Mr. 83
»ww» «!»"'eXS xi> (Srotbitton B. Blatte», fowiTdiTAnnoncen-Bureauk von Th- Dietrich & Co. rn Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a. M ; Haasenfteiu & Vogler in Arankfurt a. M-, Berlin, Lerp- Cöln -c.; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt a. M. rc.
JRarßutg, Freitag, den 10. April.
(i‘'brti|fO'ifd|c Jrilung.
1874
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. BlatteS, sowie die Annoncen-Bureaur von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M-; JSger'sche Buchhandlung in Frankfurt a. M; Jnvalidendank, A- Rete- meyer in Berlin; Carl Schußler in Hannover; C. Schlotte in Bremen.
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Au? bevorstehende» Entscheidung.
Der Reichstag, welcher heute, Donnerstag den 9 April, wieder zufammentritt, wird in den nächsten Tagen zur weiteren öffentlichen Berathung deS Reichs MilitSrgesetzes schreiten. .
Die Zuversicht, daß die KnstS in dieser Frage zu einem glücklichen AuSgange führen werde, ist in der kurzen Pause der Reichs- tagSsession bedeutend erhöht worden. Die Einstcht und der Patriotismus der nationalen Parteien haben einen noch festeren Anhalt gesunden einerseits an der vollends gewon neuen Klarheit über die Stellung der von ihrem Vertrauen getragenen Regierung, andererseits an den unzweideutigen Kundgebungen der Volksmeinung in allen Theilen des Vaterlandes.
Wenn vor Kurzem noch der Zweifel möglich erfchien, ob bk von den Vertretern der Regierung in der Kommifsion gegebenen Erklärungen auch der Ausdruck der Auffassungen und Absichten der entscheidekchen Träger der Reichsgewalt wären, so ist jedes solche Bedenken zuerst durch das bekannte Wort au« de« Kaiser« Munde, sodann durch die Kunde von vertraulichen Aeußerungen de« Reichskanzler« beseitigt worden.
Gleichzeitig ist aber durch die anscheinend drohende Gefahr emeS Konflikt« über die Militärfrage die öffentliche Meinung in allen patriotifchen Kreisen, mächtig erregt worden, und hat sich laut und entschieden dahin ausgesprochen, daß bei der bevorstehenden Entscheidung die ungeschwächte Erhaltung der deutschen Wehrkraft nach dem fachver- ständigen Urtheil der bewährten militärischen Autoritäten de« Reiches alle andere Gesichtspunkte überwiegen müsse.
Von Anfang an konnte die Hoffnung auf einen glücklichen Ausgang der Krisis sich vorzugsweise auf die einsichtige und patriotische Haltung eines größten TheilS der nationalen Preffe stützen. Während die Aeßerungm derselben in den letzten vierzehn Tagen immer lebhafter und dringender wurden, sind neuerdings bedeutsame Kundgebungen in Adressen und WSHlerversammlungcn hin- zugekommen, welche bestätigen, daß die Presse bei dieser Gelegenheit entschieden der wirklichen öffentlichen Meinung Ausdruck gegeben hat.
So werden denn die reichsfreundlichen
Parteien im Reichstage, wenn sie nach ihrer gesammten Stellung zur nationalen Politik der Regierung mit Ueberwindung mancher Bedenken die Hand zu einem festen dauernden Abschluß der Militäreinrichtungen bieten, die Zuversicht hegen dürfen, daß sie hiermit nicht blos zum Segen des Vaterlandes, sondern auch in voller Uebercinstimmung mit den Wünschen des deutschen Volkes handeln.
Deutsches Keich.
•» Berlin, 8. April. Die heutige „Prov,-Corr." beschäftigt sich fast ausschließlich mit der Mililärfrage, durch welche, wie sie mit Recht sagen kann, die öffentliche Meinung in allm patriotischen Kreisen mach tig erregt worden ist und zwar zu Gunsten der ungeschwächten Erhaltung der deutschen Wehrkraft nach dem sachverständigen Urtheil der bewährten militärischen Autoritäten. Wenn eS dem gegenüber der Opposition gelungen ist, in Königsberg ein Demon- stratiönchen nach dem Geschmacke der Reichs- seinde oder deS Herrn Jacoby in Scene zu setzen, so fällt dieser vereinzelte weder durch Qualität noch durch Quantität ins Gewicht; die Fortschrittspartei selbst wagt es nicht mehr offen für die beabsichtigte Beschränkung unserer Wehrkraft einzutreten, sondern sucht ihre Tendenz hinter beschönigende Phrasen zu verstecken und dem Volke Sand in die Augen zu streuen durch die Abläugnung der Wirkung ihrer BudgetrechtSdoctrin. Durch diese Heuchelei und Täuschungsversuche wird jedoch im Gegentheil daS Jn- tereffe für Manchen der Regierungsvorlage in weiteren Kreifen nur erhöht, man merkt die Absicht und dringt um so entschiedener auf eine patriotische Entscheidung des Reichstags. — lieber die voraussichtliche Dauer de« Reichstags und des ihm folgenden Landtags werden bereits Berechnungen angestellt, welche jedoch mehr den Wünschen als den thatsächlichen Verhältnissen Rechnung tragen. Die Aufgaben deS Reichstags und deS Landtags, welche der Erledigung dringend bedürfen, sind so umfangreich, daß der Schluß des ersteren in Regierungskreisen erst im nächsten und der des Landtag» nicht vor Anfang Juni für möglich gehalten wird. — Im Finanzministerium finden jetzt commis sarische Berathungen zur Vorbereitung einer
Mit tzetzr,che«e>» Flügeln.
Novelle von Adelheid von Auer.
(Fortsetzung.)
Der Spätherbst neigte sich seinem Ende entgegen. Die Sonne schaute hier und da schon durch kahle Zweige oder schimmerte aus dunkelroth gefärbtem Laub, das nur de« nächsten Sturmes harrtt, um feine purpurne und goldne Pracht der Vernichtung anheimzugeben. Helme zählte mit herzklopfender Frmde die Stunden, die sie noch von der geträumten Herrlichkeit des Stadtlebens trennten und erlaubte nur feiten einem wehmüthigen Abschiedsgedanken die ernste Einmischung in ihre Freude; die Slten hatten sich in den Gedanken an die Wintereinfamkeit ergeben und Eduard suchte schon jetzt in stiller freundlicher Weise all' feine Beschäftigungen so einzurichten, um möglichst viel Zeit zu sparen und diese den alten Leuten zu widmen.
Da hielt trenn eines Tage« die geschloffene putsche Tante FlorinmS vor der Thür und diese kam, wie eine gute oder böse Fee, dm Liebling de« Hause« au« der Waldeinsamkeit hinan« in die große weite bunte Welt zu entführen.
ES war eine sehr freundliche, nur mit etwa« Herablassung gemischte Art, wie sie Eduard« Hilfe bei» 8u«fteigen annahm, einen Augenblick ein« sehr kleine in engem Handschuh verborgene Hand auf seiner
Vorlage wegen Abänderung des Gesetzes über die Communalsteuer-Echebung statt.
— lieber das Befinden de« Herrn Reichs kanzlerS, Fürsten Bismarck, iheilt die heute Mittag auSgegebene „Prov.-Corresp." mit, daß zwar einige Erleichterung, aber noch keine wesentliche Besserung cingetreten ist.
— lieber bie Geschäftslage im Reichstage schreibt die „Berl. Autogr. Corr.", das Organ der nationalliberalen Partei: „Gewiß zu keiner Zeit hat der Reichstag mit so viel wichtigen Dingen gleichzeitig sich zu beschäftigen gehabt, wie dies in den we- nigen Wochen nach dem Wiederzusainmm treten desselben der Fall sein wird. Wenn von allen irgendwie aufschiebbaren Gegen ftänben abgesehen wirb, so bleiben doch Vie vier bedeutungsvollen und nicht aufschieb- baren Gegenstände: Das Militärgesetz, das Rcligionsvienergesetz, das Reichspapiergelb Gesetz und der Bericht über Elsaß-Lothriirgen Wen» wir den fünften Gegenstand, die Novelle zur Gewerbeordnung, nicht unter dm unaufschiebbaren Gegenständen aufzählen, so wissen wir zwar noch nicht, ob im Reichstage diese Ansicht vorwiegmd ist; wir find jedoch der Meinung, daß, wie man auch übet dm Inhalt dieser Vorlage und über daS Bedürfniß zur gesetzlichen Regelung der darin behandelten Fragen denkm mag, einerseits der Aufschub um Monate nirgendhin Schaden bringt, andererseits der Gegenstand selbst durch eine nochmalige Klärung nur gewinnen kann. Anders verhält eS sich mit dm anderen vier Gegenständen, von bnieir die Regelung des PapiergeldwesmS im deut scheu Reiche der Zeit wegen schleunig ist, bie drei anderen Gegenstände aber alSbringende Fragen der höchsten Politik betrachtet werden müffen. Wegen bes Militärgesetzes unb bes Religionsbienergesetzes wirb es keiner weiteren Begrünbung der Dringlichkeit bebürfen; bie politische Nothwendigkeit und bie lebhafte durch baS ganze Land gehende Bewegung bienen ohne jede weitere Erläuterung hinreichend zum Beweis dafür, baß ein Aufschub bei biefen beiden Angelegenheiten undenkbar ist. Der Verwaltungsbericht über Elsaß- Lothringen bedarf aber um deswillen eine schleunige Verhandlung, weil sonst leicht die Meinung hervorgerufm »erben könnte, als ob bie Reichsregierung ober bet Reichstag die öffentliche Verhandlung des GegenstanoeS
verzögern wollte, während doch daS Interesse der Verwaltung durch eine eingehende Verhandlung nur gewinnen kann. Nachdem die Verfassung in Elsaß-Lothringen einmal ein- geführt ist, wird die fernere Frage sich nicht abweisen lassen, welcher Plan für die defini tive Regelung der Staatsverhältniffe im Reichslande in’« Auge gefaßt wird. Die Verhandlung übet den Verwaltungsbericht wird Gelegenheit geben, dm reichsscindlichen Agitationen dm Boden zu entziehen, wie ja bisher schon die Verhandlungen über die Zustände in Elsaß-Lothringen der That nach eine glänzende Rechtfertigung der bisherigen Verwaltung ergeben haben; sie wird aber nicht auf dm Rückblick in die Vergangenheit sich zu beschränken, sondern auch einen Blick in die Zukunft zu werfen habm. Wir wollen nicht mit Sicherheit dm Zeitpunkt bestimmen, in welchem es ohne öffentliche Gefährdung und zum Wohle des Reichslandes gestattet fein wird, definitive Verhältnisse dort that sächlich einzuführen; indessen der Einführung selbst müffen doch Erwägungen unb eine gewisse Verständigung übet den einzufchlagen- 6en Weg vorangehen; auch hier erwarten wir von der Verhandlung im Reichstage eine wesentliche Förderung. Im Berhältniß »es Reichstages zur Regierung hat man sich nicht die Gegensätze so weitgehend zu denken, wie dies vielfach unter dem Eindruck ber bevorstehenden Verhandlungen über das Mi litärgefetz dargestellk wirb. Soweit wir die Sachlage zu überschauen im" Stanbe sind, handelt eS sich bei den übrigen von uns als schleunig hervorgehobenen Gegenständen gar nicht um einen Gegensatz zwischen ber Regierung unb dem Reichstage, sondern um das gemeinsame Ausstichen deS richtigsten Standpunktes, da die mittelbaren wie unmittelbaren Ziele ber Regierung unb des Reichstages keinerlei grundsätzliche Differenz aufweism "
— Die Commisstonsarbeitm im Abgeordnetenhause beginnen erst am Montag, 20. April. Es ist auf diesen Tag anbe- raumt eine Sitzung der verstärkten Agrar- comniisston zur Vorberathung des Gesetzentwurfs betreffend das Kostenwesen der AuS- einanderfetzungS-Sachen, und eine Sitzung der fünfzehnten Commission zur Berathung des Gesetzentwurfs über die Verwaltung er ledigter katholischer Bisthümer. — Zur Gewährung von Zuchlprämien wird (so
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Schulter ruhen ließ, und ihm mit leichter Kopsbewegung zunickte. Danir überschritt sie die Schwelle des Hauses, in dem sie von Helenen fast mit einiger Befangenheit, von ber alten Mama in Rücksicht auf bie VerwandtschaftSbanbe, bie sie verknüpft, sehr wehmüthig, vom alten Förster mit gastlicher Höflichkeit empfangen würbe — nachdem dieser erst einen herzerleichternden Fluch über Ben von ihr am Familienglück beabsichtigten Raub z irischen dm Zähnen gemurmelt.
Tante Florine war eine hohe schlanke Gestalt, die durch ihre außerordentliche Hagerkeit wie durch die Gewohnheit, allen Ge- boten der Mode zum Trotz nur lange schleppende Gewänder zu tragen, nur noch größer erschien. Sie hatte ein blaffeS schmales Gesicht, das trotz einer hübsch geformten Stirn völlig reizlos awssah und dessen hervorstechender Ausdruck der eines vollmdcten Selbstgefühls war. Sie ging unb sprach langsam und abgemtffen. Jedes Wort hatte eine sehr bestimmte Betonung, jede kleine Bemerkung wurde in gewählte Worte gekleidet , jede längere Rede in folgerichtigen Sätzen gehalten, so daß, wer nicht hinsah, hätte glauben können, fie läse ab. Da stürmte nie ein rasches Wort hervor und wurde durch ein andere« verdrängt, als fei'S noch viel zu langsam für den Gedanken; da gab'S nie eine Abschweifung de« Geiste« in eingeschobenm Zwischensätzen, keine Plötz
liche Pause für ein überwältigendes Gefühl. Ruhig und sacht liefen bie Worte herunter, wie Perlen auf eine Schnur gereiht, eine wie bie anbere gleich sorgfältig, gleichviel ob’s eine Glasperle, ob's eine echte war.
Helme hatte ordentlich ein Examen vor ber Tante zu bestehen, in welchem ihr Ver stanb beffere Proben ablegte, als ihre Wissen schäft; aber ihr kindliches zutrauliches Wesen erfocht schnell genug einen Sieg über bie steife abgemessene Dame, unb es waren noch nicht viele Stunben verflossen, als sie ihr schon unter Lachen unb Schmeicheln erklärte, baß sie bei ihr glücklich und vergnügt fein, aber am liebsten nichts anderes lernen wollte, als fingen.
Zwei Tage hatte Florine in ber Försterei bleiben wollen, aber sie mußte einen Tag nach bem anderen zulegen, bis die Woche zu Ende ging, so schwer wurde Allen die Trennung. Auch über Helenens Frmde und Hoffnungen warf sie einm leichtm Schatten. Der Schalk war aus ihren Augen gewichen, und die Lippen zucktm fast unter dem ver geblichen Bemühen zu lächeln, als sie Eduard am Morgen deS letzten TageS bat, noch einmal mit ihr durch den Wald-zu gehen, damit sie diesem Lebewohl sage und ihn bitte, ihr in FrühlingSduft und Frühlingsreiz einen Gruß entgegmzuwehen, wann sie wieder komme in die liebe Heimath.
Eduard« Anwesenheit war nun heute zwar
tief hinten in der Lichtung beim Hvlzschlogm nöthig, aber er schickte den ältesten Jäger- burschm hin, nahm den grünen Jagdhut von der Wand, pfiff dem treuen Nero und trat mit Helenen die Wanderung an.
DaS Laub rauschte unter ihren Füßen, ber Winb spielte um HelenmS Locken unb wehte ihr in ben fallenbm Blättern des WalveS Abschiedsgrüße entgegen. Lange schritten sie schweigend nebeneinander. Helene war, als sei ihr Herz gefeffelt vom AbschiedSwch, aber dann tauchten alte Kind- heitSerinnerungm in ihr auf unb lösten die Fesseln.
Hier bei dm dunkeln Tannen hatte Nero, das gute alte treue Thier, sie einst einge- schlasen gefunden, und so lange die kalte Schnarche an ihr Gesicht gedrückt, bis sie erwacht und so noch glücklich dem drohenden Gewittersturm entflohen war. Dort unten in ber Schlucht halte Eduarb ihr das kleine junge Reh gefangen, das bann so zahm geworben unb ihr wie ein Hünbchm überallhin gefolgt war, bis einst die Liebe zum freien Walbleben in ihm erwacht war, und e« ein mal wieder nach ben Brüdern und Schwestern hatte sehen wollen, und wie die Kugel de« Jägerburschm es bann getroffen unb sie es wiedergesehen hälfe mit ben sterbenden gebrochenen treuen Augen. Ach, das wat eine traurige Erinnerung, aber dann tarnen wieder fröhliche! Hier auf dm Bergaih—rg