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ZNarburg, Freitag, den 16. Januar.

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Oberhessische Leitung

-77,.,. . auiier den Werktagen nach Sonn- und FeiertägNl. Preis für daS Quartal durch die Expedition (Koch'fch

27 Lar (erd Beftellaebühr und incl- Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. Jnsertr _

in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 2} Sgr. berechnet. - Sämmtl.che Annoncen-BüreauS nehmen Inserate an..

Deutsche- «eich.

Berlin, 14. Jan. Unter Vorfitz des Fürsten Bismarck hat heute ein Ministerrath ftattgefunden, welcher sich mit wichtigen Fragen auf verschiedenen Gebieten der Politik beschäftigt hat. lllnter diesen

wird auch die Bestimmung des Termins für Eröffnung des Reichstags genannt. Mit Rücksicht auf diesen ist eine Vertagung deS Landtags in Aussicht genommen? Unser Kronprinz ist heute einer Einladung-des Fürsten Bismarck zum Diner gefolgt, an welchem auch einzelne hochgestellte Personen aus Hof- und Beamten­kreisen theilnehmen werden. - Dem Bundesrath ist eine Vorlage des Reichskanzlers über Einrichtung unb Befugnisse deS Reichs - Rechnungshofes zur Beschluß nähme überreicht worden. Dieselbe hat als wesentliche Grundlagen dieselben Bestimmungen, welche schon dem Reichstag in der Session von 1872 Vorgelegen haben. Der Präsident wird sür den Rechnungshof besonders ernannt, ohne Verbindung mit dem Präsidium der Ober-Rechnungskammer. Die Competenz wird nun­mehr sich auch aus Elsaß-Lvchringen erstrecken. Der Justizausschuß deS BundeSraches hat zur Erledigung des Preßgesetzentwurfes fleißig Sitzungen gehalten und wird die Vorlage demnächst an das Plenum, gelangen lassen. Der präjudicielle Einwand wegen der soli dorischen Behandlung mit der deutschen Civilgesetz- gebung ist auch von Süddcutschland aufgegeben wor- de.,, um aus der Sackgasse herauszukommen , in welche dieGermania" sich mit ihrer Verläugnung der Echtheit der publicirten päpstlichen Bulle verrannt hat, nimmt daS Jesuitenblatt jetzt zu sehr subtilen Unterscheidungen und Hinterthüren seine Zuflucht. DaS ängstliche Suchen nach einem Anöweg au6 der Ver­legenheit ist recht ergötzlich. Ausinneren" Gründen, versichert die Caplanzeitung, hätte sie gegen die Echt­heit des veröffentlichten Aktenstücks durchaus Nichts einzuwenden, also der Inhalt ist echtl aber aus äußeren Gründen!" soll heißen, die Thatsachc oder die Form der Veröffentlichung darf nicht anerkannt werden. Dieser Protest ist ganz überflüssig, da Jeder­mann zugiebt, daß die Bulle nicht nnr nicht veröffent­licht, sondern aus guten Gründen geheim gehalten werden sollte. Aus einer Kundgebung derVoce della Berits" geht hervor, daß man im ultramontanen Lager selbst abweichende Meinung über das Verhalten in der

Sache hat;Läugnm oder Nichtläugnen" that is the questionl In Regierungskreisen weiß man, woran man ist, und die heutigeProvinzial Corresp." deutet bereits auch an, was manwill", sie spricht vonEin­vernehmen" mit den weltlichen Mächten zur Sicher­stellung der Lebensentwickelung der deutschen Ration gegen Knechtung und Bevormundung von geistlicher Seite, von Wahrung der Staatsrechte und- Gewissens­freiheit der Staatsbürger, von festem Fortschreiten auf der Bahn der Auseinandersetzung zwischen Staat und Kirche. Es ilt interessant, zu beobachten, wie die Jesuiten »nachlässig bemüht sind, durch eine fort­laufende Kelte von Gewaltmitteln und fein angelegten Plänen die wankende Universalherrschaft der Hierarchie wieder zu befestigen und dadurch nur um so mehr den gefürchteten Fall beschleunigen, invern sie die So­lidarität der Interessen aller weltlichen Mächte zur klaren Erkenntniß bringen.

Der Bundesrath hat ein allgemeines Verbot der österreichischen Ein- und Zwei-Guldenstücke und der niederländischen Guldenstücke beschloffen, sowie dem nächst ein Verbot der österreichischen Viertel-Gulden- stücke für die Annahme in den öffentlichen gaffen zu erlassen. Der österreichische VereinSthaler wird vor­läufig von keinem Verbote betroffen.

Der Gesetzentwurf wegen Errweiterung deS Staatseisenbahnnetzes verlangt, wie erwähnt, eine Be­willigung von 50 600,000 Thlrn. für den genannten Zweck. Die Summe vertheilt sich folgendermaßen auf sechs Linien: 1) Insterburg - Darkehmen - Goldapp Oletzko nach Prostken zum Anschluß an die Russische Bahn 7,650,000 Thlr.; 2) Jablvnowo-Graudenz nach LaSkowitz 5,600,000 Thlr.; 3) von der Station Rokietniea der Stargard Päsener Bahn über Schneide­mühl nach Belgard mit Abweichung über Rummels- burg und von da einerseits über Schlawe nach Rügen­walde und Rügenwalder-Münde, und andererseits über Stolpe nach Stolpe-Münde 18,500,000 Thlr.; 4) von Dittersbach über Neurode nach Glatz (schlesische Gebirgsbahn) 8,000,000 Thlr.; 5) von Kassel über Helsa nach Waldkappel zum Anschluß an die Bahn Berlin Wetzlar 4,500,000 Thlr.; 6) von Dortmund nach Oberheffen resp. Sternrode nebst Zechenzweig­bahnen 6,500,000 Thlr. Die Motive betonen, daß die Vorlage davon ausgegangen, gegenüber den

in früheren Sessionen ausgesprochenen Wünschen der Landesverlretung die für die östlichen Provinzen noth- wcndigsten Bahnen herzustellen. Man habe-aber nicht nur das rein provinzielle Interesse in das Auge ge­faßt, fonbern gewollt, daß die neuen Bahnen sich zu Theilen des großen Verkehrsnetzes gestalten sollten. Dahin ziele die Fortführung der SchienenverbindunH bis an die russische Grenze, wodurch zugleich für bit Bahn Memel -- Insterburg ein Hinterland geschaffen werde. Die Bahn' von Posen nach Stargard schließe die Provinz Posen auf und fei dazu bestimmt, ehr Hinterland für die drei pommerfchen Häfen Solberg; Stolpemünde und Rügenwaldermünde zu schaffen und der Klage entgegenzutreten, daß durch die pommersche Küstenbahn der Verkehr im Innern geschädigt werde. Lei der Bahn von Jablonowo nach LaSkowitz wird der Bau einer festen Brücke über die Weichsel auäge* führt und damit den langjährigen Beschwerden der Stadt Graubenz und anderen Communen der dortigen Gegend wegen des Verkehrs über die Weichsel abge­holfen werden. '<* , ' -

Das officielle Resultat der Berliner Wahlen ist folgendes: Im ersten Wahlkreis stimmten 4927 Wahlberechtigte, davon 3462 für Hagen. Im zweiten Wahlkreis stimmten 7412 Wahlberechtigte, davon 4984 für Klotz. Im dritten Wahlkreis stimmten 7450 Wahlberechtigte, davon 5064 für Hovcrbeck. Im vierten Wahlkreis stimmten 10,456 Wahlberechtigte, davon 6135 für Eberth. Im fünften Wahlkreis stimmten 4821 Wahlberechtigte, davon 3259 für Duncker Im sechsten Wahlkreis stimmten 8135 Wahl- bci echtigte, davon 4028 für Schulze - Delitzsch und 2523 für Hasenelever. Demnach fehlen Schulze 40 Stimmen an der absoluten Majorität, weshalb eine Stichwahl zwischen ihm und Hasenclever erforderlich ist.

DieProvinzial-Eorrespondenz" äußert sich über die wiederholt erwähnten Ergänzungen zu ben Maigesetzen folgendermaßen:Die feinbliche Haltung, welche die römisch-katholischen Bischöfe und die von ihnen abhängige Geistlichkeit der Ausführung der kirchenpolilischen Gesetze vom Mai v. I. gegenüber eingenommen haben, unb welche bereits, dem Erzbi­schof von Posen gegenüber, bis zur Anwendung deS äußersten Mittels, nämlich der Einleitung des Ver­fahrens auf Amtsentsetzung geführt hat, macht eine

AilS dem Leben.

Original-Novelle von Rudolph Müldener. - (Fortsetzung.)

So übte Walden'S ruhige, milde, durch Leiden geklärte, aber auch feste, in sich abgeschloffene Persön lichkeit auf Frau von Hußlar, die im Leben auf fo viel Halbheit unb Zerfahrenheit gestoßen und dabei, trotz des Reichthums ihrer persönlichen Begabung, das innere Gleichgewicht noch nicht gefunden, eine fast magische AnziehungSkrast aus. Walden gegenüber ge langte daS Gefühl ihrer weiblichen Schwäche ihr zum ersten Male zum vollen Bewußtsein; sie fühlte, daß fie, trotz deS Stolzes, mit dem sie sich über Andere erhoben, doch selbst eines HalteS, einer Stütze im Leben bedürfe, unb baß Walden am besten im Stande sei, ihr diese Stütze zu gewähren, und an dieser lieber» zeugung rankte sich ihre Liebe zu ihm empor.

Anfangs hakte Frau von Hußlar ihre aufkeimende Neigung für Walden, als dieselbe ihr zuerst zum Be vußtsein gelangte, nnr alö eine jener flüchtigen Bizarrien belächelt, über welche eS sich kaum der Muhe verlohne, sich selbst Rechenschaft z» geben. Bald aber fühlte sie diese Neigung von Tag zu Tag in ihrem Herzen fester Wurzel schlagen, bi» sie, die stolze Aristokratin, sich zuletzt erröthend selbst gestand, daß sie bereit sei, sich Walden mit Hinwegsetzung über alle äußeren Rücksichten und was sind auch äußere Nücksichten gegenüber dem warmen Hauche einet wahren und tiefen Liebe? ganz und für immer hinzugeben, falls derselbe eine solche Hingabe einst von ihr fordern sollte. Nun ist die Liebe, weil die Bestimmung, auch die Tugend deS Weibes. Wir wiffen auS Frau von Hußlar'S Bekenntnissen, daß sie bereits geliebt, bevor sie Walden kannte, und daß die bei dieser Ge legenheik ersahrene Täuschung bije Liebe in Verach­

tung umgeroanbtlt, sie selbst mit Bitterkeit erfüllt unb endlich eine hochmüthige Verachtung der Menschen in ihr geweckt, die ihrerseits wieder ihre ganze Natur zu einem kalten Egoismus verknöchern mußte. Ihre Liebe zu Walden hingegen läuterte sie von ben Verirrungen, denen sie anheimgefallen, schmolz die Schlacken, welche Vorurtheil, Erziehung und ein nur frivolen Zerstreu ungen geweihtes Leben ihrem Wesen beigemischt, unb bewirkte in ihr bei der vorzugsweise reproduktiven Natur des Weibes übrigens nicht gerade allzu seltene Paiingeneste, eine geistige Wiedergeburt hob sie sittlich höher und gab ihr namentlich in ihren Beziehungen $u Walden, dem Gegenstände dieser Liebe, ihre ganze lugendliche Zartheit zurück.

Ihr Bekenntniß an Waldert war die erste Frucht dieser Liebe; dasselbe war ein Act der Selbstverleug nitng, wie dessen nur ein liebendes Weib, gegenüber dem Geliebten, fähig sein kann. Ihre Liebe zu Wal­den leuchtete aus jeder Zeile dieses Brieses hervor, nur Walden hatte dies nicht erkannt. Die Absicht, auf ein weibliches Herz Eindruck zu machen, tag ihm persönlich zu fern, als daß der Gedanke ihm hätte kommen mögen, er könne dies ohne feine Absicht ge» than haben. ~ ;;; _ - V? -----

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Seit der Abreise der Fra« von Hußlar mochten sechs Monate verfloffen sein, ohne daß im äußeren Leben des Doctors irgend eine Veränderung Borge gangen. Walden lebte nach wie vor feinem Berufe und seinen Studien, mikroscopischen Untersuchungen, die er mit besonderer Vorliebe trieb. Doch gab er jetzt, die Wahrheit zu sagen, sich letzteren mit minder großem Eifer hin, als früher. Walden hatte der Arbeit, der angestrengten Arbeit bedurft, um das bittere

Gefühl einer von dem Weibe, welches er so heiß ge» liebt, erfahrenen Täuschung zu überwinden, unb später, als bie Zeit feinen Schmerz gemildert, war rastlose Thätigkeit ihm zur Gewohnheit geworden Jetzt aber, va das Gefühl erfahrener Täuschung durch Frau von Hußlar's Enthüllungen von ihm genommen, brachte er manche, sonst der Arbeit geweihte Stunde bamit zu, sich bie Bilder der Vergangenheit in da» Gedächt- niß zurückzurufen. Jedes Schwelgen in wehmüihigen Rückerinnerungen aber, jede Trauer um ein verlogenes Glück lähmt den Ehrgeiz, die Thatkraft; Energie und Thatkrast sind in hohem Grade nur den Personen eigen, deren Blicks vorzugsweise auf die Zukunft ge­richtet ist.

Eines Tages empfing Walden ein mit dem Dienste siegel der höchsten Medicinalbehörde des Landes ver- f.henes Schreiben, worin man ihm angeigte, daß et zum Kreisphysicus ernannt worden sei unb sich binnen spätestens vier Wochen nach Bernau, (einem* neuen Bestimmungsorte, zu begeben habe.

Diese Nachricht berührte Walven fast wie ein Blitzt strahl auS heilerem Himmel. Er war nicht eitel genug, um nach Titeln und rein äußerlichen Auszeichnungen zu dürsten, und halte fein Motiv, ehrgeizig zu sein. Warum hätte er auch ehrgeizige Wünsche hegen sollen? Er besaß ein seinen Wünschen und Bedürfniffen ent« sprechendes Einkommen, konnte mithin die mit seiner neuen Stellung voraussichtlich verbundene Mehrein­nahme entbehren, unv hoffte nichts von der Zukunft, wenigstens nichts, was die Gegenwart ihm bereits zur Genüge bot.

Ja, wenn er verheirathet gewesen, Kinder gehabt, so würbe es vielleicht anders gewesen sein, denn viele Menschen sind ehrgeizig nicht für sich, sondern für Andere. Aber Walden stand allein m der Welt, hatte