Marburg, Dienstag, den 24. Februar.
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1874.
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Deutsches Reich.
Berlin, 21. Febr. Das „D. Wochenbl." erinnert an einen Vorgang, welcher, wie es meint, auf fallender Weise bisher nicht die Beachtung gefunden hat, welche er verdient. Kurz vor der Abreise deö Kronprinzen nach Petersburg fand bei dem Fürsten Bismarck ein Diner statt, zu welchem auf den Wunsch des Kronprinzen außer diesem nur die preußischen Minister und die Spitzen der obersten Reichsbehörden geladen waren. Man hat in dem Arrangement selbst sicher nicht mit Unrecht eine Manifestation gesehen, welche das vollkommene Einverständniß des Kronprinzen mit der Preußischen und Reichsregierung bekundete, eine Bermuthung, welche durch den Verlauf des Diners ihre besondere Bestätigung erhalten haben soll. — Das aus Grund der letzten Beschlüsse des Staatsministeriums non Kommissaren deö Auswärtigen Amtes, den Mi msterien deS Kultus, der Finanzen und der Justiz redactionell bearbeitete Gesetz wegen Behandlung ver urtheilter Bischöfe dürfte nach dem „D. Wchbl." schon in nächster Zeit an den Bundesrath gelangen. Nach derselben Quelle ist in der Gesammtheit ihres Vorgehens auf dem kirchlich-politischen Gebiete die Regie- rung, dem Vernehmen nach, darauf geführt worden, eme Aenderung in der Stellung der Geistlichen - und Schul-RLthe eintreten zu lassen, da gerade von dieser Seite einer wirksamen Action vielfach große Hinder- mffe bereitet werden. — Aus der Reichstagssitzung vom 18. berichtet man einen charakteristischen Vorgang Die elsaß-lothringischen Abgeordneten parlamentirte» vor Beginn der Sitzung sehr lebhaft mit dem Präst- deuten v. Forckenbeck, um die Erlaubniß zum Ge brauche der französischen Sprache in dieser Sitzung z» erhalten. Als Herr v. Forckenbeck unbeweglich blieb, wendete sich einer der Herren in französischer Sprache an den in der Nähe stehenden Fürsten Bismarck, der aber erklärte: Ich spreche nicht Französisch, uub als ihm eingewendet wurde, daß er es doch wenigstens verstehe, entgegnete, daß er es hier auch nicht verstehe. Die Herren mußten von ihrem Verlangen »bftehen.
— Gelegentlich der Berathung des Gesetzes über die Beurkundung des Personenstandes im Herrenhaus bemerkte der Herr Kultusminister gegenüber den Be- denken über die Einnahme - Verluste der Geistlichen: »Was dieses betrifft, so muß ich wiederholt, darauf Hinweisen, daß die Staatsregierung jetzt ui der Lage
Feine Welt.
Novelle von Max Ring.^^,..
(Fortsetzung.)
Oskar hörte diese wohlgemeinte« Rathschläge mit Widerwillen an. Da er nicht antwortete, so hielt sich der Freund für berechtigt, in seinen Verhaltungsmaß- ttgeln weiter fortzufahren.
— Wenn Du noch zum Schufte kommst, so zielst Du auf seine Brust. Du thust gut, wenn Du die Waffe etwas niedriger hälft, denn selbst die sicherste Hand Mert bei solchen Gelegenheiten ein wenig, und der Stoß beim Feuern kommt auch noch in Be rechnung. —
— Mein Gottl — rief Birkeneck unmuthig, — Du gibst mir ja mit kaltem Blute die schönste Anlei« trnig zum Menschenmord. —
— Word? — fragte verwundert der Sekundant. — Du siehst wieder die Dinge von Deinem melancholischen Standpunkt und allzuernsthaft an. Ein Duell ist kein Mord, sondern ein Ehrenhandel, und kein Mensch wird Dich einen Mörder nennen, wenn Du den Baron erschießen solltest. —
Oskar schauderte vor dieser Moral bet. „feinen Seit". Hätte er nicht fürchten müssen, für einen Feigling zu gelten, so wäre er in diesem Augenblick »och umgekehrt. Nun konnte er nicht mehr zurück treten und mußte, trotz seiner bessern Ueberzeugung, sich der barbarischen Sitte der Gesellschaft fügen, p. Endlich waren die Freunde an dem Ort, wo das Duell stattfinden sollte, an gelangt. Der Baron von Äatfien und der Fürst, welcher demselben zum Sekun bauten diente, warteten bereits. Oskar und sein Freund entschuldigten ihr spätes Kommen. Man
Mitglieder des Verbandes und Lehrlingsarbeiteu ausgestellt, und ist für die drei Besten eine Geldprämie geboten. — Für ein neues Seminargebäude in Eckernförde sind von der Provinzialregierung 130,000 Thlr. bewilligt und ist der von dem Bau-Jnspector Freund in Kiel entworfene Plan von derselben genehmigt worden.
Köln, 21. Febr. Der Erzbischof Melchers wurde heute wegen gesetzwidriger Anstellung von Geistlichen in zwei Fällen weiter zu je 200 Thalern ober je zwei Monaten Gefängniß, und ferner wegen einer jüngst vollzogenen Amtsübertragung nach dem ersten gegen ihn gefällten Urtheil zu 1000 Thlrn. eventuell zehn Monaten Gefängniß verurtheilt.
Schwerin, 21. Febr. Die mecklenburg-schwe- rinsche Regierung erklärt in dem vom 19. d. M. ba» litten Reskripte, welches bie Zurückweisung der Beschlüsse der Stände betreffs der VerfaffungSvorlage ausspricht, daß sie zwar übereinstimmende Beschlüfte beider Stände in der Verfaffungs Angelegenheit jederzeit in reiflichste Erwägung ziehen werbe, jeboch burch die zu ihrer Kenntniß gebrachten Separatbeschlüffe beiber Stäube sich um so weniger veranlaßt finbe, ihre Vorlage abzuänbern, als sie auch sachlich gegen das Votum der Ritterschaft (Fortbestand der Ritterschaft und der Landschaft als politische Korporationen mit Theilnahme an der neuen Landesvertretung burch Deputirte) an ihren Grunblagen festzuhalten gesonnen sei. Sie forbert'baher auf ben Gegenstand noch einmal zu prüfen, auf die landesherrliche Präposition wiederholt Beschluß zu fassen und dieselbe in allen Einzelnheiten durchzuberathen.
München, 18. Febr. Mit dem heutigen Tage ging der Karneval zu Ende, in der Thai der traurigste Karneval, welchen München seit langer Zeit erlebte. Kein Ballfest, keine Tanzunterhaltung durfte den gedrückten Gemüthern Erheiterung bringen, keine Maske zeigte sich auf ben unbelebten Straßen, und wenn bisher von der hier herrschenden Epidemie, äußerlich so gut wie nichts bemerkbar war, so mußte die allgemeine Stille Allen auffalle», welche die sonst in diesen Tagen hier herrschende Heiterkeit und Fröhlichkeit gesehen hatte». Für das tanzlustige Publikum, sowie für die spekulativen Wirthe ist mit dem Ablaufe deö heutigen Tages auch jede Hoffnung auf ein Wieder- hereinbringm des Versäumten verloren, da in München noch eine sonderbare oberpolizeiliche Vorschrift zu leicht aus Gewohnheit, vielleicht aus Furcht vor dem Tode, mit dem für ihn Alles zu Ende war.
Unterdeß hatte zwischen den Sekundanten bk nöthige Besprechung ftattgefunben. Beide waren über die «höchst wichtigen Bedingungen übereingekommen, unter denen zwei Menschen sich morden sollten. Es wurde nichls vergessen und die ganze Angelegenheit mit einem feierlichen Ernste verhandelt. Der Fürst war besonders in ben Gesetzen der Ehre bewanbert, unb seine reichen Erfahrungen auf diesem Gebiete gaben ihm ein gewisses Urbergewicht unb verschafften seinen Anordnungen bas Ansehen von Orakel» sprüchen.
Die Sekundanten maßen gewissenhaft bie Entfernung ab und bezeichneten dieselbe durch zwei in bie Erde gesteckte Stöcke. Die Wahl der Plätze, welche von großer Wichtigkeit war, sollte durch das LooS entschieden werden. Man zog, und da der Baron gewann, so wählte er die Schattenseite. Ein Lächeln der Zufriebenheit schwebte über sein verwittertes Gesicht. Er berechnete sogleich ben Vorth"!, den er über seinen Gegner durch biefen Glücksfall erhalten hatte. Sein Opfer schien ihm jetzt ganz gewiß zu fein. Der alte Rouv hatte so manches Duell auSgesochten unb war stets glücklich davon gekommen. Er war ein Meister im Pistolenschießen und traf ein Kartenblatt auf zwanzig Schritt. Trotz seiner Aufklärung und bewundernswürdigen Bildung, besaß er einen hohen Grad von Aberglauben; eine Erscheinung, die sich nicht allzuselten bei derartigen Menschen vorfindet. Das bessere Loos welches ihm zu Theil geworden, galt ihm für ein Unterpfand, daß Oskar unterliegen würbe.
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ist, aus ben Mitteln, bie ihr jüngst zu Gebote gestellt worben sind, alle gering botirten Stellen, bei benen doch der Nachtheil am empfindlichsten sein würde, zu entschädigen. Zu anderen Zwecken, als zu Dotirungen dieser Stellen, kann sie das Geld nicht verwenden. Ich weiß nicht, ob Ihnen erinnerlich ist, wofür die Summen verwendet werden sollen: erstens zur Erhöhung aller evangelisch geistlichen Stellen ausschließlich der Wohnung bis zu 600 Thlr., unter gleichzeitiger Be rücksichtigung des Umstandes, baß auch ein solcher Geistlicher, der an einen Em ersten einen Theil seines Amtseinkommens abgeben muß, doch 600 Thlr. er halten soll; zweitens zur Erhöhung des Einkommens der Succurspfarreien am Rhein zunächst auf 400 Thlr., und demnächst, wie dies auch bei allen anderen katho tischen Pfarreien geschehen soll, auf 500 Thlr., und für den Rest ist, wenn noch etwas übrig bleibt, was wir noch nicht übersehen können, in Aussicht genommen, wo besondere Verhältnisse vorliegen, die Einnahme auf 700 und eventuell für die andere Konfession auf 600 Thlr. zu erhöhen."
Schleswig, 19. Febr. Zum Entgegenwirken gegen ben SocialismuS, Wahrung bet Interessen ber Arbeitgeber unb Abhülfe von Mißstänben in bem Verhältnisse der Arbeiter zu ihren Brodherren hat sich in Husum ein Verein von Arbeitgebern gebildet. Derselbe berieth in einer am 12. d. gehaltenen Versamm lung die Statuten und beschloß, den angenommenen Entwurf an den Vorstand des allgemeinen deutschen Arbeitgeber-Vereins in Berlin mit der Anzeige, daß sich hier der besagte Zweigverein gebildet hätte, zu senden. Die Mitglieder, zu denen auch der Bürgermeister Kaftan gehört, vermehrten sich in dieser Versammlung auf 80, und wahrscheinlich werden noch mehr Männer zutreten, ba nicht bloß Arbeitgeber ben Verein bilben. Für die Tage vom 15. bis zum 17. k. M. ist von dem Provinzial Schuhmacher-Verband für Schleswig-Holstein, der sich vor nunmehr einem Jahre gebildet hat, eine Delegirtenversammlung nach Kiel berufen, welche allen Ortsvereinen Gelegenheit geben soll, ihre Erfahrungen auszutauschen. Mit der Versammlung soll eine Ausstellung sämmtlicher Schuh macher-Geräthschaften, Hilfsmaschinen und Rohmaterial, wie solche zu Ostern v. I. auf dem Leipziger Schuhmachertage veranstaltet war, verbunden werben; unb um bie Ausstellung auch dem Publikum nutzbar zu machen, werden zugleich selbstverfertigte Arbeiten der
tauschte einige Höflichkcitsbezeugui'gen au®, a!8 wäre der ganze Zweck der Zusammenkunft kein anderer, als sich gegenseitig Komplimente zu machen. Die Galanterie, die bei solchen Gelegenheiten vorzugsweise zum Vorschein kommt ist nur eine schlechte Nachahmung der Chevalerie, welche bie rohen Kämpfe des Mittelalters mit einer täuschenden Glorie umgab.
Während die Herren einige nichtssagende Artigkeiten gegenseitig verschwendeten, beschäftigte sich der mitgebrachte Arzt des Fürsten mit seinen Instrumenten und den Binden, welche er für den Fall einer ernstlichen Verwundung vorbereitete.
ES war ein herrlicher Frühlingsmorgen. Die erwachte Natur athmete Lust und Freude. An den Halmen der Gräser und dem grünen Laub der Bäume hingen die blitzenden Thautropfen. Jedes Blatt, jedes Blümchen schien sich deS neuen Lebens zu freuen. Die ersten Lerchen stiegen auS den wallenden Saaten jauchzend zum Himmel empor, da® verkörperte Dankgebet der athmenden unb in ihrer Existenz so glücklichen Kreatur.
Nur die anwesenden Menschen waren von düsteren Todesgedankeit erfüllt. Oskar stand in der Nähe eines wilden Apfelbaums, der in voller Blütbe prangte. Zwei weiße Schmetterlinge schwebten um die geöffne ten Nektarkclche. Er dachte in diesem Augenblick an Adele und Julie. Der Baron warf auf den Träumer einen Blick voll Haß und Ironie und zielte in Gedanken bereits auf die Brust seines jugend lichen Gegner®.
Trotz seiner zerrütteten Gesundheit unb feiner lUinirten Verhältnisse liebte auch er da® Leben, viel
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