sind, — entgegnete der Chevalier. — Der Name ist gleichgültig, wenn die sonstigen Qualitäten in Ordnung sind. Vielleicht habe ich eS für nölhig befunden, meine höheren Titel und größeren Ansprüche unter einem bescheidenen Inkognito zu verbergen. Verstehen Sie mich?" —
— Ah! alio doch auf diplomatischer Mission? — lächelte Herr Frank, der sich die Miene gab, als wäre er jetzt über den geheimnißvollrn Charakter deS Chevaliers hinlänglich aufgeklärt.
— Möglich! doch darum handelt eS sich nicht. Meine Privatverhältnisie dürfen Niemand kümmern. Ich brauche Geld, das ich von Ihnen verlange. Sie sind Geschäftsmann und verlangen Sicherheit, da Sie nach dem eitlen Geschwätz des Fürsten Grund haben, mir zu mißtrauen Ich will Ihnen die nöthigen Garantien geben. Prüfen Sie diese Papiere, welche ich aus Vorsicht mitgebracht habe, und überlassen Sie mir, meine Angelegenheiten mit dem Fürsten selbst zu ordnen. Ich bürge dafür, daß er meine höhere Stellung in Ihrer Gegenwart anerkennen und stch's zur Ehre anrechncn wird, in meiner Gesellschaft zu er- lcheinen. —
Diese Worte, welche der Chevalier ruhig und mit einer gcwisien vornehmen Ueberlegenheit sprach, verfehlten ihre beabsichtigte Wirkung nicht. Herr Frank wies die überreichten Dokumente zurück. Doch sein Gast bestand darauf, daß er dieselben prüfen möge.
Dies geschah nun mit gewohnter Vorsicht von Seiten deS Wucherers.
(Fortsetzung folgt.)
Marburg, Donnerstag, den 5. März
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Statt dessen griff derselbe nach
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— Durchaus nicht, entgegnete der Chevalier im trockenen Ton — Es gibt keine Familie Valmont in Frankreich, auch bin ich kein geborener Franzose. —
Der Wucherer ließ vor Erstaunen die eben ergriffene Auster auf den Boden fallen.
— Aber, mein Gott, wer sind Sie denn? — fragte er bestürzt. — Sie werden doch eiusehen, daß man die Leute kennen muß, mit welchen man in Geschäftsverbindung tritt. —
— Zch hoffe, daß sie frei von jedem Vorurthesi
Während der Wucherer bette, unterließ er nicht, mit jeden Zug in dem Gesicht obachten.
— WaS hat der Fürst fragte dieser gespannt.
scheinbar sorglos plau seinen stechenden Augen deS Chevaliers zu be-
von mir erzählt? —
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Möbel aus dem bischöflichen Hofe hat gestern zu bedauerlichen Unruhen geführt. Gegen Abend sammelte sich nach und nach eine bedeutende Volksmenge auf der Herrenstraße, wo das Haus des den Transport leitenden protestantischen Schreinermeisters liegt, sowie in den angrenzenden Stavttheilen. GrößlentheilS setzte sich jedoch daS herzuströmende Publicum auS Neugierigen zusammen. Die drohende Haltung einzelner Individuen veranlaßte die Polizei zunächst, ein Detachement Militär zur Hülfe heranzuziehen. Als der Tumult größeren Umfang annahm, erschienen der Stadtcommandant und der commandirende General auf dem Platze und wurden größere Truppen-Ab- theilungen requirirt. Zahlreiche Verhaftungen fanden Statt, und auch Verwundungen sollen vorgekommen sein. Hoffentlich werden sich die beklagenswerthen Exceffe nicht wiederholen; die Geistlichkeit hat es nicht an Warnungen fehlen lassen (! ?). Soeben erläßt der Herr Ober-Bürgermeister, welcher gestern vergebens die Menge zu beschwichtigen suchte, durch Maueranschlag an alle Bürger die Aufforderung, die Folgen solcher Unruhen zu erwägen, und bringt den Paragraphen des Strafgesetzbuches in Erinnerung, welcher die der Aufforderung der bewaffneten Macht zum Auseinandergehen Zuwiderhandelnden mit einer Ge- fängnißstrafe von drei Monaten bedroht. Zugleich wird zur Kenntniß gebracht, daß das Militär von der Waffe Gebrauch machen wird. Wie man hört, wird dasselbe frühzeitig in den Kasernen consignirt, um zum Einschreiten bereit zu sein. Scharfe Patronen sind vertheilt worden".
Hamburg, 2. März Der von Schneidemühl entwichene Kassirev des Vorschußvereins, Julius Holtz, ist hier verhaftet worden; man fand bei ihm noch über 2000 Thaler.
Leipzig, 1. März. Ueber die gemeldete Verhaftung eines Studenten meldet der „Dresd. VolkSb.": „Der Professor Birnbaum hält in diesem Winter ei« Disputaiorium, eine Art studentisches „Parlament", in welchem „über Zeitfragen" diSputirl wird. Bei einem solchen DiSputatorium hat sich nun zugetragen, daß ein livländischer adeliger Student, ein SDempfnrt, eine Aeußerung gethan, die eine Beleidigung des deutschen Kaisers zu involviren schien und auch den alsbaldigen Ordnungsruf des ProfrssorS Birnbaum erfuhr. Durch die Denunciation einiger Studentm kam die Sache in die Hände des StaatSanwaltS, welcher die Verhaftung des Studenten verfügte, da die
— Laut Beschluß des Handelsministeriums werden für 1875 weitere bedeutende Summen zur Ergänzung der Betriebsmittel bet Staatsbahneu, namentlich für Maschinen, flüssig gemacht. Auch bk Beschaffung be- beutenber Schienen Vorräthe ist beschlossen.
— Es steht, wie bereits mitgelheilt, eine Aende- rung der Bebingungen bevor, unter welchen auf Grund eines Schulzeugnisses die Berechtigung zum einjährigen freiwilligen Militärdienst erlangt werden kann. Diese Aenderung kann jedoch nicht, wie zu verstehen gegeben wird, von preußischen Ministerien, sondern lediglich vom Reichskanzler auSgehen, der mit der Prüfung des Gegenstandes und zur Einreichung geeigneter Vorschläge laut BeschluffeS des BundeSratheS eine eigene ReichS- Schulcommission eingesetzt hatte. Wie es heißt, wird als Norm für die Erlangung der Berechtigung im Wesentlichen die Reife für Obersecunda einer höheren Lehranstalt sestgestellt und bei anderen Lehranstalten die Forderung zweier fremden Sprachen gemacht werden. Damit dürfte denn auch der schon lange schwebende Streit wegen der landwirthschaftlichen Schulen, der schon ben Reichstag und das preußische Haus der Abgeordneten beschäftigt hat, endlich zur Ruhe kommen. Die erwähnte ReichS-Schulcommisston hatte die Wichtigkeit der letzterwähnten Anstalten keineswegs verkannt, auch Vorschläge gemacht, unter welchen Bedingungen ihnen etwa die Berechtigung in Aussicht gestellt werden könnte, das Reichskanzler - Amt aber ausdrücklich die Bedingung wegen zweier fremden Sprachen gestellt. Diese Bedingung dürfte jedoch von den in Rede stehenden Anstalten nicht erfüllt werden können.
Thorn, 28. Febr. Eine Marmorstatue des KopernikuS ist vom Bildhauer Bradzky in Rom verfertigt und in der hiesigen katholischen Johanniskirche aufgestellt worden. — Der ehemalige Rittergutsbesitzer Jofeph von CzapSki, der Wechsel im Betrage von 91,000 Thaler gefälscht hatte, war deswegen angeklagt, aber freigesprochen worden. Die L-taatsanwalt- schafi hatte gegen dieses freisprechende Erkenntniß die Nichtigkeitsbeschwerde mit Erfolg eingelegt, daffelbe wurde vernichtet und die Sache zur nochmaligen Verhandlung vor ein neue« Schwurgericht verwiesen, v. CzapSki ist inzwischen aber flüchtig geworden und wurde deshalb jetzt gegen ihn, mit Ausschluß der Geschworenen, in contumaciam verhandelt. Der Gerichtshof vernnheilte ihn zu zehn Jahren Zuchthaus.
Mün-er, 1. März. Der „Köln. Volksz." wird geschrieben: „Die mitgetheilte Wegschaffung der
Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 22j Sgr., durch die Postämter 27 Sgr. iexcl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. — Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 2j Sgr. berechnet. — Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.
— Er behauptet, daß eS in ganz Frankreich keinen Chevalier von Valmont gibt Der Fürst ist in solchen Dingen gewöhnlich gut unterrichet. Was sagen Sie dazu? —
Der Chevalier war ruhig auf seinem Stuhle sitzen geblieben. Herr Frank hatte mindestens er-
mitgetheilt und die Ihnen, lieber Chevalier unange nehm fein dürfte. —
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wartet, daß fein Gast ausspringen und sofort zum Fürsten eilen würde, um von demselben Rechenschaft zu fordern. ~ "
der Fürst kann sich geirrt haben entschuldigte Herr Frank.
ervorragende staatsmännische Begabung zu bewähren Gelegenheit gehabt und auch seine Familienbeziehungen Ürften geeignet fein, den schwierigen Boden, den er tefritt, ihm vielfach zu ebnen. — Die Commisfions- lerathungen über das Militärgesetz werden alsbald (Heber ausgenommen werben. Nachdem die militä stschen Vertreter mit erschöpfenden Erläuterungen und chlicher Begründung wünschenSwenhe Klarheit über ie wesentlichsten Punkte gegeben haben, darf man « dem im Allgemeinen herrschenden Streben nach tzerstänbigung über die Sicherung der auf dem Spiel ehenben hochwichtigen Staatsintereflen nicht zweifeln, daß die Verhandlungen zu einem befriedigenden Re litat führen werden. Bei Ausgaben von so tiefgrei «der, unübersehbarer Bedeutung für die allgemeine Wohlfahrt ist die vielseitigste Prüfung und das Gel- lendmachen der verschiedenartigen Standpunkte ein be »chttgte« Bedürfniß für Diejenigen, welche sich der Verantwortung bewußt sind; wenn ihm vollkommen Lechnung getragen wirb, so kann man darin auch Bieber eine Bürgschaft finden, baß schließlich die Ent- jheidung eine freiere wird und überzeugender für die kr Sache ferner stehende Plenarversammlung. — Die Ingabe, daß der Geheime Justizrath Förster nach üebernahme seiner Funktion als Direktor im Cultus- Kinifterium an den legislatorischen Arbeiten im Justiz- Dlinifterium seine Mitwirkung fortsetzen werde, ist nicht iegtünbet, diese doppelte Aufgabe würde das Maaß «ch der stärksten Arbeitskraft übersteigen.
Feine Welt.
Novell« von Max Ring.
(Fortsetzung.)
Unterdeß hatte sich der Chevalier mit vornehmer fiachläffigkeit in einen weichen Lehnstuhl geworfen, fett Frank lub seinen Gast zum Genuß des aufge- dagenen Frühstücks ein.
— Frische Austern, ächtet Chabli«, greifen Sie b, Herr Chevalier. Kein Tanz vor dem Esten, und ie Geschäfte lassen sich noch einmal so gut bei einem Aase Wein abmachen. Auf Ihr Wohl! — . Beide stießen mit den englischen Glockmgläsen, e, die einen Hellen Klang von sich gaben. Nach, nn der Chevalier getrunken hatte, sagte er: — rank ich brauche Geld. Sie wisten, daß ich des tib gekommen bin. —
— Meine goldene Dukaten, sagt, wo seid ihr ingerathen? — deklamirte der elegante Wucherer, »em er behaglich eine Auster schlürfte. — Finden >ie nicht auch, daß bet Heine ein charmanter Dichter L Sie kennen ihn boch? —
— Allerdings l — entgegnete ungeduldig der Che- klier — aber —
— ES ist eine alte Geschichte, Doch bleibt sie ewig neu. Nur wem sie just passiret, Dem bricht das Herz entzwei —
So recitirte Herr Frank lachend. — Nu, nu I Ä iabe noch keinen meiner Kunden im Stich ge- Ue«. Erst neulich hat der Fürst gesagt: Frank, M sind la prividence de la jeunesse. Apropos! • f48t mir eine Geschichte ein, die Durchlaucht mir'
420 ab 1.1/4 sen, ie«, N, H-
** Berlin, 3 März. Der Kaiser hat sich roieber tine leichte Erkältung zugezogen, durch welche S. Maj. ^hindert worden ist, die gestrige Festvorsiellung im Heater zu besuchen und auch heute sich der Theilnahme n der Galaoper zu enthalten. Den Festlichkeiten im Hl Schloß wirb bet Kaiser überhaupt für diesen Sinter auf Wunsch ber Aerzte fern bleiben, weil der Htagere Aufenthalt in biefen Räumen bei ber jetzigen kmpfindiichkeit gegen Temperaturwechsel immer ein Vagniß ist, zu welchem bie Aerzte nicht ihre Zustim mtng geben können. — Die Publikation beS Staats pushaltS-Etat wirb demnächst erfolgen, nachdem der- dbe vom Kaiser sanctionirt worben ist. — Die Be- sfung bes Fürsten Hohenlohe-Schillingsfürst zu bem
nein Hotschafterposten in Paris wirb allgemein als eine Mckliche Wahl mit Vertrauen ausgenommen. Fürst Hohenlohe hat sowohl als bayerischer Minister Präsi ient wie in seiner parlamentarischen Wirksamkeit seine