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Marburg, Dienstag, den 27. Januar.

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scheint tSglick außer den Werktage» nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition tKoch'sche Buchdruckerei) bezogen 221 Sgr., durch die Postämter 27 8g«. tcxcl. Bestellgi-bühr und incl. Stempelsteuer), für daS Ausland excl. Stempel 22 Sgr. -- Jnsertionsgebühr für di« gespaltene Zeile 1 Sgr. —

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 2) Sgr. berechnet. — Eämmtliche Annoncen-BüreauS nehmen Inserate an.

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Oderhessische Zeitung.

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«estellungen auf die „Ober-. Zeitung" für die Monate Februar und März «erben bei den gaiserl. Postanftalten und der Expedition entgegen; genommen.

Deutsches Keich.

Berlin, 24. Jan. In der letzten Zeit sind sicher Gerüchte aufgetaucht, daß der Kaiser eine Reise „ach Italien unternehmen solle. Wie wir HSren, sind dich Angaben völlig unbegründet. Se. Majestät, dessen Zustand sich in der erfreulichsten Weise bessert, wird in den nächsten Monaten seine Residenz nicht verlassen. — In der Presse, schreibt die „Nordd Mg. Ztg.", namentlich in der englischen, begegnen wir mehrfach der Auffassung, als habe die französische Regierung bei ihren jüngsten Maßnahmen einem Druck von Außen nachgegeben. Diese Auffassung entspricht nicht der wirklichen Sachlage. Die Akte deS franzö­sischen Ministeriums sind au« dessen eigenen Antrieb hervorgegangen; e« hat sich lediglich von dem Gefühl seiner Würde leiten lassen und in reiflicher Erwägung der Interessen Frankreich« gehandelt. Von Seiten der deutschen Regierung ist keine der dort getroffenen Maßregeln Gegenstand eine« Verlangen« gewesen. Eine derartige Einmischung in die innere» Angelegen­heiten de« Nachbarlandes entspricht unser» politischen Gewohnheiten nicht. Dm französischen Bischöfen gegenüber mußte sich die kaiserliche Regierung Vorbe­halten, nach Maßgabe der französischen Gesetze vor­zugehen, um eine Sühne der MajestätSbeleidizung zu erlangen. Aber e« ist ganz irrig, zu behaupten, daß irgend etwa« von der französischen Regierung verlangt worden sei; die Maßnahmen derselben sind durchaus freiwilliger Natur. Es bleibt unserseits ab zuwarten, ob die Genugthuung, die geboten wird, Deutschland dessen überhebt, die französische Gesetzge­bung und Rechtspflege in Anspruch ju nehmen. — Aus Grund der letzten Conserenzen über das höhere Töchterschulwesen ist, wie wir dem „D. W." ent­nehmen, zunächst der Entwurf einer neuen Prüfung- ordnung auSgearbeitet worden, die wahrscheinlich bald

nach dem Schlüsse de« Landtages veröffentlicht werden wird. Die Prüfungsordnung bezieht sich auf die Lehrerinnen an Volksschulm, höherm Mädchenschulen und die Schulvorsteherinnen. Bisher bestanden solche Verordnungen wohl für einzelne Provinzen, doch wurde die Gleichmäßigkeit des Verfahrens vermißt. — Heute Vormittag hatten die Vorsitzenden des Deutschen Apoihekerverein«, Apotheker Dr. Schacht und Kobigk, sowie die Ageordneten Apotheker Engel und Röstel eine Audienz beim Kultusminister behufs Darlegung der Grundzüge zur Reform des Apotheker- wefen«.

— 24. Jan. Fürst Bismarck veröffentlicht in dem heutgen Blatt deS „Reichsanzeiger" folgendes: »Die Zahl der mir betreffs der jüngsten Debatten im Abgeordnetenhause telegraphisch und schriftlich zuge- gangeneu Zustimmungen und wohlwollenden Kund­gebungen ist so erheblich geworden, daß meine an fängliche Absicht der besonderen Beantwortung einer Jeden nicht möglich ist. Ich beehre mich daher, auf diesem Wege für die bei jenem Anlaß auS allen Theilen des Reiches und des Auslandes gewordenen Beweise der Anerkennung und des Dertraums den verbindlichsten Dank auszusprechen. — Der Justiz auSschuß deS Bundesraths hatte gestern den Ausliefe- rungSveNrag mit der Schweiz in definitiver Fassung angenommen und beschlossen, ihn dem BundcSrath zur Annahme zu empfehlen, worauf dem Wunsche der Schweiz entsprechend die Unterzeichung, wie schon ge meldet, gestern Nachmittag staltfand.

Hannover, 24. Jan. Bei der heutigen Stich­wahl wurde der frühere ReichStagsabgeordete Ewald (Part.) gewählt. Die Arbeiterpartei stimmte für den selben. Die amtliche Feststellung de« Stimmenver­hältnisses ist noch nicht erfolgt.

Mai«), 24. Jan., 9 Uhr Abd«. Mousangs Wahl ist als sicher zu betrachten, da derselbe am hiesigen Orte bis zur Stunde bereits eine Majorität von 1700 Stimmen zählt, die ausstehenden Landbezirke aber das Resultat

nicht ändern können. Die Soeialdemokraten stimmten für Moufang.

Karlsruhe, 24. Jan. Von Seiten der Frei­burger Curie zeigt sich neuerdings Geneigtheit, eine Wiederbesetzung des erzbischöflichen Stuhles zu ermög­lichen. Das Domcapitel ist jetzt bereit eine andere Liste von Candidaten vorzulegen. Bekanntlich war dies die bis jetzt vorhandene Schwierigkeit, daß von der Regierung unter den zuerst von dem Domcapitel vorgeschlagenen acht Candidaten nur Einer als „per­sona grata“ bezeichnet worden war, und daß sich das Domcapitel darauf hin, auch auf Befehl von Rom, geweigert hatte, eine neue Liste vorzulegen. In Folge des neuerlichen Entgegenkommens beantragt auch die Budget-Commission der zweiten Kammer, den erzbi­schöflichen Tischtitel für 1874 zu bewilligen, für 1873 aber nur bedingt, je nachdem sich die Besetzung de« erzbischöflichen Stuhle« weiter gestallet. — Seit etwa acht Tagen hat der Herzog Friedrich von Augusten­burg , von Gotha kommend, mit seiner ganzen Fa­milie hier im Gasthof zum Erbprinzen aus 4 Monate eine Wohnung bezogen.

München, 22. Januar. Die Rückreise brt Kaiserin Elisabeth« von Oesterreich nach Wien erfolgte am 18. d. M. Abends. Bei der Abreise waren der König und seine Mutter, sowie die Prinzen Luitpold und Leopold, diese beiden in österreichischer Uniform, sowie Prinz Arnulf anwesend. Der König begab sich an demselben Abend nach Hohenschwangau. — Die Abgeordnetenkammer setzte am 20. d. Mt«.j wie die „A. Z." berichtet, die Etat« de« StaatSrath« und de« k Hauses und HofeS nach den AuSschußvor- schlägcn fest, und nahm einstimmig den Ausschußan­trag auf Unibildung de« Staatsralhes an. Hierauf wurde der Gesetzentwurf über die Verwendung des AnthcilS BaiernS an der Kriegskosten- Cntsckäd^ung zugestimmt und hiernach ist der Betrag von 9 Mil­lionen zur Deckung de« Bedarfs für die Einziehung der unverzinslichen Kassenanweisungen bereit zu halien- Der Finanzminister gab unter dem Beifall de« Hause«

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Vriginal-Novelle von Rudolph Müldener.

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’J- (Fortsetzung.)

„Bichl mein Kammermädchen! meine WirthschaftS- »amsell!" lachte Frau von Hohenfeld, durch diese Dorstellung unwillkürlich in Heiterkeit versetzt. „Nein, nein; aber ich glaube, Sie haben eine Eroberung gemacht an meiner Schwester!"

„Sie scherzen gnädige Frau," antwortete Walden; „und ein Scherz aus Ihren Lippen ist etwas so Seltene«, daß er mir schon um der Seltenheit willen Bernügen macht."

„Sie haben meine Schwester früher gekannt;" er- widerte Frau von Hvhenseld, ernster werdend. „Haben Sie nicht die totale Umwandlung bemerkt, welche mit chr vorgegangen? Pauline ist jetzt ganz anders als früher!"

„Gewiß!" bestätigte Walden. „Wie Frau von Hußlar früher durch die Anziehungskraft eine« glänzen den, wenn auch immerhin etwas bizarren Geistes fesselte, so entwickelt sich jetzt eine Fülle des Gemächer *tb eine Opferfähigkeit, welche ich ihr, die Wahrheit zu sagen, nie zugetraut haben würde. Dieselbe Frau, welche ihrem kranken Gatten keine Stunde ihres Ver­gnügen« zu opfern vermochte, sah ich ganze Rächte an ihrem Bette, gnädige Frau, durchwachen, und ohne Zweifel verdanken Sie Ihre rasche Genesung mehr noch der unermüdlichen Pflege der Schwester- als den Mitteln meiner jo schwachen Kunst."

„Und glauben Sie nicht, daß Pauline so, wie sie frht ist, ganz geeignet ist, einen Mann glücklich zu Machen?"

„Einen Mann, den sie liebt, ohne Zweifel 1*.

„Und was würden Sie sagen, wenn Sie zufällig dieser Mann wärm?" fragte Frau von Hohenfeld gespannt.

„Gnädige Frau," antwortete Walden achselzuckend »was für Thorheiten erzählen Sie mir heute?"

—■< „Doch Walden," erwiderte fie „ich sage Ihnen,

-- —1‘ weine Schwester liebt Sie!"

„Sollte Frau von Hußlar mit Ihnen davon ge» sprechen haben?" fragte Walden ungläubig

„DaS nicht; Pauline ist zu stolz, um selbst um Liebe zu werben, ober irgend Jemand, und wäre es selbst einer Schwester, daS Geständniß einer Neigung zu machen, bevor sie nicht sicher weiß, daß dieselbe erroiebert wird. Gleichwohl ist daS, was ich Ihnen sage, darum nicht minder gewiß. Die Liebe eines Weibe« verrälh sich durch tausend äußere Zeichen, die vielleicht Ihnen, nicht aber einem weiblichen Auge zu entgehen vermochten; und ich wiederhole Ihnen, daß meine Schwester Sie liebt!"

Walden war vom Stuhle aufgesprungen; diese Entdeckung berührte ihn wie ein Blitzstrahl, sie er schreckte und blendete ihn zugleich. Indem er sich rasch alle Einzelheiten im Benehmen der Frau von Hußlar. jede Zeile ihres Briefes in bad Gedächtniß zurückrief, drang sich ihm die Ueberzeugung auf, daß Frau von Hohenfeld mit ihrer Beobachtung Recht habe. Die Annahme dieser Liebe erklärte Alles, was Walden in Frau von HußlarS Benehmm noch unklar.

. „Thor, der ich war!" rief Waldm und schlug sich mit der Hand vor die Stirn.

„Sie ftnben also, daß ich recht habe?"

\ J „Es könnte sein!"

„ES ist so, Walden," fuhr Frau von Hohenfeld fort und legte dabei ihre Hand vertraulich auf seine Schulter; „es ist vielleicht Unrecht, daß ich e« Ihnen sage ober ich will es Ihnen gestehen, daß die Art und Weise, in der Sie mich einst ausgegeben, mir einen tiefen Schmerz bereitet und viele bittere Thränen gekostet hat. Aber ich würde Ihnen aües das ver­zeihen , was ich durch Sie gelitten, wenst Sie sich entschließen könnten, meine Schwester, die, glauben Sie mir, Sie innig liebt, so glücklich zn machen, al« ich s-lbst an Ihrer Seite zu fein einst erwartete."

„Unmöglich!" rief SB Iben mit einer ©eberbe fast de« Schrecken». „Ach, gnädige Frau," setzte er hinzu, „Sie wissen nicht, wo« Sie fordern, wissen nicht, weicher Adgruno Ihre Schwester und mich trennt!"

Walden schritt in lebhafter Bewegung im 3immer auf Und ab; Frau von Hohenfeld war wieder in ihren Fauteuil zurückgesunken; endlich nahm auch Walde» seinen alten Platz ihr gegenüber wieder ein. - • ■*

„Sie fühlen sich also unfähig, die Liebe meinet Schwester zu erwiebern?" unterbrach Frau vö« Hohen» leid zuerst die Stille. - '■>

Walden machte eine bejahende Bewegung.

„Ich hätte nie geglaubt," fuhr sie m-t jener Traurig­keit fort, in welche die Vereitelung einer jeden Hoff­nung, und hätte dieselbe unseren Geist auch nur mo­mentan beschäftigt, uns zu versetzen pflegt, „daß ein Mann gegen die Liebe eines schönen und, ich darf hinzus-tzen, edlen WeideS so gänzlich gleichgültig bleiben könnte. Und daß Sie cs sind, da« bat vielleicht sein.» Grund darin, baß ich mit Ihnen über bie Sache ge­sprochen habe. Meine Freimüthigkeit verletzt ihr Gefühl; Sie finden mein Benehmen unzart, unweiblich "

„Nicht doch!" unterbrach sic Walden. „Ich bin Ihnen, im Gegentheil, für Ihre Mitiheilung dankbar; dieselbe wird mir bei meinem künftigen Benehmen gegen Frau von Hußlar zur Richtschnur dienen. Glauben Sic mir auch," fuhr er fort, und feine Stimme hatte einen kaum minder traurigen Klang als bie ihrige, „daß eS mir schmerzlich ist, eine Hoffnung zerstören, einen Wunsch vereiteln zu müssen, den Sie vielleicht gehegt; aber ich sagte es Ihnen ja, daß Etwas exiftirt, was eine ewige Scheidewand aufthürmt zwischen Fra» von Hußlar und mir." j- ■->. M .

„Ein Geheimnis; also?" i-ckni-vsuz

„Ja, ein Geheimniß." -- -

„Und darf man bie» Geheimniß nicht auch er­fahren?"

„Rein, gnädige Frau," -antwortete Walden mit Entschiedenheit. „Sie werden die« Geheimniß n« erfahren, wenigstens," setzte er hinzu, „nie aus meutern Munde." ; - -u>- v • . j- i

Walden war, wie wir wissen , kein Weiberfeind, auch gehörte er nicht zu jenen Naturen, die, um einem für sie unwiederbringlich verlorenen Gegenstände ihxev