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JRarÖurg, Sonntag, den 25. Januar.

Oberhessische Leitung.

grsibkint täglich außer ben Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 224 Sgr., durch di< Postämter 27 Sgr. lexcl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. - JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 1 Ear. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft anb Annahme von Abreffen werden 2j Sgr. berechnet. Eämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.

«»estellungd» auf dieOber-. Lett««»" für Vie <O Monate Februar und März werden bet den -aiserl. Postanstalten und der Expedition eutgegen- geuommen.

P.litifche W.chen-Ueterficht.

Wenn schon der Kaiser wieder in gewohnter Weise bk laufenden Regierungsgeschäfte erledigt und tägliche Spazierfahrten macht, so wurde doch das diesjährige KrSnungS- und Ordensfest ohne Mitwirkung desselben durch Ihre Majestät die Kaiserin begangen. Die Wahlen zum Reichstage sind bis auf einige noch aus­stehende Stichwahlen beendigt und ergeben für die Mtramontancn immerhin nahezu 100 Stimmen. Das Civilehegesetz ist im AbgeordneteNhause angenom­men und dürfte nunmehr der Etat auch baldigst zum Abschluß gebracht sein. Auf den 5. Februar ist der Reichstag einberufen. In Baiern, Würtemberg, Sachsen/ Weimar und Baden sind die Landtage noch vollauf beschäftigt.

In Wien fand am 18. Januar der längst mit Spannung erwartete Ministrrrath Statt, in welchem über die conscsfionellrn Vorlagen entschieden werden sollte. Der Kaiser ertheilte seine Zustimmung zu den Borlagen, welche da« Gesetz über die äußeren Rechts- verhältniffe der katholischen Kirche und mit ihr die Aufhebung des ConrordatS, die bisher noch nicht ge­setzlich ausgesprochen war, ferner ein Gesetz über die äußeren Rechtsverhältnisse der klösterlichen Ge­nossenschaften, sodann ein Gesetz über Besteuerung der Präbenten Behufs einer Verbesserung der Lage desCleruS", endlich ein Gesetz über die Anerkennung von ReligivnSgesellschaften enthielten. Die Novelle zum Eherecht soll erst später folgen. In Pesth tagt der Einundzwanziger-Ausschuß de» ungarischen Abge ordnetenhause» in derselben Weise, wie diese» Haus selbst mit langen, breiten Reden und Gegenreden über die Verwaltungsreform, über Centralisatoin und De- centralisation u. s. w. Nach der ministeriellen Vor­lage der Entwürfe für die Budget» der nächsten drei Jahre, die am 20. im AuSfchufse gemacht wurde, würde sich ein Desicit für 1875 von 21, für 1876 von 141/2 und für 1877 von 121/? Millionen ergeben, doch hofft man durch Ersparnisse und Steuerreformen eine jährliche Mehreinnahme von I21/2 Millionen über den Anschlag zu erzielen..

Die schweizerische Bundes-Versammlung ist - am Montag zur Fortsetzung der VerfassungS-Reviston wieder zufammengelreten. Am Sonntag hat das Volk de« CantonS Bern die neuen Kirchengesetze mit 70,000 Stimmen gegen nur 16,000 genehmigt. Die ultra

montane renitente Geistlichkeit steht damit ihre letzte Hoffnung schwinden. Der BundeSrath hat die Ein­ladungen zum internationalen Postcongrcß zum 15. Sept, nach Bern nunmehr erlafleu.

Die Deputirten deS italienischen Parlaments kommen am Ende der langen Ferien sehr spärlich wieder in Rom an, so daß die Kammer bald voll­zählig werden dürfte. Die Commissionsarbeiten bezüg­lich der finanziellen Vorlagen Minghetti's sind noch nicht fertig, und einstweilen sieht das UnterrichtSgesetz Scialoja's auf der Tagesordnung. Damit kann man den geringen Eifer der Landesvertreter erklären, ohne ihn zu entschuldigen.

Für Frankreich bot die Woche an Wichtigkeit, die am 20. Januar vom General Ladmirault im Auf­trage des CabinetS verfügte Suspendirung des leiten­den ultramontanen Organes, deS UniverS, auf 2 Monate. Dieser Schritt bezeichnete zugleich die Ver­legenheiten, welche das Cabinet Broglie sich durcd seine bisherige, zwar wiederholt abgeläugnete, doch offenkundige Solidarität mit den clericalen Hetzereien, zu Gunsten des Kampfes des Papstes und der Je füllen gegen Deutschland, die Schweiz und Italien bereitet hatte. Veuillot hatte, statt sich durch die in der Nordd. Allg. Ztg. erhobenen Beschwerden warnen zu lasten, am 17., 18 und 19. Januar erst recht trotzig loSgeschlagen und seinen Ausfällen noch durch Veröffentlichung eines fanatischen Hirtenbriefes des Bischofs von Perigueux die Krone aufgesetzt. So mußte sich das Cabinet zu dem entschließen, was Veuillotdie Polittk der Erniedrigung" zu nennen beliebte. Die Stimmung des Handels und Gewerbe stände« ist in Paris und in den größeren Städten wegen der Gefchästsstockungen, auf dem Lande wegen der Richtung der Majorität keine gute, und selbst in der National-Versammlung haben sich bei den Ab­stimmungen über die Artikel und Amendements des schicksalsschweren Bürgermeistergesetzes solche Schwan klingen gezeigt, daß die Majorität deS CabinetS ein­mal sogar auf fünf Stimmen herabsank, obgleich die acht Minister mitstimmten.

Abgesehen von den Schauplätzen deS Carlistenauf standeS ist die Ruhe in Spanien überall hergestellt. General Lopez Dominguez ist am 14. d. in Cartagena eingerückt und seitdem mit dem größten Theile seiner Truppen nach Valencia und Aragonien ausgebrochen, um gegen die Carlisten zu kämpfen. DaS Rebellen schiff Numancia und die auf ihm Vorgefundenen Sträf­linge aus dem Zuchihause von Cartagena sind von den französischen Behörden in Afrika mit anerkennens

weither Bereitwilligkeit an Spanien ausgeliefert worden; die politischen Flüchtlinge wurden in Oran und Algier internirt.

Die englischen Gewerk-Vereine haben in Shef­field einen Congreß abgehalten, dessen Berathungen im Allgemeinen sachgemäß geführt wurden und von welchem zumal hervorzuheben ist, daß die dort ver­tretenen englischen Arbeiter mit dem Verbände der Internationale keine Gemeinschaft haben wollen. Ge­neral Wolseley ist auf dem Marsche gegen Cumasfi begriffen, und ein Gerücht läßt den König dex Aschami» schon um Frieden bitten.

Nach officieller Meldung aus Penaug ist die wichtige Positeon der Atchinesen zwischen dem Mstflgit und Katapotjot von den holländischen Truppen genommmen und die Verbindung zwischen den At> chinesen außerhalb deS KratonS unv der Besatzung des letzteren abgeschnitten. Der Feind schlägt sich mit außerordentlicher Tapferkeit, die Belagerungsarbeite« der Holländer werden unter steten Gefechten fortgesetzt. Die Einnahme deS Kratons darf, obichon sie Opfer kosten wird, als nahe bevorstehend betrachtet werden. Ein mit Briesen an den Sultan gesendeter Bote ist. im Kraton getödtet worden.

Da die oppositionelle Mehrheit im dänischen Folkething den Rücktritt des Ministeriums nicht hat hat erzwingen können, will sie sich jetzt auf passiven Widerstand legen, die Gesetzgebung nach Mög­lichkeit zu verzögern und nur so viel Geld bewilligen, als zur Führung deS Staatshaushalts unumgänglich nöthig ist. Kommt das Finanzgesetz nicht so zu Stande, wie es die Regierung haben will, so muß sie sich ein provisorisches Budget selber machen, wozu ste grundgesetzlich das Recht hat.

Der schwedische Reichstag ist am 19. b. et» öffnet worden. Die Thronrede erwähnte al« Zeichen, des freundschaftlichen Verhältnisses zu Dentschlaud den Besuch deS deutschen Kronprinzen und kündigte für die Session als Vorlage den Plan zu einer neuen Organisation der Armee, der nun schon seit zehn Jahre» auf der Tagesordnung schwebt, ein schwedisch- norwegisches Handels- und Schifffahrtsgesetz, weitere Staatseisenbahnbauten und ThenrungSzuschüsse zu den, Beamlengkhältern an. . G....y"

Der Kaiser von Rußland hat ein Manifest fein Volk erlassen und darin die Einführung her', allgemeinen Militärdienstpflicht verkündet, zugleich aber, auch feierlich erklärt , daß er nicht nach Kriegsruhm «rächte, sondern wie bisher aus dem Wege friedlicher Entwickelung weiter streben wolle. Der Feldmarschall

301 A»S dn» 8efce.

Original-Novelle von Rudolph Mttlbtnet u: (Fortsetzung.) 1 v

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Wochen, Monate vergingen, ohne daß Walden da« Hohenseld'sche HauS betrat. Zuweilen begegnete er dem Baron, ohne daß jedoch ein derartiges Zu fammmentreflen beide Männer irgend wie einander näher brachte; chr beiberfeitiger Verkehr bewegte sich stei« nur in den engsten Schranken gesellschaftlicher Höflichkeit. Fra« von Hohenfeld sah Walden nur einmal wieder und zwar in einem Concerte, welche» einige Mttglieder der Hvskapelle veranstaltet halten. Sre ging an ihm vorüber, und doch fühlte Walden sein Herz rascher Hopfen, al» fein Auge ihr mit dem Ausdrucke einer fast ehrfurchtsvollen Theilnahme folgte.

Endlich kam der Herbst, und jetzt führte fein Berus Walden auf» Rene in das Hohenseld'sche HauS, und zwar war e» diesmal Frau von Hohenfeld selbst, bie seiner bebutfte.

Sie lag an einem Nervenfieber schwer danieder, uud wir brauchen wohl nicht zu sagen, daß Walden seiner Aufmerksamkeit für die Kranke im buchstäb ^chen Sinne de« Worte» unermüdlich war, daß er, io lange er Urfache hatte, für ihr Leben zu zittern, ?st stundenlang an ihrem Bette saß, jede ihrer Mienen, leben ihrer Athemzüge beobachtend.

Nachdem die erste Wuch der Krankheit gebrochen *®t, und Frau von Hohenfeld zwar langsam, aber

sicher der Genesung entgegenschritt und mithin im Stande war, ihrer Umgebung wieder mehr Aufmerk samkeit zu schenken, konnte sie nicht umhin, die innige Theilnahme für ihr Wohl zu bemerken, die sich, un beschadet seiner sonstigen Zurückhaltung, unwillkürlich in Walden's Benehmen gegen sie aussprach, und dann und wann traf sie ein Blick feine« Auges, der ihr reichen Stoff zum Nachdenken bot. Liebte er sie noch immer? Sie konnte es nicht glauben; der Umstand, daß er sie einst freiwillig aufgegeben, sprach dagegen. Dabei kam ihr jetzt sein Neujahrsbesuch wieder in das Gedächtniß zurück. Walden hatte ihr damals eine Mittheilung machen wollen, die sie zurückgewiesen Obgleich sich Frau von Hohenfeld nun selbst sagen mußte, daß ihr damaliges Benehmen ein den Umstän den angemeffenes gewesen, so erfaßte sie doch oft ein brennende« Verlangen, den Inhalt jener Mittheilung, auf welche Walden einen so großen Werth zu legen schien, kennen zu lernen. Diese Mittheilung sollte eine Rechtfertigung sein; aber war denn eine Recht­fertigung Überhaupt möglich?

Jetzt, wo sie sich sagen mußte, daß sie, Walden's Kunst und Geschicklichkeit vielleicht die Erhaltung ihres Lebens verdankte, wirkte da» Verlangen, das Geheim », welches hier vielleicht vorlag, zu ergründen, zu­sammen mit dem Wunsche, ihre damalige Unfreundlich keil wieder gut zu machen, und veranlaßte sie, gegen den Doctor selbst wieder auf die Vergangenheit zurück gu kommen.

Erinnern Sie sich noch de» NeujahrSbesucheS,

welchen Sie mir machten?" fragte sie Walden chrst, indem sie ihn zugleich durch eine HandbewePmg duf» forderte, ihr gegenüber Platz zu nehmen.

Vollkommen, gnädige Frau."

Sie wollten mir damals eine Mittheilung machen, falls es noch nicht ztt spät ist, so sehen Sie mich jetzt bereit, dieselbe entgegen zu nehmen."

Erlauben Sie mir," antwortete Walden,Sie' meinerseits daran zu erinnern, daß Sie selbst mir * Jagten, die Vergangenheit müsse begraben sein zwischen Ihnen und mit. Und Sie hatten Recht; glauben" Sie mir, gnädige Frau, dies wird das Beste sein."

Obgleich in dieser Antwort keine Spur von Groll oder Empfindlichkeit lag, so fühlte sich Frau von Hohenfeld, da sie das Motiv von Walden's Weige­rung nicht kannte, durch dieselbe dennoch verletzt, und es vergingen einige Tage, bevor ste ihren gewöhnlichen. Ton gegen ihn wird erfand. ,

Zugleich machte sie jetzt eine Entbeckrmg, welche ste nicht minder beschäftigte, als Walden'» Benehmen : gegen sie selbst. '

Dem vorzugsweise auf die Detail» gerichteten Geiste der Frauen entgehen tausend Dinge nicht, die der Beobachtung der Männer, deren Blick mehr auf » » Allgemeine gerichtet, leicht entschlüpfen.

Da indeffen ein Charakter, oder wenigstens dessen ; momentane Stimmung, sich zunächst in Kleinigkeit«» , spiegelt, so sind die Frauen, namentlich in Herzens­angelegenheiten, oft schärfere Beobachter als die Männer.

So konnte auch Frau von Hußlar's Liebe zu