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Nlarkurg, Frettag, den 27. Februar.

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Zu derselben Stunde schlief Gräfin Juli noch fest Sie war erst nach Mitternacht aus einer glänzenden Gesellschaft heimgekehrt. Auf den Stühlen und Fan teuils lag ihre Garderobe in Unordnung umherge- streut. Da eS indiscrct Wäre, länger als schicklich in dem Schlafzimmer einer Dame von so hohem Range

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die Krone der seinen Welt sich erhebt, um ihre Choco- lade einzunehmen.

1339

Es mochte gegen elf Uhr Morgens fein, als Julia in Gesellschaft ihrer würdigen Mutter auf dem Divan vor dem Frühstückstische saß. Ihre Toilette ließ in diesem Augenblicke noch viel zu wünschen übrig, und keiner ihrer vielen Anbeter hätte die reizende, Schön­heit des Salons sogleich in ihr wiedererkannt. Ein zerknittertes Nachthäubchen bedeckte das ungeordnete Haar, welches allen Glanz über Nacht verloren zu haben schien. Ihr Teint war jedenfalls am Morgen nicht so fein und blühend, wie am Abend. Wir über lasten es gern dem scharsstnnigen Leser, den Grund dieser auffallenden Erscheinung zu mtdecken. Ein kurzer Seidenrock von schwarzer Farbe verhüllte die göttliche

jetzt nicht mehr aussprechen dürfen. Nicht der Ehrgeiz und die Herrschsucht de. einzelnen Bischofs, sondern die Herrschsucht der römischen Curie und die unbe- dingte Unterordnung aller Bischöfe^unter die unfehlbaren Gebote Roms tragen die Schuld en der Zerüttung zwischen Staat und Kirche. Erinnernd an die bei der Abhaltung des vatikanischen Concils von den deutschen Bischöfen selbst verkündeten Gefahren, an den Papst, von dem unheilvollen Beginnen des Concils abzustehen und an ihre theilweise vorzeitig erfolgte Abreise von Rom hebt der Artikel hervor, wie es durch das Zeugniß der Bischöfe, als diese in ihrer katholischen Ucberzeugung noch frei waren, seststehe, daß die jetzigen Gefahren für die Kirche und eine mögliche Zerrüttung in vielen Gemeinden einzig und allein, durch die römisch-bischöflichen Gewisten unter der Herrschaft Roms herbeigeführt sind. Dasselbe Blatt erblickt den Grund, weshalb Bischof Räß so unerwartet rasch der Franzosen-Partei die Gemeinschaft gekündigt habe, darin, daß das Jntereste und die Tactik der Centrumspartei für ihn absolut entscheidend wurde. Für die deutsche Sache im Reichslande sei vor Allem wichtig, daß die große Mehrheit der Ver­treter desselben schon jetzt anerkennten und bekundeten, daß eine erfolgreiche Thätigkeit nur auf dem Boden der Thatsachm und ihrer Anerkennung auSübbar sei. Das Blatt bestätigt, daß der Kaiser seine altgewohnte Lebensweise in jeder Beziehung wieder ausgenommen hat und wie in früherer Weise an den Hoffestlich- .keiten Theil nimmt. Den Besuch des Kronprinzen von Dämemark am hiesigen Hof bezeichnet das Blatt als ein neues Zeugniß der zwischen Dänemark und Deutschland bestehenden freundschaftlichen Beziehungen.

Der Justizausschuß deS Bundesraths hat sich am Sonntag und Montag in mehrstündigen Sitzungen mit dem CivilproceßordnuugS - Entwürfe beschäftigt. Wesentlich bestritten wurden nur das Gerichtsvoll­zieher-Institut und das System der Rechtsmittel. Als verlässig wird uns mitgetheilt, daß man das Institut der Gerichtsvollzieher in dem Sinne, wie

cS zur Zeit nach rheinisch-französischem Vorbilde in den einzelnen deutschen Staaten besteht, aus dem Grunde nicht für haltbar erachtet, weil die Gerichts­vollzieher aus dem beschränkten Wirkungskreise, dm ihnen die Proceßordnung anweist , den nöthigen Lebensunterhalt nicht werden gewinnen können. Da­gegen scheint man darüber einig zu sein, am Princip deS Entwurfs in dieser Beziehung festzuhalten und eine Einrichtung nach Art der jetzt in Hannover bestehenden Verhältnisse treffen' zu wollen. Freilich wird dies zur Folge haben, daß man alsdann den einzelnen Regierungen einen freien Spielraum ge­währen muß, um die dienstliche Stellung der Gerichts­vollzieher den in den Einzelstaaten bestehenden vrt- lichen und historischen Verhältnissen anzupasten. In Bezug auf das System der Rechtsmittel scheint sicher, daß sich der Justizausschuß der Berufung zuneigm, das lediglich auf Würdigung der Rechtsfrage einge­schränkte Rechtsmittel der Revision ablehnen wird. Es wurde betont, daß der Justizausschuß mit einem Beschluß in dieser Richtung nur dm Wünschen deS überwiegenden Theils der deutschen Juristen entgegen­kommen würde, welche längst ihre großen Zweifel darüber nicht verhehlt hätten, wie bedenklich eS sei, über das Tatsächliche eines Rechtsstreites Einem Gerichte die souveräne Entscheidung in die Hand zu legen. Die Consequenz würde also die fein, daß daS Rechtsmittel der Berufung, welches der Entwurf be­reits gegen Erkenntniste der Niedergerichte zuläßt, verallgemeinert und für alle Rechtssachen anwendbar erklärt wird. Dagegen soll über das dritte Rechts­mittel eine Beschlußfassung noch nicht Statt gefunden haben. Im Prinzip wird der oberste Reichs-Gerichts- Hof von Niemandem beanstandet; dagegen wurde geltend gemacht, daß, wenn der höchste Gerichtshof nicht von vorn herein durch Ueberlast von Material erdrückt werden solle, seine Aufgabe kaum über das Gebiet des Reichsrechts ausgedehnt werden könne. Es wurde als sehr zweifelhaft bezeichnet, ob, wenigstmS in den größeren Staaten, für den Bereich des Land-

und fiel in daS dichte grüne Dach deS heiligen Doms. Die alten, grauen Stämme der Buchen glänzten wie leuchtender Marmor, die Birken glichen silbernen Säulen und die. schuppigen Fichten funkelten wie glühendes Erz. Und immer Heller und Heller kam das Licht heran, die goldenen Sonnenstreisen senkten sich auf Wald und Flur. Die jungen Tannengipfel leuchteten als grüne Freudenfackeln, die Wiesen schimm in der Demantpracht des frischm Thau's riesigen Tep­pichen gleich, mit Perlen und Juwelen rings bestreut.

Ein Auge aber sah all' die Herrlichkeit und ein Herz zitterte in unnennbarer Wonne und fühlte die tiefe Bedeutung der Auferstehung von Nacht zu Tage, vom Tode zum Leben.

Auch unser Freund feierte dm Sonnenaufgang eines neuen Lebens in der mit ihm erwachten Natur.

X.

s von

Land- czeich

L

geilt Welt.

Novelle von Max Ring.

f 1 (Fortsetzung.)

Die Augm deS Fremden hafteten an dem sagen- »chen Gestirn und feine Lippen murmelten den itdeutungSreichm Namen des gefallenen Engels: Steifer.

Sonst war e« hier still, als wäre alles Leben er- iorben, nur daS vorjährige Herbstlaub rauschte zn- ttilen unter seinen Füßen. Die Bewohner des WaloeS Liefen noch und träumten dem kommenden Morgen «gegen. Kein Blatt, keine Blume am Stengel regten Sh. DaS Wild ruhte versteckt in seinem Lager und in Vogel im verborgenen Nest regte sich nicht. Jm- <tr dichter wurde der Wald, wo der Fremde ging, Ad die alten Eichen und Buchen verschränkten ihre Ntne zu einem Riefendom. Im Kreise lagen ver­sierte Wurzeln und moosbedeckte Steine, auf einem diesen setzte sich der Wanderer und feine brennende Stirn kühlte der fallende Thau.

Hier dachte er an sein vergangenes Leben, und is verlorene Jugend, an das wüste Treiben seines ^annesalterü.

Deutsches Reich. ,

SB erlitt, 25. Febr. Das Handschreiben Sr. Majestät des Kaisers an Ruffel, welches telegraphisch eitf London mitgetheilt Hürde, wird heute vomStaats ijeiger" nach dem Original veröffentlicht. Die tele­graphische Mittheilung war nur eine Rückübersetzung au« dem Englischen; Earl Russcl's Schreiben war in englischer Sprache, die Antwort. deS Kaisers aber in Kutscher Sprache versaßt. Beide Häuser des Land­tages waren heute zu^ Beschlußfassung über die Ver­tagung versammelt, und nach Annahme, der Regie? Nings-Proposition wurde die Vertagung bis zum 13- Spril vom Grafen Eulenburg fofort verkündet. Bei km nächstm Zufammentretm wird der Landtag sich $aerft mit dem Expropriationsgesetz zu beschäftigen haben. DieKreuzzig." hat sich zum Organ einer Agitation ter AmtSvvrsteher gegen Uebernahme der DtandeSbuchsührung gemacht. .Die heutigeProv.- Eorresp." thcilt die Rehe deS Ministers Grafen Eulen­burg mit, welche mit thatfächljchen Belegen die Haupt- bedenken gegen Uebernahme dieses Amtes widerlegt. Mit Recht wird darin hervorgehoben, daß dieses Amt geeignet ist, den Einfluß der Amtsvorsteher wesentlich zu verstärken, während nach den statistischen Ermitte langen die Besorgniß vor der damit verbundenen Ar beitslast keineswegs begründet, ist. WaS die Küster «mochten, das werden wohl auch die AmtSvorstcher «iszuführen befähigt sein. Der Abg. E. Richter «acht jetzt große Anstrengungen, mit Hülfe der fort jchrittlichen Blätter, welche seine Korrespondenzen anf- °chmen, seine Rede über daS Militärgesetz zu verherr- Lchen und Moltke's Rede dagegen herabzusetzen, auch bgar die darin über Frankreichs Organisation enthal­tenen Daten als unzuverlässig darzustellen, obgleich diese officiellen Quellen entnommen, die Herrn E. dichter nicht, zugänglich sind. ,

25. Febr. DieProvinzial. Corresp." skizzirt dm Inhalt deS jüngsten bischöflichen Sendschreibens Mb sagt: Die Bischöfe umgehen hierbei einen Wer klar erkannten und bezeichneten.Punkt, den fie

Taille, und die abgetretenen Morgenschuhe den kleinstm Fuß der Welt.

ES wäre zu wünschen, daß mancher feurige Lieb­haber die Geliebte in solcher Morgentoilette überraschte. Wir sind fest überzeugt, daß es dann bei weitem we­niger unglückliche Ehen geben würde.

, Mit dem Ballkostüm hatte Julie sowohl wie ihre Mutter manche anderweitig glänzende Eigenschaft ab­gelegt. Auch ihr Geist bewegte sich im häuslichen Negligee. Die prächtigen Hüllen waren abgestreist und die arme menschliche Natur mit ihren tausend Schwächen brach an allen Ecken und Enden hervor. Die edlen Empfindungen gingen mit verwirrtem und zerzaustem Haar einher, das tiefe Gefühl hatte einen schmutzigen Hausrock angezogen, und durch die Löcher besselben guckten überall bie nackten Blößen; der feine Ton schritt nicht mehr auf hohem Kothurn einher, jonbern steckte in abgetragenen Pantinen, kurz, die himmlische Julia hatte sich geistig wie körperlich in eine ganz gewöhnliche Sterbliche verwandelt.

Die Oberhofmeisterin hatte ihr fünftes Biscuit in bie vor ihr stehende Tasse getaucht und mit gesundem App^t verzehrt. Julie dagegen ließ die Chokolade unberührt.

Man eher enfant, bemerkte die zärtliche Mutter, Du mußt Dir nicht die Affaire so zu Herzen nehmen. Allerdings ist die Sache höchst fatal, Herr von Birkeneck wäre eine treffliche Parlhie für uns gewesen.

Die gute Mutter betrachtete jede Verbindung mit ihrer Tochter wie ihre eigene und mochte auch dafür ihre Gründe haben.

i Julie antwortete nicht, sondern stieß nur einen leisen Seufzer aus.

Ein junger, reicher Mann, fuhr die Ober­hofmeisterin fort, der ernste Absichten hat, ist allerdings ein empfindlicher Verlust, um so mehr, da der Fürst

Mama I Ich muß bitten, den Treulosen nicht zu erwähnen, unterbrach jetzt Julie mit Heftigkeit.

Düstere Erinnerungen zogen an seiner Seele vor- ________ _______________7.7..

tzer wie die mächtigen Schatten des Walde« und diel zu verweilen, so wollen wir gern noch warten, bis ^heimlichen Nebel der Wiesen und Fluren, welche in ' ' - - -

'Immernper Ferne lagen.

Plötzlich war das tiefe Schweigen der Natur um k gelöst. Der Morgenwind tarn anfangs leise, bann *"et lauter und gewaltiger herangeweht. Die zahl­en Blätter der Bäume begannen zu flüstern und zu Mm. Der Wald wurde mit einem Male lebendig bekam tausend Zungen und Sprachen. Die er Mte Kreatur verließ ihr Lager, das Wild brach Ml die knarrenden Beste, der Vogel fuhr zwitschernd - - - seinem Neste empor und der Hase sprang aus der 6,» I- ? Wen Furche auf. Der graue Schimmer im Osten, j * matte« Silber, wurde röther und röthcr, die

*jiien Wolken am Horizont färbten sich mit goldenen «men. Ein Lichtstrahl zitterte durch den Wald

Dderhessischk Zeitung.

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