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Jüarßurg, Donnerstag, den 5. Februar. 1874k

WOterhessische Zeitung.

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6rf(Stint täglich außer den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für daS Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 224 Lgr., durch die Postämter 27 8#r. «excl. Bestellgebübr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 82 Sgr. Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Egr.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 24 Egr. berechnet. Sämmtliche Annonceu-Büreaus nehmen Inserate an.

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Deutsches «eich.

W Berlin. 3 Febr. Bekanntlich hat der inter nationale Congreß der Land, und Forstwirthe, welcher zur Zeit der Welt-Ausstellung in Wien tagte, auch den Beschluß gefaßt, eine Fortsetzung des Congresies später folgen zu lassen. ES wurde die Betreibung dieser Angelegenheit dem österreichischen Ackerbau-Mi nister übergeben. Dieser hat ein Comite ernannt, »elcheS die Frage in Berathung ziehen und namentlich dm Ort und die Zeit, wo und wann der zweite Con- greß abzuhalten sei, bestimmen soll, lieber die Be- schlußnahmen des Cornite'S ist noch nichts bekannt, so viel steht aber fest, daß der Congreß im kornmen- dm Jahre stattfinden soll, jedoch der Ort ist noch nicht definitiv festgestcllt, da erst Anfragen über die Aufnahme an den für die Abhaltung des Congresses in Aussicht genommenen Plätzen zu machen sind. London, welches zuerst in Vorschlag gebracht wurde, ist von der Liste der Congreßorte gestrichen worden, weil Großbritanien auf dem Congreß zu Wien officiell Nicht vertreten und nur von einem englischen Privat« manne besucht worden war. DaS Programm für den zweiten Congreß wird nach den gemachten Präpositionen ungefähr dahin gehen, daß derselbe aus Delegirten der Regierungen und der bedeutenderen land- und sorstwirthschastlichen Vereine bestehe; daß die Be- rathungen desselben sich auf die Erleichterung des internationalen Verkehrs in Betreff der land» und forstwirthschaftlichen Produkte, der landwirthschaftlichen Thiere, Maschinen und Geräthe beziehen, daß wissen­schaftliche Fragen, welche für die Land- und Forst wirthschaft von Bedeutung sind, verhandelt werden, daß ferner die Productionsmengen des betreffenden Jahres bekannt gegeben werden, und daß der Kongreß in die Lage gesetzt werde, über diese Pcvduetionsmenge und über die Menge der in den Staaten vorhandenen Nahrungsstoffe sich ein genaues Bild zu verschaffen, daß endlich auch die Erfahrungen, welche bezüglich der aus de» Wiener Congreffe behandelten Fragen gemacht wurden, zur Kenntniß und Besprechung ge­bracht werden.

Nn»dSb«rg, 27. Jan. Im bevorstehen­den Sommer soll die Vertiefung des Eider- kanalS, welcher, wie bekannt, die Ost- mit der Nordsee verbindet, vertieft werden. Dadurch wird eine Wasfer- verbindung für Schiffe bi« zum Tiefgang der Glatt- deckscorvetten hergestellt werden; jedoch ist eS fraglich,

ob sich der Kanal nach Verwirklichung des gedachten Projekts selbst für diese Schiffe von so niedrigem Tiefgang verwendbar auSweisen dürfte, da die fort­während wechselnden Sandbänke und Untiefen vor seiner Nordseeausfahrt nach dem früheren, fast ein­stimmigen Urtheil der Sachverständigen feine Benutzung für größere Schiffe schlechterdings auöschließen sollen. Sieben großartige Schleusen sollen die Verbindung der beiden Endpunkte vermitteln. Der Bau ist auf sieben Millionen Thaler veranschlagt.

Dresden, 2. Febr. Die zweite Kammer hat heute für die Bedürfnisse des CultuSministeriumS jährlich 65,053 Thlr., für das neu errichtete Landes- copfiftorium 33,070 Thlr. und für die Universität 317,406 Thlr. bewilligt, zu welcher Summe vom Staate 214,453 Thlr. beigetragen werden. Außer­dem wurden für die Errichtung einer psychiatrischen Klinik 250,000 Thlr. und für den botanischen Garten 200,000 Thlr. bewilligt.

Weimar, 31. Jan. Zu dem Reichs-Etat hat der Staats-Fiscus nach dem Voranschläge für die nächste Etats - Periode jährlich 1,234,200 Mark bei gutragen, wovon 738,300 Mark durch die inbireden Steuern und Zölle und 495,900 Mark durch Matri cularbeiträge aufgebracht werden. Von der Bethei ligung des Staates bei der Thüringer Eisenbahn wer­den 301,500 Mark, bei der Weimarifchen Bank 20,500, bei der Werrabahn 33,300 und sonst an Zinsen 146,000 Mark Einnahmen erzielt, dagegen erfordern auch die Zins-Garantien für einige Eisenbahnen eine voraussichtliche Ausgabe von etwa 380,000 Mark Bemerkenswerth ist noch, daß in dem Etat, der durch weg sehr erhebliche Aufbefferungen aller Besoldungen stipulirt, die Gehalte der verantwortlichen Minister in ihrer seitherigen Höhe beibehalten worden find. Es unterliegt aber keinem Zweifel, daß der Landtag das Princip der BesoldungS - Erhöhungen gerade für die Minister nicht ohne Berücksichtigung laffen werde. Es bezieht hier der dirigirende Staatsminister 4000 und jeder der beiden anderen Departements - Chefs 3000 Thaler. DaS ist in unseren Tagen selbst in dem stillenIlm - Athen" für die obersten Staatsbeamten nicht mehr ausreichend.

Karlsruhe, 2. Febr. Wie man vernimmt, hat das fteiburger Domcapirel die in Aussicht gestellte neue Candidatenliste wegen Besetzung deS erzbijchöf lichen Stuhles der Regierung nun vorgelegt. Unter

ihren zwölf Namen soll sich Bischof Dr. v. Hefele von Rottenburg und Decan Lender von Sasbach be­finden. Letzterer, Mitglied der Zweiten Kammer, auch Reichstags Abgeordneter, zeigt sich bei ben oft erregten Debatten ber gegenwärtigen LanbtagSfesston sehr ge­mäßigt. Der Gemeinberath von Constanz hat gegen baS Urtheil beS Kreis- unb Hofgerichts in Sachen ber sog. Spitalpfründe Appellation an­gezeigt.

Stuttgart, 3. Febr. Die Stänbeversammlung ist soeben vertagt worben. Justizminister v. Mitt­nacht reist heute nach Berlin ab um an ben Arbeiten des BunbeSraths Theil zu nehmen

Müncheu, 29. Jan. In ber heutigen Sitzung der Abgeordnetenkammer wurde die Gesetzesvorlage übet Forterhebung der Steuern im zweiten Quartale, ein- schließlich der Erhöhung der Eisenbahnfahrpreise und der TheuerungSzulage der pragmatischen Beamten, nach den Anträgen des Finanzausschuffes mceptirt. Morgen Vormittag wird die Kammer ber Reichsräthe über dasselbe Gesetz abstimmen und voraussichtich ben Beschlüssen ber Volkskammer beitreten. ' Nachmittags versammelt sich bann nochmals die letztere, um nach Kenntnißnahrne ber reichsräthlichen Bewilligung be« provisorischen SteuergeseheS vertagt zu werden. Diese Vorsicht erscheint für ben Fall nothwendig, als unser StändehauS burchaus auf bie zahlreichen TheuerungS- gulagen ber Staatsräthe unb Präsidenten bestehen sollte, was jeboch kaum zu erwarten steht. Somit würde morgen der zweite Abschnitt dieser Session ge­schloffen und dürfte die Wiederaufnahme derselben nach Ostern erfolgen.. Die Kammer ber tlbgeorbneten hat bi« nun 27 Sitzungen gehalten unb etwa bie Hälfte der Bubgettitel erledigt. Führt bie Regierung ihr Vorhaben burch, in biefem Jahre noch ein neue« Wahlgesetz für den Landtag einzubringen, so dürften sich bie Verhandlungen unserer Particular Vertretung noch bis zum Sommer hinauöziehen. In bet gestrigen und vorgestrigen Sitzung ber zweiten Kammer wurden über bie verfchiebenen Voranschlagsposten bet öffent­lichen Wasser-, Brücken- und Hochbauten Beschlüffe gefaßt unb die Interpellation wegen eine» CorrectionS- verfahrenS gegen jugendliche Uebelthäler, die da« mit Reichsstrafgesetz votgeschriebene VerantwortlichkeitSalter nicht erreicht haben, durch Justizminister Fäuftle dahin beantwortet, daß hier die ReichSgefetzgebnng anzu­rufen fei.

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9M Das Bild.

Sine Criminalgeschichte.

(Fortsetzung.)

Da« gerichtliche Verfahren wurde jetzt eingestellt, dagegen ein vollständig orgonifirte« polizeiliches lieber» wachungSsystem angeordnet, bei welchem die zuver lässigsten und intelligentesten Agenten bet Polizei lhälig waren. Ein Zufall unterstützte biese Bestreb­ungen, Brand suchte nämlich einen Diener, und

tourte sehr geschickt mit einem auswärtigen äußerst '? schlauen Polizeibeamten bedacht, welcher sich zu dieser untergeordneten Stellung bereit finden ließ. Jn- dessen verging Woche um Woche ohne einen irgend erheblichen Erfolg aller dieser Anstrengungen. Da« gange Ergebniß war bie Entdeckung, baß Brand stets y ein doppelläufiges Tergerol in bet Btustlasche bei sich

führte, und daß er auf feinen täglichen Spagiergängen Meilen den Weg nach den, auf einer Anhöhe ge­laßenen Ruinen eine« Minoritenkloster« nahm, während ®an ihn früher diese Richtung nicht hatte cinschlagen sehen. Der Polizeicommiffar Fuchs hatte bei dem Assessor die Erlaudniß nachgesucht und erhalten, das Nauerwerk dieser Ruine mit der möglichsten Vorsicht

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vach etwa darin verstecktem (Selbe zu durchforschen; tiefe, in aller Stille votgenommene Nachsuchung hatte ti>er kein Resultat geliefert; eS hatte sich nichts ge­funden.

Strehlen ließ endlich die Hoffnung sinken, auf tim eingeschlagenen Wege den Zweck zu erreichen, Und hatte in der Absicht, das gerichtliche Verfahren rjf lieber aufzunehmen, eben bie Acten vor sich liegen, ,_-,3 tis Fuchs mit ber ganz unerwarteten Nachricht bei 14-Ä >hm eintrat: Brand wolle verreisen.

Kennen Sie bas Ziel bieser Reife? fragte ber Assessor.

Die Sache wirb mit großem Geheimniß betrieben, inbeffen ist so viel gewiß, baß Brand mit feiner Braut morgen früh sechs Uhr abzureifen beabsichtigt, daß die Trauung bei dem Prediger in Adorf, dem nächsten ausländischen Orte, auf 12 Uhr Mittags bestellt ist, und daß alsdann erst, nach Verlauf einiger Tage daS hiesige Publikum durch bie Vermählungs> karten überrascht werden soll. Die Eltern ber Braut haben zu bieser Einrichtung nur sehr ungern unb nach langem Widerstreben ihre Einwilligung ertheilt, weil Brand mit ganz ungewöhnlicher Energie darauf bestand."

Und wohin soll die Reise von Adorf aus gehen?

Darüber habe ich nicht das Mindeste erfahren können."

So ist ohne Zweifel ber Zeitpunkt gekommen, wo der Raub in Sicherheit gebracht werden soll. Brand muß den ganzen Tag über mit Sorgfalt und Vorsicht überwacht werden, so daß keine von ihm be­absichtigte Handlung verhindert wird, aber auch keine unbeobachtet bleibt. Führt bie« zu nichts, dann lassen Sie seine Wohnung die ganze Nacht hindurch um­stellen, und ihn in dem Augenblick verhaften, wo er in ben Wagen steigt. Daß später alle vorher in ben Wagen gebrachte Effecten sorgfältig untersucht werben müssen, versteht sich von selbst.

Der sanft ansteigenbe Hügel, auf welchem bie Ruinen des Minoritenkloster« liegen, gewährt eine vollständige Rundsicht auf die reiche und anmuthige

Gegend. In dem Thale liegt auf der einen Seite in einer Ertfvnung von zwanzig bi« fünf unb zwanzig Minuten bie Stabt mit dem vor berfelben vorüber­fließen den Flusse, dahinter ein wenig erhöht der Fried­hof mit seinen Steinen und Kreuzen. Nach allen übrigen Seiten breiten sich Felder unb Wiesen au«, unb dazwischen in kurzen Entfernungen von einander liegen kleine, von Baumgruppen umgebene Dörfer; weiterhin ist die Gegend von hohen waldbewachsenen Bergen amphitheatraiifch umgrenzt. Der Weg von der Siadt nach der Ruine führt, nachdem man bit Brücke über den Fluß überschritten hat, in fast ge­rader Richtung aufwärts, und kann in feiner ganzen Ausdehnung von der Ruine aus übersehen werden. Links von demselben, etwa vierzig Schritte von dem Wege, und ebensoweit von der Ruine entfernt befindet sich ein kaum zwei Fuß hoher dichter Zaun, welcher mit dem Wege parallel lauft, und durch die Ver­tiefung des Bodens, in welcher er angelegt ist, noch niedriger fcheint. Hinter diesem Zaun hatte sich Agent Kranich platt niebergelegt, und wartete schon feit geraumer Zeit auf irgend ein Ereigniß. Die Dämme­rung war bereit« eingetreten, unb feine Lage fing an, bei ber naßkalten Witterung unbehaglich zu werben, als er enblich einen Mann über bie Brücke kommen, unb ben Weg nach der - Ruine einschlagen sah, in welchem er beim Näherkommen den jungen Brand deutlich erkannte. Dieser kam zögernden Schritte« ^heran, ununterbrochen spähende Blicke nach allen Seiten sendend, blieb mehrmals, w e um auszuruhen, stehen, und wendete sich jedeSmal nach der Stadt um. So war er bis an das Kloster gekommen, blieb hier nochmals stehen, überschaute mit großer Aufmerksamkeit