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Marburg, Sonnabend, de« 31. Januar.

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Bestellungen auf die „Oberh. Zeitung für die 83 Monate Februar und Marz werden bei den ßaiserl. Postanstalten und der Expedition entgegen- ,eao»«en. _______________

Dentsche« «eich.

•« Berlin, 29 Jan. Die Majorität der reichs freundlichen Parteien ist durch da« überaus günstige Aeiultat der engeren Wahlen noch ansehnlich verstärkt »orden Von sämmtlichen Stichwahlen find nur vier reichSseindlich ausgefallen, und diese vier repräsenttren aenau alle Schattirungen der gegnerifchm Coalition. Der Ultramontane Moufang, der welfische Particulanst Ewald der Socialvemokrat Hasselmann unv endlich, al« eine absonderliche Specie« der ReichSseinde, em Gemisch von kosmopolitischem Demokraten, Partien laristen Papst'reund und zugleich Religionsfeind, Herr Sonnemann! Diese« preußenfresfirische Viergespann ist in der That eine wunderliche Geburt der letzten Wahlen! Die große Zahl der reichsfreundlichen engeren Wahlen sind der bündigste Beweis, daß die Wähler dieser Richtung erst durch die Gefahr zu zahlreicherer Teilnahme sich haben drängen lassen; indeß hat die raaeTe Wahl im sechsten Wahlbezirk Berlins auch die Eocialdemokraten in weit stärkerer Zahl zur Wahlurne gelockt; dieselben haben für Hasenelever über 4000 Stimmen in der zweiten mehr abgegeben al« in der ersten Wahl. — Zwischen Elsaß Lothringen und Baiern ist eine Differenz entstanden wegen Besteuerung de« Diensteinkommens der baierischen im RetchSland garnisonirenden Offiziere. Von beiden Seiten ,st da« Steuererhebungsrecht in Anspruch genommen worden, und die reichsländische Verwaltung hat die Entschei­dung de« BundeSratheS angerufen. — Hebet den Ge feftentwurf zur Abänderung einiger Bestimmungen der Gewerbeordnung haben die AuSfchüffe für Justiz und für Handel und Verkehr den Bericht Dorgelegt. ES ist die Vorlegung an den Reichstag empfohlen worden, da au« den zahlreich eingegangenen Petitionen, nament­lich um Einführung strasrechtlicher Verfolgung deS AlbellScontlactbruchS daS dauernde Bedürfniß nach

Abänderung und neuer Regelung dieser Gewerbever­hältnisse conftatire. — Eine Aeußerung deS Ministers des Innern in den Verhandlungen über die Berliner Polizei ist sehr amüsanter Weise mißverstanden worden. Der Minister hatte ein Beispiel angeführt, wie ein Schutzmann von ihm angetroffen worden sei, indem er zum Fortkommen eines beladenen Wagens bchüls- lich gewesen sei, und hatte diese Dienstleistung deS Mannes der Sicherheit al« gute« Mittel, die Polizei beim Publikum beliebt zu machen, empfohlen. Von einigen Seiten war jedoch diese Empf hlung nicht aus die Hülfsleistung bezogen worden, sondern auf ein Geschenk, welches der Minister dem hülsreichen Schutz mann zur Anerkennung gegeben, und dessen er auch beiläufig Erwähnung gethan hatte. Man hatte daraus Die Lehre entnehmen zu sollen geglaubt, der Minister wünsche, die Polizeibeamten durch Geschenke des Publi turne zum Diensteifer ermuntert zu sehen, während er vielmehr die Gunst de« Publikum« durch thunlichste Dienstsertigkeit der Beamten zu geraumen für wünschens werth e,klärt, also seine Ermahnung an die Adresse der Beamten gerichtet hatte.

— Der Post ist eS nun ein- für allemal nicht möglich, unsere Berliner Korrespondenz regelmäßig und rechtzeitig an unS gelangen zu taffen; wir ent­nehmen aus der gestern wiederum verspätet eingetroffenen noch Folgende«: Rach einem Resume über d.n gestern mitgethellten Artikel der „Prov.-Correfp." fährt unser Correspondent fort: „In welcher Weise man von staatsfeindlicher Seite dmch aQormirenbe Nachrichten die Situation zu trüben bemüht ist, davon haben wir schon in diesen Tagen ein Beispiel angeführt; die« Geschäft ist auch fortgesetzt worden; durch eine an­gebliche Depefche aus Pariser Börstnkreisen, die sonst Niemand kennt, wird mit möglichster Verclausulirung und Emballage er zählt, Fürst BiSrnarck hätte in ver- traullchem tete ä tete dem hiesigen Gesandten Frank reich« den „Kriegsfall gestellt". Allerdings eine Spe­kulation auf einen hohen Grad von LeichtglSuhigkeit, aber man versucht e« doch, damit gute Freunde e«

weiter benutzen! semper aliquid haeret! —- Die veränderte Fassung de« § 20 deS Preßgesetzes im neuen »Entwurf wird von der Preffe al« Verbesserung anerkannt, die „Germania" dagegen ist weniger damit einverstanden, da da« ultramontane Gewissen die dem Hngehorsam gegen daS Gesetz und der Beschönigung diese« Ungehorsam« angedrohte hohe Strafe bedenklich indet und mit weiser Voraussicht die Anwendung ;egen ultramontane Wühlerei fürchtet. Welche seine Witterung so eine Jesuitennase hat, wenn e« gilt, die Grenze straffreier Auflehnung gegen weltliche Gesetze serauszustnden? der §. 20 scheint hiernach allerdings >as Richtige getroffen zu haben, wenn er auch schwer­lich ausschließlich für klerikale Wühlereien berechnet worden ist. — Herr Eugen Richter hat sich über die Bewilligung der geheimen Fonds noch nicht beruhigen können; da er nun einmal den Socialdemokraten und Ultramontanen die Hand zum Bunde gegen die Regie- rungSpresse gereicht hat, will er sich diese ehrenwerthen Freunde durch Fortsetzung seiner moralischen Entrüstung über die lästige Concurrenz zu Dank verpflichten. Außerdem ist ihm dafür wenig Dank zu Theil gewor­den. Seine eigene Partei hat zur Sicherung gegen Wiederholung feiner Taktlosigkeit in einer Fraktions­sitzung den Beschluß gefaßt, daß kein Mitglied im Namen der Partei ohne vorherige Ermächtigung parla­mentarische Reden halten soll; ein DeSavou optima forma! — Al« Redakteur der hier erscheiuendeu „Mittwochsblätter" ist ein Buchhalter Schmidt genannt, und der vormalige Cultusininister v. Mühler hat seine Betheiligung an dem Blatt in Abrede gestellt; jedoch sollte diese Ablehnung wohl nur formelle Berechtigung haben; die geistige Gönnerschaft wird ihm mit gutem Grund nach wie vor zugeschrieben.

Hannover, 27. Jan. Der Kaiser hat nunmehr entschieden, daß da« Weifenschloß für da« hannoversche Polytechnikum eingerichtet werden soll. Die letzte Entscheidung der Frage liegt dann in den Händen deS preußischen Landtages, welcher die nöthigen Gelder zum Umbau ca. 300,000 Tha'.er zu bewilligen hat.

1„Jch höre soeben," redete der Amtmann reiferen Doctor an, als er ihm ungefähr einen Monat später

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Diener Walden ein Couvert, MV nichts fitenlarte enthielt.

Unter dem Namen:

durch Zufall auf der Promenade begegnete, „daß Frau von Hohenfeld Sie dem Gerichte zum Vormunde ihrer Kinder vorgeschlagen, und daß Sie sich bereit erklärt, die Vormundschaften anzunehmen, obgleich daS Gesetz

lichen Frische verloren, auch geigten sich bereit« die ersten leisen Falten auf ihrer Slim, und um ihren Mund lagerte ein eigenthümlich leidender Zug. Aber es waren noch dieselben edeln und milden Züge, e« war noch dasselbe glänzende Auge, in deffen Tiefe stch früher so oft Walden'« Blick versenkt.

„Sie halten mich also Ihre» Vertrauen« noch für würdig?" unterbrach Walden endlich das Schweigen.

„Sie können noch fragen ?" erwieberte Frau von Hohenfeld mit einem halb freudigen, halb wehmüthigen Lächeln.

Und damit schritten sie hinein in da« Hau«.

VIII. ■

unsere Aerzte, in Berücksichtigung ihre« Bemfe«, aus­drücklich von der Verpflichtung der Vormundschafts- Übernahme entbindet."

„Es ist so, wie Sie sagen;" antwortete Walden.

„Dann," versetzte der Amtmann kopsschüttelud, „haben Sie, Doktor, sich, vielleicht ohne eS zu wifiee, ein verdammtes Stück Arbeit aufgrbürdet. Eine. Vor­mundschaft, wobei es sich um die Verwaltung eine« so bedeutenden Vermögens handelt, wie de« Hohen- feld'fchen, macht entsetzlich viel arbeit, Mühe und Schererei, wie Sie zu Ihrem Schaden wohl noch er­fahren werden."

„Immerhin!" versetzte Walden, „Sie wiffen ja, daß ich in meinem fieben für Niemand weiter zu sorgen gehabt habe als für mich selbst; lassen Sie mir also die Freude, noch einmal für Andere zu sorgen und einmal quasi Vaterstelle zu vertreten."

„Auch behauptet man," fuhr der Amtmann fort, „daß Sie bei Frau von Hohenfeld mächtig gut ange- schrieben stehen. Nun, wie steht'« damit, alter Freund?"

Nachdem Frau von Hohenfeld die erste Seite dieser verhängnißvollen Bekenntniffe gelesen, wandte sie sich plötzlich an den Inspektor mit der Bemerkung; daß sie die Durchsicht der Bücher auf morgen zu verschie den wünsche. ' J:

Der Inspektor verstand den Wink und entfernte sich.

AIS zwei Stunden später das Kammermädchen erschien, um stch nach ihren Befehlen zu erkundigen, fchickte Frau von Hohenfeld da« Mädchen einfach zu Bett, erklärend, daß fit ihr« Dienstleistungen nicht bedürfe.

Um vier Uhr Morgen« brannte in ihrem Zimmer noch da« Licht. -

Ans dem Leben.

Or^inak-Rovelle von Rudolph Müldener-

- (Schluß.!

Acht Tage nach Beerdigung ihre« Manne« finden wir Frau von Hohenfeld gegen Abend im Arbeits­zimmer de« BaronS unter Beistand de« Inspektors »it der Durchsicht de« von ihrem Manne persönlich geführten Hauptbuches beschäftigt. ,

In dieser Beschäftigung wurde sie durch einen Diener unterbrochen, der ihr einen aus Bernau soeben engtfangten Brief überreichte.

Obgleich bereite sechszehn Jahre verflossen waren, seitdem sie zuletzt eine Zeile von dieser Hand erhalten, so erkannte sie doch Walden'« Hand, welche die «uf= schrist geschrieben, sofort wieder, und ein bittere« Lächeln zuckte um ihre Lippen. J ; '

Gleichwohl erbrach sie den Bries.

„Gnädige Frau!

Indem der Unterzeichnete sich erlaubt, Ihnen seine aufrichtige Dheilnahme an dem Verluste, den Sie burch den Tod Ihres Gemahls erfahren, hiermit aus­zudrücken, wagt er es zugleich, Ihnen den beifolgen­den Brief zur gefälligen Durchsicht zu überreichen.

Für den Fall, daß Sie, gnädige Frau, nach Durch ficht diese« Briefe« die Ueberzeugung haben sollten, daß Schreiber dieser Zeilen nie aufgehört hat, Ihre« Vertrauen« würdig zu jein, so würde er es -1« eine Gunst betrachten, wenn Sie seinen Rath und Beistand in alle den Men in Anspruch nehmen wollten, in welchen Sie glauben, daß derselbe Ihnen von Nutzen fein könne. • v 1 J

'M tz N!' - vr. Walden."

Frau von Hohenfeld la« den Bries, Überla« ihn, durch den Inhalt srappirt, kopfschüttelnd zum zweiten Dale. Endlich griff sie nach der unversiegelten Ein­lage, welche ihr beim Oeffnen des Couverts in den Schovß gefallen, und erkannte die Hand ihrer verstör denen Schwester.

Es war der Brief, den Frau von Hußl« acht Jahre früher in Grünberg geschrieben.

„Frau von Hohenfeld" reerrar.. hatte eine weibliche Hand geschrieben

„bittet um die Ehre Ihre« Besuche«."' Walden ließ sofort anspannen.

Al« er am Perron des Hohenfeld'schen Hause» vorfuhr, tarn ihm Frau von Hohenfeld, zum großen Erstaunen ihrer Leute, nicht bloS bis in da« Vor­zimmer oder die Hausflur, sondern fast bi« an den Schlag seines Wagen« entgegen.

Walden begrüßte sie durch eine liefe, fast ehr­furchtsvolle Verbeugung.

„Sie haben mich zu sprechen gewünscht, gnädige Frau?" sagte er mit weicher, fast bebender Stimme.

Statt aller Antwort reichte sie ihm die Hand.

Beide standen einander einen Augenblick schweigend gegenüber; sie schauten sich an, und jede» von ihnen schien die Veränderungen prüfen zu wollen, welche die Jahre im Gesichte de« Anderen hervorgebracht.

Die Zeit war nicht spurlos an Frau von Hohen­feld vorübergegangen, denn sechSzehn Jahre machen niemals jünger. Ihr Teint hatte Sn feiner fügend