Marburg, Sonnabend, den 14. Februar.
1871.
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— Der Entwurf einte Gesetzes, betreffend dir ädrung von nachträglichen Vergütungen für Kriegs
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btttheteS Glück. Er «ar ihr Bruder, Wohlthät« *b Ernährer zu gleicher Zeit. Kein Wunder, daß •k dankbare Schwester die ganze Fülle ihre» liebe.
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1866 vor ihrer Uebergabe vorgelegt und gebilligt worden fei, bestimmt für unrichtig erkärt wird, da die Erkenntniß, daß Lamarmora im Festungsviereck verbleiben und nicht der preußischen Armee zu Hülse nach Wien marschiren wolle, sich positiv ganz kurz vor dem AuSbruch des Krieges zu Tage stellte. Usedom habe also den Entschluß zu solcher Note erst ganz zuletzt faffen können und gefaßt, er telegraphirte denselben am 17. Juni Morgens nach ®eilin und schrieb den T xt am 17. Juni AbendS eilig, weil Lamarmora am 18. Morgens zur Armee gehen wollte. Kaum blieb die Zeit, die Note AbendS 11 Uhr Lamar mora zu inflnuiren. An ein Borlegen und Appreturen 'n Berlin war nicht zu denken Nur die Grundgedanken kn sprachen dem was Usedom als die Willensmeinung «einer Regierung vorauSsetzen durfte, dagegen roare# der Text und die Form der Note ganz UseoomS Werk. Usedom führt ferner auS, daß der Rath gegen Wie« zu marschiren, keineswegs über das durch den Kriegszustand gebotene Maas hinausging und daß die Erschütterung Ungarns ein völkerrechtlich durchaus erlaubter Kriegsvortheil war, den Italien und Franks reich noch 1859 angewendet hatten.
Stettin, 11 Febr. Die Nachrichten, welch« über die Wirkungen de» letzten Nordoststurme« an unserer Külte vorliegen, bestätigen zwar in erfreulicher Weise, daß die Gefahr diesmal eine schnell vorüber- gehende war, regen aber doch nothwendig zu fehl ernsten Betrachtungen in B treff besten an, wa» den Küstenbewohnern bevorgestanden hätte, wenn der Sturm länger andauerte. Bei Swinemünde stieg die S« gestern früh mit rasender Schnelligkeit. Im Telegraphenamt stand das Wasser Mittags im DtationSzimmer, weßhalb der Telegraphendieust eingestellt werden mußte. Da« Damen- und Herrenbad find gänzlich zerstört, die Abendhalle und das Warmbad blieben jedoch unversehrt.
Weimar, 9 Febr. Der dem Landtage untre» breitete Entwurf eines BolkSichul-GesetzeS adoptirt die Comrnunai- od-r Orts-Schulen, ohne die bestehenden
leistungen der Gemeinden, ist dem R-ichStage bereits zugegangen. Es handelt sich hierbei um solche Krieg« leistungen, welche aus Grund deS Gesetzes vom 11 Mai 1831 überhaupt nicht, bezrv nur zum Theil zu vergüten waren, namentlich: 1) die Gewährung von Naturalquartier, 2) die Gestellung von Wegweisern, Boten, de« Vorspanns und sonstiger Transportmittel. 3) die Gestellung der Mannschaften und Gespanne zum Wege- und Brückenbau und zu forfficatorische« Akbeiten für vorübergehende Zwecke, 4) die Ueberwei» sung der Räumlichkeiten für Wachen, Handwerkstätten und zur Unterbringung von Militäreffecten. — Ferner ist dem Reichstage zugegangen: der Entwurf eine« Ersetze« über die Verwaltung der Einnahmen und Ausgaben de« Reiche«, der Entwurf eine« Gesetze«, betreffend einige Abänderungen und Ergänzungen veS Gesetzes vom 27. Juni 1871, über die Pensionirung und Versorgung von Militärpersonen rc., der Entwurf einer Strandungsordnung und das Reichsmilitärgesetz.
— 12. Febr. ES ist die Aussicht vorhanden, daß das Civilehe» Gesetz noch vor der beabsichtigten zweimonatlichen Vertagung de« Landtags erledigt werden wird. Da« Abgeordnetenhaus setzt seine Sitzungen zu nächst acht bi« zehn Tage au«, während die Commis sionen Wetter arbeiten. Alsdann würde die Rückkehr des Civilehegesetzes au« dem Herrenhaus an va« Abgeordnetenhaus erwartet, worauf letzteres noch zwei ober Drei Sitzungen abhalten und sodann, unter Bewilligung beider Häuser M Landtages, eine zweimonatliche Vertagung eintreten würbe. Gestern Abend haben hier vertrauliche Besprechungen zwischen den Reichstags - Abgeordneten Professor v. Schulte und £r. Petri und einer Anzahl freisinniger Katholiken bchuf» Grüi dung ei-'er altk tholifeden Gemeinde hier- ielbft staugesunden. Einstweilen ist ein provisorische« Vordereitungs Comite von süns Person« nieder^esetzt
— Die „Nord». Allgnu. Ztg." veröffentlicht ein Schreiben de« früheren Gesandten in Italien, von Webern, vom 11 Februar d. I, worin die Behaup lung, daß die Note an Lamarmora vom 17. Juni
Feine Welt.
Novelle von Max Ring.
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6 «vftämter W Lar. (erd. Bestellgebühr und incl. Etempelsteuer), für das Ausland «xcl. Stempel LL 6gr. Jnfertionsgedühr für du gespaltene Zeile 1 Egr. —
5ür « der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffeu werden Lj Egr. berechnet. — ELmnttliche Annoncen-BüreauS nehmen Inserate an. -'J )
•• Berlin, 12. Febr. Im Herrenhaus sollen auch Mrieiiigen Mttglnder welche der äußern-n R.chte onge» teten der Civilehe Vorlage gegenüber keine schroff.
negative Stellung einnehmen, auch Herr v. Steift» fcfcyn) wird zu dieser gerechnet. Da bte Commission itK Herrenhause« ihre Arbeiten beendigt Haden soll,
«an somit die Hoffnung auf da« Zustandekommen we Gesetze« von der Vertagung noch nicht aufg-ben. i-erauSgrs-tzt daß die Plenarberathungen am Montag binnen und nicht mehr als zwei Sitzungen in An tt«uch nehmen, rechnet man daß die Vertagung Ende !,ichster Woche eintreten könnte. — Das königl SLchs. Miz Mimsterium hat die bezüglich der Lchöffeng- Mu in Sachsen gemachten Erfahrungen aus Grund Muffender Ermittelungen durch die Justizb-Hörde ßdrrsiMtlich zusammenstellen lassen und diese Matena im dem Reichskanzler zur Verfügung g.fteUlt. S e !«wen al« Nachtrag den Motiven zum Gesetzentwurf da Strafprozeßordnnng und der deutschen Gerichts knsaffung beigegeben. E« find die «eußeiungen der sMfischen Bezirksgerichte der Staatsanwälte ferner we 45 Saöff n und 11 Sachwaltern eingeholt eetben. Nur 9 Schöffen und 1 Sachwalter haben ungünstig, alle übrigen Behörden und Berichter- mtter haben die Erfahrungen al« günstig dargestellt. — !tzrrschledene Blätter haben Nachrichten gebracht von st« kommissarischen Beralhungen welche stattgefunden iben zwischen Milgliede>n der Ministerien deS Innern, er Justiz ttno de« CulluS zur Vorbereitung von »atzregeln übet die Verwaltung erledigter Bifchofs- tze und zur Verhütung der Ausübung diese« Amte« «ch Unberechtigte Diese Nachrichten find mit Bor- cht aufzunehmen und entbehren meisten« der Be
Notizbüchlein, in welches fU ihre Ausgaben mit großer Gewiffenhaftigkeit einzuschreiben pflegte, und laS. eine lange Rechnung mit possierlicher Gravität dem geliebten Bruder vor.
— Für den Schneider sechs Thater, für die Putzmacherin drei, für Handschuhe zwei Thal er zwanzig Groschen, für die arme Rächerin täglich einen Gulden, Wolle und Seide vier Thal« fünfzehn Silbergroschen, für — ' ?
Plötzlich stockte sie ab«, hielt ht ihrem Berichte zögernd inne und wurde über und üb« purpurrvch.
— Nun, weiter, nur weit«, — sagte der Bruder, der ihre Verlegenheit nicht zu bemerken schien
— Und für die Armen, — flüsterte die Liebliche, ohne die große Summe zu nennen, u eiche sie wöchentlich an die Noihleidenden auszutheileu pflegte.
— Weißt Du auch, daß ich mit Dir recht unzufrieden bin? — erwiederle Oskar anscheinend mit großer Strenge. ,
Adele schaute verwundert und. erstaunt zu ihm empor. Eine solche Sprache war sie nicht gewohnt, au« seinem Munde zu hören, dennoch schwand da- süße Lächeln nicht von ihren Lippen.
— Ja, ja, Schwesterchen I — fuhr « drohend fort. — Gebe ich Dir denn die geringe Summe, damit Du den Schneider, die Putzmacherin und die Rähmamsell auch noch mit bezahlst? Deine Garderobe sollst Du nicht von Deinem Taschengeld bestreiten, va« ist meine Sache. Nur die Kleinigkeiten, Bänd«, Wolle und Seide magst Du dafür eintaufen. Am Ende wirst Du noch ein ganz.« Hauswesen mit Deinem Taschengeld erhalten motten Nein, nein, das g>ht nicht. Ich werde Dir Deine haaren Auslagen wieder geben, und für die Zukunft bitte ich mir bessere Wirthscdaft au«. —
Adele flog au« ihr« bemüthigen Stellung empor und dem guten Brudn um den Hal«.
— O, Du bist der beste Mann auf dieser Welt, — sagte sie noch ILLelnd, während ihr die Thränen der Freude in den Hellen Augen standen.
Schwester und hilfloses Kino, an dem er Vaterstelle zu vertreten hatte. Et empfand die ganze Seligkeit, welche in der Sorge für das Glück eine« solchen schwachen, schönen Wesen« liegt Geben ist selig«, denn Rehmen, wie das Eoangettum schon sagt. Jedes neue Kleid, jeder Schmuck, welchen « Abelen kaust», war für ihn ein Quell der reinsten Lust. Erst siit- d-m die Schwester bei ihm wohnte, hatte fein einförmige» Leben einen neuen Reiz erhalten. Der Sonnen schein war mit ihr in da« große Haus gezogen, das er im Anfang ganz allein bewohnen mußte, und welches ihm barum stets so düster vorgekommen war. Jetzi leuchteten ihre Augen ihm entgegen, grüßte ihn ihr silberhelles Lachen, wenn « kam und wenn er ging Dabei fühlte er sich gewissermaßen al« Familienoberhaupt und war stolz, daß « solch ein liebe«, süßes Schwesterchen hatte, welche« er wie ein Vater beschützen und behüten mußte. Er war ihr gewiffermaßm dank bar, daß fie ihm täglich Gelegenheit gab, ihr wohl zu thun.
Eine rein«e Liebe gab e« sich« auf der ganzen Erde nicht.
Wenn Adele ihn mit bett blauen Augensterne* an» schaute, bann war all« Gram vergeffen, jede Unan nchmlichkeit verscheucht, just so wie die Sonne, wenn sie im Osten aufgeht, alle Rebel vor sich hertreibt.
Verschwunden waren die trüben TodeSgedanken in Gegenwart der Lieblichen, welche d<r Bruder zu sich nied«zog. Er saß in dem bequemen Polsterstuhl, während fie auf den weichen Teppich scherzhaft niet« kniete und feine beiden Hände mit den ihrigen um schloffen hielt
— Mein He« und König, — scherzte Adele, — ich bitte um geneigt Gehör. Geruhen Sie, den Beutel aufzuthun. —
— Wie,* schon mied« Geld? — entgegnete Oskar in demselben Ton, — weißt Du denn, daß Du eine kleine Verschwenderin zu werden versprichst? Ich verlange Rechenschaft. —
Adele zog sogleich au« ihrem Busen ein kleine«
Afanden hatte. Von biefer Zeit lebte sie in seinem Hause und theilte in jeher Beziehung fein unser« ' . Ihrtk.t.A ft. map ifir JRoihpr 0ttnhltMter
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19 S dankbare Schwester die ganze Fülle ihre« liebe» pichen Herzen« ihm allein und ausschließlich zuwen i^Me. Oskar dagegen liebte bi« Verlassene doppelt, al«
Gründung.
— Da« Präsidium de« Reichstage« wirb N*e fraafl Mmittag r/rst Uhr vom Kaiser im költtgl. Palais 330 «pfangen und darauf zur Tafel gezogen werden.
- Die Geschwist« sahen einander so ähnlich, wenn sie beisammenstanden, wie zwei Thautn^fen, von fernen der »ine in eine junge Rosenknospe sich gebettet hat, bährend d« onbexe in feer Krone ein« schwarzen Fichte glänzt, «bete war meistens heiter, Oskar ge bihnlich ernst. Trotz dies« Temperamentsverschieden- $eit war ihre gegenseitige Liede unbegrenzt. Sie stan , den allein ohne näh«e Anverwandte, seitdem ihnen itbe Eltern frühzeitig gestorben waren. Kurze Zeit »ach feitftm traurigen Ereigniffe war OSkar durch das teftament feine« Oheim« plötzlich reich geworden. Jagleich holte « die fechSzehnjährige Adele aus dem Wuleinftift, wo die Waise eine vorläufige Unterkunft Vhmben hatte. Von dieser Zeit lebte sie in seinem
#i. Adele war eine üdecraichende Erscheinung, Si
-Z- gfitb bem Bruder, wie be« Weib feem Manne gleichen kann; dieselbe schlank- und hohe Gestalt, aber alle R. Formen frischer, schwellender, elastischer; die gleichen 8?' «bien Züge in feem blühenden Angesicht, doch minder " scharf und stch« ausgeprägt. Tas waren Oskars äugen, nur noch weit milder, strahlend in herzgewin «nder Güte. Statt des Männerstolzes, der auf feiner
___ hohen Stirn lagerte, umschwebte die ihrige sanft. jtBeiblicbteit, von einer Fülle goldener Löckchen willen einem Heiligenschein gekrönt. Der Bruder schien, |fdbft wenn « lachte, ernst, während die Schwester ' auch im Ernst noch lächelte. Die zwei Grübchen in ffren Wangen waren bte Lagerstätten von tausenb lie
-j knSwürbigen unb schalkhaften G-ist«n, welche unvn buchet hervorbrach« unb Lust unb Freude ring» v« j reiteten.
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