer reiner brennt, wie etwas,

Eisenbahn Prioritätsobligationen mit Staats- Garantie Thlr. 17,806,900. do. Südd. Guld. 7,025,500. Schuldverschreibungen deutscher kommunaler

Korporationen Thlr. 35,351,086. Schuldverschtnbungen nicht deutscher Staaten Holl. Guld. 2,560,000 Psd. Sterl. 918,750.

Doll. 17,784,000 Eisenbahn - PrivritäiS - Obligationen ohne Staatsgarantie Thlr. 68,579,800. do. Südd. Guld. 495,250.

Der dem JnvalidensondS unterstellte Festungö BausondS hatte am 28. Februar 34,865,300 Thlr. in nicht garantirten Eisen bahn-Prioritäten angelegt und 18,599,420 Thlr. bei der Reichshauptkasse und Bank Häusern gut. Der Fonds für die Errichtung des ReichStagsgebäudeS hatte 5,809,300 in Dollar« (jedenfalls in amerikanischen Bonos) angelegt und 69 Thaler gut. Es ist zur Zeit ein Baarbestand nur noch beim Festungs­baufonds von I81/2 Millionen Thalern vor­handen, deffen Umwandlung in zinstragende Papiere ebenfalls bi« Anfang Mai in Aus sicht steht Von Interesse ist die Thatsache, daß der JnvalidensondS sich nahezu mit 5 Prozent verzinst; und ferner die Ausgaben aus demselben pro 1878 um 4,746,336 Thaler geringer sind als der Voranschlag.

Hannover, 10 April. Der ständische Verwaltungsauschuß hat gestern seine die« maligen Berathungen geschloffen. Der Finanz­etat für 1875 ist, mit Ausnahme einiger Bauten bei der Heilanstalt zu Göttingm, vorläufig sestgestellt; ferner sind die Bei­hülfen für Landstrichen und Gemeindewege bewilligt und Mehrere Straßenzüge in da«

Berlin, 15- April. Der Com- peomiß -Antrag zum Mililärgesetz ist mit 224 gegen 146 Stimmen gestern angenom men worden, also mit einer stärkeren Wajo : ri<ät als man erwartet hatte, und in dieser Thatsache selbst liegt schon die Erfüllung ' Dn maßgebendsten Erwägungen, welche die ; Regierung zu dem Eingehen auf die parla- - mentarischm Vorschläge bestimmt hatten. Selbst die militärischen Autoritäten haben in der zwölften Stunde dem Gewicht der politischen Motive für die Verständigui g ihre Zustimmung nicht versagt und nach der Erklärung des Grasen Molkte eine Majorität, welche der Wichtigkeit des Gegen stände» dem Ansehen deS Landes und der Würde de» Reichstag« entspreche, für einen Gewinn gehalten, welcher da« Opfer der auf Zett beschränkten Bewilligung wohl recht- fertige. Die Wahrscheinlichkeitsberechnungen tb Prophezeiungen, welche an diese Ent- scheidungen über die Situation nach Ab­lauf de» Septennium« angeknüpft werden, hriteu keinen praktischen Werth, wo die Pflicht für da« Gegenwärtige zu handeln nach übereinstimmender Ueberzeugung ber com- peuntesten Autoritäten den zu betretenden Weg verzeichnete. Die wirksamste Beruhi­gung für etwaige Bedenken wird man in dm Kundgebckgeu und der Stimmung aller «yposiüonellen Elemente und Reichsfeindc der Entscheidung gegenüber finden. Die dchrren wie die inneren Reichsfeinde können I ch« Verstimmung über die Beseitigung des I «fönten Conflict« nicht zurückhalten und i ^e stföerzliche Enttäuschung aller. Vater- äftmdrscWde kann al« der sicherste Beweis Ifhnt, daß die richtige Lösung drohender DMrwickeifiNg gesunden worden ist. Ewiger und abfelute Sicherheit ist im poli- Üföen und im Sitterieben überhaupt nicht l «tckchbar, der Realpolitiker ist deS Erfolges ä sicher« al» der Idealist und Doctrinär, UMS et übet dem Stteben nach dem Beffe-

Jst nicht des Himmels Zier Die Wolke, sturmbeflügelt? ,'j <,

Gefällt das Bächlein Dir, In dem der Mond sich spiegelt? 1 Und kannst im Antlitz Du Der Unschuld Geist erkennen, Des Frohsinns süße Ruh, Wirst Dn nicht schön es nennen?

Die Seelenschönheit," setzte er dann hin­zu,die ihrem Gesänge unwiderstehlichen Reiz verleiht, ruht auch in ihren Zügen. Ob diese eitlen klassischen Schnitt haben, wie Fräulein Florine sagen würde, weiß ich nicht. Nicht ob sie so schöne Augen hat wie Du, Mama'chen, oder solchen lieblichen Mund, der nur freundliche Dinge sagt".

Spötter", schalt sie, aber sie machte kein unwilliges Gesicht dazu,e« ist Zeit-, daß Du Dich verliebst; eS ist albern, wenn ein Sohn feiner Mutter die Cour machte.

Ach Mutter", erwiederte Felix,ich werde doch nie Jemanden finden, dm ich so verehren kann wie Dich. Es ist ja nicht, weil Du so hübsch auSfiehst, wie das jüngste Mädchen und hübscher wie alle, die ich kenne, aber weil ich Dich nie unfreund­lich gesehen habe, me verdrießlich und launen­haft, wie doch zuweilm den guten Vater. Du räumst ihm so stillschweigend Alle« aus dem Wege, waS ihn irgend stören kann, und selbst Blums Anmaßungen, jenes wider­wärtigen Menschen, den ich am liebsten schon oft zur Thür hinaus geworfen, er­trägst Du geduldig und freundlich, weil der Vater ihn leider für den brauchbarsten Ar­beiter und unterhaltendste« Menschen von der Welt erklärt".

Die zarte Röth« auf Frau Bergers Wange«, die soviel zu der Jugendlichkeit

ifrf Ae int täalich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Roch'sche Buchdruckerei) bezogen 22^ Sgr., durch die Postämter 27 Sgr. (excl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. JnsertipnSgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr.

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