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Ularßurg, Freitag, den 20. März
1874.
Oberhessislhe gtitmtg.
ffrfAfint tSalich aufctr den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Kochsche Buchdruckerer) bezogen 22z Sgr., durch die «nftänttet 27 Lar (ercl Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. - Jnsertwnsgebühr für d,e gespaltene Zeile 1 Sgr. - Für in der Expeditmn zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 2j Sgr. berechnet. - Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.
Mit dem R. April
beginnt ein neues Ouarlal-Abonuement auf die
Ob< Zcitllng.
Dieselbe wird, wie seither, r a s ch und ü b e r s i ch t - iich alle politischen Nachrichten mittheilen. Die bestimmte Annahme, daß vom Juli ab der Zeilungs- ssempel in Wegsall kommt, veranlaßt den Verleger, schon vom 1. April an die e
Oberhessische Zeitung* in erheblich vergrößertem Formal ohne jeden Preisaufschlag erscheinen zu lassen. Hierdurch wird es namentlich ermöglicht, auch die Markt- und HudrlSltrrichte ausführlich er mittheilen zu können, die sich auf zuverlässige, tägliche Prets- notizen über Getreide, Oel - und Hüljensruchte, Kartoffeln, Spiritus, Butter, Vieh rc. ausdehnen werden. I" ihren Börsenberichten, aus der Feder eines langjährigen Fachmannes, wird die „Obcr- hkssische Zeitung" im Stande sein, über die Fluktuationen de« Geldmarktes ein getreues Bild zu liefern. —
Im unterhaltenden Theile des Blattes beginnt mit dem neuen Quartal die Original- Erzählung: Mit gekrochenen Ikügekn von Louise v. Auer.
eßelluugcn zum seitherigen Preise werden von allen Postexpeditionen angenommen, auf dem Laude auch von den Landbriefboten.
Deutsche» Reich. “
»erlt«, 18. März. Die „Pro». Corr." widmet heute ihren ersten Artikel dem bevorstehenden Geburtstag des Kaiser« da die nächste Nummer dieser Pflicht erst post festum hätte genügen können. Die ausgesprochen« Ueberzeugung, daß dieser Geburtstag mit besonder« lebhaftem Dank gegen Gott werde be, gangen werden, wird des Wiederhalls in Aller Patrioten Herzen sicher fein. Wohl darf man sagen, daß ein so reich gesegneter Lebensabend wie unserem Kaiser Wilhelm wenigen Sterblichen auch unter den gekrönten Häuptern zu Theil wird, aber ebenso selten möchte auch das Glück den Empfänger in seinem innersten Herzen so bewährt finden in allen Eigenschaften, welche einem Sterblichen der reichen Segensspenden unverändert würdig erscheinen lasten in echt christlicher Demuth und Selbstlosigkeit. — Die hohe Wichtigkeit der gerade in dieser Zeit ihrer Lösung
' irrenden definitiven Armeeorganisation, von dem . kaiser selbst als sein eigenstes Werk bezeichnet, und bestimmt die unter des Kaisers Regierung geschaffenen unsterblichen nationalen Schöpfungen nach menschlicher Berechnung dauernd möglichst sicher zu stellen, muß unwillkürlich den Blick von dem Festtag hinüber lenken u einer Entscheidung der Volksvertreter, welche dem Jubilar die Erfüllung seiner in diesem Moment vielleicht gelegentlichsten Fürsorge für sein Vaterland bringen kann. — Die Agitation, welche nach dem Votum des Reichstags über den zum Parlamentsbau bestimmten Platz auffallend lebhaft für die Wahl des Königsplatzes eintritt, legt die Vermuthung nahe, daß dabei noch etwas Anderes, als das Interesse des Kunstsinnes mitwirkender Factor ist. Die Sorge für den monumentalen Charakter des Baues allein würde gewiß nicht zu Mitteln greifen die hier angewandt werden z. B. die Fabrikation eines Telegramms, nach welchem der Kaiser den eben gewählten Platz der Kgl. Porzellan-Manufactur zwischen der Königgrätzer Straße und dem ^Herrenhaus tesavouirt haben sollte. Ueber diesen Platz sind eben die Verhandlungen zwischen der Reichs- und der Preußischen Regierung eingeleitet, zum Vortrag an den Kaiser ist die Angelegenheit noch keineswegs reif und der Kaiser pflegt nicht mit persön lichem Machtwort in Staats- und öffentlichen Ange legenheiten dem normalen geschäftlichen Verlauf der Dinge vorzugreifm. Der Inhalt des erfundenen Telegramms entspricht demnach wenig der thatsächlichcn Sachlage, und scheinen speculative Tendenzen der Verbreitung zu Grunde zu liegen. — Eine Besprechung der wichtigen Vorgänge in Oesterreich schließt die „Prov. Corr." mit den Worten: „Die Vorgänge in Oesterreich sind ein neues Anzeichen des schweren Verhängnisses, welches durch das vaticanische Concil über die römische Kirche heraufbeschworen worden ist." — Die Bemühungen der Utramontanen, das Vorgehen der österreichischen Regierung als eine Nachfolge und Nachahmung der preußischen Politik darzuftellen, ist übrigens ein wenig glücklicher Versuch das österreichische Selbstgefühl zu reizen und damit von dem betretenen Weg abzubringen, denn die österreichische Regierung hat es schon im Jahre 1870 und selbst vor dem Beschluß deS ConcilS an Warnungen gegen die Curie und selbst an der Anständigung der Aushebung des CoucordatS als Folge d«S neuen Dogma'S nicht fehlen lassen, sie kann also die Verdächtigung der Jesuiten sehr leicht zurückweisen
und im Bewußtsein der bewiesenen selbständigen Voraussicht die Gegner mit ihren lügnerischen Verläum- dungen ruhig der öffentlichen Verachtung überlassen. — Das Justiz-Ministerium bereitet einen Gesetzentwurf vor, zu Abschaffung deS Homagialeides, welcher für Rittergutsbesitzer und Mitglieder ständischer Korporationen vorgeschrieben war, dessen Fortbestehen aber durch die jetzt geltenden RechtSpnncipien nicht gerechtfertigt ist.
— 18. März. Der Reichstag setzte heute die zweite Lesung des Preßgesetzes fort und erledigte die §§. 6 bis 13 meist nach den Anträgen der Commission. Die Berathung wird morgen fortgesetzt. — Die „Kreuz-Zeitung" sagt, man spreche davon, daß der Reichstag aufgelöst werden solle, falls der §. 1 des Militär-Gesetzes verworfen würde. — Die „Börsen- Zeitung" schreibt: Die beabsichtigte Erhöhung der Eisenbahn-Tarife dürfte 20. pCt. betragen, indem die Umwandlung der Duodezimal-Pfennige in Dezimal- Pfennige 16% pCt. ausmacht und außerdem noch eine 3pct. Erhöhung eingeführt werden soll. Die Transporte durchgehenden Verkehrs mit langsamer Geschwindigkeit bleiben von letzterer Erhöhung ausgeschlossen.
Trier, 16. März. Ueber die näheren Umstände der Verhastung des hiesigen Bischofs gibt der Landrath Spangenbcrg in der „Trier. Ztg." authentischen Bericht: „Bei der Abwesenheit deS Herrn Oberbürgermeisters — schreibt derselbe — übernahm ich die Vollstreckung persönlich und beschloß, d eselbe am Freitag den 6., Nachmittags, nach der Dom Predigt, welcher der Herr Bischof beizuwohnen pflegt, vorzunehmen. Zu dieser Zeit begab ich mich ohne weitere Begleitung in den Bischofs Hof, wurde ohne Verzug von dem Herrn Bischof empfangen und theilte dem- selben den Zweck meines Erscheinens unter Ueber- reichung deS Verhasts-Befehls mit. Nach Durchlesung desselben fragte er, ohne Widerspruch zu erheben, ob er mir sogleich folgen folle. Als ich dies bejahte, er- fuchte er mich, sich auf kurze Zeit zurückziehen zu dürfen. Meine Anfrage, ob den er durch den Garten etwa« abgekürzten Weg einzuschlagen wünsche, hatte er verneint. Während in dem Empfangs-Zimmer noch mehrere Herren sich eingefunden hatten, kehrte der Herr Bischof, ausgerüstet mit Mantel und Hut, in Begleitung mehrerer Geistlichen in dasselbe zurück, kam aus mich zu uud erklärte mir, freiwillig werbe er mir nicht folgen. Er habe Protest erhoben er
geilte Welt.
Novelle von Max Ring.
(Fortsetzung.)
Eugen sprang von seinem Platze aus und verließ mit hastigen Schritten daS WirthSzimmer. Verwundert schaute ihm der Kellner nach.
Unser Freund stürzte aus die belebte Straße hinaus. In seiner Eile hätte er bald einen jungen Mann umgerannt, der ihm mit zornigen Blicken nachschaute. Er ging, fast wußte er selbst nicht mehr wohin Seligkeit und Schauder, Liebe und Haß stritten in seiner stürmisch bewegten Brust. Der Zusammenstoß mit dem Fremden hatte ihn einiger- maßen wieder zum Bewußtsein zuruckgerufen. Er entschuldigte sich wegen seiner vorigen Unvorsichtigkeit.
Während er die« that, blickte er dem Fremden in das Angesicht. Er glaubte ihn bereits vor kurzer Zeil gesehen zu haben, nur wußte er nicht wo und wann.
Dieser, den seine Livrse al« Bedienten eines vornehmen Herrn bezeichnete, wollte sich, eben zufrieden mit der erhaltenen Entschuldigung entfernen, jedoch Eugen hielt ihn am Arme fest.
— Wenn ich nicht irre, bin ich Ihnen schon früher einmal begegnet. —
— Leicht möglich, — erwiederte der Lakai. — Zch stehe in Diensten deS Chevalier« von Valmont. —
— DeS Chevalier? rief Eugen verwundert au«.
Mit diesem Namen hatte der Baron feinen vor
aneilenden Freund im Walde bezeichnet. Wie ein Blitzstrahl durchzuckte e« Eugen.
— Kennen sie den Herrn Chevalier? — fragte der Bediente.
— Gewiß! — entgegnete unser Freund mit augenblicklicher Fassung. — Ich suche ihn bereits den ganzen Tag. —
— In diesem Falle brauchen Sie mich nur zu begleiten. Er wohnt im Hotel d'Angleterre, wohin ich eben gehe.
— Obgleich Eugen keineswegs seiner Sache ganz sicher war, so nahm er doch das Anerbieten des Bedienten dankbar an. Unterwegs erzählte dieser nach alter Gewohnheit manchen nähern Umstand aus dem Leben seines jetzigm Herrn.
— O, das ist ein Teufelskerl! — rühmte der Lakai. — Die Frauenzimmer sind wie vernarrt in ihn. Aber das muß man sagenj, er ist auch darnach von Kopf bis Fuß ein schöner Mann. Freilich thut die Toilette viel, uud wenn unsereiner in den Klei bern steckte, so würde manches Mädchen Augen machen, die jetzt uns stolz über die Achsel ansieht. Kleider machen Leute und blenden die Damen so gut, wie die Kammerkätzchen. Nal mein Herr ist kein Heiliger. Sie verstehen mich. Freilich nehmen wir uns jetzt mehr in Acht, seitdem wir verlobt find, noch dazu mit dem schönsten Fräulein in der Stadt. —
— Mit der Gräfin Rothenstein? — bemerkte Eugen, der aus Adelens Munde den Namen der Dame erfahren hatte, welche er in Begleitung des Chevaliers gesehen.
— Ganz Recht. Doch da sind wir schon bei dem Hotel. Gehen Sie nur immer ruhig hinauf, der Herr Chevalier von Valmont sind allein. Ich brauche Sie nicht erst zu melden uud will indeß mit dem Kutscher sprechen, da der Herr in einer Stunde in Gesellschaft fährt. Wir wohnen Zimmer Nr. 25. —
Eugen stieg oder flog vielmehr die Treppe hinauf nach dem bezeichneten Zimmer. Auf sein Klopfen rief eine bekannte Stimme: Lieber Frank! nur herein.
Der Chevalier erwartete eben den Wucherer zu einer neuen und wichtigen Konferenz. Da er nebenbei mit seiner Toilette beschäftigt war, so hielt er sich in dem benachbarten Zimmer auf.
Eugen schritt innerlich bewegt durch das erste Gemach, in welchem sich der Chevalier nicht befand. Das Cabinct, in welchem dieser verweilte, war von zwei Kerzen beleuchtet, welche vor dem Spiegel standen. Der Chevalier war in seine Toilette dermaßen vertieft, daß er nicht einmal seinen Kopf umwendete. Einen Blick nur warf Eugen auf seinen alten Bekannten, er hatte ihn erkannt.
— Lesur! — rief er jetzt mit lauter Stimme, welche in dem kleinen Zimmer wiedcrhallte.
— Der Chevalier erbleichte und ließ daS Kleidungsstück, welches er in seinen Händen hielt, zu Boden sinken.
— Kennst Du mich? — fragte Eugen.
— Mein Herr, — stammelte der Chevalier, — gewiß, Sie irren sich. —
— Elender Betrüger! — schrie der unerwartete Besucher. — Du bist entlarvt. Wo sind meine Papiere? heraus damit. —