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Marburg, Mittwoch, den 4. März.
1874t.
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i Oberhessische Zeit««-.
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Feine Welt.
Novelle von Max Ring. (Fortsetzung.)
Vorlage gegen rechtswidrige Vornahme kirchlicher Handlungen der zu Amtsentsetzung vernnheillen
8, was stark in die Augen fiel und die Aufmerk- eit auf sich zog. Eine Meuge von Oelgemälden Kupferstichen von ungleichem Werth bezeichneten Besitzer als einen Mäzen der schönen Künste. Wahl derselben schien allerdings weniger für den mack, als für die genaue Kennmiß der äugen ichen Mode zu sprechen. Hier und da erblickte wohl auch ein altes oder neues Meisterwerk,
katholischen Bischöfe und Geistlichen, und es ist er» wähnenSwerth, daß die Allerhöchste Ermächtigung zur Vorlage dieses Gesetzes gleiches Datum trägt mit dem Kaiserlichen Handschreiben an Rufiel. Auf die Un er stützung des Militärgesetzes Seitens der Centrums Partei war selbstverständlich nicht gerechnet worden, diese Opposition kann daher auch keine Besorgniß einflößen. Man darf sich auch nicht zu pessimistischer Auffassung verleiten lassen, wenn in den Commijstons- verhandlungen Zweifel und Bedenken gegen das Mi litärgesetz zu lebhafterem Ausdruck kommen als sonst die Kundgebungen der einflußreichsten Preßorgane und die allgemeine Stimmung in liberalen parlamentarischen Kreisen hatte erwarten lassen. Die gründlichere Prü kung und schärferes Eingehen auf alle Einzelnheiten der Gesetze ist vielmehr die beste Vorbereitung zu such licher Behandlung der Vorlage in der Plcuarverhand lung und zu schließlicher Verständigung. Auch heute haben die Magdeburger und die Weser-Zeitung das Militärgesetz Erörterungen unterzogen, die letztere namentlich vom Standpunkt des Budgetrechts aus, welcher man den Vorzug objektiver und scharfsinniger Argumentation einräumen muß. — Das schon längere Zeit sich erhaltende Gerücht von einem bevorstehenden Wechsel des Botschafterpostens zu Paris soll der Reali- sirung nahe sein. Als Nachfolger des Grafen Arnim bezeichnet man den Fürsten Hohenlohe, während ersterer für den Botschafterposten in Constantinopel designirt sein soll.
— Der „Reichs Anzeiger" publicirt die Ernennung des Ober Zustizraths Wentzel zum Director im Justizministerium, sowie des Ober-JustizrathS Förster zum Director im Cultusministerium. — Am Sonntag sand um 5 Uhr ein Gala-Diner zu 120 Couverts im Weißen Saale Statt zu Ehren des Prinzen und Prinzessin von Wales. Anwesend waren ferner der Großfürst Nikolaus Konstantinowitsch und der Herzog Eugen von Württemberg. Der Kaiser war mit Rück
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istenzfrage und der höchsten StaatSinteressen auf men. Zu de» gewichtigsten Acten und Zeugnissen, e wir zur Begründung deS Gesagten anführen M filmen, rechnen wir nächst den Kaiserlichen Hand- ‘“-“ben an den Papst und Earl Ruffel die neueste
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—< Mgemheil, sie befand sich in dem fashionablesten f®* Stadtviertel und bestand auS einer Reihe von Zimmern, »elche im elegantesten Geschmacke möblirt waren. Die tzände waren mit prächtigen Tapeten bekleidet, aller-
i hi«» diagS schienen die Farben allzuschreiend, die Ver he» Mung zu häufig angebracht, ober Herr Frank liebte
versehen. Dadurch wurde der Eindruck, als wären eben all die Möbel nur hier zur Schau ausgestellt, vermehrt, und eine ungemüthliche Stimmung in dem i Besucher hervorgebracht.
Alles schien neu, modern, als wäre es eben erst aus der Hand des Tischlers hervorgegaugen, eS fehlte jene Weihe des Gebrauchs, welche unserer Umgebung : erst den wahren Werth verleiht und zu einem Theil ; unseres eigenen Wesens macht. Die Dinge schienen ; tobt und unbelebt. Trotzdem that sich überall das ; Streben kund, an Luxus und Eleganz mit den besten und vornehmsten Häusern zu wetteifern.
Auch das Aeußere an Herrn Frank und seine Erscheinung trugen denselben Stempel wie seine Wohnung. Er war, oder wollte wenigstens ein vollendeter Dandy fein. Sorgfältig fristrtes Haar, viele meinten, daß er eine Perücke trage, ein dunkler Schnurr- und Backenbart umgaben das blühende, und wenig gedunsene Angesicht. Auf seine Hände hatte er die größte Sorgfalt verwendet, obgleich dieselbe wenig Früchte trug. Trotz Seife Mandelkleie und Essenzen blieben dieselben dick und roch. In den Mußestunden bürstete er die Nägel, die er lang zu tragen pflegte. Die feinsten Glacöehandfchuhe verbargen die übrigen Mängel. Seine Kleidung war stets nach dem neusten Schnitt und von den besten Stoffen, ob dieselbe zu seiner Figur und zu seiner Haltung paßte, kümmerte ihn nicht. Stets war er ein Löwe des Tages, den er in Garderobe, Stellung und Sprache getreu zu kopiren suchte. Er hielt einen Bedienten in auffallender Livrse, ein Reitpferd, das ihn hundert Louis'dor kostete und versäumte keine Vorstellung der Oper und Ballet.
Ueber diese Aeußerlichkeiten, so wichtig sie ihm auch waren, vergaß Herr Frank aber keineswegs den höheren Lebenszweck. Dieser bestand für ihn in der täglichen Vermehrung seines Vermögens. Geld war der Nerv seines Daseins und Verdienen ein Haupt wort, das er groß schrieb. Neigung und Tendenz ließen ihn vorzugsweise Verbindungen mit der feinen Welt anknüpsen, welche den Parvmue verspottete, während er sich edel an ihr rächte und ihr mit seinem
Herr Frank entweder auf einer Auktion billig 'scheb Münden, ober von einem Schuldner an Zahlungs- 345fr tt angenommen hatte. Er pflegte mit einem ge -hrs *fftn Stolz jedem Besucher seine Gallerte zu zeigen, »bei er niemals unterließ, den Preis eines jeden Ge- 3435 Wb eg bei Heller und Pfennig anzugeben.
—7- — Die Möbel waren fein und auSgewählt, ob-
Aärr- H fidj auch hier mehr das Streben nach äußerm
Herr Frank war durchaus kein Wucherer im ge» klg ^ähnlichen Sinne, kein schmutziger Geizhals mit von Hvarzer Wäsche und zerriffenem Rock, eben so wenig >1 Wch seine Wohnung etwa einer finsteren Höhle in ' raenb einem verlorenen Winkel bet Residenz. Im
Deutsches «eich.
•* Berit», 2. März. Die Frage, welche Siel lung die Centrumspartei zum Militärgesetz einnehmen Mdc, hat in den CommisstonSverhandlungen bereits hre Beantwortung gefunden.; wie zu erwarten war, haben sich die ultramontanen Commisstonsmitglieder i« schroffste Opposition gestellt. Die dunkelen Ge richte also, daß in Veranlassung des MilitärgefetzeS tin Comprorniß zwischen Regierung und Ultramontanen „gebahnt werde, haben sich als gänzlich unbegründet mviescn. Entstehen und Glauben finden konnten diese
«ich nur bei vollständiger Verkennung der Verhält
-isst und der maßgebenden Personen. Was in der Prj, nelbesprochenen Note erklärt worden war: „Deutsch- n an l«b könne, wenn der Gegner einmal Krieg wolle,
Vor der Thür dieses Ehrenmannes hielt in 5 bis Fefern Augenblicke da» elegante Kabriolett des Che ßertl MerS.
«rsuchten Einwirkungen zur Herbeiführung einer Aen ,e"en' terung der Regierungspolitik auch selbst mit der Hülfe
Br das Militärgesetz erfolglos sein mußten, dafür ” M yb eS hinlängliche Bürgschaft schon in dem Charakter Mb eingenommenen Stellung der maßgebenden fönlichkeiten. Bei deren richtiger Beurtheilung «nie kein Gedanke an schwächliches Preisgeben der
ttz, als nach innerem Komfort verrieth. Ein 2V ferner war durch Möbel im Rokvkkogeschmack ein 3e,rj lichtet, die ganze Wohnung jedoch überladen und eitles Schaugepräge entstellt. Auf dem Karnin «,*»• tzd xiire Anzahl Nippsachen, chinesische« Porzellan, bttlanische Gläser und moderne Broncefiguren. Hha und Stühle mit schweren Seidenstoffen über M, waren sorgfältig mit Leinwand bedeckt, ebenso
nicht warten, bis der für den Feind günstigste Mo- Et gekommen sein werde," das gilt auch für diesen M. Ein schwächliche« Nachgeben gegen Rom im jetzigen Augenblick, um einer momentanen Erleichte- mng willen, würde gleichbedeutend sein mit dem Preis- zeben der festen Posttion des Rechtes und der Macht, »ogegen die römische Hierarchie nicht versäumen würde, Bt,cra eiter einer ihr günstigeren Konstellation den Kampf
sicht auf die kühle Temperatur des Saales nicht anwesend. Den Toast auf den Prinzen und die Prinzessin Wales brachte die Kaiserin auS. Die Abreise des Prinzen von Wales findet morgen Abend 10 Uhr nach Köln statt.
— Die Commission deS Reichstags, welcher daS Militärpensionsgesetz zur Vorberalhung überwiesen worden, hat ihre Berathungen bis auf die Schlußbestimmungen beendet. Die 1 bis 3 wurden unverändert angenommen, der §. 4, welcher die mit Pension veraaschicdeten Offizieren rc, auch in dem Falle ihrer Beschäftigung oder Anstellung im Commu- nalbienfte ihrer Pension belassen will, wurde gestrichen. Die §§.5 und 6 wurden ohne Veränderung, ber §. 7 mit Veränderungen, ohne jedoch das Princip desselben umzuformeu, ebenfalls angenommen. Unveränderte Annahme fanden ferner die §§. 8, 9, 10, 14 und 15 des Gesetzes, während die §§. 12 und 13 nur einige redaktionelle Amderungen erfuhren. Der §. 16 erhielt bagen folgende Fassung: „Unter "ßicilbienft im Sinne des §.106 beS Gesetzes vom 27. Juni 1871 ist auch der Dienst bei benjenigen Privateisenbahnen, welche sich in Staatsverwaltung befinden, zu verstehen. — Die Commission für das Reichskriegsgesetz setzte die Generaldiskussion fort und zwar zunächst über die §§. 1 bis 4. An derselben beiheiligten sich, nachdem der Bundeskommissar Oberst v. Stiehle auf die früher gestellten schriftlichen Fragen Laskers ausführlich ge. antwortet, fast sämmtliche Mitglieder der Commission. Auch die Vorschläge auf Verlängerung des Provisoriums wurden von verschiedenen Seiten wiederholt, dagegen von Seiten der konservativen Mitglieder bekämpft, welche, wenn nicht eine definitive Regelung der Militärfrage erfolgen könnte, lieber gegen das ganze Gesetz stimmen wollten. Auch der KriegS- Minister v. Kameke äußerte sich dahin, daß daS Provisorium den Bundesregierungen nicht erwünscht, vielmehr die definitive Regelung der Militärfrage für Gelbe zu Hülfe kam, freilich gegen unmenschliche Procente.
In Gelbsachen hört die Gemüthlichkeit auf. Diese Maxime eines weisen Staatsmannes hatte Herr Frank zu der feinigen gemacht. Dennoch konnte “er, wenn eS darauf ankam, sich zu zeigen ober einen Zweck zu verfolgen, bas Gelb mit vollen Hänben wegwerfen, aber gewöhnlich säetc er nur, wenn er hundertfach zu Srnbten hoffte. Auch die Geschichte vorn Senfkorn hatte er sich zu Nutzen gemacht.
Als ber Chevalier eintrat, sanb er den Trefflichen in feinem Bibliothek«» und Arbeitszimmer, so nannte Herr Frank ein kleines Äabinet, in welchem hinter Glasschränken eine Reihe prächtig eingebunder Bücher stand, welche er so selten als möglich in Gebrauch zog, um sie nicht abzunutzen. Zn Goldschnitt prang» ten die Helden der Literatur, Göthe, Schiller, Lessing und Herder weil es die Mode einmal mit sich brachte. Diese Klassiker betrachtete Herr Frank mit heiliger Scheu, so baß er sie niemals zu berühren wagte. Trotzdem las er viel und war mit den neuesten Erscheinungen der Literatur, wenn auch nur oberflächlich, bekannt. Sein Lieblingsdichter war Heine, den er halb auswendig wußte und bei jeder Gelegenheit, ob passend ober unpassend, anzubringen pflegte. So eben hatte er einen Roman von Dumas in der Hand, den er sogleich bei Seite warf, um seinen Gast zu begrüßen.
■7 Gott! Herr Chevalier, — sagte Herr Frank, der in feinem prachtvollen Schlafrock von braunem Sammet mit Goldschnüren besetzt, dem Besucher entgegeneilte. — Welch hoher Glanz in meiner niederen Hütte. Wollen Sie nicht Platz nehmen? Zohann! —
Ein ausnehmend kleiner Gnoom erschien sogleich, der die größte Aehnlichkeit mit einem in Livrse gesteckten Affen hatte. Herr Frank flüsterte dem Miniatur-Diener einige Motte in das Ohr. Dieser erschien schon nach wenigen Minuten mit einer Platte, reich mit Austern belegt, und einer Tablette auf welcher eine Flasche Chablis und zwei Gläser l,anbe,L (Forts, folgt.)