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10berh esslsche IeünngD ßrftfieint tSglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal durch die Expedition («och'sche Buchdruckerei) bezogen 224 Sgr., durch die

81 sunftfimter 27 Sur. (erd. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für daS Ausland excl. Stempel 22 Sgr. Jnserttonsgebühr für bte gespaltene Zelle 1 Sgr. v dar in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 21 Sgr. berechnet. SLmmtliche Annoncen-BüreauS nehmen Inserate an. -

Pglitische Wochcn-Ueberficht.

Die Genesung deS Kaisers hat sich so weit be­festigt, daß amtliche Mittheilungen nicht mehr erfolgen «m Montag empfingen die Majestäten zu Berlin den Besuch der nach Petersburg zur Vermählung durch- rei enden englischen Prinzen den Pnnzen von Wales mit Gemahlin und den Pnnzen Arthur. Bis auf einzelne engere Wahlen sind am vorigen Sonnabend die Reichstagswahlen erledigt worden. In Elsaß- Lothringen findet die Wahl erst am 1. Februar statt. Das Abgeordnetenhaus hat am Montag seine Sitzung wieder begonnen und am Donnerstag das Civil-Ehe- Gesetz in dritter Lesung berathen, desien § 14 zur Erledigung kamen. In der badischen Zweiten Kammer ist am Montage au» dem Schooße der Versammlung ein Gesetzentwurf zur Regelung der Rechtsverhältnisse der Altkatholiken eingebracht worden.

Die sämmtlichm liberalen Fraktionen deS öster- reich ischen Abgeordnetenhauses find darüber ein­verstanden, daß sofort nach der Wiedereröffnung deS ReichSratheS, die am 21. Jan. erfolgt, das konfessionelle Reformwerk in Angriff genommen werde. Bei den Reichstagswahlen, welche am 10. in den czechischen Landgemeinden Böhmens Statt fanden, find mit einer einzigen Ausnahme überall die Jungczechen durchge­fallen; darob großer Jubel bei den Altczechen, die mit altem Fanatismus und einem seltenen Aufgebot von WahlterroriSmvS ihre Candidaten mit mächtigen Majoritäten durchsetzen. Am 12. Jan. wurde im großen Saale deS neuen Landgerichtspalastes die Assismfljsion eröffnet. Zum ersten Male werden die Geschworenen auch in anderen als Preßprozesien den Wahrspruch thun. Leider sind die Bemühungen, dieser Ehrenpflicht zu entgehen, so allgement, baß selbst in Wien, fühlbarer Mangel an einsichtigen Ge­schworenen ist.

Im Berner Jura dauert die Aufregung fort und eS hat am Montage rin Bataillon Scharfschützen zum Schutze der liberalen Katholiken dorthin gesandt werden muffen. Der Berner Großrath hat diese Maßregel gebilligt und der Regierung weitere Voll­machten ertheilt.

Der Papst hat dieser Tage dir Genugthuung ge habt, nicht nur den neuen Vertreter Oesterreichs, Grafen Paar, sondern auch den bairrischen Gesandten, Grafen Tauffkirchen, bei sich zu empfangen. Die An

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gelegenheit des Orenoque wird nächstens in einem für Italien sehr ehrenvollen Sinne erledigt werden.

Frankreich hat einmal wieder drei unruhige Tage gehabt, eS ist aber schließlich wieder Alles beim Alten geblieben und die Orleanisten können zufrieden sein. Es war am 8. Januar; ein Theil der Abge ordneten war noch in den Ferien Da beantragte der MarquiS v. FranclieU von der äußersten Rechten die Vertagung deS BürgermeistergesetzeS bis zur Be rathung über daS vollständige Gemeindegesetz. Brog- lie, der gerade auf die Rechte gezählt hatte, war wie aus den Wolken gefallen und bekämpfte mit Zähigkeit den Antrag; doch die Majorität zeigte so wenig Schneide, daß zwei Proben durch Aufstehen und Sitzenbleiben zweifelhaft blieben. Nach einem wirren Durcheinander erfolgte die Abstimmung, in der das Cadinet mit 226 gegen 268 Stimmen im Nachtheil blieb. Thiers war mit 14 Stimmen am 24. Mai gestürzt worden; am 8 Januar zählte die Opposition 42 Stimmen, ober Broglie gab die Partie nicht der- loren; es stand nicht bloß seine Person, sondern daS Jnteresie der Orleanisten, ja, die Herrschaft deS ganzen Ordnungsterrorismus auf dem Spiele. Sofort nach der Niederlage ward Ministerrath gehalten und dem Präsidenten der Republik das Entlasiungsgesuch sämmt- licher Mitglieder des 25. Mai angezeigt. Mac Mahon ließ sich bewegen, die Gesuche bis auf Weiteres nicht anzunehmen; in der Nationalversammlung wurde ein Antrag auf Vertagung bis zum Montag bewirkt; die auf dem Lande befindlichen Getreuen, sogar die Bot schaster, welche Deputirte sind, wurden durch den Telegraphen zur Rettung berufen, und am 12. Ja nuar war das Pförtlein in der Sackgasse so weit ge­öffnet, daß das Cabinet hindurchschlüpfen konnte. Kerdrel interpellirte die Minister, weil sie zu empfind­lich gewesen seien, denn sie hatten nicht eine Majori­tät, sondern bloß eine Minorität gegen sich, um die Stärke des Vertrauens zu betonen und zu erklären, die Umstände erheischten mit Nothwendigkett das Lürgermeistergesetz. Eine Tagesordnung, wonach das Cabinet noch im Vertrauen der Nationalversammlung stehe, ward durch Raoul Duval und Picard bekämpft, jedoch mit 379 gegen 321 Stimmen angenommen und dabei beschtoffcn, das Bürgermeistergesetz auf die nächste Tagesordnung zu stellen. Es war daS vierte Mal, daß die Nationalversammlung einen gefaßten

Beschluß wieder umstieß. Noch an demselben Tage erklärt das Journal Officiel, daß die Minister ihre EntlaffungSgesuche zurückgenommen hätten.

Die neue Regierung in Spanien mag eS den Anstrengungen ihrer gestürzten Vorgängerin verdanken, daß sie gleich mit einem sehr wesentlichen Erfolge vor die Welt tritt, mit der Eroberung Cartagena'». Auf den Rebellenschiffen Numancia und Mendez Nunez sind die Anstifter des verabfcheuungSwürdigen Auf­standes, Contreras und Galvez, mit Taufenden ihrer Spießgesellen und meuterischen Soldaten nach der afrikanischen Küste entkommen und erwarten jetzt itt Oran, waS die französischen Behörden über sie ver­fügen.

In England wirst die heranrückende Paria« mentSsesston ihren Schatten vor sich her und die Preffe beschäftigt sich eben vielfach mit den Aufgaben, welche die Kammern zu lösen haben werden. Der Prinz von Wales hat vor seiner Abreise nach Ruß­land noch eine am Holborn-Viakuct errichtete große Reiterstatue seines Vaters, das Geschenk eines Un» bekannten, enthüllt.

Die H o ll S n b e r haben mit dem Bombardement von Kraton und der Moschee begonnen und die letztere erstürmt, wobei 17 Leute fielen und 197 verwundet wurden. Die Atschinesen haben sich sehr gut befestigt und tapfer geschlagen.

Der schwedische Reichstag wird am 19. k eröffnet, das norwegische Storthing im nächsten Monate Der König wird sich vorher nach Christiana begeben, um das dortige Ministerium neu zu gestalten.

DaS vorn russischen ReichSrath endgültig aus­gestellte Budget für daS nächste Jahr weist einen Einnahme-Ueberschuß von drei Millionen auf. Ein kaiserliches' Manifest verkündet die Einführung der allg. meinen Militairdienstpflicht und verheißt zugleich die Fortsetzung der bisherigen friedlichen Politik.

Die Pforte hat, um ihre in diesem Monat fälligen Zinsen zahlen zu können, sich einen Vorschuß von einer Million nehmen müffln, den sie mit 18 pCt. verzinsen, und nach einem halben Jahre zurück er­statten muß.

Deutsches Sketch.

Berit«, 16. Jan. In Folge einer Anfrage der Commiffarien des Abgeordnetenhauses bezüglich der

Aus dem Lebe«.

' Original-Novelle von Rudolph Maldener.

(Fortsetzung.)

In Bernau bezog Walden eine der geräumigsten und elegantesten Wohnungen der Stadt; übrigens lebte er ebenso zurückgezogen, wie früher, machte auch, die von derEttkette unumgänglich gebotenen Besuche ausge­nommen, in der Stadt und deren Umgebung keine weitere.

Als einziger Arzt in der Stadt und Umgebung" antwortete er dem Justizamtmanne, der ihm über sein Einsiedlerleben Borwürfe machte,kann eS mir an Praxis nicht fehlen; warum soll ich also Bekannt schaftett suchen? Die Leute werden mich schon kennen lernen und ich sie, wenn sie krank werden und meiner bedürfen!"

Da Walden, wie gesagt, wenig Gesellschaften be­suchte, so ist eS erklärlich, daß ein halbes Jahr ver­strich , ohne daß der Zufall ihm mit Hohenfeld oder einem Mitgliede seiner Familie in Berührung brachte; um so häufiger führte ihn fein Weg an dessen Wohn- fltze vorüber.

Eines AbmdS ließ Walden feinen Wagen in der Nähe des Hohenfeld'fchen Gehöfte» halten und mn- ging dasselbe nach oOen Seiten. Dann an die Tartenmauer gelehnt, daS Buge unverwandt nach dem alterthümlichen, übrigens ganz imposanten Herrenhause Serichtet, da» jetzt diejenige bewohnte, die einst das Glück, die Sonne seines Lebens gewesen, überließ er stch ganz seinen trüben Erinnerungen. Es war spät, er endlich seinen Wagen wieder aufsuchte und schweigend der Stadt zufuhr.

Bald darauf führte ihn der Zufall mit Hohenfeld zusammen. Walden traf ihn im Hause eines Guts­besitzers desien Frau er behandelte.

Herr KreiSphysicuS Doctor Walden; Herr Baron von Hohenfeld!" stellte der Hausherr sie gegenfeitig vor.

Ah!" antwortete Hohenfeld, ein hoher schlank gewachsener Mann in leichter Jagdkleidung wir kennen uuS bereits; Walden und ich studirten zu­sammen in Heidelberg."

Und dann schritt er auf Walden zu und streckte ihm mit der leichten Ungezwungenheit eines vollende­ten Weltmannes, durch welche jedoch, wenn er sich gehen ließ, ein gewisser CyniSmu» schimmerte, die Hand entgegen.

ES ist unrecht, Doctor, daß sie mir nicht schon längst Ihren Besuch gemacht und mir dadurch Ge legenheit geboten haben Ihre Bekanntschaft zu erneuern. Wir sind doch alte Kommilitonen, wenn wir auch weder derselben Verbindung , noch derselben Facultät angehörten."

Herr Baron", antwortete Walden mit angemessener Höflichkeit meine Zeit gehört aus­schließlich meinen Kranken und in Ihrem und der Ihrigen Jnteresie muß ich also wünschen, daß Sie so wenig wie möglich Gelegenheit finden mögen, meine Bekanntschaft zu cultiviren.

Hohenfeld biß sich auf die Lippen und wandte sich, durch diese Antwort verletzt, ob, um mit dem Hausherrn ein gleichgültiges Gespräch fortzusetzen, in welchem Waldens Ankunft ihn unterbrochen.

Vier Wochen später kehrte Walden eines Abends spät vom Besuche einiger auswärtigen Kranken zurück Vor seiner Wohnung traf er ein mit zwei Vollblut Pferden bespanntes Coups, desien Kutscher schon länger alS zwei Stunden seiner Ankunft geharrt. Als Walden

aus dem Wagen stieg, händigte der Kutscher ihm ein Lillet ein.

Kommen Sie, kommen Sie so schleunig als mög­lich ! Mein Sohn liegt an einem Bräuneanfalle schwer darnieder. Ich schicke Ihnen meinen Wagen. Hohen­feld "

Walden war todtmüde, doch zögerte er unter den obwaltenden Umstanden natürlich nicht, der Aufforderung zu entsprechen. Er warf sich in den Wagen deS Barons und fort ging es hinaus in die stürmische und regnerische Nacht.

Hohenfelds Wohnsitz war von Bernau fast eine Meile entfernt, allein die trefflichen Pferde deS BarvnS legten den Weg in wenig mehr al» einer Viertelstunde zurück

Walden stieg den Peron de» herrschaftlichen Hause» nicht ohne Herzklopfen empor; mußte er doch sitzt, aller Wahrscheinlichkeit nach, die Frau wiedersehen, die noch immer alle seine Gedanken beherrschte.

Ein Bedienter der ihm den Wagenschlag geöffnet, führte ihn in ein Vorzimmer, in welchem ihm grau v. Hußlar entgegentrat.

Ge ist gut, daß Sie kommen," flüsterte ste ihm zu und zog ihn, seine Hand ergreifend, in da» nur matt erleuchtete Krankenzimmer.

Bei seinem Eintritt in dasselbe erhob sich Frau von Hohenfeld, die bleich, ein Bild stummen Schmerzes, neben dem Bette des kleinen Kranken saß, und Wal­den beide Hände fast flehend entgegenftretfenb, rief ste ihm zu:Retten Sie mein Kind!"

In diesem Augenblicke, wo sie für da» Leben ihre» Kindes zitterte, war ste nur Mutter; die Mutterliebe beherrschte und unterdrückte in ihr jedes andere Gefühl.

Seien Sie überzeugt, gnädige Frau," antwortete