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Marburg, Mittwoch, den 11. März

187/4.

OberheUche Zkiftug.

,«nt täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition («och'sche Buchdruckerei) bezogen 32) 6gr., durch die Vostümter 27 Lar. (erd. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. — Jnsertwnsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. —

gftr in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adrefsen werden 2| Sgr. berechnet. — Sämmtlichc Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.

Deutsches «eich.

Kerli«, 9. März. Der Gesetzentwurf betreffend die Ausgabe von Reichskaffenscheinen ist aus den Be- mlbnnzen des Bundesrathes in folgender Faffung hnvorgegangen: §. 1 des Gesetzes wird neben der ursprünglichen Fassung einen Zusatz erhalten, wodurch die Bestimmung darüber, in welchem Verhältniß der imszugebende Betrag von 120 Millionen Mark auf die Abschnitte von 5, bezw. 25 und 50 Mark zu ver­teilen sei, dem BundeSrathe übertragen wird. Ferner jg ein Einverständniß darüber constatirt, daß unter Bevölkerung im Sinne des §. 1 diejenige Bevölkerung ja verstehen sei, nach welcher die definitive Vertheilung der Matrikularbeiträge für da» Jahr 1874 erfolgen „erde. §. 2 wurde wie folgt beschlossen: Jeder Bun­desstaat bat daS von ihm seither ausgegebene Staats- x-piergeld spätestens bis zum 1. Juli 1875 zur Ein izsung öffentlich aufzurufen und thunlichst schnell em zuziehen. Zur Annahme von Staatspapiergcld sind vom 1. Januar 1876 an nur die Kassen desjenigen Staates verpflichtet, welcher das Papiergeld ausgcgeben hat. (ES ist jedoch ausdrücklich constatirt worden, daß die landeSgesctzlichen Bestimmungen über die Präclusion de« Papiergeldes durch diesen letzten Satz nicht be- Ohrt werden.) Zu §. 3 wurde über Anträge dahin, |e6 den Staaten, welche mehr Papiergeld ausgegeben tzchen, als ihnen §. i anweist, zwei Drittel des über- schießenden Betrages auf 15 Jahre auf Vorschuß auS der ReichSkaffe gewährt würden, die Beschlußjaffung Vorbehalten und einstweilen § 3 in solgender Fassung «gen^nmen: Diejenigen Staaten, deren Papiergeld den ihnen n« $ 1 F überweisenden Betrag von ReichSkaffrnscheinen übersteigt, wird die Hälfte des Sherschießenden Betrage« auS der Reichskaffe als ein Vorschuß überwiesen, welchen sie in zehn gleichen Zahrrsrate» zurückzuerstatten haben Bi» auf Höhe diese« Vorschusses ist der Reichskanzler ermächtigt, S^ch^assenscheine über den im §. 1 angegebenen Be trag hinaus emSfertigen zu lassen und in Umlauf zu setzen. Di« auf den Vorschuß eingehend« Rückzahlungen find zur Tilgung eines gleichen Betrages von Reichs- kstenschestttN zu verwenden. Die folgenden Bestim-

Feiue Welt.

Novell« von Max Ring. (Fortsetzung.)

Eine m,er»«Mt« Pause war eingetreten. Plötz­lich schlug der Knmk die Augen auf. DaS Licht der Vernunft gltoigte in seinem matten Blick und ein I«iser Druck seiner Haud bekräftigte, daß er den Arzt erümnt habe.

Der Freund wollte p »delen stürzen und ihr btt Siachricht mittheilen, ad« «in Wink de« Doctors hieß ihn bleiben.

— LXkar hatte von 9hww die Augen geschloffen. Die Brust hob und senkt« sich in regelmäßigen Athemzügtu. Er war vor Erwartung eingeschlafen. Die ermüdete Natur sehnte fich nach Ruhe.

— Er ist gerettet I — fäfkrte der Arzt mit bebender Stimme. .

— Soll dir Schwester rt nicht zuerst erfahren? — fragte vorwurfsvoll ihr Freund.

— Roch nicht. Der jähe Wechsel könnte sie tobten. — „

— «der btt Schmerz wird sie vernichten, ©te liegt in einer Ohnmacht. —

— Bon der kann fie sich dalb erholen. Glauben Sie mir, daß der Mensch mehr Trauer als große Freude ertragen kann. DaS Weib besonders ist zum Dulden geschaffen und diese ist ein Prachtstück ihres Seschlrcht». — „ , ,r

- Wann soll fie ab« da» freudige Sreigniß er- fahren? «—

— Sobald d« Morgen graut und sie die nöthrge Ruhe grnoffen hat.

Die Ohnmacht wird bei ihr ebenfalls mit einem tiefen Schlummer enden. Die Natur fordert gebiete« risch ihr Recht. Lassen wir sie schlafen. Wenn sie erwacht, sollen Sie ihr die« freudige Ereigniß mit der nöthigen Schonung mittheilen. Auch Sie bedürfen bcr biuhe. —

mungen lauten nach dem Beschluß des BundeSratheS: §. 4. Diejenigen Bundesstaaten, welche Papiergeld ausgegeben haben, werden die ihnen ausgefolgten Reichskaffenscheine (§§. 1 und 3), soweit der Betrag der letzteren den Betrag deS ausgegebenen Staats­papiergeldes nicht übersteigt, nur in dem Maße in Umlauf setzen, als Staatspapiergeld zur Einziehung gelangt. §. 5. Die Reichskaffenscheine werden bei allen Kaffen deS Reiches und sämmtlicher Bundes­staaten nach ihrem vollen Nennwerth in Zahlung an­genommen und von der Reichs-Hauptkaffe für Rech­nung des Reiches jederzeit auf Erfordern gegen baares Geld eingelöst. Im Privatverkehr findet ein Zwang zu ihrer Annahme nicht statt. §. 6. Die Äusser iigung der Reichskaffenscheine wird der preußischen Hauptverwaltung der Staatsschulden unter der Be Nennung „Reichsschulden-Verwaltung" übertragen. Die Reichsschulden - Verwaltung hat für beschädigte oder unbrauchbar gewordene Exemplare für Rechnung des Reiches Ersatz zu leisten, wenn daö vorgelegte Stück zu einem echten ReichSkaffenscheine gehört und mehr als die Hälfte eines solchen beträgt. Ob in anderen Fällen ausnahmsweise ein Ersatz geleistet werden kann, bleibt ihrem pflichtmäßigen Ermessen überlassen. §. 7. Vor der Ausgabe der ReichSkaffenscheine ist eine genaue Beschreibung derselben öffentlich bekannt zu machen. Die Controle über die Ausfertigung und Ausgabe der ReichSkaffenscheine übt die ReichSschulden-Commission. §. 8. Von den Bundesstaaten darf auch ferner nur auf Grund eines Reichsgesetzes Papiergeld ausgegeben oder dessen Ausgabe gestattet werden.

— Der „ReichS-Anzeiger" meldet: Der Kaiser konnte heute zum ersten Male wird« eine Ausfahrt in geschloffenem Wagen machen. — In den nächsten Tagen wird eine enstichse Deputation, bestehend auS den Obersten Jocelyn und Macdonald, dem Parla- meniSmitgliede Sir Robert Peel und dem Baronet Sir John Murray, hier eintreffen, um dem Kaiser für das Jntereffe welches er für die jüngsten protestan- tischen Sympathiemeetings in London bekundet hat, zu danken und auch der Freude Ausdruck zu geben, welche daS Erwiderungsmeeting in unserm Rathhaus-

— Ich will mich nicht zu Bette legen, ich könnte doch niwt schlafen. —

— So bleiben Sie und leisten Sie mir Ge­sellschaft. —

Bis zum frühen Morgen beobachtete der Arzt den Kranken, welcher glücklich die gefährliche Krisis über­standen hatte. Mit ihm erwachte der sorgsame Ge­hilfe und sehnte dir Stunde herbei, wo es ihm ver gönnt sein sollte, Adele zu unaussprechlicher Freude zu erwecken. Da» war der einzige Lohn be« treuen Freundes.

Unb wieber war eS Morgen, ein Heller Frühlings­morgen, voll Licht unb Glanz. Der goldene Schim­mer blendete Adelens Augen, als sie dieselben aufichiug. Sie lag angekleidet auf dem Sopha und wußte nicht, wie sie dahin gekommen war. Die Ohnmacht und der erquickende Schlaf hatten fast jede Erinnerung an den vermeintlichen Tod des BruberS ihr vergessen ge­macht. Durch die kurze Ruhe war sie gestärkt worden und der rosige Hauch der Gesundheit lagerte auf ihren Wangen. Allmählig kehrte hie Besinnung und daS Gedächtuiß an die vergangene Nacht zurück. Mil einem lauten Schrei war sie von ihrem Lager aufge­sprungen und wollte in dem falschen Glauben, daß Oskar gestorben sei, die theure Leiche wenigstens noch einmal sehen.

Auf der Schwelle begegnete ihr bet Freund, welcher sie zurückhielt.

— Lasten Sie mich, — flehte sie, — ich will ihn nur noch einmal schauen. Ich will ruhig sein, ganz ruhig. —

— Ihr Bruder schläft, stören Sie seine Ruhe nicht, — entgegnete «, indem « bebend ihre Hand in der seinen hielt. Seine Stimme zitterte vor in­nerer Bewegung.

— Er schläft den ewigen Schlaf, — murmelte da» arme Mädchen.

saalc in England hervorgerufen hat. Die Deputation soll dem Kaiser ein prachtvolles Album mit einer Adresse und mit Copien des Kaiserbriefes, des Berliner Dankschreibens, der Maigesetze rc. überreichen. Dup­likate sollen der Kronprinzessin Victoria, dem deutschen Kronprinzen und dem Fürsten Bismarck übergeben werden.

— Der studentische Krieger-CommerS hat am Freitag Abend unter sehr starker Betheiligung der Studenten und „alten Herren", welche den Krieg gegen Frankreich mitgemacht hatten, in der „Urania" stattge­sunden. An 500 - 600 Musensöhne hatten sich ein« gefunden, um im fröhlichen Zusammensein der Stunden zu gedenken, die man im Frankenlande zugebracht, um den Tapferen ein stilles Glas zu weihe,t, die mit ihrem Herzblute Frankreichs Erde gefärbt. Neben den zahl­reichen „bemoosten Häuptern" glänzte daS Profestoren- Collegium durch eine starke Deputation. Da war der Rektor Weyerstraß, die Professoren Mommsen, Dern- burg, BrunS, Zeller, Bäseler, Privaldozent Geh. Archiv­rath Hassel, Geh. Rath Dambach, Polizeipräsident v. Madai re. rc. Um 8V2 Uhr kündigten Trompeten­stöße die Ankunft eines hohen GasteS an und von dreimaligem Hoch empfangen, trat der greife General­feldmarschall von Moltke ein. Derselbe nahm seinen Platz an der Seite deS Präses, stud. jur. Matusch, worauf der Commers mit dem Liede des jüngst ver­blichenen Freiheitssängers Hoffmann von Fallersleben: „Deutschland, Deutschland über Alles" seinen Anfang nahm. Nach dem Hoch auf den Kaiser und mehreren Ansprachen wurde dem großen Schweiger Moltke ein Salamander gerieben. Der Feldmarschall Graf Moltke erhob sich um — zu sprechen. „Ich will eine Aus­nahme machen und heute sprechen. Ich danke Ihnen, meine Herren, für das Hoch, das Sie mir ausgebracht, für den Antheil, den Sie mir an den glücklichen Er­folgen, die Deutschland einig und groß gemacht, zu- meffen. Es ist leicht, Antheil nehmen an einem Feld­züge, wenn man aus Siege hoffen kann. Deutschland verdankt diese Siege seiner braven Armee, seiner hin­gebenden Jugend, deren gebildete Vertreter ich hi« vor mir sehe, die ihren Mannesmuth in blutigen

— Mein Fräulein, Sie irren sich, der Kranke ist nicht tobt, er lebt, unb b« Arzt gibt jetzt Hoffnung, daß er ihn erhalten wird. —

Adele schüttelte traurig unb ungläubig ba« schöne Haupt.

— Sie wollen mich nur täuschen, — sagte sie mit trübem Lächeln. — Ich banke Ihnen für Ihre Freundlichkeit, aber ich fühle mich jetzt stark genug, die volle Wahrheit zu ertragen. —

— Wenn das der Fall ist, dann hören Sie mich ruhig an. —

Er erzählte ihr die Begebniste der Nacht mit all' der Vorsicht, welche der Arzt ihm anempfohlen hatte. Adele hörte ihn an, aber sie zweifelte noch immer an diesem unerwarteten Glück Erst nach und nach kehrte der Glaube zurück. Seine Worte und noch mehr der Ton seiner Stimme überzeugten sie. Während er sprach, bebten ihre Glied«, sie mußte sich nieder­setzen. Schonend hielt er in seinem "Berichte ein, doch sie winkte ihm mit der Hand, weiter fortzu­fahren. Sie war wieder erblaßt und schien von Nuem einer Ohnmacht nahe, aber allmählig kehrte die Farbe in ihre bleichen Wangen zurück unb ihr Auge strahlte in Überirdischem Glanz. Al» er zum Schluffe kam unb ben unverhofften AuSgang schilderte, da drängten sich die Thränen de« Danke« und dn Freude unter den langen, seidenreichen Wimpern her­vor, Sie glich in diesem Augenblick der jungen Rosen- knospe in Thau gebadet.

— Er lebt! er lebt! — rief sie freudestrahlend, und reichte ihrem treuen Freunde die Hand. — Gott sei gedankt, noch ist Hoffnung, daß wir ihn erhalten. —

— Plötzlich war ihr Herz von frommen Gefühlen «füllt. Ohne die Anwesenheit eines Fremden zu be­achten, beugte sie ihr Knie und von ihren Lippen stieg ein heißes Dankgebet zum Himmel empor.

Der goldene Sonnenschein verklärte daS lieblich« Gesicht, durch da« geöffnete Fenster drang der Mor-