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jRarßurg, Dienstag, den 14. April.
Mr. 86.
1874.
Anzeigen nimmt entgegen, btt GW-ditton b. Blatter, ^wi7di7Ann°nc.n-Bur-.nx von Th. Dietnch & Co. m öaffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. SW.; Laasenstein & Vogler m ffrankfurt a. M., Berlin, Leip- ,ig, Cöln rc.; Rudolf Moffe m Berlin, Frankfurt a. M. rc.
OberheMe Jätung. __ __________
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie bre Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Franksürt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
Erscheint täglich außer
den Werttagen nach Sonn- und Feiettagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 22j Sgr., durch die Postämter 27 Sgr. (excl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. — Jnserttonsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden Sgr. berechnet.
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Deutsches Reich.
Berlin, 11- April. Der Bundesrath hielt heute Vormittag unter Vorsitz des Staatsministers Delbrück eine Plenar- Sitzung, in welcher Letzterer die Geneigtheit Preußens zur Annahme des Compromiß- Vorschlages in der gemeldeten Form mit- theilte. Die übrigen Bevollmächtigten nahmen die Mittheilung ad referendum entgegen und »erben sofort Instructionen einholen. Hebet daS Zustandekommen des allseitig erwarteten Kompromisses berichten Berliner Blätter: Seine Majestät der Kaiser hat auf da» Anrathen des Reichskanzlers Fürsten Bismarck sich damit einverstanden erklärt, daß die im 8 1 des Militärgesetzentwurss der Bundesregierungen geforderten Friedens Präsenz für daS Reichsheer von 401,659 Mann auf die Dauer von sieben Jahren bis zum 31. Dezember 1881 festgestellt wird. Im Uebrigen ist dm AbänderungS Vorschlägen der Militärkommission deö Reichs tageS mit der Maßgabe zugestimmt, daß allein bezüglich der Kommunalbesteuerung der Militärperfvnen keine Bestimmung getroffen , sondern die Regelung der gangen Frage künftiger Reichsgesetzgebung vorbe- halten bleiben soll. ES ist damit also auf die im Entwürfe der Bundesregierungen geforderte Ausdehnung der in Preußen be- stehendm Steuerbefreiungen auf daS übrige Reich ebenso verzichtet worden, wie auf die von der Militärkommission vorgeschlagme Einschränkung dieser Befreiungen in Preußen auf daS dienstliche Einkommen der Militär beamten. Letzterer Vorschlag empfahl sich offenbar, da er nur eine Partikulargesetzgebung ändern wollte, ebensowenig zur Aufnahme in ein Reichsgesetz wie der der Regierungen.
— Wie daS „D. Wchb! " vernimmt, ist die Abstcht vorhanden, daß Se. Maj. der Kaiser, etwa nach dem Besuche deS Kaisers von Rußland, der vom 3. bis zum 5. Mai dauert, sich zu einer Vorkur nach WieSbadm begeben solle, von welcher er dann hierher zurückkehren würde. — Der Justizausschuß des Bundes,athS hat sich am Freitag über das Preßgesetz schlüssig gemacht und wird seinen Bericht unverweilt dem Bundesrathe erstatten. Die Berathung des CivilehegesetzeS ist bis zur Rückkehr der süddeutschen Mi nister ausgesetzt worden, welche gegen den
20 d. erwartet wird. Alsdann wird auch der letzte der großen Justizgesetzentwürfe, die Gerichtsorganisation, in Angriff genommen werden. — Die deutschen Juristen, welche nach Berlin berufen waren, über die Methode zu beralhen, nach welcher daS deutsche Civilgesetzbuch in Angriff genommen werden soll, haben, ihre Arbeiten beendet und den Bericht festgestellt, welcher dem BundeSrathe unmittelbar vorgelegt werden soll. Wie es heißt, ist in Betreff der Ausarbeitung des künftigen Gesetzbuches die Ansicht zur Geltung gekommen, daß eS unmöglich fein würde, einen Juristen damit zu beauftragen, sondern daß verschiedenene Kommissionen mit der umfassenden Aufgabe betraut werden müßten.
— Das Bennigsen'sche Compromiß-Amen- dement lautet: »Die Friedenspräsenzstärke beträgt vom 1. Januar 1875 bis zum 31. December 1881 401,659 Mann. Die Einjährig-Freiwilligen kommen auf die FriedenS- präsenzstärke nicht in Anrechnung." Das Amendement ist außer von den gejammten Nationalliberalen noch von sechs Fortschrittlern (Groß, Kreuz, Zinn, Schmidt-Stettin, Baumgarten und Heine) unterstützt. Det Schluß der ReichsiagSsesston steht für daS Ende der zweitnächsten Woche bestimmt in Aussicht.
LaaSphe, 9. April. Der regierertbe Fürst Alexander Carl Sayn - Wittgenstein- Hohenstein, erbliches Mitglied des Herrenhauses, ist am 7. d. MSt. in Folge eines HirnschlagS in beinahe vollendetem 73. Lebensjahre auf Schloß Wittgenstein verstorben. Der Verewigte war am 16. August 1801 geboren und feit dem 3. Juni 1828 vermählt mit der Fürstin Amalie Luife, der am 16. Februar 1802 geborenen Tochter deS Grafen Friedrich v. Bentheim«Tecklenburg Rheda. Seinem Vater, dem Fürsten Friedrich Karl, fuccebitte er am 8. April 1837. Dem Herrenhaufe gehörte er als Haupt eines ehemals reichsunmittelbaren Fürstenhauses unb als Besitzer der Grafschaft Wittgenstein Wittgenstein mit erblichem Rechte an; eingetreten in das Haus war derselbe am 30. November 1855. Der Sitz im Herrenhause geht auf seinen Nachfolger über, den Fürsten Lubwig, bisherigen Erbprinzen, den ältesten von sieben Prinzen und drei Prinzessinnen, geboren den 20.
November 1831, vermählt mit der Fürstin Marie, der am 26. Oktober 1843 geborenen Tochter des regierenden Fürsten Ludwig zu Bentheim Bentheim und Bentheim Steinfurt. Fürst Ludwig ist König!, preuß. Rittmeister ä la suite der Armee.
Meiningen, 8. April. Vor einigen Wochen ging durch die Zeitungen die Notiz, daß der bisherige Adjutant des Herzogs, Generalmajor z. D. Frhr. v. Egloffftein, von seiner Hofcharche entbunden worden fei. Die plötzliche Entlassung erregte einiges Aussehen und man war eine Zeit lang zu der Annahme geneigt, daß dieselbe keine freiwillig genommene war, bis in den Zeitungen eine Notiz erschien, nach der Hr. v. Egloffftein seinen Abschied aus Gesund heitsrücksichten nachgesucht haben sollte. Daß dieß gleichwohl nicht der Fall und die erstere Annahme vielmehr richtig war, zeigt eine Berliner Blättern zugegangene amtliche Berichtigung, aus welcher hevorgeht, daß Hr v. Egloffftein wegen allzugeringer Neigung, bett Anforderungen des HofdiensteS zu entsprechen, von diesem enthoben worden ist.
Mü»che«, 11. April. Ein Erlaß der Staatsregierung an den Bischof ReinkenS erklärt, daß sie die ift dem Rechtsgutachten der Commission aufgestellte Meinung für richtig halte und daher sich nicht befugt er achte, ihn auf dem Verwaltungswege als katholischen Bischof anzuerkennen.
KelltO.
Wie«, 11. April. DaS Herrenhaus setzte in Anwesenheit der Kirchenfürsten und bei dichtbesetzten Galerien die Generaldebatte über daS erste der konfessionellen Gesetze fort. Gegen die Vorlage sprachen der Fürstbischof Stepischnegg, Czartoryski und, nachdem der Schluß der Generaldebatte angenommen war, als Generalredner Graf Leo Thun. Für die Vorlage traten ein : Hye, Haltig, Fürst Anton Auersperg, und als Generalredner Baron LichtenfekS. Der Schluß der Sitzung erfolgte, nachdem der letztgenannte Redner ohnmächtig zusammengebrochen war und aus dem Sitzungssaal hatte getragen werden müssen. Nächste Sitzung Montag.
Rom, 10. April. Der Mailänder „Cor- riere" berichtet, daß der Minister des In nern wegen des traurigen Zustandes der öffentlichen Sicherheit auf der Insel Si-
rath Berger, der die erste Etage unter uns inne hat und dessen Gemahlin der ich Dich morgen vorstellen will. Meine Nichte, Fräu (ein Helene Friedberg."
Helene war im ersten Augenblick etwas befangen. Sie war erschrocken über den unerwarteten Zuhörer, frappirt von seiner auffallenden Erscheinung.
Felix Berger machte einen eigenthümlichen Eindruck. Im ersten Augenblick, bei einem flüchtigen Hinsehen, meinte man, die dunkeln Tinten deS Südens färbten dieses schön ge formte Antlitz, diese edel gezeichneten Züge DunkelschwarzeS Haar, das nicht zu oft der Scheere des Friseurs erlag, keck aus der Stirn gestrichen, und fast die Schultern berührend, verstärkte den dunkeln Eindruck. Aber dann, sah man ihm in die großen klaren Aztgen, war plötzlich dieser Eindruck verschwunden und meinte, nie ein so helles, leuchtendes Antlitz gesehen zu haben. Man -wunderte sich über daS schwarze Haar, begriff eS nicht, daß man den Teint hatte südlich finden linnen.
Er war auch nicht südlich: die langen dunkeln Wimpern und daS schwarze Haar waren an der Täuschung schuld, und das Licht, das die Augen auSstrimten, gaben dem Gesicht seine ganze natürliche Helligkeit wieder. Eine echte wahrhafte Künstlerseele strahlte aus diesen Augen, eine, die in ihrem Fluge nach Oben noch nicht gehemmt
Mil gebrochenen Flügeln.
Novelle von Adelheid von Auer.
(Fortsetzung.)
„Gott fei Dank, sie hat doch ein Talent, das man ausbilden kann," dachte sie, als Helenens wunderliebliche Stimme ertönte. Helene hatte nur wenig unb mangelhaften Unterricht gehabt; aber sie hatte natürliches Derstänbniß für Musik und eine Stimme, die durch ihren melodischen, vollen unb reinen Klang die Herzen rührte. Aus ihrem zarten, kindlich frohen und dennoch feurig empfindenden Innern strömte der Geist, der allein eine Kunst zu einem Vermächtniß Gottes, einem himrnlifchen Erbtheil erhebt. Wenn sie fang, erschloß sich ihre verborgene Welt und das Kind errieth unbewußt die erwachende ahnende jungfräuliche Seele.
Sie hatte ei» paar fröhlich« Lieder gejubelt.
Sie holte nur ein Päckchen Noten hervor, welche die Großmama ihr noch am letzten Tage gegeben. Es warm lauter Lieder, von ihrem verstorbene« Vater gedichtet und tom ponirt; denn er, em halbes Genie, hatte überallhinein gepfuscht, ohne doch zu irgend Etwas die gehörige Ausdauer zu haben. Auch baS Lied vom Walde war darunter, mit dem sie die Großmama so betrübt: da» Mochte sie deshalb jetzt «echt singen. Sie wählte em anderes- sehr ernste», Text und Melodie sehr einfach, aber von ihrer
Stimme getragen, mußte es in die Seele bringen.
«Dem Freunde, dem Hag’ ich den Schmerz!'
„Schweig' schweige," fleht leise bas Her,.
„Unb soll ich's dem Freunde nicht sagen. Welch' bitteres Leib ich gettagen, So brichst du vor Kummer unb Schmerz!" „Laß brechen," sagt leise bas Herz.
Sie hatte die letzte Strophe noch nicht vollendet, ba öffnete sich leise die Thür, die auf den Hausflur führte. Ein junger Mann erschien in derselben; ein bittender Blick, auf Tante Florine gerichtet, beschwor diese, still auf ihrem Platze zu verharren, dann blieb er stehen und lauschte mit athernloser Spannung den entschwebenden Tönen.
„Das ist Musik," sagte er jetzt, als Helene geendet, „die volle Magie der Musik! Aus dem TodeSschlaf hätte sie noch meine Seele geweckt; sie nahm alle meine wachen Sinne gefangen. Ich habe schon feit einer halben Stunde wie ein Verzückter in meiner Stube gelauscht, aber dieses Lied zog mich mit Zaubergewalt hierher. Ich konnte nicht wieberstehen! unb somit Verzeihung, baß ich eS wagte, unangemeldet hier einzudringen, ich wußte nicht, was ich that."
Er bot Florinen die Hand, als er das sagte und empfing als Zeichen der Vergebung die drei schmälsten Finger der schmalen weißen Hand."
„Herr Felix Berger," stellte die Tante ihn dann bet Richte vor, „ Sohn deS Herrn Geheim-
cilien, namentlich aber in den Provinzen Palermo und ©irgend, dreißig der besten Polizeibeamten mit 200 Carabinieri dahin abgeschickt hat.
Pari-, 11. April. Der „Agence Havas" wird aus Rom, entgegen der Meldung der „Lothringer Zeitung," bestimmt versichert, daß die Unterhandlungen mtt dem Datican betreffs der Grenzregulirung der deutsch- französischen Diöcesen dem Abschluffe nahe seien und hinzugefügt, daß die noihwendigen päpstlichen Bullen vorbereitet würden. — Eine Nachricht von Carlistischer Seite de- mentirt die Gerüchte von dem beabsichtigten Abschluß einer Convention zwischen den um Bilbao stehenden Armeen, mit dem Hinzu- sügen, daß die Jntriguen der Alphonisten und Agitationen in föderalistischem Sinne die Rückkehr SerranoS nach Madrid veranlaßt hätten.
Pari-, 11. April. Der Telegraph bringt heute die Nachricht hierher, daß ein Ausgleich zwischen der deutschen Regierung und dem Reichstage wegen des MilftärgesetzeS zu erwarten fei. Dieselbe erregt hier nur mäßige Befriedigung, und die hiesigen Blätter werden, so lange eS angeht, auch gegen diesen Ausgleich weiter argumentiren. Indessen wird die Vereinbarung auf etwaige Revanchepläne einen heilsam beruhigenden Einfluß üben. ES ist das ein Gesichts- pUnkst, der in Deutschland selbst, namentlich von der Fortschrittspartei, noch nicht genügend ins Auge gefaßt worden ist. ES kommt nicht allein darauf an, daß Deutschland stark fei, sondern auch darauf, daß dies seinen Gegnern für eine geraume Zeit als unabänderliches Factum vor Augen stehe. Votirt bet Reichstag von Jahr zu Jahr das Minimum der deutschen Heereskraftz so kann allerdings von Jahr zu Jahr die Stärke der Armee aufs Neue gesichert werden; eS bleibt auch die Möglichkeit offen, daß daS Kriegsbudget einmal erheblich vermindert werde. Votirt er ober ein hinreichendes hohes Minimum für eine längere Reihe von Kahren, so wissen unsere Feinde, daß ihnen für diese ganze Zeit die Hoffnung auf eine Schwächung der deutsch,n Streitmacht abgeschnitten ist. Sie werden sich das merken und keine unnützen Plane für die nächste Zukunft bauen. — Die nicht- bonapartistischen Blätter sind einig, daß die
worden, eine, die es in jugendlichem Streben noch verstand, sich im himmlischen Aether zu berauschen und selbst den Staub zu verklären, mit dem Licht, das sie Strahl spielend erkämpft, die Welt und das Leben zu schmücken.
(Fottsetzung folgt.)
8« Naturgeschichte »eS Hering».
DaS in Christiania erscheinende „Mor- genblabet* enthält einen interessanten Aufsatz von Herrn SarS über die Heringsfischerei und die Naturgeschichte dieses Fisches. Im Anfänge wird auf einen früheren Artikel aus dem Jahre 1872 zurückgewiefen, worin Herr SarS gezeigt hat, daß die verschiedenen Heringssorten, wie Kleinhering, Sommerhering, Baarhering, nicht verschiedene He- ringSarten, sondern nur verschiedene AlterS- stadien ein und beffelben Fisches sind. Durch die Untersuchungen, welche SarS im Jahre 1874 hauptsächlich im DaarheringSfifcherei- District zwischen Stavanger unb Vorgebirge Stabt in Bezug auf bie Entwickelung unb Lebensweise be« Hering« anstellte, fanb er feine frühere Behauptung bestätigt unb hat jetzt sechs Altersklassen ausgestellt, nämlich: 1 Jahr Muße, 2 Jahr AeSja (Blabfllb), 3 Jahr Christianiahering, 4 Jahr Mittet- Hering, 5 Jahr Kaufmannshering, 6 Jahr Baarhering. Hinsichtlich ber Frage, wo sich bie Heringe im Sommer urtb Herbste