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Marburg, Freitag, den 30. Januar.

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22 täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da« Quartal durch dir Expedition («vch'fche Buchdruckerei) de,»gen 6gr durch die

Dostämter 87 ggr. lercl. BefteLgebübr und iucl. Stempelsteuer), für das AuÄand excl. Stempel SS Sgr. JnsertionSgebühr für du gespaltene Zelle 1 Sgr. * Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 2H Sgr. derechurt. Sümmtliche Annoucen-Büreau» nehmen Inserate an.

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Deutsche» »eich.

Vertt«, 28 Jan. Die heutigeProv-Corresp." schreibt über die französische Regierung und die Uftra- montanen: Die ultramontane Partei in Frankreich hatte schon feit einiger Zeit durch Kundgebungen in bischöflichen Erlassen, sowie in der Prefle eine leb- Lfte und leidenschaftliche Theilnähme für die Bestre wngen ihrer Gesinnungsgenossen in Deutschland zu «kmnen gegeben. Neuerdings hatte einer der Bischöfe in einem Hirtenbriefe, welcher sich durch Heftigkeit der Sprache vor allen bisherigen Aeuherungen auSz.ichnete, dir Behauptung ausgestellt, daß sich Deutschland mit Kalien und der Schweiz zur Verfolgung der kacho- Khen Kirche verschworen habe; um diese Behauptung begründen, wurde daS Verhalten der deutschen Regierung in den schmühendstrn Ausdrücken geschildert. Durch daS gerechte Befremden, welches diese heraus fordernde Sprache überall und namentlich in Deutsch' Unb hervorrief, hat sich die französische Regierung «ranlaßt gesehen, dem bedenklichen Verhalten der ultra- montanen Partei im Interesse Frankreichs selbst ent* gegnqutreteu. Der Minister der auswärtigen Ange, leoenheiten, Herzog von DecazeS, nahm jüngst Ge legenheit, in der Nationalversammlung Erklärungen g^ayben, durch welche zunächst die Besorgnisie wegen Störung der Beziehungen zur italienischen Regierung beseitigt werden sollten, und fügte sodann hinzu: die Regierung wolle den Frieden, weil sie denselben für da« Wohl Frankreich« für unerläßlich halte, weil sie misse, daß die heißen Wünsche deS Lande« aus den Frieden gerichtet seien. Um ihn zu sichern, werde die Regierung unablässig bemüht sein, alle Mißverfiänd «sie zu beseitigen, allen Conflirten vvrzubeugen; sie »erde den Frieden auch gegenüber eitelen Deklamationen asb bedauerlichen Aufhetzereien, woher sie auch kommen möchten, zu wahren suche». Die Ehre und die Würde Frankreichs seien bedroht durch politische abenteueret, Herrn Gebähten da« Land verhängnißvoller Weise zu

einer Schwäche oder zu einer Thorheit treiben würde. Diese» Erklärungen deS Ministers, welche von der Nationalversammlung mit großer Zustimmung aufge nommen wurden, entsprach ein thatsächlicher Schritt der Regierung. Das bedeutendste Blatt der ultramon tonen Partei, derUniverS", welcher den erwähnten Hirtenbrief veröffentlicht hatte, wurde auf Beschluß deS Ministerrathes auf zwei Monate verboten und diese Maßregel ausdrücklich darauf begründet, daß das Blatt sowohl durch eigene Artikel, wie auch durch Urkunden, die eS veröffentlicht habe, diplomatische Ver­wickelungen herbeizuführen drohe. Indem die fran­zösische Regierung in freier Entschließung und lediglich in Erwägung der Jntereffen Frankreichs sich mit Wort und Thal von der ultramontanen Partei lvSgesagi hat, deren Bestrebungen im Laufe des letzten Jahre« einen gewissen Einfluß in den herrschenden Kreisen Frankreichs gewonnen zu haben schienen, hat sie an ihrem Theile einen Beweis der richtigen Würdigung der allgemeinen Lage und der Stellung Frankreichs in derselben gegeben. Allerdings hat die Maßregel, welche die französische Regierung ergriffen hat, zunächst nur di« Presse getroffen, welche die gehässigen An­griffe gegen Deutschland verbreitet Wat, nicht die geist lichen Urheber derselben. Der weiteren Erwägung der kaiserlich deutschen Regierung bleibt eS Vorbehalten, inwieweit nach Lage der Verhältnrffe und auf Grund der französischen Gesetzgebung noch eine Genugthuung und Sühne in Betreff deS Verhaltens der geistlichen Würdenträger selbst in's Auge zu [offen fein wirb.

Bonn, 26. Jan. Einen interessanten Vorschlag zur Güte finden wir in der heutigen Nummer der ultramontanenDeutschen Reichs-Ztg." Man spricht darin die Hoffnung au«, daß bet gegenwärtige Eon- flirt auf dem Wege eines CompromiffeS beigelegt fein würde, und daß Derjenige, welcher diesen Weg betrete, kein Geringerer sein werde, al« BiSmarck selbst. Bismarck sei so sagt der Artikel wenn auch ein augenblicklich theils durch eigene Schuld, theil« durch höheres Berhängniß verirrter, so poch immer ein wirklicher Staatsmann. Bon einem solchen aber lasse sich die bezeichnete Umkchr um so mehr erwarten,

als er von Natur konservativ angelegt sei und bald merken werde, daß daS katholische Volk trotz ReinkenS, Schulte und Döllinger nicht vom Papst und feinen Bischöfen loSgerissen werden könne. Daß man in Rom dem zuvorkommenden StaatSmanne entgegen kommen würde, sei bd dem eminent friedlichen Cha­rakter der Kirche wohl selbstverständlich.

Braunschweig, 25. Jan. Die von den Ständen im Dezember v. I. beantragte Revision der Gesetze über Wahl und Zusammensetzung der braunschweigi- ichen Landesvertretung hat der Regierung Veranlasiung zur Ausarbeitung eines diesbezüglichen entwürfe« gegeben. Allgemein wird interessiren, daß danach die bisherige Anzahl von 46 Vertretern auf 33 herab­gefetzt und als Grundlage der Wahlmodifikation die Einführung der Allgemeinen direkten und geheimen Abstimmung hingestellt wird. AuS solchen Wahlen sollen 16, resp. 17 Abgeordnete hervorgehen, so daß bd der jetzigen Bevölkerung de« Herzogthum« von 303,000 Seelen auf je 1718,000 Einwohner ein freigewählter Vertreter kommen würde; die andere Hälfte dagegen würde nach wie vor cheil« au« Höchst« befteuerien, theil« au« Mitgliedern wissenschaftlicher Berufsstände zu bestehen haben. Der Wahlköeper der evangelischen Geistlichkeit ist in dem neuen Ent­würfe beseitigt, ebenso da« mehrfache Wahlrecht, da­gegen ist die bisherige Scheidung nach Stand urtfr Land beibehalten lieber die Seitens der Commission gemachten Abänderungsvorschläge wird die Landesver­tretung zu entscheiden haben.

Stuttgart, 28. Jan. Auf dir Interpellation Pfeiffers im Abgeordnetenhaus betreffend dir Ein­führung der obligatorischen Civilehe in Württemberg antwortet der CulruSMinister von Geßler: Di« Stellung der Württembergffchen Regierung hinge von dem Ergebniß der preußischen Gesetzgebung und von der künftigen Stellung der Reichsorgane zur Ange- legenheit ab. klebrigen« lägen die Verhältnisse in Württemberg ander« als für Preußen, indem ht Württemberg die Einführung der Civilehe mit der Neuregelung des gejammten materiellen Eherecht« unb der Ueberweifung aller Ehesachen an die Civilgerichte

ff ul «ent Sehen.

*Ch> y-h vrigmalrNovelle von Rudolph Maldener.

t ,ur :. (Fortsetzung.)

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tt. 4-.,. Seitdem mochte ungefähr «in Jahr verstrichen fein,

>.63b da empfing Walden «ne« Tage« mit der Post ein j Packet und einen Brief, der hier eine Stelle finden

kr. 758

840 254

133 234 04-211 4743

tIndem ich Ew. Wohlgeboren von dem am 12. düse- Monat« erfolgten Ableben der Frau Generalin von Hußlar, Excellenz, in Kenntniß zu setzen mir «falbe, übersende ich beifolgend ein Packet, welche« besagt« Frau von Hußlar, deren Vermögen ich zu verwalten die Ehre hatte, mir einige Tage vor ihrem Tode mit dem Auftrage übergab, daffelbe Ew. Wohl- geboren zukommen zu lasten.

Mt Hochachtung

; - Weinhold,

. Rechtsanwalt und Notars

Ms Wachen bat Packet öffnete, fiel ihm zunächst dn Schreiben von Frau von Hußlar's eigener Hand «gegen.

Walden i

Wenn Sie diese Zeilen empfang«», bin ich nicht »ehr. Meine Aerzt« versichern, auf mein Befragen, daß ich sterben werde, uq£ ich selbst fühle, daß sie »it dieser Versicherung Recht haben; die Schwind­sucht, welche ich mir in Folge einer Erkältung znge- lvM, verzichtet nicht so leicht auf ihr Opfer. Ich brauche Ihne» nicht zu sagen, daß ich den Tod nicht sürchte. Aber Angesichts deS Grabe«, welche« mich nun bald umfangen wird, fühle ich da« Bedürfniß, ®*e noch mit einigen Zeilen zu behelligen."

Eie hatten wohl Recht, al« Sie mir sagten, daß *to« Zeit kommen muffe, wo ich daS Verlangen haben *&tb«, meinen an Ihnen und Mathilde begangenen Eerrath durch ein offene« Bekennttnß auch gegen letztere zu sühnen Mathilde würde mir, ich weiß es,

ihre Verzeihung nicht versagt haben, und e« würde ein Trost für mich gewesen sein, dieselbe mit hinüber nehmen zu können in jene« unbekannte Land, besten Pforten der Tod unS öffnet."

Aber ich will mein Ihnen gegebenes Versprechen halten, und darum verzichte ich auf das Glück, meine Schwester noch einmal zu sehen, fie an mein Sterbe­bett zu rufen unb mir von ihren lieben Händen die Augen schließen zu lassen."

Unb nun bitte ich Sie noch, beisolgendeS Geschenk freundlich annehmen zu wollen. Ich weiß zwar, daß nur Ihr Mund, nicht aber Ihr Herz mir verziehen hat, waS Sie durch mich gelitten. Aber wenn e« wahr ist, daß der Tod eine sühnende Kraft besitzt, so hoffe ich, werden Ihre Augen künftig ohne Groll auf den Zügen einer Frau zu verweilen vermögen, die zwar schwer genug gegen Sie gesündigt, die aber bereit gewesen wäre, diese Schuld durch dir Hingabe eine« ganzen Leben« zu sühnen.

Pauline von Hußlar."

Beigeschlossen war dem Briese der Schreiberin eigene«, von Meisterhand gemaltes Porträt in einer schweren, reich mit Brillanten besetzten Gvldrahmen- Einfaffung.

Ohne Zweifel hatte-Frau von Hußlar, fürchtend, daß Walden ein Legat ablehnen möchte, diesen Weg gewählt, ihm ein auch materiell bedeutendes Geschenk zu machen.

Der Tod hat wirklich eine sühnend« Kraft: Walden« Auge ruhte lange auf Frau von Hußlar's schönen unb geistvollen Zügen, unb zum ersten Mala in feinem Leben gedachte er ihrer, ohne daß zugleich da« An­denken an ihren Berrath diese Erinnerung trübte.

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Ungefähr ein halbe« Jahr später der Herbst wind wehte bereits über die Stoppeln sah sich Walden eine« Abend« durch ein heftige« Pochen an

seiner Thür au« der Lrctüre einiger medicinischer Zeit» schriften, mit der er sich eben beschäftigte, aufgeschreckt. Al« er da« Fenster öffnete, sah er im Mondenschein Hohenfeld'« Equipage vor seiner Thür halten, und eine Stimme rief ihm zu, der Baron sei, in Folge eines Sturze« mit dem Pferde, auf den Tod öermunbet und bedürfte augenblicklicher Hülse.

Hohenfeld war gelegentlich eines Besuche-, den er einem benachbarten Gutsbesitzer abgestattet, von diesem fort im Mondenschein nach Haus, geritten. Er hatte ein feurige«, noch nicht einmal vollkommen zu- geritteneS Pferd, unb fein Weg führte ihn an einer gerade in Bewegung begriffenen Windmühle vorüber. Brim Anblicke dieses UngethümS, welches schon Don Quixote für einen Riesen gehalten, blieb da« Pferd stehen, spitzte die Ohren, schnob mit den Rüstern, war aber totott durch ermunternde Zurufe, stoch durch Streicheln mii der Hand zu bewegen, auch nur einen einzigen Schritt vorwärts zu thun. Aergerlich stieß Hohenfeld dem Thiere endlich die Sporen in die planten; da« Pferd bäumte sich, tanzte auf den Hinter­beinen nur noch weiter zurück, kam dabei einem un­bedeutenden Graben zu nahe und überschlug stch mit seinem Reiter. .

Als der Reittnecht, bet Hohenfeld begleitet und, weniger gut beritten als fei» Herr, etwas zurückge­blieben «ar, endlich herzukam unb den Baron unter dem Pferde hervorzog, war derselbe bereit« besinnungslos.

Aus dem Gutt angelangt, fand Walden Frau von Hohenfeld am Todtenbette ihre« Manne«; einige Mi­nute» vor fein« Ankunft war der Baron verschiede».

Der Tod eine« Menschen hinterläßt, namentlich wenn jäh, unerwartet erfolgend, im Kreise Derer, dir mit dem Verstorbenen gelebt, fast immer rin« Lücke, und in diesem speriellc» Falle trugen aufeerbem die