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DaS Versprechen einer baldigen Rückkehr hatte Frau von Hohenfeld über die Abreise der Schwester ein wenig getröstet; aber Wochen und Monate ver» gingen und Frau von Hußlar kehrte nicht zurück. Jetzt endlich fing Frau von Hohenfeld an, das Motiv dieser plötzlichen Abreife zu durchschauen, und da fc tagte sich ihr auch die Ueberzeugung auf, daß der Kuß, den ihre Schwester ihr beim Abschiede auf die Stirn gedrückt, ein Scheidekuh, ihr Abschied ein Abschied für immer gewesen sei.
Frau von Hußlar hatte ohne Mühe begriffen, daß ihre Schwester ihre Liebe zu Walden errathm und mit diesem darüber gesprochen habe.
an eine Gerechtigkeit zu glauben; einst habe ich Leidenschaften einzuflößen gesucht, die ich nicht zu erwie- dern vermochte, und jetzt bin ich'verurtheilt, das Be wußtsein einer unerwiederten Neigung durch das Leben zu tragen!"
gegen dm „Univero-- und Andere und der Erklärungen, welche damit gleichzeitig dort abgegeben wurden, wollen wir nicht unerwähnt laf^, daß die „Nordd. Allg. Ztg." sich Mühe giebt, der >«nzösischen Regierung in Vieser Sache die Initiative äUätfNred)en, um bie Wahrung -der Würde und deS SabstgefühlS zu erleichtern. Dem zurückziehenden Feinde man (je kanntlich goldene Brücken bäum! Um^ehrt sucht dagegen die Caplanspresse die französische Gierung, welche sie für ihre Interessen und Pläne nicht Nfam genug gefunden hat, durch Aufstachelu deS verletzt», Chauvinismus in Mißkredit und Verlegenheit zu bringen. Schmerzlich getroffen ist der UltramontaniS- mus von dem Vorgehen der österreichischen Regierung gegen die clericale Allmacht. In der Besprechung der österreichische» Kirchengesetze beobachtet man noch auffallende Zurückhaltung; hinter den Coulissen wird vermuthlich noch emsig agirt, um Oesterreich aus dem fest umschließenden Garne der Hierarchie nicht heraus- vrechen zu lassen und in der zwölftm Stunde noch zur Umkehr zu bewegen.
— Der BündeSrath hat ein Verbot der Annahme ver holländischen halben Gulden und der österreichi scheu, sowie ungarischen Viertel-Gulden bei öffentlichen Kaffen erlaffm.
Pofe». 25. Jan. Wie die „Ostd. Ztg." ver-! nimmt, ist für den Erzbischof nunmehr für den Fall der Sistirung das Gerichtsgefängniß in Frankfurt a. O. definitiv in Aussicht angenommen.— Schon wieder find Briefe an dm „Primas" eingelaufen, welche deffen Organ, der „Kuryer PoznanSki", veröffentlicht. Die Briefsender find diesmal: der Fürstbischof der Diöcese Seckau(Gratz), Johann Zwerger, der Primas Belgiens, Erzbischof von Mecheln, und einige Ultramontane Englands, unter denm auch der Name deS Herzogs von Norfolk figurirt. Aus dem Briefe des belgischen Primas an den polnischen ist ersichtlich, daß ersterer schon einige Male an seinen Posener College» geschrieben, aber keine Antwort erhalten hat. Aus diesem nun endlich nach Posen gelangten Briefe erfahren wir, daß der Schreiber auch mit seinem Collegen in Westminster schriftliche Unterhandlung pflegt, und daß der letztere schon ein „Posener non possumus" erfunden hat, daS selbst dann noch als ausreichend zu betrachtm sei,
riget iden- mnte Ihr irth- iraut mnt, eden- -rcsie lbge- ierin 3122
Au» dem Lehen.
Onginal-Rovelle von Rudolph Maldener.
• (Fortsetzung.)
Die beiden folgenden Tage war Frau von Hußlar so heiter und unbefangen wie immer, so daß selbst Frau von Hohenfeld durch diese Heiterkeit sich täuschen ließ und die Wunde der Schwester für weniger tief hielt, als sie in Wirklichkeit war.
Am Morgen des dritten TageS aber erklärte sie, daß sie von ihrem mit der Verwaltung ihres Ver mögens beauftragten RechtS-Anwalte Briefe erhalten, die ihr eine augenblickliche Abreise zur Pflicht machten.
Diese Erklärung rief im ganzen Hause eine an Bestürzung grenzende Aufregung hervor, denn Frau von Hußlar war, wir bereits erwähnt, beliebt bei Groß und Klein. Vergebens boten ihre Schwester, chr Schwager und dessen Kinder alle ihre Beredtsam- keil aus, sie zum Bleiben zu veranlassen; fie blieb un beugsam und ertheilte zugleich ihren Leuten die ge- meffensten Befehle zum Pocken ihrer Effecten.
„Du machst mir Vorwürfe, Mathilde," beantwortete sie die Vorstellungen ihrer Schwester, „daß ich Dich jetzt verlasse, wo Deine Genesung noch nicht vollendet ist und ich hier im Hause nölhig bin. Es freut mich, daß ich Dir nützlich war; allein Du wirst mir erlauben, auch einmal an meine eigenen Angelegenheiten zu denken, die, wie ich Dir sagte, meine Anwesenheit auf meinen Gütern dringend erfordern. Et pourquoi taut de bruit pour une Omelette?“*) setzte fie lächelnd hinzu.
*) Wie viel Lärm um eine Kleinigkeit (wörtlich: Eierkuchen).
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zurück. .
So lange Frau von Hußlar das Auge der Schwester beobachtend auf sich gerichtet wußtet Halle sie ihre Gefühle zu beherrschen gesucht, in der Einsamkeit ihres Zimmers ließ sie denselbm freien Lauf.
Walden's Neujahrsbesuch hatte sie überzeugt, daß derselbe ihre Liebe nie zu erwiedern vermöge. Von diesem Augenblicke an suchte sie ihre Neigung zu bekämpfen, wachte jedoch schnell genug die Entdeckung, daß die Lüde ein Gefühl ist, auf welches unser Wille keinen Einfluß auSübt. ES war nicht nur das bittere Bewußtsei», Walden gleichgültig zu sein, was die Gedanken der an Huldigungen aller Art gewöhnten Frau zwang, immer und immer wieder bei ihm zu verweilen; nein, was ihre Liebe zu ihm fast in Enthusiasmus verwandelte, daS war Walden's Ent schluß, lieber die Verachtung eines geliebten Weibes ju mtagen, als durch eine Rechtfertigung den Frieden rben diese« Weibes zu gefährden. In diesem Entschlüsse sprach sich rin Heroismus aus, deffen Walden, gewohnt, instlncliv edel und großmüthig zu handeln, sich freilich selbst nicht einmal bewußt war, der aber auf ein liebendes Weib feines EmdruckeS nicht verfehlen konnte.
„Wahrhaftig," murmelte fie endlich, „ich fange an,
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Frau von Hohenfeld schwieg, jetzt fester als je 2:.2. ihrer Schwester zu Walden überzeugt. Endlich fegte auch Letztere ihr Buch aus der Hand, erklärend, daß eS Zeit fei, sich um die Wirthschaft zu bekümmern, deren Beaufsichtigung während der Krankheit ihrer Schwester gänzlich auf ihren Schultern ruhte. 1 Allein, statt sich in die Küche oder in die Milchkammer zu verfügen, zog sie sich auf ihr Zimmer
„ Berlin, 26 Jan, Die regelmäßigen Aus- fahtlen, welche der Kaiser nun schon längere Zeit hat ortsetzen können, haben auf dessen Befinden den günstig sten Einfluß auSgeübt Die Wiedererlangung der früheren Kraft und Frische gibt sich recht sichtbar auch in der Neigung zur Annahme gewohnter Besuche und m geselliger Unterhaltung kund. — Der Bericht des Justiz - Ausschuffes ist nunmehr fertig und dm Mit gliedern deS Bundesrath« vorgelegt worden. — Wie dringt man eS fertig, SensationS- und Allarmnachrich stn in anscheinend harmlosester Form in die Welt zu schickm? Wenn für die beste Beantwortung dieser »ragt ein Preis ausgesetzt worden wäre, so hätte der : selbe jeden,all« einem bekannten hiesigen Correspon brnten zuerkannt werden müffen, welcher auf praktischem Wege die Lösung gibt. Par exemple: Besagter spe cnlatieet Kopf hatte neuerdings au« gewiffen Gründen die Absicht, die Welt durch die Nachricht zu beun- ruhigm, daß die prmßische Regierung den Befehl zur Mobilmachung einiger Armee-CorpS gegeben hätte, um damit eine Pression aus die französische Regierung aurzuLbm und die Mahnung wegen Ucberwachung der dericalen Presse zu unterstühm. Direkt wagte d« pfiffige Neuigkeitsfabrikant diesePSge nicht aufzu- tischen, da« Risico war zu groß; er hilft sich also mit einer Fiction und bringt mit der harmlosesten Mime die „Berichtigung", daß der Befehl zur Mobilmachung einiger Armee-CorpS gegen Frankreich nicht gegeben worden sei, wie „Andere" gemeldet HSttm. Diese angeblichm Meldungen ^Anderer" sind natürlich nirgend« zu sindm; Andrem ist ein solcher Einfall ganz fern gewesen, wie gutunterrichtete Politiker wohl wissen, aber das große Publikum läßt sich durch die angebliche „Berichtigung" doch leicht täuschen und meint, e« könnte wohl Etwas zu Gmnde gelegen habm! Die Taktik macht dem geriebensten Jesuiten dm Rang streitig, sollte sie in der dericalen Presse nicht Nachahmung finden? — Bei Berührung der vielbesprochenen Maßregeln der französischen Regierung
wenn die Clerisei nach »enschlichm Gegriffen besiegt werden sollte, da sie dann nach göttlichen Begriffen Sieger sein würde. , ;viu3,
Koblenz, 23. Jan. Von Saarbrücken «iS wird ein 26 Jahre aller Post-Amts Assistent verfolgt, welcher dort seit gestern verschwunden ist und dieikMssale Summe von 35,000 Thalern unterschlagen hat.
Weimar, 24. Jan. Der Nachtrag zu de« Landtags-Wahlgesetz, wie er • jetzt dem Landtage vorgelegt worden, hebt zwar die indirecte Wahl auf, bringt auch die Vertretung der ehemaligen ReichS- 'Inmittelbaren in Wegfall, läßt aber die privilegirtett W^en Seitens der vom Grundbesitz daselbst Höchst- be|teUt*pn bestehen, und gibt denselben das Recht, M den allgemeinen Wahlen 'mitzuwählen. Der Landtag ^g^de künftig auch wieder aus 31 Abgeordneten besteig wenn vom großen Grundbesitz 5, H^stbesteuerten (1000 und mehr 2^01« 6inlommen) e^jaßg 5 „»d in allgemeinen Wahlen 21 gewählt wer«.n Der Landtag dürfte schwerltch dlesem Entwürfe volle Zustimmung geben. — Inn Wahrheit glänze,. jft bfr etat 0UBf die nächste Finanz-Periode au8gef(n.n. Rom4.00 Mark Einnahme, 6,155, 584 Mark 54,836 Mark Ueberschuß. Daneben 457,^9 Ueberschuß aus der Finanz-Periode 1869—7. ynb dazu die Tilgung der Staatsschuld bi« auf ein »j nimum, die Erhöhung aller Besoldungen, die wesentlich höheren Beiträge fürs Militär, die Eisenbahn- Garantien und Anderes. Wir haben als« auch in Weimar „heidenmäßig viel Geld", und danken daS gern unserem Finanzminister, der nun 27 Jahre den Staatshaushalt musterhaft verwaltet aber — das Eisenacher Oberland hat noch immer keine Eisenbahn!
Karlsruhe, 26. Jan. Die Abgeordnetenkammer beschloß, den erzbischöflichen Tischtitel nur für daS Jahr 1874, nicht aber für 1875 zu bewilligen und die Zahlung des Tischtitels pro 1874 einzustellen, wenn das Domcapitel die Vorlage neuer Vorschlagslisten für die Besetzung des ErzbiSthumS verweigern sollte. StaatSminister Jolly »heilte mit, das Domcapitel habe die demnächstige Vorlage neuer Vorschlags- Listen für die Besetzung des ErzbiSthumS angezeigt.
München, 26. Jan. In der Abgeordneten-
„Du kehrst also zurück?"
„So bald als möglich. Du weißt ja, Mathilde," fuhr sie, ihre Schwester zärtlich umarmend, fort, „daß ich Dich zu zärtlich liebe, um lange von Dir getrennt sein zu können!" . u
Gegen Mittag war Alles zur Abreise bereit; Schwester und Schwager nebst den Kindern begleiteten sie zum Wagen, und auch die Domestiken des Hauses drängten fich heran, ihr eine glückliche Reise zu wünschen.
Frau von Hußlar bewahrte bis zum letztm Augenblick ihre Heiterkeit und ihre lächelnden Lippen. Allein, in dem Momente, in welchem sie schon den Fuß auf dem Wagentritte hatte, wandte sie sich plötzlich noch einmal um und schloß chre Schwester mit leidenschaftlicher Innigkeit in ihre Arme: „Mathilde lebe wohl!" Und damit schwang sie sich 4n den Wagen und winkte, unfähig, ihren sie plötzlich übermannenden .Schmerz und ihre Thränen zu verbergen, dem Kutscher mit der Hand, und der Wagen rollte zum Hosthore hinaus.
, Marburg, Mittwoch, dm 28. Januar,,^-
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