den schönen Redensarten ist mir auch nicht geholfen und kurz und gut, ich will mein Geld. —
Der ehrenhafte Meister, welcher in der einen Hand ein Paar abzuliefernde Maunsstiefcl, und in der andern seinen abgeschabten Filzhut hielt, hatte sich mit entschiedener Positur vor die Gräfin hingepflanzt und schien in der That entschlossen zu sein, seine einmal eingenomme Stellung nicht fo leicht wieder aufzugeben. Der angeborene Respekt gegen die Aristokratie halte in der letzten Zeit einige demokratische Stöße durch anderweitige Verluste erhalten, und der Genuß einiger Morgenschnäpse die Milch der frommen Denkungsart in gährcndes Drachengift verwandelt.
Die Gräfin war rathloS und hatte sich flüsternd an Julie gewendet.
— Hast Du gar kein Geld, einige Thaler nur in Deiner Kasse? — fragte sie in leisem Ton.
— Nichts, gar nichts - lautete die trostlose Antwort. — Mein letztes Geld habe ich gestern für Par- sümeS ausgegebe». Olivier borgt auch nichts mehr. —
— Der Undankvare! Doch was soll geschehen?'' Wir können doch den Menschen nicht den ganzen Tag hier im Zimmer stehen haben? —
In diesem Augenblick schlüpfte durch die halb geöffnete Thür ein junger, elegant gekleideter Herr herein.
— Mein Gott! der Chevalier — rief Julie erschrocken und flüchtete durch die Ncbenthür.
Ha! ha! — lachte der Dandy, indem er sich vor der Oberhofmeisterin mit dem zierlichsten Anstande verbeugte — attrapirt! attrapirt! —
— Herr Chevalier - entgegnete die Gräfin mit einer gewissen Würbe — zu jeder andern Zeit wäre uns Ihr Besuch willkommener gewesen —
— Verzeihen Sie! — rief der Chevalier, welcher plötzlich ernst geworden schien und die Hand der Obcrhofmeisterin ergriff, auf welche er einen Kuß drückte, — ich konnte der Versuchung nicht wider»
JUarßurg, Sonnabend, den 28. Februar.
Mr. 51
1874
Schrift
sichert,
ton Aus- ckerei
zum betrügerischen Kredit, um im Hazardspiel der Börsengeschäfte reich zu werben und der Arme der keinen Kredit sich ergaunern kann, greift zur Flinte, um sich das zu erkämpfen, was er beim Gründer straflos glücken sieht. Die Hyänen des Geldmarktes unterscheiden sich nur dadurch von den Hyänen von Belleville und Montmartre, daß diese letzteren wenigstens den Muth voraus haben, ihr Ziel mit Aufopferung ihres Lebens zu erreichen. Wenn wir die Sozialisten des vierten Standes bekämpfen, so vergeffen wir nicht die feigere Sorte der Sozialisten, die hinter silbernen Eisbechern sitzen und beim perlenden Champagner die Welt verlachen, welche noch an etwas Anderes glaubt, als an die Gaunerklugheit, mit fremdem Gelde sich die eigenen Taschen zu füllen. Ich sage auch hiermit Niemanden etwas Neues, aber ich habe mein eigenes Herz wieder stählen wollen, eö auszusprechen, sich nicht von dem Glanze des Reichlhums blenden zu lassen, ohne nach der Quelle zu fragen, aus welcher er fließt." W
— Dem Reichstage ist vom Reichskanzler im Einverstäudniß- mit dem Bundesrath ein nach Maßgabe der von den Vewaltungen der Bundes-Militär- Contingcnte eingesandten Materialien zusamm-ngestellte Berechnung des Mehrerfordernisses des Etats der Verwaltung des Reichöheeres für das Jahr 1875 gegen den für das Jahr 1874 vorgelegt worden. In der hier mitgetheilten Gesammtsumme sind die für Bayern nach Verhältniß der Kopsstärke berechneteit Mehrerfordernisse mit aufgenommen. Der Normaletat gbeträgt für 1874: 101,742,625 Thlr. davon sind an Ersparnissen für regelmäßig wiederkchrende Vacanzen u. s. w abgerechnet: 6,273,254 Thlr. (bei Bayern nichts); der wirkliche Etat beträgt daher für 1874: 95,469,371 Thlr. Für 1875 treten dem Normaletat hinzu in Folge des Reichö-Militär-Ge- setzcs: 1,843,463 Thlr.; in Folge der allgemeinen Preissteigerung u s. w. 6,893,649 Thlr.; in Folge anderweitiger Bedürfnisse 2,644,556 Thlr.; für 1875 gehen von dem Normaletat ab in Folge WeglallS von Stellen rc. 59,973 Thlr. (bei Bayern nichts); der Normaletat beträgt somit für 1875: 113,064,320
Pirzem bei F. Schneider in Berlin erschienenen kroschüre, welche dm Conservativen in verständlichster form auseinandersetzt, wie gegen Stein und Scharn-
ver- 3358
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Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 224 Sar dur» bi- Postämter 27 Sgr. lexcl. Bestellgebühr und mcl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. - Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sar — b
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Deutsches »eich.
•• Berlin, 26. Febr. Das CultuSministerium P bereits mit den Vorbereitungen und Arbeiten zur Ausführung des Civilchegesetzes beschäftigt. Zunächst eitb die Abgrenzung der CivilstandSbezirke festgestellt. _ An Stelle deS Präsidenten des Obertribunals, Aigwersleben, welcher den Vorsitz im Kirchlichen Discipliuar Gerichtshof niedergelegt, ist der General tzteuer-Director Schuhmann zum Vorsitzenden ernannt norden. — Ein Korrespondent der „Elberfelder Zig."
«Erstellungen auf die „Oberst. Zeitung" für den <D Monat März werden bei den Kaiserl. Post- ,ustalten und der Expedition entgegengenommen.
horst ganz derselbe conservative Unverstand sich er hoben habe, der jetzt gegen den großen Mann unserer Zeit ankämpft. Gleichzeitig greift aber der Verfasser auch in das ethische und feciale Gebiet hinein und rügt die materialistische Richtung unserer Zeit in schonungsloser Kritik. „Fast kein Volk — sagt er — hat dauernd das fressende Gift ertragen, wenn es das Ringen nach Wohlstand unter die höchsten seiner Güter gestellt hat. Es ist ein Blendwerk, welches das Herz kalt und stolz macht und es so beschwert, daß eö nach unten gezogen wird und nicht nach oben, wo unsere eigentliche Heimath ist. Preußens Giöße haben wir unserem märkischen Sande zu ver banken. Materielles Wohlsein ist ja ein berechtigter Wunsch jeder Creatur, aber denken sie an die Reich thümer Asiens, die bisher jeoes Volk, welches mit ihnen in Berührung gekommen ist, entnervt haben. Alexander gründete ein großes Reich, und die Schätze Asiens ließen es zerfallen, sowie der große Mann die Augen schloß. Als die Heere RomS aus Asten mit Schätze beladen zurückkehrten, da heftete sich der Fluch des Reichthums an ihre Fersen, und England geht trotz solider ständischer Gliederung durch den Reichthum Indiens stark seinem Verfall entgegen, denn es kann sich nur noch zu Thaten ermannen, wenn eö sich um Geld handelt. Es liegt eine große Gefahr in den Milliarden, die wir erobert! Nicht das Geld an sich ist das Gefährliche, aber sinken muß der Staat, wenn die Edlen des Volkes sich nicht von Geschäften abwenden, die zum Ziele haben, reich zu werden ohne Mühe und Arbeit. Das ist das Gift, । welches die Brust des Armen von Haß anschwellen läßt' i Wenn der mühelos erworbene Reichthum geehrt wird, so verliert die ehrliche Arbeit an Achtung, und das ' Volk welches dem ehrlichen Arbeiter nicht mehr Achtung zollt, zerstört in seiner Brust das Selbstgefühl, welches ! die Entschädigung eines mühevollen Daseins ist, und 1 weckt in ihm die Begierde, es denen gleich zu thun, ' die ohne Arbeit reich werden und gut leben wollen. । Die Zerstörungswnth der Pariser Kommune ist der , großgezogene Neid und Haß, welchen der frivole i Reichthum in ihr erzeugt hat. Der Schwindler greift I
, mb anderer Blätter hat die eigenthümliche Passion, ««« sich sonst gerade ein interessanter Stoff nicht tdlerl iarbietet, in bet Form beabsichtigter Berichtigung oder des Zweifels an der Wahrheit durch allerhand mystische imb pessimistische Andeutungen und Mittheilung dunkelet Gerüchte die Welt in Spannung zu versetzen. Er
»d. *5 man zu dem Erfolg der Reichstags-Session, be-
mders zu dem Zustandekommen des Militär- und les Preßgesetzes wenig Vertrauen habe. Warum? darüber schweigt der Augur. Die Gründe und näheren Wände bleiben in Dunkel gehüllt, damit der Phan- isie um so freierer Spielraum sich eröffne. Dagegen
febk' gläubigen Lesern als besonders gut unterrichtet, selbst (Sfo «ls vorsichtiger Diplomat zu erscheinen, und kann nicht xoauct F Verantwortung gezogen werden, wenn das Gerücht Hause, ßch als Lüge erweiset, da er ja selbst zum Mißtrauen ünscht. dagegen auffotdert. Dieser schlaue Politiker hat jetzt, eie er meldet, in parlamentarischen Kreisen erhorcht,
,d ge.
Buch
®j jdbft hat davon den Vortheil, eben weil sonst Niemand b« von ihm erfundenen »on dit’s« kennt, vor leicht-
Nerhessische Zeit»»!,.
Sauf die Kundgebungen fast aller angesehenen Blätter verweisen, welche übereinstimmend ein günstiges ognosticon gestellt haben, und doch auch erfahren, S in parlamentarischen Kreisen vorgeht.
— „Ein Wort für Bismarcks innere Politik von em Conservativen" — das ist der Titel einer vor
b.M
d.
g-
nd
0« .] »erbrechung darin gestört werden.
>rik id für iahen 3106
i<*». iller igi- des
Feine Well.
Novelle von Max Ring.
, (Fortsetzung.)
Die Tochter unterdrückte eine beißende Antwort, lüche auf ihren trotzig aufgeworfenen Lippen schwebte Bb begnügte sich nur, der Mutter den Rücken zuzu- nhen und mit ihrem Papagei zu spielen, welchem sie it beim Frühstück übrig gebliebenen Biscuüs zusteckte.
Eine unangenehme Pause war jetzt eingetreten, tüt Oberhofmeisterin gab bei solchen Gelegenheiten
;« imer nach. Ihr Grundsatz, den eine lange Erfahrung r gelehrt, war, in allen kleinen Dingen des Lebens ’ tz, wenn auch nur scheinbar, unterzuordnen, um bei der wichtigen Angelegenheit am Ende ihren Willen «rchzusetzen. Auch in diesem Augenblicke näherte sie h der Tochter, welche sie leise umfing.
— Julie! kannst Du mir in der That böse fein? s' fragte sie mit sanfter Stimme. — Du weißt, daß tt Dein Glück mich so zu reden zwingt. Ich habe ichts gespart, um Dich zu dem zu machen, was Du I. Deine Erziehung hat mir bedeutende Opfer auf Fegt. Dir zu lieb mache ich ein Haus, das bei Ftem meine geringen Kräfte übersteigt. Ist das
Lohn meiner unbegrenzten Liebe, Julie? —
Die schmollende Tochter schien wirklich gegen diese Wtzrache nicht unempfänglich zu fein. Sie umarmte
* Mutter und drückte einen Kuß auf die seinen 'ppen der Oberhosmeisterin.
' Der Frieden war geschloffen, die beiden Damen . Sen w eder Hand in Hand auf dem Sopha, ein • der größten Einigkeit, um baS begonnene Gespräch
Ker fortzusetzen. Leider sollten fie durch eine neue
SS-el'j Auf dem Korridor hatte sich ein lauter Zank er- . Ken. Eine fremde Stimme forderte dringend den Stritt, während Conrad, der Bediente der Oberhvf- —^erin den frühzeitigen Besuch abzuweisen suchte.
— Ich gehe nicht eher fort, bevor ich mein Geld habe, — schrie der Zudringliche, — Frau Gräfin hat mich herbestellt. —
— Ich darf jetzt Niemand einlaffen, — antwortete der Lakai.
— Und ich lasst mich nicht 'zum Narren halten, — erwiederte der ungestüme Mahner.
— Herr! machen Sie keinen solchen Scandal! — rief Conrad.
— Von Ihnen lasst ich mir noch nicht den Mund verbieten, — schrie von Neuem der ehrliche Handwerker, indem er mit einem kräftigen Ruck den Bedienten bei Seite schob und plötzlich unangemeldet in das Zmmer der Damen trat.
— Quel horreur! — rief die Oberhofmeisterin bei dieser unerwarteten plebejischen Erscheinung aus.
Der würdige Schuhmachermeister, welcher einige Monate in Paris gearbeitet hatte, bezog mit Recht den Ausruf auf seine ehrenwerthe Person und wurde erst recht erbittert.
— Ach! was da horreur! — schrie der Ungeschliffene. — Geld will ich haben, gnädige Frau, und das auf der Stelle. Ich gehe nicht eher vom Fleck, bis ich meine Rechnung bezahlt bekomme. Ich bin nut ein armer Handwerker, aber ich würde mich an Ihrer Stelle schämen. So ’ne Lumperei! und ich warte schon länger als ein Jahr. —
— Aber, Herr Petri, ich bitte Sie, moberiren Sie sich! flehte die Gräfin, inbem sie sich Gewalt am that, um ihren Zorn zu unterbrücken.
— Vom Moberiren wird der Mensch nicht satt. Ich bin Familienvater! das Leder muß ich baar bezahlen und die Gesellen auch. Frau Gräfin haben mich hundertmal schon herbestellt, aber immer wenn ich komme, heißt eS, daß Sie nicht zu Hause sind. —
— Es thut mir in der That leid, daß Sie fich so oft vergebens herbemüht haben, aber —
— Na nu werden Sie wich nicht wieder los. Mit