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Marburg, Dienstag, den 17. März.

1874.

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Verkauf derselben soll jedoch vor dem 1. April nicht beginnen Und auch dann nicht früher, bis die alten Formulare verbraucht sind. Selbstverständlich können

die jetzigen Post-Paket-Adresien, die der Absender be sitzt, weiter zur Verschickung von Paketen verwendet werden. Die Postanstalten sind angewiesen, von den neuen Adressen eine genügende Anzahl, beklebt mit Freimarken zu 21/? und 5 Sgr., zum Verkaufe bereit zu halten. Sie werden zu dem Nennwerthe der Frei­marken abgelasien. Eine besondere Gebühr für das Formular wird bei solchen mit Freimarken beklebten Paket-Adressen nicht erhoben. Die im Wege der Privat Jndustrie hergestellten Paket-Adressen, welche in Form, Einrichtung rc. dem gegenwärtig gebräuchlichen Formulare entsprechen, können weiter verwendet wer­den. ES wird jedoch den Postanstalten aufgegeben, möglichst daraus hinzuwirken, daß bei neuen Herstel­lungen das abgeänderte Formular zum Muster ge­nommen wird.

14. März. Die siebente Criminaldeputation des Stadtgerichts verurtheilte den Abgeordneten von Schrötter wegen Beleidigung des Reichskanzlers, be­gangen durch einen Artikel in Nr. 170 derGermania" mit der UeberschriftZu den Enthüllungen Lamar- moras", zu 2 Monaten Gefängniß, den milangeklagten Redaeteur Kostelek auS §. 37 deS Preßgesetzes zu 100 Thlr. Geldstrafe.

Pofen, 14. März. Das Kreisgericht von Gnesen verurtheilte den Canonicus und Official Wojciechowski wegen gesetzwidriger Besetzung der Probstei Sobota zu 300 Thlrn. Geldbuße eventuell 4 Monaten Ge- fängnißstrafe. Der Angeklagte wurde durch den Exe- cutor vor Gericht geführt. Seit drei Tagen finden im katholischen Seminar Seiten- der Regierung durch den Justitiarius Dr. Kügler und Provinzialschulrath Tschackert amtliche Vernehmungen in Betreff der Miß­stände statt. Man erwartet durchgreifende Verände­rungen deS Lehrerpersonals und der Direktion..

Danzig, 14. März. Wie derDanziger Ztg." aus Pr. Stargard geschrieben wird, ist der Kulmer Bischof Marwitz wegen wiederholter gesetzwidriger Anstellung von Geistlichen zu 2400 Thlrn. Geld strafe eventuell 16 Monaten Gefängniß verurtheilt worden.

und Sträuchern für das freie Land ausgesetzt. Nach iräglich hat derselbe den Wunsch ausgesprochen, daß bei der Concurrenz um diesen Ehrenpreis namentlich auch ausländische Eichen, die bei uns im Freien aus

>ie8» afeu- tet h«, )ratlch- Wertt adh^ effenbr gezahlt erlaubt onden

Münster, 12. März. Heute Morgen zwischen 7 und 10 Uhr fand die zweite ExecutionS-Vollstreckung beim Bischöfe Brinkmann statt. ES war ein volle« Bataillon Infanterie mit scharf geladener Waffe auf­gestellt, ferner war die Polizei vollzählig zur Stelle und außerdem patrouillirten drei GenSdarmen auf dem Domplatze und den angrenzenden Straßen. Die Exe- cution wurde denn auch, Dank dieser Machtentfaltung, ohne jede Störung ausgeführt. Zur Dienstleistung waren auswärtige Arbeiter gedungen, welche gegen 10 Uhr nach vollbrachter Arbeit, von der einheimische» Polizei beschützt, dm Rückweg zum Bahnhof antraten. Kurz nach geschehener Auspfändung traf eine Deputation auswärtiger Diöcesanen ein. ES sind nun fast 14 Tage, daß tagtäglich solche Deputationen beim Bischöfe eintreffen.

Braunschweig, 13. März. Der in der Lan­desversammlung vertheilte Bericht der Commission, welche zur Berathung des auf das Regenlschaftsgesetz bezüglichen Schreibens des Staatsministeriums nie­dergesetzt war, empfiehlt die Ausführung de- Regent­schaftsgesetzes ruhen zu lasten, indem der unternom­mene Versuch, für den Fall der Erledigung de- Thrones eine Regentschaft einzusetzen, al- gescheitert anzusehen sei. In dem Berichte wird Herrn von Campe's Vorschlag, daß nunmehr auch ohne Garantie des Kaisers weitere Verhandlungen mit Mitglieder« eine- deutschen Fürstenhauses behufs Ucbernahme der Regentschaft gepflogen werden könnten, zurückgewiesm, und zwar erstens, weil diesmit den der ReichSge» walt gebührenden Rücksichten nicht vereinbar sei, und zweitens, weil unter solchen Umständen unternommene Verhandlungen in dm letzten Erfolgen völlig unzu­verlässig" fein würden. Nachdem die Commission biefen lebhaft zu begrüßenden Rath ertheilt, geht sie alsdann mit der Regierung wegen ihrer in dieser Frage ge» zeigten Haltung scharf inS Gericht. Man merkt den Herren die Verstimmung darüber an, daß die LandeS- versammlung den heftigsten Vorwürfen ausgesetzt ge­wesen ist, weil sie sich durch Herrn von Campe zur Annahme jenes Regentschaft-gesetzeS hatte bewegen

von 1000 Reichsmark dem Execütiv - Comite für die Ausstellung in Bremen zur unbedingten freien Ver stgung gestellt., Außerdem hat die General-Versamm­lung dieses Vereine« seinen Vorstand autorisirt, die Summe von 500 Reichsmark zu Gunsten bremischer Aussteller durch Aussetzung von Ehrenpreisen, deren Bestimmung noch Vorbehalten ist, zu verwenden.

Die Post Paket-Adressen sollen in einem ver­größerten Maßstabe ausgegeben werden, urib zwar 184 Millimeter breit unb 212 Millimeter hoch. Der

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Küche, Leihen, ier.

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' nicht allein in ihrer theoretischen, sondern auch praclischen

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ßrfAeint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal durch die Srpedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen LL4 Sgr., durch bk Postämter S7 Sgr. lexcl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel SS 6gr. - Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Fgr in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werben Sj Sgr. berechnet. SSmmtliche Annoncen-BüreauS nehmen Inserate an.

Fruchtschale für die schönste Collection von Baumen

Seite auf der Ausstellung vertreten fein. WaS speciell die Repräsentation der Jagd betrifft, so wird dazu selbst Afrika sein Kontingent stellen. Herr Ed. Moser ui« Bremen hat sich bereit erklärt, seine berühmten atntaniferen Jagd-Trophäen, Büchsen, Gewehre und sonstige Geräthschasten in der Ausstellung zur Schau Mlt^ u bringen. Es wird auch das große Jagdzeug des tzmalichen Hof-Jagdamtes zu Hannover, welches in letzter Zeit bei den großen Jagden in der Göhrde ' and bei Springe benutzt worden ist, auf der Aus- L3576 stkllung zur Ansicht kommen. Auch der Prinz Friedrich

Carl von Preußen hat au« Veranlassung der Bremer Ausstellung einen Ehrenpreis, und zwar eine silberne

jamil« fcauern, vertreten sein möchten. Der Landwirthschafts-

Verein für daS bremische Gebiet hat einen Ehrenpreis

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Deutsche« Reich.

.. BerN», '14. März. Der Ftnanzmlnister hat tie Directoren der Forst-Akademien zu Neustadt EbetS- ... «albe und Münster und außerdem einige Forstbehör 'bett veranlaßt, die Ausstellung in Bremen mit geeig -L- neten forstlichen Gegenftänven zu beschicken. Durch diese Maßnahme werden Forstwirthschast und Jagd

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Seine Welt.

Novelle von Max Ring.

__Kennen Sie denselben vielleicht, Baron? fragte der Chevalier mit kaum merklich bewegter Stimme. '

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(Fortsetzung.)

Unterdeß verweilte der alte Epikuräer in der Gesellschaft feine« jungen Freundes. Der Baron hatte von Steuern da- Gespräch auf den Prozeß ylentt. . <. ,

ißrt ©ott 1 sagtt et ich wünsche von Herzen, daß Ihr Unternehmen Ihnen glücken möge, tiefer Birkeneck ist mir in der Seele zuwider.

Nun, Sic haben ihm einen gehörigen Tmk- jttiel gegeben, entgegnete der Chevalier.

Doch Sie vollenden erst mein Werk. Wenn et den Prozeß verliert, so ist er ruinirt. Ich bin »eit mehr babei interessirl, al« Sie denken und brenne dvt Begierde, den eigentlichen Erben tennen zu lernen und an mein Herz zu drücken.

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L Nicht von Person, aber ich stehe ihm näher ÄS Sie ahnm. Wo weilt er in diesem Angenbllick? Ich würde Viel darum geben, ihn zu sehen. Sie muffen feinen Aufenthalt doch kennen.

Allerdings! Aber er dürfte Gründe haben, sich noch für einige Zeit zu verbergen. Sie wissen, velch' em gräßlicher Verdacht auf seinem Leben ncht. Wenn er jetzt öffentlich erscheinen würde, so könnte ihn nicht« vor einer gerichtlichen Verfolgung schützen.

Ich schwöre Ihnen zu, daß ich ihn nicht ver- rachen werde. Er kann auf meinen Beistand und meine Unterstützung rechnen. Eher möchte ich mich frtbft verderben, al« ihm irgend ein Leid bereiten Sie foen nicht, wie nahe ich ihm stehe, welch ein inniges Aerhältniß mich mit ihm und feinem Schicksale ver Ütkpft. * ; '

Sollten Sie »fkÜeichkein riaher Anverwand­

ter sein? sagte der Chevalier mit einem lauern­den Blick.

Mehr dl« da«! rief der Baron mit einer Bewegung, die ihm sonst fremd war. Ich war mit seiner Mutter eng liirt Die Diskretion ver­bietet mir mehr zu sagen. Doch Sie werden jetzt das Interesse begreifen, welche- ich an seiner Person nehmen muß. Ich bitte, ich beschwöre Sie, nennen Sie mir seinen Aufenthalt.

Einen Augenblick schwankte der Chevalier unb überlegte. Doch der Baton wiederholte seine Bitte so dringend, daß er nachgab.

Wohlan, sagte er Sie wollen den wahren Erben kennen lernen. Sie haben ein Recht auf diese Forderung. Der Sohn jenes Weibe-, das Sie einst geliebt, bin ich selbst.

Sie selbst? fragte zweifelnd der Baron.

Ich habe meinen wahren Namen verschwiegen, um jeder Verfolgung zu entgehen. Aus diesem Grunde bin ich als mein eigener Bevollmächtigter hier aufge treten. Jetzt wissen Sie mein Geheimniß, doch ich rechne auf Jhree Verschwiegenheit, da uns so nahe, unauflösliche Bande an einander knüpfen.

Der Baron hatte diese Erklärung mit steigendem Erstaunen angehört. Augenscheinlich war et Überrascht, doch bald hatte er die ruhige Fassung wieder ge mannen. In seinem Geiste regten sich allerlei Zweifel gegen die Erzählung des Chevali-rs, aber ei* unter- drückte dieselben unb berechnete im Augenblick all' die Vortheile, welche aus diesem Geständnisse, ob wahr ober falsch, für ihn fließen konnten.

Mis einet fast natürlichen Rührung schritt er auf den Chevalier zu und umarmte ihn. Ueber sein falten­reiches Gesicht zitterte eine Mischung von wahrem Gefühl unb künstlicher Erschütterung.

Mein Freund! mein Sohn! tief er mit fast schluchzender Stimme.

Der Chevalier sank in seine Arme mit einem ge htngenen Anstrich kindlicher Zärtlichkeit.

Der Bund der edlen Seelen war geschlossen. Der Baron hatte einen würdigen Sohn, der Chevalier einen würdigeren Vater gesunden. ...

Beide vereinten sich, um den atmen O«tarL zu vernichten.

XVIL

Nachdem die Vetgleichsvorschläge O-karS zurück­gewiesen waten, nahm der Prozeß seinen ungestörten Verlauf. Da« Gericht hatte auf Grund der einge­reichten Dokumente unb Beweismittel einen Termrp anberaumt. Birkeneck war durch seinen Rechtsanwalt, davon in Kenntniß gesetzt unb betieth mit demselben die Vertheidigung.

Der würdige Mann konnte Oskar nicht ver­schweigen, daß der Au-gang be« Prozesse- mindesten« zweifelhaft sei. Bi« jetzt hatte der Letztere seiner Schwester die unangenehme Nachricht vorenthalten, nun aber hielt er es für feine Pflicht, Adele auf die möglichste Veränderung seiner VermögenSverhältniffe aufmerksam zu machen. Nachdem der Justizrath ihn verlassen, trat das liebliche Mädchen in sein Robinet, Auch Abele hatte in der letzten Zeit einen Theit ihrer gewöhnlichen Fröhlichkeit verloren. Die vorange­gangenen Ereignisse halten sie ernst gemacht Sie war noch immer hold und sckön, doch auch Sie schien von der melangottschen Stimmung des Bruders an gesteckt worden zu fein. Da« reizende Gesicht war bleicher, ober auch unendlich interessanter geworden, eine fünfte Schwermuth verlieh ihr einen neuen, bisher unbekannten Zauber. Ihr strahlendes Auge hatte etwas von seinem Glanz verloren, ober ihr Bttck war darum nur um so ausdrucksvolles, tief unb schwär­merisch. Ueber ihre ganze Erscheinung war eine früher nie gekannte Weichheit auSgegossen. Was sie ober an Lebenbigkeit und Frische dadurch verlor, ersetzte sie hinreichend durch Milde und Sanjtmüthig. Ost saß sie jetzt träumend an ihrer Arbeit unb dachte an da- Stille, trauliche Leben im Walde, an ble guten