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JRarßurg, Sonntag, den 12. April.

1874L

Anzeigen nimmt entgegen, die Expedition d. Matte», sowie die Annoncen-Bureaux von Th. Dietrich & So. in Kaff-l und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M.; üaaseostein & Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leip­zig, Sötn rc.; Rudolf Müsse in Berlin, Frankfurt a. M. rc.

(Obtdirfltfdjr Jriluim.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M.; Jäger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Jnvalidendank, A. Rete- meyer in Berlin; Carl Schüß- ler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich.außer den Werktagen nach Sonn-und Feiettagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (K o ch's ch e Buchdruckerei) bezogen 224 Sgr,, durch die Postämter 27 Sar. - texcl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. Jnsettionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr.

Für in der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 2| Sgr. berechnet.

Deutsches Keich.

ich doch wieder

nicht an Dein und Wie Kennt- denkst Du gar und den Trost

erklärt. Auch andere Bücher, so gut und so mangelhaft wie die Menschen sie schreiben können, haben wir zusammen gelesen und, was mich am meisten darin interesstrte, das waren immer die Schilderungen fremdartigen Leben«. Ich dachte mich selbst so gern aus dem Wald hinaus in die Welt I Ich meinte, ich hätte noch gar nicht gelebt. Und nun, Tante Florine, will ich bei Dir das Leben kennen lernen, nichts Anderes. Was soll ich mit Französisch und Englisch! Bei mir

Regierung zu gründen. Wie Mac Mahon darüber denkt, ist noch unklar; Broglie würde sich vielleicht dazu entschließen, wenn

just die Beseitigung der Herzoge Broglie und Tecazes nebst dem ultramontanen Rest deS jetzigen Cabinets wäre.

J§ Spanien hat die factische Waffen­ruhe, welche am Nachmittage des 28. März begann, als die Carlistcn eine Kampfpause zur Bestattung ihrer Torten erbaten, sich bis zum 6. April fortgesetzt und wurde nur durch einige Vorpostenscharmützel und etliches Geschützfeuer unterbrochen. Die Ruhe be­nutzten die Carlisten zur Befestigung ihrer Stellungen, namentlich der hinter San Pedro de Abanto liegenden Positionen, da sie San Pedro selbst wohl nicht lange mehr zu halten vermögen; während Serrano neue Latterieen am Monte Janeo und weiter vorwärts bei las Carreras errichten ließ, welche am 6. April die Kanonade gegen die Abanlo-Posi- tionen begannen. Ein Resultat ist noch nicht gemeldet. Die inzwischen eingetroffenen brieflichen Mittheilungen über die Tage von las Carreras, Pucheta und Murrieta lasten erkennen, daß die Kämpfe sehr hartnäckig und blutig waren, besonders stark ist der Verlust an Ofstcieren. Die verwundeten Generale Primo de Rivera und Loma be finden stch beide aus der Besterung, die Carlisten dagegen haben in Ollo, den ein Granatsplitter aus der Stelle tödtete, einen ihrer besten Führer eingebüßt.

Die portugiesischen Cortes haben am Freitag voriger Woche ihre letzte Sitzung gehal­ten Der Tag für die Neuwahlen ist noch nicht festgesetzt.

Trotz der allgemeinen Klagen über den Rückgang der Geschäfte und der mit jedem Monate sich ungünstiger gestaltenden Handels­ausweise haben die englischen Staatsein­nahmen doch ihre alte Elasticität nicht ver­loren. Der kürzlich veröffentlichte Bericht über das mit dem letzten M^xz abgelaufene Finanzjahr läßt eine Vermehrung aller Zoll» und Accise-Cinnahmen erkennen, ein Beweis, daß der Wohlstand der mittleren und ärmeren Claffen sich gehoben haben muß, wie bedauer-

lohneS zur Steigerung des Ertrages der Bier- und Branntweinsteuer verwendet.

Der zwischen Rußland und Frankreich neuerdings geschloffene Handels- und Schiff­fahrtsvertrag nebst Cvnsular-Convention ist am 1. d. in Petersburg unterzeichnet worden. Der im vorigen Jahre begonnene Bau der in Volhynien gegen Oesterreich gekehrten Festungen Dubno und Ossowiec ist eingestellt worden, angeblich wegen Geldmangels, in der Thal aber wohl, weil das Verhältniß zu Oesterreich sich neuerdings freundschaftlich gestaltet hat.

Der Beschluß der Pforte, den arme nischen Katholiken und deren Pattiarchen Küpelian das Bcsitzrecht an dem bisherigen Kirchenvermögen zu wahren, ist auf den Widerstand der Hassunisten gestoßen, die sich entschieden weigern, die Heilandskirche in Konstantinopel herauszugeben, so daß der Großvezir wird Gewalt brauchen müssen. DerCourrier d'Orient", welcher sich der Römlinge annahm, ist wegen ungebührlicher Artikel auf drei Monate zum Schweigen gebracht.

Die rumänischen Kammern haben am 4. d. ihre Session beendet, werden aber im nächsten Monat wieder zusammentreten. Wie in Paris und Berlin wird die Regierung des Fürsten Karl nun auch in Petersburg einen diplomatischen Agenten haben, und zwar in der Person des früheren Hofmarschalls Georg Philippescu. Am 8. d. starb des Fürsten einziges Kind, die 3i/2jihrige Prin­zessin Marie, am Scharlachfieber.

Wirklichkeit zeigen? Soll ich vor ihnen stehen, vor diesen Kirchen und Palästen, diesen großartigen Schöpfungen menschlicher Kunst und diesen Denkmalen der Vergangen­heit, soll ich vor ihnen stehen mit dem le­bendigen Bewußtsein einer gegenwärtigen, wirklichen, lebendigen Welt um mich her, so schön, so hell, so wechselnd in ihren Ein­drücken ? dann ist's möglich, daß ich an diese Fülle von Erhebung glauben lerne, voraus­gesetzt , daß ich nicht Grabmäler bewundern muß denn so finstere Dinge lieb' ich nicht I Aber diese abgezeichneten Häuser und Kirchen machen mir gar keinen Eindruck. ES ist mir gleich, von wievielen Säulen das Dach getragen wird, in welcher Form das Fenster sich wölbt und, als ich gestern Abend Blatt für Blatt ansah, war mir zu Muth, als müßte ich einschlafen. *

Tante Florine hatte nur Zeit, eine böse Miene zu machen; das zürnende Wort, das die Ketzerei bestrafen sollte, kam nicht über die Lippen; denn Helene verschloß den schmol­lenden Mund mit einem Kuß und sagte dann schmeichelnd und scherzend:

Sei nur nicht böse und habe Geduld mit mir. Ich bin einmal ungeschickt zum Lernen und habe gar keine Lust, so sehr klug zu werden, wie Du. Was brauch' ich es denn zu wiffen, wie und warum die alten Häuser gebaut sind und wer sich all' die künstlichen Säulenordnungen erdacht hat. Laß mich jung sein und vergnügt und glücklich."

Und leichtsinnig und kindisch und un­wissend?" unterbrach sie die Tante.

»Ja, ja," bestätigte Helene,das mag ich alles sein! viel ernste Gedanken find mir

Helene lachte:An so schreckliche Dinge denke ich nie," sagte sie.Bin ich erst alt, nun, so bin ich vielleicht so gut, so fromm und so vernünftig wie die Großmama, die glücklich «st, ohne doch viel gelernt zu haben und, kommen kummervolle Tage, vor bcnen ich mich jetzt noch nicht ängstige, da werden mir die Bücher auch weiter nichts Helsen."

Du bist recht leichtsinnig," seufzte Flo­rine.Du könntest Dir hier doch eine neue Welt eröffnen. O, Du weißt nicht," fuhr fle fort, auf ein dicke» Buch mit Abbildungen aller möglichen Denkmäler der Kunst deutend, weich' ein Schatz hierin enthalten ist, welche Fülle von Erhebung."

Tante Flottne," unterbrach sie Helene sehr lebhaft,willst Du mit mir reisen? willst Du mir all' diese schönen Dinge in

Denkst Du denn gar Alter?" suhr die Tante fort, nisse das Alter schmücken? nicht an kummervolle Tage der Wissenschaft?"

MU ßkbrochruc« Flügel».

Novelle von Adelheid von Auer.

(Fortsetzung.) . ...j

Mehrere Tage waren vergangen. Helene, schon völlig heimisch in der neuen Umge­bung, entbehrte nicht die tiefe Ruhe der Heimath. Im Gegenlheil, das bunte Ge­wühl auf den Straßen der herzoglichen Re­stbenz fesselte ihren leicht beweglichen Sinn, und die Lebhaftigung ihren Auffassung, die Natürlichkeit, mit der ste sich jedem Ein­druck hingab, setzte die ruhige nie ihre wür­dige Haltung vergessende Tante oft in da« äußerste Erstaunen. In die geselligen Kreise derselbm war sie noch nicht eingesühtt wor­den, denn theilS that Tante Florine Alles mit Bedacht, theilS wollte sie die Neugier der Bekannten, die ste schon aus das Er­scheinen einer jungen hübschen Nichte vor­bereitet, noch etwa» höher spannen. Sie gehörte nun einmal zu Jenen, die Alles, was mit der eignen Person zusammenhängt, ob Sachen ober Menschen, in einem beson­der» verklärten Licht sehen. Es ist bieS "ur eine unb zwar eine erträglichere Seite de» Eigennutzes, bieseS unter sy vielen ver- fthtebeneu Namm angebeteten Götzen, dem leiber in der Welt überall Altäre errietet tttrbm. In FlorinenS Augen war Helmens snfcheS liebliches Gesicht nicht nur längst jur Schönheit geworden, sie hatte nicht nur das noble Aussehen, wodurch die Familie ihrer Mutter stch stets auSgezeichntt, nein, ihre Schönheit fand bald nicht chres Gleichen.

Helme hatte e» nun einmal verstanden, der Tante Herz im Sturm zu erobern und Seiten darin anzuschlagen, die vielleicht seit

Unterhandlung wegen eines AuslieferungS- vettragS zwischen England und der Schweiz zu Ende gebracht und der Vertrag unter Vorbehalt der Ratification am 5. April unterzeichnet worden.

Der König von I t a l i e n, welcher einige Tage nach der Feier seines RegierungS- Jubiläum« nach Neapel abgereist ist, kehrt auf einige Tage nach Rom zurück und wird stch dann nach Florenz begeben. Die Streitig keit zwischen der italienischen Regierung und der Republik San Marino ist geschlichtet.

Frankreichs Vertretung hält Oster­ferien und bewirbt sich, statt im Schauspiel­hause zu Versailles, in dm Kirchen, bei Wallfahrten und den Versammlungen der kirchlichen Vereine um desGottes, der Frankreich segnet", besondere Gunst. Ein Theil der legitimistischen Deputirten weilt jedoch noch am Parlamentssitze, der Ankunft des Messias von Frohsdorf gewärtig, der mit dem Lilienbanner herniederschweben und Frankreich retten" soll. In orleanistischen Kreisen bagegcn spricht man wieder stark von der Verschmelzung der Gentren, aus denen ein süßer Trank von röthlichem und gelblichem Gewächs zu Ehren deS Grafen von Paris gebraut werden soll; doch will, obwohl auch das Journal des Debats jetzt ein Recept dazu zum Besten gegeben, die Mischung immer noch nicht gelingen. Auch mit dem Projekt Broglie'S wegen Bildung de» Senats will es nicht voran; ein Witz­bold hat vorgeschlagen, unter Pauken und Trompeten die National-Versammlung ohne Weiteres zur hohen Kammer zu erhebm, so gelange man ohne Auflösung zu' neuen Wahlen für da» Unterhaus. Von repu- blicanischer Seite wird allen Ernstes auf die Auflösung als einziges Mittel zur Lö­sung des jetzigm gordischen Knoten« hinge arbeitet, um das Septmnium durch definitive Proclamirung und Organifirung der Re­publik zu befestigen und eine wirklich liberale

Berlin, 10. April. Dem Besuch des Kaisers bei dem Fürsten Bismarck legt die politische Welt eine große Bedeutung bei. Man knüpft daran wohl nicht mit Unrecht die Annahme, daß das Militärge setz Hauptgegenstand der Unterredung ge­wesen sei; wenn jedoch das Gerücht bereits eine entscheidende Wendung für die Lösung dieser Angelegenheit als Resultat der Be­sprechung conftatirt, so darf dies als ein

daheim spricht kein Mensch die fremden Sprachen und dahin muß zurückkehrm."

Politische Wochen-Uederftcht.

Zahlreiche Kundgebungen zu Gunstm des Militärgesetzes find aus den verschiedensten Thettm des deutschen Reiche« in der ablau fenben Woche laut geworben unb werden ihre Wirkung aus den Reichstag nicht ver­fehlen. Am Donnerstag hat der Reichstag seine Arbeiten wieder ausgenommen und die verschiedenen Fractionen haben am Abend desselben Tages sich in ihrer Stellung zum Wilitärgesetz und speciell zum §, 1 schlüssig gemacht. Seitens der Regierung werden solche Vorschläge zu erwarten sein, die eine Einigung über die nothwendige Präsenzstärke mit Bestimmtheit eintreten lassen; immer noch ist zu bedauern, daß der Reichskanzler Fürst Bismarck durch sein Leiden verhindert ist, diese wichtige Reichsangelegenheit persön lich im Reichstag zu vertreten. Aus den Reichslande« ist die Auflösung des Gemein- derathS von Straßburg zu regiftriren, und in München hat die Cholera am Dienstag noch ein schweres Opfer gefordert, den ruhm- gekrönten Meister der Malerkunst Wilhelm von Kaulbach.

In Wien herrscht Kopfzerbrechen über das eigenhändige Schreiben Franz Joseph'« an den Papst, sowie darüber, was Gras Andrassy seinem Botschafter beim Vatikan wohl in der Note ausdrücken werde, die er wegen be« Proteste« bet Bischöfe für nöthig erachtet; man tröstet sich bamit, daß der Graf der Curie ihren Standpunkt werde klar gemacht haben. Im Uebrigen ist man weniger ob der Haltung de« Cabinets Auers­perg erbaut als vor vierzehn Tagen, und freut sich daher der Veröffentlichung des Arnim'jchen Promemorias durch diePresse" als einer Lehre für den Kultusminister, der dadurch, daß er auf den Josephinismus ge schimpft unb bie Brutöfen der Jesuiten im gelobten Lande Tirol schützt, bem Episkopate ein Lächeln für. bie kirchlichen Vorlagen ab schmeicheln zu können vermeinte.Herr v. Stremayr ist Philosoph unb in bet Theorie eben so kühn, wie zaghaft in bet Praxis",

Florinen» Kindheit nicht mehr berührt wor­den waren. Wer Florine kannte, hätte lachen muffen, wie schnell, wie unbemerkt, wie spie- lenb ihr Wille unterjocht wurde.

Mein Kind," sagte ste, al« Beide jetzt am Fenster saßen unb Helenens Hände müßig in ihrem Schooß ruhten, weil das glänzende. Auge nicht Zeit fand, daraus hin zusehen, «mein Kind, wir müffen nun unsere Tageseinteilung mit einander besprechen, lieber die Abende kann ich nicht gebieten, ste gehören der haute volee, in der ich lebe, und da ich das Glück habe, ziemlich beliebt zu sein und man eigentlich ohne mich keine Gesellschaft für recht vollzählig hält, so wirst Du Vergnügungen, diesen Vorzug deS Stadtlebens, bald in vollem Maße kennen lernen. Aber die Tage," fuhr sie fort,muffen wir durchaus ben wissenschaft­lichen Bestrebungen widmen, die allein dem Leben Wetth verleihen. Jede Stunde muß ihre besondere Ernt« auf dem Felde des Geiste« halten."

Tantchen," sagte Helme lachend,meine Felder werden schnell leer fein."

Darum wollen wir st« erst bepflanzm und keine Mühe und keine Pflege scheuen," erwiderte jene;srauzöstsche und englische Lettüre, Literatur, Kunstgeschichte, für alles Das wirb Dein Jntereffe schon erwachen, wenn Du erst einmal bie leuchtenben Lettern bet Wissenschaft gelesen haben wirst."

Leuchtende Settern habe ich genug gelesen," sagte Helene,alle Abenbe vom Sternen- himmel herab, unb bet Großvater hat mir viel schöne unb fromme Dinge babei gesagt, unb Eduard hat mit bie Bildet gezeigt und

lich es auch ist, daß der englische Arbeiter ,r., (V vul, Vl[e uie tlll einen so großen Theil seines hohen Wochen-s Zeichen der herrschenden Spannung ange-

meinen die Wiener Blätter. _______________ wv

In Bern ist die längere Zeit schwebende,die erste Bedingung dieser Wendung nicht