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Marburg, Dienstag, den 3 Febmar.

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Oberhessische Zeitung.

ßrstbeint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition tKoch'sche Buchdruckerin bezogen 22 i Sgr., durch di« Postämter 27 Sgr. eexcl. Bestcllgebüdr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 2$ Sgr. berechnet. Sämmtliche Annoncen-BüreauS nehmen Inserate an.

Deutsches Strich.

Berlin. 31 Jan. Aus dem Gang der 93er Handlungen de« Abgeordnetenhauses lägt sich schon jctzi mit ziemlicher Sicherheit der Schluß ziehen, daß er nicht gelingen wird, im Laufe der nächsten Woche, »je man s. Z gehofft hatte, Vie dringendsten Auf gab.» zu Ende zu bringen. So sehr man allgemein den Wun,ch hat, das gleichzeitige Tagen der parla- menta.isw.il Körperschaften zu vermeiden, wird dies doch nochmals, selbst unter Voraussetzung möglichster Beschleunigung, bis etwa zum 20. Februar geschehen müsien, damit die dringendsten Arbeiten zum Abschluß gebracht werden. Der VunveSrath Hal heute eine Plenarsitzung, für welche eine Reihe wichtiger Anträge zur Beratung gestellt sind. Namentlich sind hervor- zuhcben die Banknotensrage, wozu das Reichskanzler amt eine Ucbersicht der statutarischen Bestimmungen der deutschen Zettelbanken und Banknoteninstitute vor gelegt hat. Ferner ein Antrag über den Bauplatz rum neuen ReichstagSgebäude; von den Ausschüssen liegen vor: ein Antrag, betreffend die allgemeine Ein sührung des Impfzwanges; 2) Antrag, betreffend die Sonntagsarbeit und die Arbeit der Frauen und Min derjährigen in den Fabriken; 3) Mittheilungen, be­treffend die Revision deS deutschen Strafgesetzbuches; 4) Anträge, betreffend das Reichsmilitärgesetz. Die große Theilnahme, welche die Sympathie Meetings in London gefunden haben, wie der Inhalt der dabei gehaltenen Reden haben offenbar einen mächtigen »it stoß gegeben zur weiteren Ausdehnung des großen Culturkampfe« zwischen dem Princip mittelalterlichen Priester - Absolutismus und dem im Protestantismus wurzelnden Streben nach Beschränkung des äußeren tobten und formalen GlaubenSzwanges zu Gunsten der freieren inneren Entwickelung. Eben weil und in dem Verhältnisse als daS politische Leben den Absolu tismus als unverträglich mit Höheren Culturinteresscn beseitigt, ist der unerträglichste und intoleranteste Abso lutiSmus der Hierarchie fühlbarer geworden und läßt das Bedürfniß nach Befreiung vom Druck deS aus­schließlichen AutoritätSprincipS lebhafter hervortreten. Die Macht diese« Bedürfnisses ist eS, welche unwider­stehlich sich über alle sonstigen trennenden Verhältnisse hinwegsetzt und den kosmopolitischen Charakter der Gesammtbewegung ausdrückt, wie auch das Cultur- streben, wie die wesentlichsten Errungenschaften vorge-

schnttener Bildung da- Band der Gemeinschaft weiter auseehnen, wäbrend trennende Schranken aller Art und Jsonrung stets im Geiolge des Mangels an Cultur sind Unsere heutigen Staaten haben deswegen die Kraft und die Bürgschaft siegreicher Uebcrwindung der ehemals unwiderstehlichen Kirchensouveränität in sich, weil sie jetzt nicht, wie ehedem, das gleiche Princip, wie ihr übermächtiger Gegner, den culturfeinblichen AbsoluiiSmuS vertreten, sondern Träger des Zeitbe- bürfnisseS, des Culturstandes der Gegenwart sind, im Gegensatz zu dem hierarchischen Repräsentanten eines Märchens aus alten Zeiten", dem zu Liebe das Rad der Zeit wieder um ein Jahrtausend zurückgedreht werden soll.

DieNordd. Allg. Zig." versichert, daß die ReichSregierung weit entfernt von jeder Einmischung in die innere Unabhäugigkeit der Nachbarländer sei und sich keineswegs gegen die Preßfreiheit wende. Die deutsche Diplomatie ist bemüht, jeden Keim künftiger Zerwürfnisse vorsichtig und feit zu beseitigen, die absolutistische Macht des Papstthums hat ihre officielle und officiöse Presse fast in allen Ländern. Diese Presse einer feindlichen Macht zur Verantwortung zu ziehen, war die Regierung stets befugt. Im Jntereffe des Friedens müssen wir wünschen und womöglich vorsorgen, daß die Nachbarstaaten in weltlichen Ange legenheiten nicht der Priesterherrschaft dienstbar werden 'Wir haben nicht andere Mittel als freundschaftliche Rathschläge. Kein Mittel höflicher, freundlicher lieber redung soll unversucht bleiben, um Frankreich und Belgien in einer Richtung ihrer souveränen Ent­schließungen zu bestärken, welche geeignet wäre, die ireundschastlichen Beziehungen der friedliebenden Nationen zu verbürgen. Dasselbe Blatt berichtigt die in der Presse sich erhaltende Version von rinetft Pressgesetzentwurf des Reichskanzlers. Der vielbe­sprochene Entwurf sei vom preußischen Staatsministe­rium als Antrag Preußens in den Bundesrath ge­bracht und sein Ursprung daditre aus einer Zeit, in welcher die Beziehungen des Reichskanzlers zu dem preußischen Ministerium sich auf ein Minimum be­schränkt hätten. Der Staatsanzeiger bezeichnet die Mittheilung von einer Verfügung des Finanzministers, wonach auf die Rücksichtnahme auf die bedenklichen wirthschaftlichen Verhältnisse des vorigen Jahres auf eine Erhöhung der Einschätzung zur Einkommensteuer

hingewirkt werden solle, als unrichtig und erklärt, daß der Finanzminister eine Aufforderung zur Erhöhung der Einkommenschätzung behufs Steuerveranlagung überhaupt nickt erlaffen habe. Der BundeSrath genehmigte gestern das Militärgesetz gemäß dem Aus­schußbericht; ferner eine Novelle zum Penstonsg.setz, durch welche die Stellung der Unterosficiere erhebliche verbeffert wird, endlich den Auslieferungsvertrag mit der Schweiz in derselben Fassung, wie er schon vor acht Tagen (am 24. Januar) hier unterzeichnet war. Der Beschluß des Bundesraths wurde nach Bern ge­meldet, worauf die Ratification des Betrages Seitens des schweizerischen Nationalrathes, wie schon gemeldet, sofort Statt fand

Braunschweig, 31. Jan. In der heutigen Sitzung der Landesversammlung wurde die vor einiger Zeil vom Abg. Koch eingebrachie, die öffentliche Auf forderung braunschweigischer Geistlichen zur Unter­stützung der renitenten hessischen Geistlichen betreffende Interpellation beantwortet. Ministerialrath Grotian gab NamenS des Staaisministeriums die Erklärung ab, daß die gedachte Aufforderung die ernsteste Mißbilligung verdiene, daß demzufolge das Cvsistorium aufgefordert worden sei, diese Mißbilligung den gedachten Geist lichen zu erkennen zu geben, und daß das Consistorium dieser Weisung auch entsprochen habe. Von der Landes­versammlung wurde sodann die Berathung deS Wahl-

I gesetzt ntwurfs fortgesetzt.

Weimar, 30. Jan. Durch eine Publikation macht die Weimarischc Bank darauf aufmerksam, daß in neuerer Zeit nachgemachte Zehnthalernoten dieser Bank in Umlauf gesetzt worden sind. Bezüglich der Merkmale, durch welche die falschen von den ächten Noten sich unterscheiden, ist zu bemerken: auf der Vorderseite der falschen Note steht in der Perlschrift Verfällschung" stattVerfälschung"; die Nummern­zahlen am linken oberen Rande der Rückseite find aus jeder ächten Note sämmtlich gedruckt, auf jeder un- ächten theilweise gedruckt und theilweise geschrieben; auch läuft die Sechs auf der unächten Note in einen Punkt aus, auf der ächten nicht; statt des beim Schöp­fen des Papiers erzeugten Wasserzeichens der ächten Note zeigt die gefälschte Note ein durch äußeren Druck und Fettigkeit nachgemachtes Wasserzeichen; das augen­fälligste Merkmal aber ist, daß die falsche Note an allen vier Seiten beschnitten ist, während die ächte

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war. In der zusammengeballten rechten Hand bei Leiche fand sich ein abgerissener kleiner Knopf von blauem Stein, mit gelbem Metall auf eigenthümliche

DaS Bild.

Ein« Criminalgeschichte.

(Fortsetzung)

Glauben Sie denn, daß Schütz oder Brand eines

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solchen Verbrechens fähig wäre?

Gott bewahre! Schütz niemals gewiß nicht, aber auch Brand war mit Herrn von Rittberg befreundet, und ist ein sehr gutmüthiger Mensch.---Und

doch, Herr Affessor, einer von Beiden muß es gelhan haben; denn sonst ist außer mir und meiner kranken Magd Niemand im Hause gewesen, er müßte denn noch darin versteckt lein."

Alle Angaben der Wittwe Stille über die Lokali­täten ihres Hauses und den Verschluß der Fenster «gaben sich bei einem sorgfältigen Augenschein als dollkommen richtig; auch in dem Zimmer welches der Ermordete bewohnt hatte, fanden sich alle Fenster fest derschlossen, und eine genaue Durchsuchung des Hauses in allen seinen Räumlichkeiten blieb ohne Erfolg. Nachdem inmittelft die Gerichtsärzte sich eingefunden halten, wurde zur Ndbuction der Leiche geschritten, bei welcher sich ergab, daß eine schmale zweischneidige Taffe, wahrscheinlich ein Dolch, durch den Scklafiock, bie Weste und das Hemo in die Brust eingedrungen bar, und zwischen zwei Rippen durch die rechte Hrz- lammer erreicht und geöffnet hatte, , so daß der Tod augenblicklich oder doch nach Verlauf einer sehr kurzen Zeit erfolgt sein mußte. Die Leichenstarre und alle übrigen Erscheinungen an dem Körper ließen keinen 3*.r Zweifel darüber, baß Rittberg nicht etwa am Morgen sondern bereits vor acht bis zwölf Stunden verstorben

Weife umsponnen. In den Taschen der Kleiber be- fanb sich die mit 10 FriedrichSb'or und Silbergelb gefüllte Börse und eine goldene Uhr mit Kette, an dem Hemd eine werthvolle Busennadel und an den Fingern mehrere Ringe mit großen Brillanten und einem Soliär; auch von der reichen Ausstattung des Zimmers fehlte nichts.

Der Assessor Strehlen ertheilte dem Polizei kommiffar die erforderliche Instruction zu den vorzu nehmenden polizeilichen Nachforschungen, und ließ den jungen Brand vorladen, welcher alsbald erschien und den Assessor schweigend begrüßte.

Sie wissen wohl," sprach dieser,weßhalb ich Sie hierher habe einlaben lassen?"

Ohne Zweifel wird bet Tod des Herrn von Ritt berg die Veranlassung sein.

Können Sie Darüber irgend eine Aufklärung geben?"

Nein.

Wann haben Sie Herrn von Rittberg zuletzt gesehen?"

Ich war noch gestern Abend bei ihm.

Wollen Sie mir die nähern Umstände dieses Besuches angeben ?"

Es mochte zwischen sieben und acht Uhr sein, als ich zu ihm ging; ich ertuncigte mich bei seiner Haus wirthin, bie mir auf der Treppe begegnete, ob er zu Hause sei, und ging auf deren bejahende Am wort zu ihm hinauf. Er war gerade beim Thee, als ich tarn; wir halten unö kurze Zeit über ziemlich gleichgültige Dinge umerhalieii, als b.r Forftacc ssist Schütz cintrat. Ich »-»eilte nur noch so lange, als eine gewisse Rücksicht gegen den N.uangekommenen eS zu gebieten schien, empfahl mich dann, und ging,

weil ich den ganzen Tag über nicht an die Luft ge- komm n war, aus der Promenade um die Stadt nach Hause zurück.

Hatten Sie gleich Anfang« für Ihren Besuch bei Rutberg eine so kurze Dauer bestimmt?"

Nein, ich wollte vielmehr den Abend bei ihm zu­bringen und wurde nur durch die Ankunft des Herrn Schütz bewogen, mich zu entfernen."

Aus welchem Grunde?"

Es war zwischen Schütz und Rittberg ein Streit vorgesallen, ich mußte daher Erörterungen besorgen, bei welchen die Anwesenheit eine« Dritten störend fein konnte."

Ich bitte, mir auch den Hergang diese« Streite« zu erzählen."

ES wurde vorgestern Abend bei Herrn Stern Whist gespielt; Stern saß links neben Rittbeig, war also dessen Gegner. Er wollte eine Karle ausspielen, worauf Schütz, welcher dem Spiele zusah, zu ihm sagie: Wollen Sie nicht Pique aueipielen ? Rutberg wendete sich an Schütz mit den Worten: Nehmen Sie sich i» Acht. Herr Siern ist sich seines feinen Spiele« bewußt und wird einen Zweifel daran ungern hören. Schütz, reizbar und leickt verletzt, wie er ist, erroie berte: Verzeihen Sie meine Einmisckung. Herr von Ritlberg, ich wußte nicht, daß das Geldinlereffe bei Ihrem Spiele eine Summe hat. Rutberg, d m überall, so auch beim Spiele eine sehr noble Gesinnung eigen war, war über diesen allerdings ungerechten Borwurf im höchsten Grade empört, gab das Spiel sofort auf und entfernte sich. Man erwartete allgemein eine Forderung. Da nun gestern Rittberg Herrn Schütz lehr gemein und zurückhaltend empfing, so konnte ich von dieser Zusammenkunst nur eine sehr miersrm-