Einzelbild herunterladen
 

Mr. 48

Marburg, Mittwoch, den 25. Februar.

1874.

Oterhessische Zeitung.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 224 Sgr., durch die Postämter 27 Sgr. lexcl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zelle 1 Sgr.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 24 Sgr. berechnet. Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.

Deutsches Reich.

Berk«, 23. Febr. Die deutschen Bischöfe haben die Gefängnifehaft de« Bischofs Ledochowski mm Gegenstand eines Sendschreibens an ihre Diöcescn znnacht, welches dieGermania« veröffentlicht, nach­dem die Hirtenbriefe ihr Ende erreicht haben. Be- «nkenSwerlh ist an diesem Sendschreiben eigentlich nur die Mäßigung im Ausdruck, da man bereit« in den Kundgebungen der uliramontanen Presse und Geist­lichkeit im Allgemeinen an das Gegentheil gewöhnt ist. ES fehlen uicht einmal die Ermahnungen zu friedlichem Verhalten, welche freilich den gläubigen Siichcngenosfen keinen Stützpunkt bieten, wenn im Üchrigen die üblichen Vorbehalte der Unterwerfung unter das Gesetz und die weltliche Obrigkeit der Nei­gung zum Widerstreben Vorschub leisten und das Bei spiel der kirchlichen Würdenträger nicht in kluger Ver­meidung des Auslehnens, sondern in hartnäckiger Miß­achtung der Gesetze vorangeht. Die Bischöfe mögen sich wohl gedrungen gefühlt haben, das für die Kirche bedeutsame Ereigniß der Gnsperrung Ledochowki's chrrn Gemeinden gegenüber nicht mit Stillschweigen zu übergehen, eine äußere und tiefere Wirkung wird »an dem Sendschreiben nicht beilegen können, da eS fich lediglich in der wohlbekannten Argumentation be­wegt und an demceterum censeo non possumus ststhält. Ihre weltliche Herrschsucht und Souverän nilätS-Ansprüche sucht die Hierarchie mit dem Namen Gottes zu decken, und schiebt dem Staat die Verant­wortlichkeit zu für die Collision.Man muß Gott »ehr gehorchen als den Menschen und Alles, was wir »ollen, das will Gott, denn wir find unfehlbar wie Sott!« Sobald die Kirche diese Grundsätze ä autrance Mend macht, bleibt jedem anderen Souverän nur dir Alternative:Unterwerfung oder Kampf!« Die Quelle dieser Collifion liegt eben im hierarchischen System; dem Staate wie andern Confessionen gegen- über behält man den Anspruch auf Alleinherrschaft immer zur Disposition um ihn nach Belieben, wie es gerade opportun erscheint mehr oder weniger gellend zu machen. Nach Bedarf wird davon Gebrauch ge­macht und die Spitze gegen den Feind gekehrt, oder euch da« behauptete Recht bis auf günstigere Zeit in turpenso gelassen und nur das Sammrtpfötchen ge zeigt. Der Staat«- und Reichs-Anzeiger publicirt ein

Feine Welt.

Novelle von Max Sting. _ _ (Fortsetzung.)

, VIII.

Den angestrengten Bemühungen des ArzteS war t» endlich gelungen, Oskar wieder in« Leben zurück- zurusen. Mit einem tiefen Seufzer schlug er die Augen auf, aber bei jedem Alhemzuge den er that, riesele da« rothe Blut reichlich au« der verwundeten Stuft auf den grünen Rasen hin. Der Doctor hatte einen vorläufigen Verband angelelegt und die Erklä­rung abgegeben, daß die Verletzung lebensgefährlich sei und jede Erschütterung den Tod unausbleiblich zur Folge haben müsie. An eine Rückkehr nach der «esidmz war unter diesen Verhältn-ssen nicht zu denken. Der Fürst, welcher seit der Abreise des Ba ron« die größte Theilnahme für den Verwundeten gezeigt, erbot sich bi« zum nächsten Dorfe zu reiten, «m von dort die nöthige Hülfe herbeizuschaffen. Am wollte er sein Pferd zu diesem Zwecke besteigen, ,l« au« dem benachbarten Wald zwei Männer her- Hrtraten, welche sich dem Schauplatz deS Duells »iherten.

Hier hat ein Unglück stattgefunden, sagte der jüngere zu dem älteren Gefährten, welcher augenscheinlich der Förster deS bmachbarteu Waldes »ar. Wir wollen sehen, ob wir noch helfen Bmten.

Wollen Sir durchaus sich in« Unglück kürzen? brummt« der alte Jäger. WaS nicht keine« Amte« ist, da laste hübfch Dein Für- »itz sein.

Ehe noch die wohlgemeinte Warnung ausgesprochen »at, befand sich bereit« der junge Mann in der Nähe b« Verwundeten.

Guter Freund sagte der Fürst zu dem Neu­angekommenen, den er, seiner Kleidung nach, für einen Jägerburschen hielt, können Sie mir nicht sagen, wo die Straße nach dem nächsten Dorfe führt?

Der Angeredete schien die Frage gänzlich überhört zu haben, während er mit dem Arzte und dem Förster einige Worte wechselte.

Hört er denn nicht? rief der Fürst voll Ungeduld, indem er mit dem Knopf der Reitgerte leise die Schulter des Jägerburschen berührte, der ihm den Rücken zugewendet hatte.

Dieser drehte sich um und ein Strahl seines glän­zenden Auges traf den Fürsten, so daß dieser, trotz seiner gewöhnlichen Rücksichtslosigkeit gegen Niedrig- stehende, betroffen eine Entschuldigung stammelte.

Ehe Sie Hilfe aus dem nächsten Dorfe her beiholm, entgegnete der Fremde, vergehen min­destens zwei Stundm. Dagegen ist die Försterwohnung ganz in der Nähe. Dort kann der Verwundete sogleich ein Unterkommen finden und die nöthige Pflege erhalten. Dabei haben Sie noch den Vortheil, daß kein unnöthigeS Aufsehen erregt wird.

Der Arzt stimmte sogleich diesem vernünftigen Vor­schläge bei, zu dem der ältere Gefährte, welcher sich als der betreffende Förster zu erkennen gab, ebenfalls seine Einwilligung gab. *

Unterdessen hatte der Jägerbursche mit seinem Hirsch fänger schnell einige junge Stämme gefällt und mit be­wunderungswürdiger Geschicklichkeit eine brauchbare Vor­richtung getroffen, um den Verwundeten mit möglichster Schonung fortzuschaffen. Alle Anwefenden, mit Ein­schluß de« Fürsten, legten selbst Hand an und trugen den armen Oskar nach der Wohnung des Försters, welche nicht allzu entfernt mitten im Walde lag. Auf

und erwerben die dort ausgebildeten Zöglinge keinen

Dispensation von der dreijährigen Studienzeit auf deutschen Universitäten zu erwarten. Die vielbesprochene

Correspondenz in derN. A. Z." über die Orient- Politik Deutschlands und Rußlands in derAugsb. Allg. Ztg.« hat nach einer Erklärung d. Bl. ihren Ursprung von einer Seite, welche den polischen Kreisen Wiens und Berlins vollkommen fremd und unab­hängig gegenübersteht.

DerReichsanzeiger« veröffentlicht eine Ver­fügung des CultuSministerS vom 20. d. M. an den Ober-Präsidenten der Provinz Posen, wonach die Studirenden der katholischen Theologie, welche ganz oder theilweise in Innsbruck ihre Studien absolviren, für eine Anstellung in einem inländischen geistlichen Amte aus eine Dispensation von dem Erforderniß eines dreijährigen Studiums auf einer deutschen Staats- Universität nicht zu rechnen haben. Die Facultäts- Einrichtungen in Innsbruck böten weder betreffs der Lebensweise der Studirenden, noch hinsichtlich deS Inhalts und der Tendenz deS Unterrichts einen Er­satz deS gesetzlich vorgeschriebenen Studiums auf einer deutschen Staatsuniversttät.

liebet die Personalien der elsaß-lothringischen

Prüfungs-Reglement für die einjährige Freiwilligen Prü­fung, welches durch gemeinschaftliche Thätigkeit der Mini­sterien deS Kriegs, des Innern und deS Cultus entworfen worden ist. Nach einer Veröffentlichung deS Staats-Anzeigers ist für das Justiz-Ministerium die Stelle eines Ministerial-Directors dem Geheimen Ober-Justiz Rath Wentzel übertragen, welcher die Funktionen bereits commiffarisch versehen hatte. Für das Cultus-Ministerium sind zwei Directorstellen be­stimmt, eine für Medicinal«, die andere für Unterrichts Angelegenheiten, für letztere soll der Geheime Ober-Justiz- Rath Förster bisher im Justiz-Ministerium designirt fein, während die Abtheilung der Medicinal-Angelegen- heiten dem Geheimen Ober-Regierungs Rath Greiff wie bisher verbleibt. Die Zöglinge des geschlossenen geistlichen Seminars in Posen sind zum großen Theil zur Fortsetzung ihrer Studien nach Innsbruck übergesiedelt; nach einem Erlaß des CultuSministerS entsprechen jedoch die dortigen Einrichtungen den An­forderungen des Gesetzes vom 11. Mai v. I. nicht

Abgeordneten macht der berliner Korrespondmt deS Siede", welcher Niemand anders sein soll, als der in Paris Auteuil wohnende Lothringer und alte Kollege Seinguerlet, folgende nähere Mittheilungen: Der Bi­schof von Straßburg ist ein Infallibilist, jedoch ein gemäßigter; der Bischof von Metz, Herr Dupont des Loges, wiederum war auf dem Concil Gegner der Unfehlbarkeit, doch eben auch nur ein gemäßigter Gegner. Sie find also Beide nicht von dem Holze, aus welchem man Märtyrer schnitzt. Wie sein straß- burger Kollege, unterhält auch der Bischof von Metz freundliche und kulinarische Beziehungen zu den deut­schen Behörden; seine Opposition geht nicht so weit, daß sie seinem Magen weh thun und ihm verbieten sollte, sich an der Tafel des Grafen Arnim, des Gou­verneurs von Lothringen, niederzulassen. Die sechs Priester, welche die Bischöfe begleiten, treten etwa«

in der Person des Herrn Moufang, Generalvikars des Bisthums von Mainz, einen Gesinnungsgenossen finden. Von Beginn des Krieges an blieb derVolks­bote" socialistisch und wurde der Moniteur der Frankti­reurs der Vogesen. Herr Söhnlin, der Pfarrer von Neubreisach, ist zur Belohnung für sein Verhalten während des Krieges, wo er als Regimentsfeldprediger fungirte, gewählt worden, wie er auch dafür das Kreuz der Ehrenlegion erhalten hat. Herr Gerber, ehemaliger Vorsteher des kleinen Seminars von Zil- ligsheim, hat in dem Kampfe, welchen er seit der Annexion gegen den von den preußischen Behörden unterstützten Bischof von Straßburg führte, sein Amt verloren; seit der Zeit hat er sich aber unterworfen. Der Landpfarrer Philippi ist, obgleich ein strenger Ultramontaner, in seinem Kirchspiel sehr beliebt. Ba­ron Schauenburg ist zwar ein Laie, aber ein eitriger Ultramontaner; er ist der Sohn eines ehemaligen Pairs von Frankreich und gewissermaßen der Chor-

unabhängiger auf. An ihrer Spitze steht, sowohl ver­möge seiner natürlichen Größe, als seiner Intelligenz, der Pfarrer Simonis. Derselbe, welcher in den letzten __________ Zeiten des Kaiserreichs im Verein mit dem Pfarrer

Anspruch auf Anstellung in Preußen, haben auch keine Winterer zu Reichsheim unter dem Titel:Der Vols- ......... ' bete" ein socialistisch - katholisches Blatt herausgab, welches gegen die reiche und protestantische Fabrikanten- Ariftokratie von Mülhausen gerichtet war. Sie hielten fich an das Vorbild des Bischofs Ketteler und werden

einem bequemen Holzwege schritt der seltsame Trauer­zug, kein Mensch begegnete den Trägern, höchstens floh bei ihrem Anblick ein scheues Wild oder ein furcht­samer Vogel, den der ungewohnte Tritt so vieler Men­schen in seinem Frühlingslied verstummen liefe.

Der Förster selbst war vorauSgeeilt, um seiner wackeren Frau den unvermutheten Besuch zu melden und die nöthigen Vorbereitungen zur Aufnahme deS Verwundeten zu treffen.

Das Wohnhaus lag tief in Bäumen versteckt, lieber der Thür prangte ein mächtiges Hirschgeweih, auf der Schwelle lagerten die treuen Hunde und fonnten sich im warmen Frühlingssonnenschein. Rings herum zog sich ein freundlicher Blumengarten, der durch eine lebendige Hecke von der Wildnife des Waldes abgeschlossen war. Kühe, Kälber und Ziegen weideten auf dem frischen Rasen und ein zahmes Reh spielte mitten unter ihnen. Die ganze Umgebung athrnete stillen Frieden und traute Ruhe.

Die Försterin hatte sogleich die beste Stube im Hause hergegeben, um den Verwundeten aufzunehmen. Mit Mühe hinderte sie ihr Mann, frische Gardinen aufzustecken und die Letten, trotzdem sie nicht gebraucht waren, neu zu Überziehen. Die gute Frau hielt überaus viel auf Reinlichkeit und Sauberkeit.

Was doch das Weibsvolk dumm ist, brummte der unhöfliche Gemahl, ich glaube, die bitten noch einen Todlen um Verzeihung, daß sie keine neue Haube aufgesetzt haben, um ihn würdig zu empfangen. Vor­wärts!

Der brummige Förster, welcher unter dem alten Blücher die Freiheitskriege milgekämpft, hatte sich das Lieblingswort deS berühmten Feldmarschalls wohl ge­merkt und brachte dasselbe so oft als möglich im Tage vor.