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Marburg, Mittwoch, den 4 Februar.
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weiterer Beschlußfassung vorgelegt. — Der JnstizauS» schuß deS BundeSrathS hat wegen Auslegung des § 180 deS Reichsstrafgesetzbuchs Veranlassung gehabt, dem BundeSrath eine authentische Interpretation zur Annahme zu empfehlen. ES war die Frage zur Er örterung gekommen, ob die Bestimmung dieses Artikels die Aufhebung concefstonirter Bordelle, wie sie in Hamburg bestehen, involvire. Auf Grund der von zwölf Juristcn-FacultLten eingefordcrten Entscheidungen hatte der Reichskanzler vom Senat zu Hamburg die Aufhebung der concesstonirten Bordelle verlangt. Der Senat weigerte sich, der Anweisung Folge zu geben, indem er läugnete, daß § 180 des Reichsstrafgesetz buche- das Verbot rechtfertige. Der Reichskanzler hat darauf die Entscheidung des BundeöratheS angerufen, und die Majorität deS Justizausschusses hat sich für die Unvereinbarkeit der concessionirten Bordelle mit dem § 180 erklärt, bezüglich dem BundeSrath empfohlen, daS Fortbestehen des Bordellwesens in Hamburg als gesetzwidrig zu verbieten.
— 2. Febr. Hier eingetroffenen Nachrichten auS Rom zufolge wird in italienischen Kreisen die Echtheit der W\ kannten Bulle aufrecht erhalten. Die Befriedigung andererseits, mit welcher das italienische Rundschreiben wegen der Garantien für das Conclave von den Cabinelten ausgenommen wurde, erschien als eine vollkommen ausreichende Antwort; Unterrichtete hatten eine andere Antwort nicht erwartet — Das spanische Rundschreiben vom 25. Januar, in der oificiellen Madrider Zeitung vom 28. Januar veröffentlicht, ist, wie versichert wird, dem hiesigen Vertreter Spaniens noch nicht zugcgangen. Die spanische Regierung hat zu erkennen gegeben, daß sie die Gegeiinart bcvoll mächiigter Minister an mehreren größeren Höfen, namentlich in Berlin und Wim, vorläufig nicht für nolhwendig erachte. Man schließt daraus, daß die Abberufung des Herrn Escasura auS Berlin bevorftehi unv dieser nach einiger Zeit einen Nachfolger er halten soll. ! ■ ‘
Stiel, 1 Febr. Der Oberpräfident von Scheel- Plessen hat auf seinen Antrag auS Gesuiidheilsrück
H Berit«, 2. Febr. Die Eröffnung deS Rcichs- ts-er wird diesmal nicht durch Se. Maj den Kaiser selbst erfolgen, weil die für solche feierlichen Acte be- «mmten Räumlichkeiten im königlichen Schloß im Kmer leicht eine Erkältung bringen, und die Aerzte natärlich den Monarchen solcher Gefahr nicht ausge sitzt sehen wollen. — Der Minister deS Innern leidet stit einige« Lagen an einer Erkältung, und hat dem «folge auch an den letzten Hoffestlichkeiten nicht Theil mhmm können. — Bei dem nahen Beginn der Reichs- tagssefsio« hat auch di« Presse bereits die wichtigeren skgelegenheittn derselben zum Gegenstand der Erörterung gemacht. D°S ReichS-Militärgesetz zieht beson- M9 die Aufmerksamkeit auf sich und wird daher auch M günstiger Schoss für die Eonjecturalpvlitiker mit Borlikbe behandelt. NebSN anderen Bermulhungen M> Conjeeturm ist «ton auch auf die Idee gekommen, M Regierung die Absicht zuzuschreibcn, daß sie die rihomeiMtie Partei zur Unterstützung ihrer' Militär «rlage durch Kompromiß zu gewinnen trachte! Aller dmgS eine Annahme, die wenig politisches Unheil vor «Hetzen läßt. Bei auch nur annähernd einsichtiger Smrtheilung de, Wichtigkeit und Größe deS Gegen ftlvdts, welcher die meisten Staaten gegenwärtig in 8o»fiiet mit der römischen Hierarchie gebracht hat, Mrd die Utberzeugung unerschütterlich fest stehen, daß «nsequtiaestr Durchführung des staatlichen Auioritäts
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«scheint täglich außer den Werktagen nach 6otm« und Feiertagen. Preis für daS Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdrückerei) bezogen 33i Sgr., durch die Postämter 35 Lgr. lexcl. Bestellgebühr und ind. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 32 6gr. — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. — Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden Sgr. berechnet. — Sämmtliche Annoncen-BüreauS nehmen Inserate an.
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112 „nd Setbstständigkkitsprincips die höchste Aufgabe ist, f »elcher jedes andere Ziel sich unterordnen muß. Der ' ™ hrtran4iiAili(b diesen Kamvi
sichten elNen längeren Urlaub zu einer Reise nach Italien erhalten, die derselbe heute antreten wird.
Schwerin, 1. Febr. Die von dem Großherzoge bei der Eröffnung deS außerordentlichen Landtags im Schlöffe zu Schwerin am 1. d. gehaltene Thronrede, lautet wie folgt: §Meine Herren von Ritter- und Landschafti Es ist ein ernster Augenblick, in welchem Ich Äe in außerordentlicher Weise um Mich versammele, va Ich, im Einverständniß mit Seiner Königlichen Hoheit dem Größherzoge von Mecklenburg - Strelitz, es für Meine Pflicht halte, zu einer Modificatiün unserer Verfassung Ihre Zustimmung in Äitspruch zü nehmen, welche in die Grundprrncipien unsörtr alt- erwachsenen öffentlichen Berhältniffe lief eingreift. Die in den letzten großen Jahren im Deutschen Vaterlande vollzogenen Umgestaltungen und die daraus für väs engere Vaterland sich ergebenden Eonfequenzen, sowie die eigene staatliche Entwickelung deffelbist fordern eine solche Aenderung unabweiSlich. In Meinem LandtagS- abschicd vom 20. Decbr. v. I ist bereits ausgesprochen, daß die Herstellung einer einheitlichen Vertretung deS Landes unter Befeetigung des patrimonialen Charakters, der bestehenden Verfassung die Grundlage der demnächst wieder aufzunehutenden Verhandlungen bilden würdt. Diese Grundsätze werden Sie in der Vorlage festge- halten finden, welche Ihnen heute durch Meine Landtags Commisffarten zugehen wird, ebenso aber auch daS Streben, die neuen Einnchmngen mit den im Landö bestehenden organischen Gestaltungen eng zu verbinden. Denn, wie Ich eine Reform unserer Verfassungsver- hältniffe mit Ihrer Beihilfe in's Werk zu fetzen int Interesse deS Landes für nölhig Halle, eraarle Ich es ebenso für Meine heilige Pflicht, dieselbe Ihnen nur in dieser Weise vorzuschlagen. Nur so kann bie be- abfichtigte Aenderung ohne schädliche Erschütterung des innersten Lebens des Landes und sein.« Wohl standes, sowie mir Aussicht auf eine dauerhafte Wirk samkeil ausgeführt werden. So aufgefaßt und mit patriotischem Entschluß von Regierung und Ständen in das Leben gerufen, wird sie dazu beitragen, dem Lande den ehrenvollen Platz zu sichern, den daffilbe
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Oberhesslsche ZeltungD
r2J Mchste Reichstag dürfte voraussichtlich diesen Kampf Hetzer zur vollen Entwickelung bringen, als eine Verminderung der Gegensätze begünstigen. — Die AuS-
• hl Platzes für da« künftige ReichStagS-GebSude at auch in der Subcommisflon des BundeSrathS zu inem anderen Ergebniß geführt, als zu einer fast einstimmigen Empfehlung des Platzes vom Kroü'fchen Etablissement. Sechsundsechzig andere Plätze sind der Leihe nach geprüft und weniger passend gesunden worden. Die Subcvwmisston hat nun dem Bundesrath
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®ine Criminalgeschichte. - " 1 • (Fortsetzung)
Im höchsten Grade verwundert, erwiederte der Affesior: davon höre ich allerdings jetzt das erste Wort.
„Das dachte ich mir wohl; denn sonst würde längst über diesen Gegenstand bei mir ungefragt worden fein.*
Aber Rittberg hat sehr sorgfältige Bücher über Geldangelegenheiten geführt und doch enthalten diese über eine solche Zahlung nicht daS Mindeste.
„DaS ist leicht erklärlich; Rillberg erhielt erst an demselben Tage srüh Morgens eine Zuschrift von dem Niebergerichie zu Hamburg, in welcher ihm der An fall eines Legates von 50,000 Thaler von einem entfernten Verwandten angekündig«, und zugleich mitgelheili wurde ,* daß daS Geld sofort bei mir zu empfangen sei. Er kam gleich zu mir, empfing daS Geld, und ertheilte mir Quittung unter dem Schreiben des Ge richtS, welche« hiernach in meinen Händen ist. Hier ist das Schreiben nebst Rittbergs Quittung über das Geld."
Sind sie im Stande, anzugeben, in welchen Münz» sorlen oder Papieren dir Zahlung erfolgte ?
„Dachte mir's doch, hier ist auch der Sortenzettel.* Warum haben Sie von diesem wichtigen Umstande nicht frühet Anzeige gemacht?
„Ich hatte Herrn von Rittberg Verschwiegenheit getobt, und bin erst nach länMM Nachdenken zu der Ü berzeugung gelangt, daß ich eine Anzeige nicht unterlassen dürfe."
Eine genaue Betrachtung des gerichtlichen Schreibens und der Quittung unter demselben ergab die unzweifelhafte Echtheit beider Schriftstücke; es war aber durch die Mittheilung des BanquierS ein Moment in die Untersuchung gekommen, welches mit der An nähme, daß Schütz cer Schuldige sei, ganz unv.r einbar scrien. Eine schwere Kränkung kann auch einen sonst redlichen Mann zu einer raschen und blutigen Thal verleiten, zu einem Raubmord aber ist eine Niedrigkeit der Gesinnung nothwendig, Die einem völlig
„Ich weiß nicht, ob e« Ihnen schon bekannt ist, Herr von Rittberg am Tage seiner Ermordung iünsjigtausenvThaler »owrnir aqSdezqhlt erhalten hat."
Kaum hatte der Commiffar seine Relation b-enbigt, *1« der dem Assessor wohlbekannte Bonquier Mayer _-51t>i«rat, und eine wichtige Eröffnung in Bezug auf ’ Zz die Ermordung des Herrn von Rittberg in Aussicht — £®te- Nachdem Fuchs sich entfernt hatte, begann
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Die Untersuchung nahm ihren rasche« Verlauf, hatte aber kein weiteres Ergebniß, al« daß der Vorgang in Stern'S Wohnung, wie ihn Brand erzählt hatte, volle Bestätigung erhielt.
Etwa acht Tage nach der Verhaftung des Forst «cefststen finde« wir den Polizei Commiffar Fuchs h 1 Nieder bei dem Affesior. Er referirtk, daß feine eigene 2" »nntniß von dem ehrenwerthen Charakter deS sehr [32H wohlhabenden Schütz und von dessen völlig uittadel- hafiem Betragen durch dir eingezogenen weiterm Erkundigungen zur völligen Gewißheit erhoben worden fai. Die über Brand eingezogenen Nachrichten laute tm dahin, daß dessen Vater in der Residenz, seinem Wohnorte, für sehr reich gegolten, daß Brand nach kfltn Tode ein, wenn nicht lockeres, doch sorgloses 3~Äi*b kostspieliges Leben geführt; nach Verlauf von tun Kh« Moniten aber plötzlich die Residenz »ettaffen [31 Hobe. Allgemein wurde vermuthet, daß dieser Woh uungswechset de« Brand in der Täuschung über feine ■lei11 VermögenSverhSltnisie seinen Grund habe, welche ihm •8»' ieer die Mittel zu einem anständigen Leben gewähr ,e 11 len, keineswegs aber zu dem anfangs getriebenen Auf ■n_, Dand gmügenb seien. Seit seinem Abzug auS der Residenz hatte Brand ein sehr solide« Leben geführt, tfp M sich mit Der Tochter eine« Beamten, einem liebens s würdigen und geachteten Mädchen verlobt.
Unbescholtenen nicht wohl zugetraut werden kann, und die 50000 Thaler sanden sich nicht in dem Nachlaß. Die Zahlung deS Legate« war zum ThSil in Papier gelb erfolgt; der Assessor ließ den Sortenzettel, wel eher mit Rücksicht auf den hohen Werth der einzelnen Stücke alle Nummern enthielt, adschreiben, unv händigte dem Polizeicommiffar die Abschrift ein, um genau' nachforschen zu taffen, ob und von wem etwa Da« eine oder andere dieser Papiere verausgabt sein oder werden möchte.
Nach einiger Zeit erschien der Commiffar mit einem auffallend langen Gesicht
„Nichts?" fragte der Assessor.
Nichts. J -HK-/
„Auch sonst keine Nachrichtens ,
Keine. .
„Mil Euch Polizeileuten ist auch gar nichts an» zufangen; laßt Euch abmalen."
„Abmalen? ich habe keiner Geliebten Mein Bild zu schenken, wie Brand."
„Soll das heißen, daß Brand sich habe porträ-' tirett taffen?" v, , ’
„Gewiß, das leidet keinen Zweifel." ' " '
„Wer hat daS Bild angefertigt?"
„Der Maler Bode, welcher kürzlich att«’ der Re sicenz hierher gezogen ist."
„Ist er noch im Besitz de« Bildes?"
„Soviel ich weiß, ja; aber wa« wollen Sie mti‘ dem Btlre?" : .
„Jedenfalls es einmal ansehen."
„Knüpfen Sie irgend eine Hoffnung ast liiesen
Augenschein?°
„Ich habe wenigstens die Erfahrung gemacht, daß man einem Augenschein eine gewiffe Erheblichkeit so lange in der Regel nicht absprecken kann, bi« man" ihn eingenommen hat."
Der Assessor begab sich alsbald in das Steller' ceS Male,« Bode, da eine fieberhafte Unruhe, welche