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Marburg, Freitag, den 23. Januar.

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ffrfieint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Äoch'sche Buchdruckerei) bezogen 2Lj Sgr., durch die Postämter 27 Sgr. texcl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden Sgr. berechnet. Eämmtliche Annoncen-BüreauS nehmen Inserate an.

A»S de» Lede«.

Original-Novelle von Rudolph Müldener.

(Fortsetzung.)

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DrutscheS Reich.

Berlin, 21. Jan. Die heutigeProv.-Corresp." schreibt: Das Ergebniß der Reichstagswahlen liegt zwar noch nicht vollständig vor, da noch eine erheb liche Zahl von engeren Wahlen erforderlich ist und außerdem die Wahlen im Reichslande Elsaß Lothringen erst zu Anfang Februar« bevvrstehen; aber schon jetzt tritt bet politische Charakter der Wahlen und deren Bedeutung für die Gesammlentwickelung deS deutschen Reiches erkennbar hervor. Der vorige Reichstag zählte unter 382 Mitgliedern 50 Konservative und 38 Frei- conservative (deutsche Reichsparlei), ferner 116 Nationalliberale, 30 von der liberalen Reichspartei und 45 von der Fortschrittspartei; dem gegenüber 58 vom ultramontanen Centrum und 13 Polen, außerdem 30 Abgeordnete ohne bestimmte Parteibe­zeichnung. ES standen also etwa 280 national-gestnnie Abgeordnete der verschiedenen Schatlirungen 70 80 Widersachern der nationalen Entwickelung gegenüber. Die Regierung hatte bei ihren wichtigsten Aufgaben für den Ausbau der Reichseinrichtungen die Gewißheit, in den konservativen und gemäßigt liberalen Fractionen eine Mehrheit von etwa zwei Dritteln der Versamm­lung zu finden. Auf dieser Sicherheit deS nationalen Zusammenwirkens zwischen der Regierung und dem Lern der ReichSvertretung beruhte das bisherige all­seitig erfolgreiche Vorschreiten der Gesetzgebung. Der künstige Reichstag wird unter Zutritt der Elsaß- Lothringer 397 Abgeordnete zählen. Die 346 Wahlen, deren Ergebniß seststcht, vertheilen sich so, daß die Conservativen 17 (statt der srüheren 50), die Frei konservativen 26 (statt 38), die liberale Reichspartei 10 (statt 30), die Fortschrittspartei 35 (statt 45) Stimmen zählt, während die Nationalliberalen von 116 aus 130 angewachsen sind, dem gegenüber aber das ultramontane Centrum von 58 auf 92, zu welchen 12 Polen und 4 andere reichsfeindliche Abgeordnete hinzulreten, ferner 6 Socialdemokraten. ES stehen zunächst etwa 220230 national-gesinnte Abzeorvnete einer Gesammtzahl von 114 Gegnern der nationalen Politik gegenüber, und es ist anzunehmen, daß das Gefsmmtverhältniß sich nach Beendigung der Wahlen auf nahezu 260 National-Gesinnte gegen etwa 140 Widersacher der Reich-Politik stellen wird. Die Regie rung darf hiernach bestimmt hoffen, für die Durch­führung ihrer höchsten und entscheidenden Aufgaben an und für sich auch in dem neuen Reichstage eine sichere und bereitwillige Stütze zu finden. Nur wird man sich von vornherein nicbt verhehlen dürfen, daß eine fast aus'S Doppelte gestiegene Zahl der gründ-

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»Tut!" antwortete Walden, milder als er begonnen, »dies Bekenntniß soll Ihnen erspart werden

Bei dieser Versicherung athmete Frau von Hußlar hoch auf, als sei sie durch dieselbe von einer drücken­den Bürde befreit worden.

»Aber," fuhr Walden fort, »eine Frage: liebt Hohenfeld seine Fran, und ist Mathilde glücklich?" »Wenigsten«," antwortete Frau von Hußlar zögernd,

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de« deutschen Volke« reifen lassen, indem da« Bewußt­sein der politischen Verantwortung in dem Verhalten der Parteien immer mehr zur Geltung gelangt und dieselben immer entschiedener auf die Erfordernisse deS praktischen StaatSlebenS und auf die Nothwendigkeit eine« bereitwilligen und gewissenhaften Zusammen­wirken« für das Gesammtwohl de« Volkes hinweist.

DerReichs Anz." veröffentlicht eine kaiserl. Verordnung vom 20. Jan., welche den deutschen Reichs­tag für den 5. Februar nach Berlin.einberuft.

Bis zum 28. December v. I. waren in den Münzstätten deS Deutschen Reichs in Zwanzig-Mark­stücken 818,879,420 Mark und in Zehn-Markstücken 196,957,600 Mark ausgeprägt worden. An ReichS- Silbermünzen und zwar in Em-Markstücken waren bis zum 28. December v. I. 1,167,733 Mark und in Zwanzig-Pfennigstücken 1,182,562 Mark ausge­prägt worden. An Reichs Nickelmünzen, und zwar in Zehn-Pfennigstücken, waren bi« zum 28. December v. I. 307,838 Mark 10 Pf. ausgeprägt worden. An Reichs-Kupfermünzen waren bi« zum 28 Dec. v. I., und zwar in Zwei-Pfennigstücken 26,257 Mark 90 Pf. und in Ein-Psennigstückcn 2794 Mark 30 Pf. ausgeprägt worden.

Von den gewählten Socialdemokraten gehören die 6 in Sachsen gewählten der Bebel'schen (sogen. Eisenacher), die 2 in Schleswig-Holstein gewählten der Hasenclever'schen Partei (Allg. d. Arbeiterverein) an. Die Organe beider Parteien stellen eine genaue Statistik der auf ihre Candidaten gefallenen Stimmen auf und da e« von Interesse ist, die Stärke beider Parteien zu tennen, so theilen wir nachstehend mit, was der neuesteN. Soe.-Dem." (Organ Hasenclever's) darüber mitlheilt: »E« sind bis jetzt aus folgenden Wahlkreisen vollständige Resultate eingegangen: Schles­wig-Holstein VIIL 11,709; Schleswig-Holstein DL 7515; Barmen-Elberfeld 9607; Hamburg I. 4191; Hamburg IL 5579; Hamburg. 3044; Bremen 3118; Frankfurt a. M. 2368; Hannover 3617; Stettin 2671; Anhalt IL 5279; Düsseldorf 263; Breslau I. 1148; .Breölau II. 771; Berlin 1 391; Berlin II. 974; Berlin III. 1270; Berlin IV. 2993; Berlin V. 863; Berlin VI. 2523; Frankfurt a. O. 2511; Randow-Greifenhagen 2133; Hagen 1347; Altenburg 3947; Anhalt I. 2757; Lukau-Kalau 996; Schleswig Holstein V. 5844; Schleswig Holstein III. 3055; Reuß ä. L. 2624; Bitterfeld-Delitzsch 853; Lübeck 2225; Schleswig-Holstein VI. 6769; Zittau 1518; Altena-Iserlohn 2071; Esten 1236; Osna­brück 1319; Minden 536; Karlsruhe 700; Mann­markige Kraft, daß sie jeden Nerv im» Herzen der Frau von Hußlar erbeben machte.

Einst, gnädige Frau," sagte er,forderte ich von Ihnen, daß Sie Ihrer Schwester ein Geständniß ab­legen sollten: heute verlange ich, fordere ich, daß Sie über die Vergangenheit sein unverbrüchliches Schweigen beobachten.«

Ich verspreche e« Ihnen!" antwortete sie, durch den feierlichen Ernst seiner Worte zugleich erschüttert und mit einer unklaren Besorgniß erfüllt.

Einst," fuhr Walden fort,wird eine Stunde kommen, wo das Geständniß Ihres Unrechtes auf Ihren Lippen schwebt, wo Sie das Bevürfniß empfin­den werden, Ihr Herz durch ein offenes Bekenntniß auch der Schwester gegenüber zu erleichtern; aber auch dann muffen Sie schweigen, unverbrüchlich schweigen! Und wenn Sie auf dem Sterbebette liegen, und wenn der Tod Ihnen schon auf der Zunge sitzt, auch dann darf kein Wort von dem, waS -wir beide allein wiffen, über Ihre Lippen kommen!"

Aber Waiden," hauchte Frau von Hußlar,Sie erschrecken mich i Was ist denn vorgefallen, daß Sie in dieser Weise zu mir sprechen?"

Schwören Sie mir erst, daß Sie schweigen wollen, und Sie werden es erfahren!"

Und der Ton seiner Worte klang dumpf, saß drohend.

»Ich schwöre Ihnen, daß ich schweigen will, schweigen, wie das Grab!« belheuerle sie, von einem ihr selbst unerklärlichen Schrecken erfaßt.

Walden," antwortete sie endlich und legte dabei ihre Hand auf seine Schulter,ich habe e« nicht ge- than und rechnete, indem ich e« unterließ, auf Ihren Edelrnuth. Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, welche .1 Ueberwindung mein Geständniß, dem Stolze des Weiber gekostet; indeß ich wollte da« Unrecht, welches ich an Ihnen beging, dadurch sühnen, daß ich die Bittedeit, welche meine Verra th in Ihre Seele ge­worfen , au« derselben entfernte. Nun ist meine Schwester nach dem Tode meiner Eltern und nach­dem, wie Sie wiffen, ein Nervenfieber meinen Bruder in der Blüthe der Jahre hinweggerafft hat, die einzige Persönlichteit in der Welt, die mir durch Bande des Blutes nahe steht. Wollen Sie mich nun der Schwester berauben, mich gänzlich ifoliren im Leben? Denn Sie begreifen doch, daß das Geständniß, wel­che« Sie von mir fordern, eine ewige Scheidewand zwischen Mathilde und mir aufgerichtet haben würde?«

sätzlichen Gegner einen größeren und vielfach lähmen­den Einfluß auf den Gang der parlamentarischen Thätig- feit zu üben vermag; während andererseits die künftige nationale Mehrheit selbst vermöge ihrer erheblich ver änderten Zusammensetzung auch bei wesentlicher Ueber- einstimmung über die Ziele der Reichspolitik doch in Betreff der Mittel und Wege zur Erreichung derselben eine volle Verständigung nicht immer ebenso sicher in Aussicht stellt, wie eS seither der Fall war. Aber so sehr hierdurch die parlamentarischen Aufgaben im künftigen Reichstage für die Regierung und für die nationale Partei erschwert sein mögen, so werden doch gerade die Erfahrungen, welche bei den Wahlen gemacht wvlden sind, unfehlbar dazu beitragen, das gemeinsame Band, welches alle wahrhaft National-Gesinnten ver­knüpft, zu stärken und zu bcsestigen. DaS geschloffene Auftreten der ultramontanen Partei in ganz Deutsch land, daS rücksichtslose Hineinziehen oller Volkskreise in den Kampf der römischen Kirche gegen die Staats­gewalt wird ein ebenso geschlossenes und entschiedenes Vorgehen aller nationalen Parteien zur Sicherung der Staatsintereffen gegenüber den geistlichen Herrschaft» gelüsten, zur Sicherstellung der Gewissen gegen geist liche Vergewaltigung nach sich ziehen. Je entschiedener überdies hervortritt, daß die ultramontanen Bestre düngen gegen die Politik des deutschen Reiches ihre Stütze auch in verwandten Bestrebungen unserer Feinde außerhalb Deutschlands finden, desto mehr werden alle reichsfreundlichen Parteien fest zusammenstehen, um die Grundlagen der einheitlichen deutschen Macht in allen Richtungen zu befestigen und vor jeder Erschütterung zu wahren. Nicht minder wird das unerwartet kräf­tige Hervortreten der socialdemokratischen Partei bei den jüngsten Wahlen dazu helfen, daß alle diejenigen Parteien, welche mit ihren Ueberzeugungen auf dem Boden der jetzigen socialen Ordnung stehen, sich fester aneinander schließen und mit der Regierung zusammen wirken, um Staat und Gesellschaft vor dem Anwachsen der von jener Seite drohenden Gefahren zu schützen. ES ist nicht zu verkennen, daß der Verlauf der letzten Wahlen in weiten Kreisen als ein Mahnruf zu größerem Ernst in Erfüllung der politischen Pflichten gewirkt hat. In der Thal können die Einrichtungen im deutschen Reiche, welche auf der weitesten Gewährung und Ausdehnung politischer Rechte beruhen, nur bann zum Segen des Volkes gereichen, wenn dem Genüsse des Rechte« auch das Bewußtsein der damit verbun­denen Pflicht und Verantwortlichkeit entspricht. Der nächste Reichstag wird hoffentlich einen weiteren Fort schritt in der politischen Erziehung und Entwickelung

ist Hohenfeld sehr stolz auf seine Frau und diese erfüllt gewissenhaft ihre Pflichten!«

Hohenfeld ist sehr stolz auf seine Frau und diese erfüllt gewissenhaft ihre Pflichten!« lachte Walden mit Bitterkeit.Ja wohl, Hohenfeld ist auf seine Frau sehr stolz, gerade ebenso stolz wie er auf seine Pferde, seine Jagdhunde stolz, ober vielmehr eitel ist!«

Walben ging mit großen Schritten unb allen Zeichen einer lebhaften Aufregung im Zimmer auf unb ab.

Sind Sie mit der Lebensweise Ihre« Schwager« bekannt?« fragte er plötzlich, vor Frau von Hußlar stehen bliibendWissen Sie, daß Hohenfeld in der Residenz eine Schauspielerin fast öffentlich unterhält? Daß er in diesem Augenblicke wahrscheinlich bei ihr ist, um seiner Theatergöttin seine Glückwünsche in Gestalt von Geschmeide, Kaschmirs ober klingender Münze zu Füßen zu legen?«

Frau von Hußlar schlug die Augen nieder.

Ich weiß eS," antwortete sie leise.

Ist Frau von Hohenfeld mit allen diesen Dingen bekannt?" fragte Walden weiter.

So viel ich weiß, nicht; wer hätte sse ihr auch wohl sagen sollen?"

Bewe standen am Fenster. Walden, ganz in Be trachiungen versunken, blickte mechanisch hinaus auf den Hof. Als er sich endlich umwandte, da war aus seinem Gesichte jede Spur der Aufregung oder des Zorne« verschwunden; allein seine Stimme besaß in ihrer Ruhe unb Klarheit in diesem Momente eine so

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